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geschriebene oder auf Schicksalstafeln aufgezeichnete Offenbarung. Nach den oben geschilderten Theorien von der Weltentstehung und der Art der göttlichen Offenbarungsstätten ist eine doppelte Vorstellung möglich: die göttliche Weisheit steigt aus dem Ozean empor ?, oder die Erkenntnis des Willens Gottes kommt aus dem Gestirnlauf. Die erste Theorie entspricht der Urwelt, die andere dem gegenwärtigen Welt-Äon .

a) Die aus dem Ozean emporsteigende Weisheit 3.

Als Ea den Urmenschen schuf (Adapa, der Atrahâsis ,,Erzgescheiter“ heißt und zer amelûti ,,Same der Menschheit"), gab er ihm ,,göttliche Vollmacht, einen weiten Sinn, zu offenbaren die Gestaltungen des Landes, verlieh ihm Weisheit“. Ein babylonischer Text 4 redet vom šipru (Buch! -50) des Gottes Ea, dessen Beobachtung insbesondere dem Könige obliegt. Ea ist nach II R 58 „Gott der Weisheit, der Töpfer, der Schmiede, der Sänger, der Kalû-Priester, der Schiffer, der Juweliere . der Steinmetzen, der Metallarbeiter."

Die Sage von Oannes ó kann in diesem Zusammenhange erst gewürdigt werden. Man beachte dabei, daß z. B. nach dem Schlusse des Weltschöpfungsepos die ursprüngliche Weisheit, die auf Marduk übertragen wird, diesem Ea zukommt, ferner, daß das priesterliche Wissen, das die Götter in der Heroensage Enmeduranki zuschreiben, ursprünglich Ea zukommt, wie ja in den Ritualtafeln „das Geheimnis Eas“, auch gelegentlich das Wort aus dem Ozean“, dem Wohnsitz Eas,

11 Vgl. Spr 8: „Als die Urfluten noch nicht waren, wurde ich (die Weisheit) geboren als er dem Meer seine Schranke setzte, als er die Grundfeste der Erde feststellte, da war ich ihm als Werkmeisterin zur Seite.“

2) Beides ist natürlich im Grunde identisch. Man beachte, daß Oannes-Ea den Menschen die „Zahlen“ überließ; Mathematik ist die Grundlage der Astraltheosophie, s. S. 56 ff.

3) Auch in der chinesischen Mythologie bezeugt: Zur Zeit des mythischen Kaisers Fuk-Hi (Anfang des 3. vorchr. Jahrtausends, kam aus den Wassern des Flusses Meng-ho oder Hoang-ho ein Ungeheuer mit Pferdekörper und Drachenkopf, dessen Rücken eine mit Schriftzeichen versehene Tafel trug, auf Grund welcher die Schristcharaktere, die Kreise der acht mystischen Diagramme und durch sie die Schrift erfunden sein soll. Auch Indien kennt die Oannes-Gestalt: Bei der Sintflut erscheint der warnende Gott in Gestalt eines Fisches.

*, IVR 48!= CT XV, 50) vgl. V R 51, 300. Vgl. meine Monographie Oannes in Roschers Lexikon der Mythologie III, 590 f.

5) In Verbindung mit Ea von mir in Roschers Lexikon der Mythologie III, Sp. 577 ff. (Art. (annes), dann von Zimmern KAT 3 S. 535f., zuletzt von Hrozný, MVAG 1903, 94 ff. besprochen.

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eine Rolle spielt! Oannes berichtet in seiner „chaldäischen Archäologie“: „In Babylon hätten sich eine große Menge stammverschiedener Menschen, welche Chaldäa bevölkerten, zusammengefunden, die ordnungslos wie die Tiere lebten. Im ersten Jahre (nach der Schöpfung) sei aus dem erythräischen Meere, dort wo Bal onien grenzt, ein vernunftbegabtes Wesen mit Namen Oannes erschienen; es hatte einen vollständigen Fischleib, unter dem Fischkopf aber war ein andrer, menschlicher Kopf hervorgewachsen; sodann Menschenfüße, die aus seinem Schwanze hervorgewachsen waren, und eine menschliche Stimme. Sein Bild wird bis jetzt aufbewahrt. Dieses Wesen, so sagt er, verkehrte den Tag über mit den Menschen, ohne Speise zu sich zu nehmen, und überlieferte ihnen die Kenntnis der Schriftzeichen und Wissenschaften quaimuárov) und mannigfache Künste, lehrte sie, wie man Städte bevölkert und Tempel errichtet, wie man Gesetze einführt und das Land vermißt, zeigte ihnen das Säen und Einernten der Früchte, überhaupt alles, was zur Befriedigung der täglichen Lebensbedürfnisse (mmėgoois) gehört. Seit jener Zeit habe man nichts anderes darüber Hinausgehendes erfunden. Mit Sonnenuntergang sci dieses Wesen Oannes wieder in das Meer hinabgetaucht und habe die Nächte in der See verbracht, denn es sei amphibienartig gewesen. Später scien auch noch andere dem ähnliche Wesen erschienen (ebenfalls aus dem erythräischen Meer, wie Syncellus in einem anderen Berichte hinzufügt), über die er in der Geschichte über die Könige berichten will. Oannes aber habe über Entstehung und Staatenbildung ein Buch (hóyos) geschrieben, das er den Menschen übergab.“ Helladius (bei Photius, s. Migne, Patrologia graeca Bd. 103) berichtet: „Ein Mann, namens 'Qvis, der einen Fischleib, jedoch Kopf und Füße und Arme eines Menschen hatte, sei aus dem Erythräischen Meere aufgetaucht und habe Sternkunde und Literatur gelehrt.“ Hyginus (Fabulae ed. Schmidt, Jena 1872, fab. 274) sagt: „Euadnes, der in Chaldäa aus dem Meere gekommen sein soll, hat die Astrologie gelehrt.“ Zu Ea-Oannes s. S. 95 ff. und Abb. 10).

b) Die Schrift des Himmels und die Tafeln der

Geschicke.
In der gegenwärtigen Welt ist das göttliche Wissen in der
gestirnten Welt gleichsam kodifiziert. Die Sterne heißen im
Babylonischen šitir šamé, šitirtu šamé ,,Schrift des Himmels" 2.

1) IV R21, 1 A, 41 a; cf. auch KAT 3 628, Anm. 2 (zu IV R 23, Nr. 1, col. 1, 6); ferner noch IV R 29, 40 f. a.

2) Die gleiche Vorstellung findet sich Hi 38, 33: „Kennst du den mišțar des Himmels?"; das Parallelglied sagt nach dem Grundsatz, daß das Irdische Abbild des Himmlischen ist: ,,Oder kannst du ihn auf die Erde malen?“ Darum entspricht die Menschenschrift der Himmelsschrift, Hieroglyphen und Alphabet sind der gestirnten Welt entnommen (s. Hommel, Geogr. u. Gesch. S. 96 ff. und Winckler F. III, 195ff.). Das gleiche Grundgesetz bezeugt für Arabien Koran, Sure 45, 1—- 4: „Die Offenbarung des Buches ist von Gott, denn im Himmel und auf der Erde sind die Zeichen für die Gläubigen. Auch in eurer Beschaffenheit und in allem,

Insbesondere sind die Wandelgestirne am Tierkreis in ihren Konstellationen die Offenbarer des göttlichen Willens, deshalb heißt der siebenstufige Turm von Borsippa, der wie alle Stufentürme die Planetenbahnen vorstellt, E-ur-imin-an-ki, „Tempel der sieben Befehlsübermittler Himmels und der Erde“1. Der Tierkreis ist das Buch der Offenbarung Gottes, die Erscheinungen des Fixsternhimmels sind gewissermaßen der an den Rand geschriebene Kommentar 2.

So erscheint uns die Religion Babyloniens wesentlich als Astralreligion. Die Vervielfältigung des Ideogramms für „Gott“ * ergibt das Ideogramm für „Stern“3. Die Göttersymbole sind die gleichen, die uns als Sternbilder-Symbole erscheinen. Das Volk betet die Sterne an, die Meinung ist jedoch die, daß sich die eine göttliche Macht in den Stellungen der Gestirne offenbart. Der Lokalkult einer Astral - Gottheit wird damit begründet, daß der entsprechende Kultort irgendwie als dem kosmischen Orte entsprechend gedacht wird, an dem das betreffende Gestirn die göttliche Macht offenbart. Man muß sich vorstellen, daß

was es überall gibt von Tieren. Und im Wechsel von Tag und Nacht, und in dem, was Gott vom Himmel schickt an Nahrung und womit er die Erde nach ihrem Tode belebt und auch den Umschlag der Winde.“ Dazu vgl. Sure 16, 16: „.... denn durch die Sterne werden sie geleitet.“ (Winckler MVAG 1901, 360). Aus der jüdischen Literatur sei zitiert Moed katon 28 a: „Langes Leben, Kinder und Nahrung hängt nicht vom Verdienst, sondern von den Gestirnen ab.“

"} Es ist merkwürdig: die Beobachtung des Laufes der Planeten hat die altorientalische Weltanschauung geschaffen; die erneute Beobachtung der Planetenbahn durch Kopernikus hat die moderne Weltanschauung begründet.

2 Die Fixsterne und Fixsternbilder kommentieren die mit den Planeten am Tierkreis zusammenhängenden Mythen. So entsprechen Kastor und Pollux, sodann Lanzen- und Bogenstern (großer und kleiner Hund) den Zwillingen (Lanze Mondmotiv, Bogen Sonnenmotiv, z. B. bei Saul und Jonathan, Cyrus und Kambyses, Ajax und Teukros!, Auf- und Untergang des Orion entsprechen dem Tammuz-Mythus, die Orion-Motive entsprechen insbesondere den Motiven des Frühlingsmythus, die sieben Plejaden, die nach vierzigtägigem Verschwinden mit dem Stier aufgehen, illustrieren den Mythus vom besiegten Winter bei Sonnenrechnung, ebenso die fünf Hyaden bei Mondrechnung. Diese Dinge können hier nur angedeutet werden. Die Beziehungen des Fixsternhimmels hat Ed. Stucken betont. Andrerseits ist es der Fehler der Arbeiten Stuckens, daß die Fixstern-Beziehungen einseitig und ohne Zusammenhang mit den Planeten herangezogen worden sind.

3) Das Gottesdeterminativ * selbst ist vielleicht ein Abbild des Nordpols des Himmels, der als Sitz des summus deus göttliche Verehrung genoß und der von ihm ausgehenden Himmelsrichtungen; zu dieser Vermutung H. Zimmerns s. meine Monotheist. Strömungen S. 19.

jeder Kultort die gesamte Lehre kennt. Der Lokalgott gilt in seinem Gebiet als summus deus, als Repräsentant der gesamten in der gestirnten Welt offenbarten göttlichen Macht.

Urkundliche Belege für die Lehre von der Offen

barung der Geschicke. 1. Die Ominał, insbesondere das astrologische Werk ,,Als der Gott Bel", das auf die älteste babylonische Zeit zurückgeht.

2. Die Annalen der ältesten uns bekannten nordbabylonischen Könige Sargon und Naramsin, die uns in Form von Omina überliefert sind. Bei jedem Ereignis ist die Erscheinung am gestirnten Himmel angegeben, unter der die betreffende Tat ausgeführt wurde.

3. Die Bezeichnung der Planeten als „Befehlsübermittler Himmels und der Erde“ und als „Dolmetscher“ und „Ratgeber" s. S. 9. 11. 17. 45.

4. Berosus (Marduk-Priester um 275 v. Chr.), ,,der den Bel interpretiert hat", sagt, das alles durch den Lauf der Gestirne geschehe (Seneca), s. S. 63 f.

5. Die tupšímåte: ,,Tafeln der Schicksale"?, die das ,,Gewölbe" (pulukku) 3 von Himmel und Erde festsetzen und auf denen ,, Befehle der Götter", ,,das Leben der Menschen“ geschrieben sind. Nebo trägt sie, „der Schreiber des Alls", auch Bel, „der Vater der Götter" als Herr des Tierkreises. In den Mythen vom Kampf gegen den Drachen und von der Welterneuerung erhält sie der Sieger und Demiurg als Lohn. Im Epos vom Kampfe Marduks besaß sie Kingu, der Partner Tiâmats nach der Fesselung Mummus; Tiâmat übergibt sie ihm mit den Worten: „Dein Befehl werde nicht geändert, fest stehe der Ausspruch deines Mundes“. Mit dem Besitz der Tafeln ist das Recht der Schicksalsbestimmung (šîmâta šâmu) verbunden. Die Schicksalstafeln stellen eine konkrete Ausprägung für die Offenbarung aus dem Crozean, dem Sitz der Weisheit, bez. von der Offenbarung aus der gestirnten Welt

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1) Text veröffentlicht von Craig, Astrological Texts XIII (nicht allenthalben zuverlässig).

2) Als Singular zu fassen? Nach Analogie der biblischen Gesetztafeln könnte man geneigt sein, an zwei Tafeln zu denken. Aber auch sieben Tafeln sind denkbar, vgl. das Buch mit sieben versiegelten Abteilungen Apk 5 (s. mein Babylonisches im N. T. S. 17) und die sieben Tafeln in den Dionysiaca des Nonnus, deren jede den Namen eines der sieben Planeten trägt.

3, I R 51, Nr. 1, 24b und V R 66, 14 ff. b (Antiochos Soter. Jensen, Kosm. 162 (vgl. aber 505f.) „Kreis“, Zimmern „Grenzkreis“ --Das Wort ist im Arabischen als astronomischer Terminus für „Globus“ erhalten.

dar. Die Tafeln sind die Weltteile, die Gestirne und Konstellationen bilden die Schrift.

6. Die Sage von Enmeduranki?, dem siebenten Urkönig, dem gleich andern Urkönigen für die Heroenzeit dieselbe Offenbarungsweisheit zugesprochen wird, die ursprünglich nur den Göttern zukommt?: „Dem Enmeduranki, dem König von Sippar, dem Liebling des Anu, Bel und Ea .... haben Šamaš und Adad das Geheimnis Anus, Bels und Eas, die Tafel der Götter, die takaltu (,,Schreibtafel“?) des Geheimnisses von Himmel (und Erde), den Zedernstab, den Liebling der großen Götter, in die Hand gegeben. Er selbst aber, als er solches em[pfangen (?) hatte, lehrte (?) es seinem] Sohn“. Für die Richtigkeit dieser Ergänzung spricht der Schluß des Weltschöpfungsepos: „die fünfzig (Ehren)namen (des Marduk, der die Schicksalstafeln bekommen hat) sollen bewahrt werden, und der „Erste“ soll sie lehren, der Weise und Gelehrte sollen sie miteinander überdenken, es soll sie überliefern der Vater, sie seinem Sohn lehren, dem Hirten und Hüter (2) das Ohr öffnen".

7. Berosus, der von einer mehrfachen Offenbarung der göttlichen Weisheit in verschiedenen Weltzeitaltern weiß, erzählt in seinem babylonischen Sintflutbericht, Kronos habe dem Xisuthros geboten, mit Schriftzeichen alle Dinge nach Anfang, Mitte und Ende einzugraben (der babylonische Priester Berosus kann nur an Keilschrifttafeln denken) und in Sippar zu deponieren. Nach der Sintflut scien seine Kinder und Angehörigen nach Babylon gegangen, hätten die Schriften aus Sippar entnommen und auf Befehl des Xisuthros unter den Menschen verbreitet. Es kann kaum zweifelhaft erscheinen, daß im Sinne des Sagenkreises zu diesen Schriften die Tafeln des Urkönigs Xisuthros wie die des Urkönigs Enmeduranki gehörten".

8. Indirekt gehören hierher: Die Tafel, auf der die Gebote über Opfer, Gebet, Freundschaft niedergeschrieben sind ; die „Tafel der guten Werke“, in die nach IV R 11, 18 Einträge gemacht werden; die

1) Text und Übersetzung bei H. Zimmern, Beiträge zur Kenntnis der babyl. Religion S. 116 ff., vgl. KAT 3 537f.

2) Die gleiche Grundanschauung im Zend Avesta (d. h. „Überlieferung des Wissens“!). Nach Vendidâd VI war Yima erkoren, die himmlische Wahrheit auf Erden zu wahren. Die eigentliche Lehre sei dann Zarathustra vorbehalten gewesen (man beachte, daß Yima im Avesta auch König der Toten ist, wie Nebo, Hermes etc., s. folgende Anmerkung). Die Religion Zarathustras ist aus der Gestirnreligion erwachsen (Magier!), wie schon der erste Hymnus im Opferbuch Yasna verrät: „Ich opfere den Sternen, den Gestirnen des hl. Geistes, dem Tištrya (Sirius), dem Mond, der den Samen des Stieres besitzt, der strahlenden Sonne mit eilenden Rossen, dem Auge des Ormuzd etc."

3) Enmeduranki entspricht Ea der Urwelt, bez. Nebo, dem Verkünder des göttlichen Willens in der Astrallehre (ägyptisch Anubis, Lehrer, Prophet und heiliger Schreiber, Dolmetscher der Götter, Begründer des Kultus; phönizisch nach Sanchuniathon Taut als Dolmetscher des Himmels, griechisch Hermes als Erfinder der Astronomie und Schreibkunst etc.).

4) K 3364 CT XIII, 291.

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