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Sanherib 705—681 v. Chr. König von Assyrien und Babylonien. Auf einem Stierkoloß findet sich diese Inschrift:

„Die Göttin, die Herrin der Götter, die Herrin der Leibesfrucht, hat mich im Schoße der Mutter, meiner Gebärerin, sorglich bereitet.“

Von seinen Kriegstaten gibt der sog. Taylorcylinder, ein fechsseitiges Tonprisma, bis 690 v. Chr. Nachricht.

Alsbald nach seiner Thronbesteigung unternahm der Großkönig einen Feldzug gegen Merodachbaladan, der sich, wie sein Vorgänger auch getan, mit Elam verbündet hatte. Auch an Hiskija von Juda 1) und andre syrische und phönikische Machthaber schickte er Gesandtschaften, um weitere Verbündete zu gewinnen. Eine Inschrift berichtet darüber :

„Am Anfang meiner Herrschaft geschah es, daß ich Merodachbaladan, dem König von Kardunias, samt den Truppen Elams angesichts der Stadt Kis eine Niederlage beibrachte. Inmitten des Kampfes ließ jener sein Gepäck im Stich und floh allein. Er rettete sich in das Land Guzumman, trat in Sümpfe und Schilfrohr und brachte so sein Leben in Sicherheit. Die Wagen, is funibi, Rosse, Maultiere, Esel, Kamele und Dromedare, die er auf dem Schlachtfeld gelassen hatte, erbeuteten meine Hände. Seinen Palast in Babel betrat ich voller freude und öffnete seine Schatzkammern. Gold, Silber .. kostbare Steine aller Urt ... reiche Schätze, seine Palastfrauen, seine Großen, die mansaspani .... bestimmte ich zur Sklaverei. Meine Krieger fandte ich hinter ihm her in das Land Guzumman mitten in die Sümpfe und Moräste. 5 Tage vergingen, von ihm ward keine Spur gesehn. In der Kraft Aurs, meines Herrn, nahm ich_89 befestigte Städte und Burgen Chaldäas sowie 820 kleinere Städte in ihrem Gebiet und führte ihre Gefangenen fort. Darauf kehrte ich um und nahm den Weg nach dem Land Bitjakin. Jener Merodachbaladan, dem ich bei meinem ersten Kriegszug eine Niederlage beigebracht, deffen Truppenmacht ich zerschmettert hatte, schaute den Unprall meiner gewaltigen Waffen und den Stoß meiner mächtigen Schlachtordnung. Die Schutzgötter seines Landes brachte er in ihren Schreinen zusammen, lud sie auf Schiffe und machte sich gleich einem Vogel auf und davon nach der Stadt Nagitirafli

, die mitten im Meere liegt. Seine Brüder ... die er am Ufer des Meeres zurückgelassen hatte, samt den übrigen Bewohnern seines Landes, führte ich aus dem Land Bitjakin mitten aus den Sümpfen und Schilfrohr fort und machte sie zu Gefangenen. Seine Städte zerstörte ich... und verwandelte sie in Ackerland. Seinem Bundes. genoffen, dem Elamiten, flößte ich furcht ein.“

Genauer berichtet eine andre Inschrift über die Teilnahme der Elamiter an der Schlacht bei Kis:

„Chambanudasa, der Oberbefehlshaber des Königs von Elam, war ein umsichtiger Feldherr, der seine Truppen und ihe Unführer leitete. Sie trugen goldne Dolche in ihrem Gürtel und goldne Ringe an ihren Händen; aber Sanherib ver. nichtete sie wie fette Stiere, die in Ketten gelegt sind, schnitt ihre Hälse wie die von Lämmern ab. Das Blut floß wie eine dichte Regenflut und breitete sich über das weite Blachfeld aus. Mit den Leichnamen füllte sich das feld, aber der König schnitt den Gefallenen die Hoden ab und riß ihnen das männliche Glied aus, schnitt ihnen die Hände ab, die Ringe von Gold und Silber zu erlangen und nahm ihre filbernen und golden Gürteldolche ab. Den Nabusumistun, den Sohn Merodach. baladans, ergriff Sanherib mit eigner hand, während die andern Könige flohen.“

1) 2. Kön. 20, 12.

Diese Schlacht geschah nach des Siegers Bericht bei Kis in der Nähe von Babel. Die Handlungen des Siegers zeigen sehr deutlich, wie mit äußerlicher Kultur und literarischer Bildung doch unmenschliche Grausamkeit, wilder Blutdurst

, finsterer Aberglaube und gemeine habsucht unter einem Dache wohnen können.

Nach andern Angaben wurden in diesem Feldzug 75 große und 420 kleinere Ortschaften Babyloniens erobert und größtenteils zerstört. Nebenbei wurden auch die nomadisierenden Aramäer gestraff und aus ihrem Cand_208 000 Gefangene, Pferde, Ochsen, Kamele und Schafe shier ohne Zahl nach Affyrien gebracht.

Der Statthalterposten von Babylonien wurde dem in Assyrien erzogenen Bilibni oder Belibus anvertraut, 704–700 v. Chr. Inschriftlich:

„Belibus, den Sohn eines Weisheitskundigen in der Nähe der Stadt Suanna, den man wie einen kleinen Hund in meinem Palast erzogen hatte, bestellte ich über sie zur Beherrschung von Sumer und Akkad...

Derselbe Bilibni und seine Beamten wurden nach drei Jahren nach Assyrien gebracht und damit unschädlich gemacht ").

Ihm folgte Asurnadinsum, „der erleuchtete Sohn des Königs, die frucht seiner Zenden auf dem Thron seiner Herrschaft

. Das weite Land Šumer und Akkad machte ich ihm untertan", 699—693 v. Chr. Ptolemäus nennt ihn Uparanadios oder Ufornadios. Auch dieser verschwand vom Schauplaß der Geschichte plößlich, doch nicht durch seinen Vater ; vielmehr hatte Challusu, der König von Elam, ihn gefangen genommen und legte an seine Stelle den Babylonier Pergaluschizib, während Sanherib nach Piolemäus noch einen Rakibel und Mesesimarduk zu Statthaltern von Babylonien bestellte, die bei Ptolemäus Regebelos und Mesefimordakos heißen; Nergaluschizib aber war nach 172jähriger Regierung in die Gefangenschaft geführt worden.

Nach der Schlacht bei Kis war Merodachbaladan zunächst in die Sümpfe geflohen, dann mit seinem Verbündeten, dem König von Elam, in deffen Land gezogen; aber Sanherib ließ auf dem Tigris, der zu jener Zeit vom Euphrat getrennt seine Wasser dem persischen Meerbusen zuführte, eine flotte bauen, die er mit phönifischen und griechischen Seeleuten bemannte. Sie sollte seine Truppen auf dem Seeweg nach Elam bringen. Ehe sie die Anker lichtete, warf der fromme Großkönig goldne Schiffchen und einen goldnen Fisch in den Ozean, um Ea, den Gott des Meeres, durch diese kostbaren Gaben günstig zu stimmen. Wirklich kamen seine Truppen nach Elam und gewannen den Sieg von Chalụlen, 691 v. Chr.

1) Dergl. Babyl. Chronik d. h. Windler, 3. A. II, S. 154.

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Die Verbündeten wurden besiegt. Der Großkönig läßt darüber berichten:

„Die feinde waren zahlreich wie die Heuschrecten. Mit dem Staub ihrer fiiße verfinsterten sie den Himmel gleich einer schweren Gewitterwolke.“

Wenn man dem assyrischen Bericht glauben darf, so war das Blutbad gräßlich:

„Die Rosse an meinem Streitwagen schwammen in dem massenhaften Blut der feinde gleich dem flußgott."

So läßt der König schreiben, aber auch die Verbündeten schrieben sich den Sieg zu, obwohl der babylonische Heerführer Suzub gefangen war; doch entkam er wieder. Kudurnachunte von Élam aber starb bald in den Bergen, in die er sich geflüchtet hatte; auch Merodachbaladan starb um diese Zeit, und sein Sohn Nabusumiskun oder Samassumiskun, bei Ptolemäus Saosduchinos genannt, verbündete sich mit dem Chaldäer Suzub und mit Ummaninanu, dem Stiefbruder Kudurnachuntes von Elam, dem er mit den Schäßen des geplünderten BelMarduktempels die Augen blendete und das Herz zum Beistand willig machte. Die Prismainschrift erzählt:

Es empörte sich Suzub, und die Einwohner von Babel, die bösen Teufel, verschloffen ihre Staditore. Um Suzub, den Chaidäer, der feinen Stammbaum hatte, den blutgierigen frevler, scharten sie sich und vertrauten ihm die Herrschaft von Sumer und Ukkad an. Er öffnete das Schatzhaus von Bitsaggil “), und sie gaben das Gold und Silber Bels und der Zirbanit an Ummanminanu, den König von Elam, mit den Worten: „Sammle deine Cruppen, biete deine Heeresmacht auf )."

Ein neuer Sieg der Uffyrer brachte Nabusumistun in Gefangenschaft. Es war alles vergebens, der Weg nach Babel stand dem Großkönig offen, und am 1. Kislev 689 wurde mit der Zerstörung Babels, der vielgehaßten Webenbuhlerin, begonnen; und scheint dieses Mal die Zerstörungsarbeit von Grund aus geschehen zu sein. Der Großkönig läßt darüber berichten: „S

und Häuser zerstörte ich vom Grundstein bis zum Dach und verbrannte sie mit feuer. Die Mauer, den Wall, die Tempel und Türme riß ich samt und sonders ein und warf sie in den Kanal Arachtu. Durch die Stadt hin grub ich Gråben und begrub ihre Stätte unter Wasser. Brößer als die Sintflut machte ich ihre Zerstörung 5.“

Auch die Gebeine der Könige von Babel wurden aus ihren Gräbern geraubt und in die Flammen geworfen, ein Beweis der afsyrischen Barbarei

, zugleich auch ein Beweis für die Sitte der Babylonier, die Leichname ihrer Könige in der Erde beizuseßen.

Eine unermeßliche Beute fiel in des Siegers Hände, obgleich die Tempelschäße Bel-Marduks schon einmal geplündert waren, wie wir oben vernahmen. Man führte aus der Stadt den harem des Königs, die Kämmerer, alles Hofgesinde und viele Einwohner. Zu verwundern bleibt, daß bei der oben geschilderten gründlichen Zerstörung der Stadt sich noch Weihgeschenke und zahllose Tonschriften erhalten haben. Gewiß hatten die Magier ihre sichern Kammern, geheime Verstecke, wohin fein feind, kein Wasser noch feuer dringen konnte.

1) Sonst Efagila. 2) K. B. II, b, 105. 3) Nach fr. Delitzsch.

Ein folgender Feldzug des Großkönigs richtete sich gegen die Kilikier und Kassiter, andere Züge gegen Syrien und Phönikien, gegen Aegypten und Arabien. Uus Árabien wurden Götterbilder geraubt, die sich später hafael, König von Arabien, von Afarhaddon zurückerbat und auch zurückerhielt, nachdem sie mit assyrischem Stempel ver: sehn und also geeicht waren. In Kilikien foll Sanherib damals die Stadt Tarsus gegründet haben.

Als nun Nabusumiskun in der Gefangenschaft saß und ein zweiter Sohn Merodachbaladans vor den assyrischen Truppen „wie ein fuchs" nach Elam floh, ging ein dritter Sohn Waidmarduf nach Ninive und erkannte den Sohn Sanheribs als Herrn an. Der sekte ihn zum Vizekönig des Meerlandes ein.

Ueber den dritten Feldzug, den Sanherib 701 v. Chr. in das Land Khatti, d. i. Syrien und Palästina, Phönikien und Philistäa unternahm, läßt der Großkönig auf einem sechsseitigen Toncylinder und auf den Stierbildern zu Kujundschik berichten: „Den Luli, König der Stadt Sidunnu, überwältigte die furcht vor der Maje

. ftät meiner Herrschaft, und er floh von Tyrus nach Natnana, das mitten im Meer liegt, und ich unterwarf sein Land. Das große Sidunnu, das kleine Sidunnu, Bitzitti, Sareptu, Machaliba, Ufu, Afzibi, užku, starke Städte, festungen, wo Speise und Trank war, seine Burgen ... der Schrecken der Waffen Äfurs, meines Herrn, ergriff sie, und sie unterwarfen sich meinen Füßen. Tubalu setzte ich auf den Chron der Herrschaft über sie und die Steuern und den Tribut meiner Herrschaft legte ich ihnen auf, jährlich ohne Fehl zu zahlen."

Diese Inschrift redet von Eluläus von Sidon und seinem Nachfolger Ethobaal, von den Städten Ozah, Ahlib, Akko.

Im Jahr 200 unternahm Sanherib einen Raubzug in die Landchaft Mipur an der Grenze von Kummuch, ein Gebirgsland, von dem der König berichten läßt:

„Die Mannen der Städte, deren Wohnsitz wie das Rest des Adlers, des Königs der Vögel, auf der Spitze des unzugänglichen Gebirges Nipur gelegen war, hatten sich meinem Joch nicht unterworfen. Um fuß des Gebirges ließ ich mein {ager aufschlagen. Mit meinem erlesenen fußvolt und schonungslosem Kriegsheer zog ich gegen sie los wie ein mächtiger Wildochfe. Die Gebirgsschluchten, die

Sturzbäche und steile Bergwände legte ich auf dem Sessel sitzend zurück. Das Gebirg, das für den Sessel zu schwierig war, erklomm ich zu fuß. Wie ein armu ") stieg ich auf die hochragenden Spitzen. Wo meine Kniee eine Ruhebank fanden, ließ ich mich auf das felsgestein nieder. Kaltes Schlauchwasser trant ich gegen meinen Durst. 2uf die Bergspitzen verfolgte ich sie und bereitete ihnen eine Niederlage.“

1) Wahrscheinlich ist die Gemse gemeint.

Eine andre Inschrift berichtet von den Ereignissen im Khattiland:

„Minhimmi von der Stadt Samsimuruma), Tabaalu von der Stadt der Sidunna, Abdiliti von der Stadt der Urudaa, Urumilki von der Stadt Gublaa, Mitinti von der Stadt der Asdudaa, Buduilu, von der Stadt der Bitammanaa Kammusanabdi von dem Land der Moabaa, Malikrammu von dem Land der Udumanaa, alle Könige von dem Land Umoria brachten ihre wertvollen Geschenke als Gaben vor mein Ungesicht und Füßten meine füße. Und Sidka, König der Stadt Iskalluna, der meinem Joche nicht unterworfen war die Götter vom Hause seines Vaters, ihn selbst, sein Weib, seine Söhne, seine Töchter, seine Brüder, den Samen von seines Vaters Haus führte ich fort nach Uffur. Den Sarruladari 3), den Sohn des Rubiktu, ihres früheren Königs, sette ir über das Volt des Landes Isfalluna und legte ihm die Zahlung des Tributes als Preis für meine Oberhoheit auf; und er trug mein Joch. Im Laufe meines feldzuges belagerte ich die Stadt Bitdagana, Nappu, Banaabarka, Uzuru °), Städte von Sidha, die sich später meinem Joche unterworfen, nahm sie ein und führte ihre Beute fort."

„Die Obersten), die fürsten und das Volk der Stadt Umfarruna, die ihren König Dadi, der dem Eid und Vertrag mit dem Land Asfur treu war, mit eisernen Ketten gebunden und dem Hazikiau vom Land Naudaa überaeben hatten, handelten im geheimen feindlich und fürchteten sich in ihrem Herzen. Die Könige des Landes Musra") versammelten um sich die Krieger des Bogens, die Wagen und Pferde des Königs vom Land Milluhi, eine zahllose Streitmacht, und famen ihnen zu Hilfe. Mir gegenüber im Ungesicht von Altafu mard, ihre Schlachtlinie aufgestellt, sie griffen zu ihren Waffen. Im Vertrauen auf Plur, meinen Herrn, ftritt ich mit ihnen und schlug sie. Die Obersten der Wagen des Körigs vom Land Milluhi fingen meine Hände lebendig inmitten der Stadt. Dae Stadt Ultaku), die Stadt Tamna belagerte ich, nahm sie ein und führte ihre Beute fort. Dann nahte ich mich der Stadt Umkarruna, und die Obersten und fürften, die an dem Unrecht schuld waren, tötete ich und hing ihre Leichname an Pfählen um die Stadt herum. Die Bewohner der Stadt, die das Verbrechen begangen hatten, rechnete ich als Beute; die übrigen, die keine Sünde und Miffetat begangen hatten, befahl ich frei. zugeben. Jd ließ Padi, ihren ursprünglichen König, aus Ursalimmu Pommen und den Thron der Herrschaft über sie einnehmen; und den Tribet meiner Oberhoheit legte ich ihnen auf.

„Hazikiau vom Land der Naudaa hatte sich nicht meinem Joch unterworfen; 46 seiner starken Städte, die festungen und kleinen Städte um sie herum, die un. zählig waren, belagerte ich. Durch Sturmböcke, Belagerungstürme, Ungriffe des fußvolks, Breschen, Gräben und Erdwälle nahm ich sie ein. 208 150 Menschen, große und kleine, Männer und Weiber, Pferde, Maultiere. Esel, Kamele, Ochsen und Schafe ohne Zahl ließ ich aus ihnen herausbringen und nahm sie zur Beute. Ihn selbst schloß ich wie einen Vogel im Käfig in Uríalimmu, der Stadt seiner Herrschaft

, ein. Schreckschanzen warf ich gegen ihn auf, und den Ausgang aus dem großen Tor der Stadt bedeckte ich völlig."

Der lekte Sak wird auch anders überfekt: „Jeden, der aus dem Stadttor herauskam, nahm ich in Strafe“, oder: „Jeden, der aus dem Stadttor herauskam, ließ ich zurückwandern."

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