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ihnen steht, sie alle an Höhe überragt und an der Spitze einem Thronsessel gleicht. Die Deutung (253) fügt hinzu, daß eben hier der große Herr der Herrlichkeit, der ewige König, wohnt, wenn er herniedersteigt, die Erde zu besuchen zum Guten. Die Siebenzahl der Berge begreift sich nur aus der Summe der Planeten, unter denen die Sonne der größte ist. Die Sterne werden als Berge vorgestellt, wie I Hen. 18 13 bestätigt: Daselbst sah ich sieben Sterne wie große brennende Berge. Kurz vorher (186ff.) wird wieder ein Tag und Nacht brennender Strafort beschrieben da, wo die sieben Berge aus Edelstein sind, drei nach Osten und drei nach Süden, und mitten zwischen ihnen einer, der bis in den Himmel reicht, dem Throne Gottes gleich.

Drei Vorstellungen laufen an den besprochenen Stellen der Henochapokalypse teils neben einander teils durcheinander. Überall gelten die Sterne als Berge, bald strahlen sie wie Edelsteine, bald glänzen sie wie Metall, bald brennen sie wie Feuer1.

1. Bei Völkern, deren Gesichtshorizont von hohen, unzugänglichen Gebirgen begrenzt ist, kann der Glaube sich bilden, eben diese Berge seien Wohnorte für die Götter. Berge, die von niemandem erstiegen sind, die, von der Ebene aus gesehen, in den Himmel zu ragen scheinen, eignen sich wohl, auf ihnen das Land der Götter zu suchen. Das gilt für die Religion jedes Volkes, dessen Lage durch hohe Berge bestimmt ist.

In der Planetenreligion wird derselbe Gedanke etwas rariiert. Die Sonne geht des Abends in den Bergen zur Ruhe, erhebt sich des Morgens von ihrem Lager in den Bergen, dort in den Bergen ist sie zu Hause. Diese Sonnenberge müssen natürlich funkeln und glitzern vom vielfarbigen Licht der Bewohnerin, und die dichterische Phantasie hat hier einen weiten Spielraum, sich zu betätigen. Sie kann ausmalen, wie zwischen oder auf diesen Bergen ein märchenhafter Palast sich befindet, in dem die Sonnengottheit weilt, mit goldstrotzenden, silberbeschlagenen Toren u. 8. w. Sie kann erzählen von den wunderbaren Thronen, auf denen die Sterngötter sitzen, wie auch nach II Hen. 482 die Sonne zwei große Throne hat, wo sie ausruht, zurückkehrend hierhin und dorthin, über den Thronen des Mondes. Im Laufe der Zeit verblaßt die ursprünglich lebendige und konkrete Anschauung und das Streben nach Schematisierung macht sich geltend. Auf dieser Stufe steht die Henochapokalypse. Die Planeten, die zunächst in den Bergen wohnen, sind hier zu Bergen selbst geworden, wie nach ALEXANDER V. HUMBOLDT (Ansichten der Natur S. 310) die Indianer am Orinoko zwei Felsen, Camosi und Keri, als Sonne und Mond verehrten. Die Metalle, anfangs ganz allgemein mit Lichtgöttern und Lichtorten verbunden, sind hier wie in der babylonischen Religion mechanisch systematisiert. Das

Als ein wesentliches Charakteristikum kommt die Siebenzahl hinzu und die Schematisierung der Metalle. Beides weist auf

Feuer, ursprünglich ein Attribut der Feuer- und Lichtwesen, wird von dem Apokalyptiker gar als eine Strafe aufgefaßt.

Wir haben eine Reihe mythischer Bruchstücke im Alten Testamente, die als genuin israelitisch nicht zu begreifen sind, die vielmehr aus einer Lichtreligion stammen müssen. Sie gewinnen erst Leben durch das Hineinstellen in einen größeren Komplex verwandter Ideen. Zur Erläuterung und Veranschaulichung dieser Bruchstücke mag es erlaubt sein, sie hier im Zusammenhang zu behandeln und dabei auf frühere, primitive Stufen menschlicher Denkweise zurückzugreifen, die, wie ausdrücklich betont sei, im Alten Testamente, geschweige denn in den Pseudepigraphen, längst überwunden sind.

Erstens: Edelsteine und Metalle stehen um ihrer Lichtnatur willen in engster Beziehung zu Lichtwesen. Wir sahen (vgl. o. S. 51 ff.), wie Jahves Oberkörper nach Ez. 1 27 in Silbergold 3104 ηλεκτρον) erstrahlt. Schon hier dürfen wir hinzufügen, worauf später (vgl. § 33) genauer eingegangen werden soll, daß die Lenden Gabriels (Dan. 105f.) mit Gold gegürtet sind; sein Leiberglänzt wie Silbergold, während Schenkel und Arme dem wohl vorwiegend goldfarbig gedachten korinthischen Erz (bsp cuma) gleichen, das aus einer Legierung von Gold. Silber und Kupfer bestand. Auch Apollon hatte goldstrahlende Glieder. Deshalb ließen Pythagoras (JAMBLICH: vita Pyth. c. 19. 28) und der Schwindler Alexander (bei LUKIAN 40) ihren goldenen Schenkel sehen, um sich als Lichtgottheiten zu offenbaren (vgl. DIETERICH: Nekyia S. 39). Einfacher wird das Wesen der Lichtgottheit durch einen sie schmückenden Edelstein zum Ausdruck gebracht. In der Mitte des mit Laubwerk oder Äbren verzierten Kalathos funkelte beim Jupiter Heliopolitanus (Hadad-Rammân) eine Kugel aus Edelstein (RENÉ DUSSAUD: Notes de Mythologie Syrienne S. 42). Auch Moloch soll auf der Stirn einen Diamanten getragen haben, wie Theophylakt zu Akt. 7 43 nach KYRILL berichtet: els éwokópou túnov, von SELDEN (De diis Syris I 6) auf die Sonne gedeutet. Das himmlische Lichtwesen Ez. 28 13 ist mit einem Kleide aus 10 (LXX :12) Edelsteinen bedeckt. Der Himmel selbst funkelt (nach Ex. 24 10) wie ein Boden aus Sapphirfliesen. Ebenso hängen Edelsteine und Metalle mit den Planeten zusammen. Das Gold war vor allem ein Sonnensymbol und diente als solches bei den Indern (OLDENBERG: Rel. des Veda S. 88 f.). Die Erfindung des Goldschmelzens wurde bei den Römern dem Sol beigelegt (Plinius n. b. VII 56). Das. peruanische Sonnenbild war aus massivem Golde gefertigt, wie dort Gold überhaupt vorzugsweise für den Sonnenkult verwendet wurde. So erhielt an allen Sonnenfesten der oberste Nationalgott eine außerordentliche Masse Goldes zum Geschenk (MÜLLER: Amerikan. Urrel. S. 363. 373. 420). Die Goldadern der Berge sind nach der Edda die geronnenen denselben Ursprung hin, auf Entlehnung aus der babylonischen Religion, obwohl dort eine genaue Parallele bis jetzt nicht zu

Tränen der Freyja (vgl. W. MENZEL: Die vorchristl. Unsterblichkeitslehre I S. 202). Auch das ñdextpov gilt als Sonnenträne, die sich im Lichtstrom findet, vor dessen Mündung die Zinninseln liegen (vgl. DIETERICH: Nekyia 8. 27). Nach Job. 3722 kommt das Gold (vom Götterberg) aus dem Norden. Die Sterngötter wohnen (nach der Henochapokalypse) in metallenen oder diamantenen Bergen. Die Finnen ließen den Mond in einem Felsen mit bunter Rinde, die Sonne in einem stahlgefüllten Berge eingeschlossen werden (Belege und weiteres Material bei ROSCHER: Myth. Lexikon II 2751 f.). Die Türen des Beltempels in Palmyra bestanden aus einer hellen Kupferlegierung (8930). »Die Wahl dieses Metalls ... war vielleicht nicht ganz zufällig. Denn Bel ist ein Sonnengott und Messing ist eine Imitation des Goldes, des Metalls der Sonne«. (Lidzbarski DLZ 1905 Sp. 1561).

Zweitens: Feuer und Licht dienen dazu, um in dichterischmythischer Art das Wesen einer Licht-, Feuer- oder Sterngottheit und ihren Wohnort zum klaren Ausdruck zu bringen. Feurige Wagen und Rosse kommen einem Jahve ebenso zu wie einem Apollon. Feurig sind nicht nur die Berge, in denen die Planetengötter wohnen, sondern mit feurigen Steinen ist auch der Götterberg (Ez. 2814) gepflastert. Flammenberge spielen in den Märchen eine große Rolle (vgl. W. MENZEL: Die vorchristl. Unsterblichkeitslehre I S. 81). Parallel sind Strahlenkrone und Strahlenkranz. Im griech. Baruch (c. 6) wird der Sonnengott als Mensch gezeichnet, der auf einem Sonnenwagen sitzt, mit einer Feuerkrone geschmückt. II Hen. 142 lesen wir von einer Krone des Glanzes, die die Sonne schmückt. Schon in ältester Zeit werden bei den Rothäuten (MÜLLER: Amerik. Urrel. S. 474), den Indern (OLDENBERG: Rel. des Veda S. 89), den Griechen (ROSCHER: Myth. Lex. I 1997 f. II, 3131) u. a. die Sterngötter als Scheibe dargestellt, mit einem Menschengesicht in der Mitte und gewöhnlich von einem Strahlenkranz umgeben. Ebenso werden in Griechenland, wenn auch nicht ausschließlich, so doch am häufigsten, Strahlenkranz und Strahlenkrone den Lichtgottheiten zuerteilt (STEPHANI: Nimbus und Strahlenkranz. In den Mém. de l'Acad. de St. Petersbourg. 6. Série 1859. S. 25 f. 119). Mit Recht haben daher DIETERICH (Nekyia S. 43) und Volz (Eschat. S. 344) das Diadem der Schönheit, den Kranz des Lebens und den Kranz der Gerechtigkeit, der den Seligen zu teil werden soll, von hier aus gedeutet. Weil die Seligen einmal mit Lichtwesen identifiziert wurden, darum erhielten sie auch deren Abzeichen. Die Vorstellung ist von den Griechen übernommen (DIETERICH), bei denen noch ein anderes künstlerisches Motiv mitgewirkt haben dürfte, das WEICKER (Der Seelenvogel S. 14) mit Unrecht als das Ursprüngliche und Alleinige ansieht: Die Seligen bekränzen sich, weil sie van allen Freuden des Jenseits ...

finden ist. Wohl aber sind dort alle Prämissen vorhanden, die in Israel fehlen. Während die Planeten in der israelitischen Religion niemals eine Rolle gespielt haben, sind sie für die babylonische Religion gradezu charakteristerisch. Die Planeten gehören seit alters zum babylonischen Pantheon. Da die Babylonier ferner von einem Berge des Sonnenaufgangs und von einem Berge des Sonnenunterganges reden (JENSEN: Kosmologie der Bab. S. 212. JASTROW I S. 428) und einen Zusammenhang der Planeten mit den Metallen in schematischer Weise angenommen haben, so sind dort alle Teile der Idee gesondert aufzuzeigen, aus deren Komposition die Vorstellung der Apokalypsen von dem Wohnort Gottes hervorgegangen ist. Wahrscheinlich gehören hierher auch die Metallberge Zacharjas, in dessen Buche GUNKEL viele fremde Traditionen hat nachweisen können.

Vielleicht darf man damit noch eine andere Reihe von Aussagen kombinieren, die bisher nicht völlig verstanden sind. Ps. 765 heißt es von Jahve: Furchtbarı bist du, herrlich, von ewigen Bergen her; Ps. 871: Seine Gründung liegt auf heiligen Bergen; Ps. 1211: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von denen mir Hülfe kommt. Die Verfasser dieser Psalmen haben bei den Bergen, wie der Kontext teilweise ausdrücklich sagt, an Zion oder Jerusalem gedacht. Aber der Plural (09997) ist auffällig. Die meisten Ausleger erklären ihn daraus, daß Jerusalem auf mehreren Bergen lag, die mit dem Tempelberg zusammengefaßt wurden. Aber Jahve wohnte nicht auf den Bergen, sondern auf dem Berge Zion oder aber in Jerusalem, wofür niemals das Allgemeine und Farblose die Berge gebraucht wird. Es müssen also ursprünglich mythische Berge gemeint sein, die erst später auf Zion oder Jerusalem umgedeutet sind. In den uns vorliegenden Texten ist diese mythische Vorstellung nur noch ein stilistisches Überbleibsel.

am Gelage, den Reigentänzen und dem lobpreisenden Kitharspiel teilnehmen. Eine kyrenische Schale des 6. Jhrh. im Louvre zeigt ein solches συμπόσιον των οσίωνα.

Drittens sind besonders beliebt die Bilder, die von Augen und Fackeln der Sterngötter reden. Auf der ältesten Stufe erscheint im Veda der Sonnengott Surya, der selbst ein Auge ist. Die fortgeschritteneren Gestalten, die den Menschen mehr angenähert sind, wie Mitra und Varuna, haben die Sonne als ihr Auge (OLDENBERG: Rel. des Veda S. 48). So sind auch Zach. 4 10 die sieben Planetenaugen zu Augen Jahves, nach Apk. Job. 56 zu Augen des Lammes geworden (GUNKEL). Geht der Prozeß der Vermenschlichung noch weiter, so leuchten schließlich nur die Augen der Gottheit wie die Sonne. Völlig analog werden die Sterne anfänglich selbst als Fackeln oder Leuchten aufgefaßt und im Kultus so dargestellt (Ex. 25. Zach. 4. Apk. Joh. 112. 4). Infolge eintretender Vermenschlichung werden die Sterne zu dądouxoi: Helios und Selene (vgl. .ROSCHER: Myth. Lex. II 3133) halten Fackeln in ihren Händen. Auf der dritten Stufe endlich werden Götter oder Engel nur noch mit Fackeln verglichen (Dan. 106).

1. Lies 2013 DUHM. 2. Lies zy mit den LXX; HITZIG.

Aus Ps. 871 möchte man schließen, daß Jahve auf seinen heiligen Bergen eine Gründung gehabt habe. Wirklich erfahren wir Ps. 465 von einem Strom, dessen Arme die Gottesstadt erfreuen, die heiligste der Wohnungen des Höchsten. Ohne Zweifel meint der Verfasser Jerusalem, obwohl dort gar kein Strom fließt. Die fremden Züge, die hier auf Jerusalem übertragen sind, können nicht aus Jes. 86 (den sanft fließenden Wassern Siloahs; BAETHGEN) stammen, da diese Stelle selbst räselhaft ist, sondern sind dem Paradiese entlehnt!. Obgleich der Verfasser es schwerlich noch gewußt hat, sondern nur davon redet, weil es zum Stil gehört, ist ursprünglich gedacht an den wundervollen Paradiesesstrom, der Leben und Freude ergießt; das Paradies wird als Stadt vorgestellt, ist im eigentlichen Sinne des Wortes Gottes Stadt, die Gründung Jahves, auf heiligen Bergen gelegen. Noch der Apokalyptiker Henoch sieht auf dem vorhin erwähnten siebten und größten Berge den Paradiesesgarten, in dessen Mitte der Baum von köstlichem Geruche steht, den kein Sterblicher berühren darf bis zum Gericht (I Hen. 244. 255). Diese Zitate genügen, um die älteste Geschichte dieser Idee zu schreiben. Die Berge sind anfangs Planeten- oder Götterberge, aus Metall oder Diamanten. Dort leben die Götter ein göttliches Leben in der Götterstadt; prächtige Paläste, Gärten in feenhafter Schöne und erquickende Ströme laben ihr Auge und ergötzen ihr Herz. Das ist im letzten Grunde, wie GUNKEL mit Recht vermutet, eine mit märchenhafter Phantasie ausgeschmückte Schilderung des Himmels selbst, wo Götter und Selige wohnen. In der Religion Israels ist die Götterstadt

1. GUNKEL: Genesis? S. 30 f. Forschungen I S. 48 ff.

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