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fe ich denen Gelehrten, auszumachen, ob dis der Welts weise Diognetus gewesen, dessen Antoninus im ersten Buche Meldung thut , oder der andere Diognetus, an welchen um diese Zeit Justinus s) der Märtyrer den vortreflichen Brieff von der

Warheit der Christlichen

Lehsa re geschrieben hat? Antoninus liebte das Fechten, Rina gen, Wettlauffen ; Er war ein treflicher Ballspieler ; eingeübter Fåger , und Vogelsteller; wiewohl er alle diese Leibes-Uebungen, nicht so wohl sich zu erlustigen vornahm,

, als seine Gesundheit zu erhalten. Denn er war mit Aris ftippus und Socrates überzeugt, daß dergleichen Uebuns gen etwas zur Erlangung der Tugend beytragen fồnten. Drum hat man ihn offt sehen die gråsten wilden Schweiz ne erlegen, ehe die unbeständige Gesundheit, die Kråffte seines Leibes geschwächet hatte. t)

Die Neigung aber zur Welt-Weisheit behielt den Preiß. Diese war von Kindes-Beinen an so starck bey ihm, daß er schon im zwölfften Jahr, die Kleidung dec Stoicker, zusamt ihrer strengen Lebens-Art annahm. Er schlieff auf seinen blossen Mantel, auf der harten Ers De, und es geschach vielmehr aus Gehorsam gegen seine Mutter, als aus Liebe zur Bequemlichkeit, wenn er sich

' einer mit Fellen bedeckten Ruhe Banck bedienete. Es hatte ihn die Natur zum Auffrichter derjenigen Welte Weisheit bereitet, welche die getreueste Pflegerin mahs rer Tugend bisher gewesen war. Seine Ernsthafftig. keit war mit folcher Bestándigkeit verknüpfft, daß auch bey kindlichen Jahren, weder Freude noch Traurigkeit, fein Antlik verwandelten. Doch unterließ er deshalben nicht, freundlich gegen seine Bekandten zu seyn, und die

bey ·s) In calce opp. Juftini Martyris, t) Capitolinus in Marco p. 43.

ben ihm was zu suchen hatten, funden ihn weder murrisch noch hart. Seine Ernsthafftigkeit war ohne Verdrieß, lichkeit, gleich wie feine Weisheit ohne Hochmuth, und seine Gefälligkeit ohne Niedrigkeit war.

u) Käyfer Sadrianus, hatte Alters und Schwachs heit wegen, den Tejonius Commodus zum Kind und Nachfolger ernennet ; als aber derselbe mit Tode abging, warff er seine Augen auf unsern Marcus Aurelius. Weil er ihn aber noch zu jung fand, als er eben damahls ins achtzehende Jahr getreten, wehlete er indessen den Antoninus Pius zum Mit-Regenten, mit dem Beding, daß derfelbe berniahleinst den Marcus Aurelius zuin Nachfolger ernennen folte, wie auch den Lucius Vetus, Der ein Sohn des verstorbenen Cejonius war. Hiers auff ward unser Jarcus Aurelius, da er eben das achtzehende Jahr erreichet, noch ben Lebzeiten Känsers Badrianus , von dem Antoninus Pius , als Kind und Nachfolger im Reich angenommen, als ihm eben die Nacht vorher tråumete : Er habe helffenbeinerne Schuls tern und Hånde, und zwar von solcher Stårcke, daß er damit die schwerste Last heben konte. Ein artiges Bild seines zukünfftigen Regiments, welches grosmüthiger als der Elephante, und

so rein als seine Knochen war. x) Wiervohl; es lag ihm dessen Beschwerde in Den Sinn, als er die ihm gebrachte Zeitung von seiner Ernennung zur Reichs-Nachfolge mit niedergeschlages nen Augen anhårete ; und denen so nach der Urfach dies fer ungewohnten Traurigkeit geforscher, vieles von dem weit-aussehenden Zustande des Reichs, und von der Ber

fchwers D) Capitolinus. Spartianus in Adriano,item in Ælio Vero. Eu

sebius in Chronico. Dio,& cxco Xiphilinus in Adriano, x) Capitolious in Marco p. 43.

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schwerlichkeit eines, glücklichen Regiments zu Gemůch führete.

Y) Wenig Tage nach dieser Ernennung, bey wela cher er den Nahmen Aurelius empfing, wirckte Käyfer Hadrianus ihm die Rentmeister-Würde aus, nach vor, her bewilligter Majorennitat. Und dis war die lebte Gnas de,

fo er von diesem Käyser genoß, weil derselbe kurk hera nach zu Baja mit Tode abging. Marcus Aurelius beerdigte ihn prachtig, und schloß sein Leichs Begångniß mit einen Fechter-Kampff.

z) Nach Absterben Sadrianus , lófete Antonis nus Pius so fort das Verlobniß auf, welches jarcus Aurelius dem verstorbenen Käyfer zu gehorsamen, mit der Tochter des LuciusCommodus gehalten hatte ; und trug ihm seine eigene Tochter faustine an, welche zmar mit

dein Lucius Vetus verlobet , der aber noch nicht alt genug war, fie zu ehligen: Hieraufferhub er seinen künfftigen Schwieger-Sohn von dem Rentmeister-Amt zur Bürgermeister-Würde; legte ihm den Nahmen Cesar ben, machte ihn zuin Hauptmann einer von den sechs Ritter-Coinpagnien ; wohnete den Spielen ber, welche er samt seinen Collegen anstellete ; nahın ihn wieder seis nen Wilen zum Mit: Regenten an; und verfekte ihn Krafft eines besondern Rath-Schlusjes in die Zahl der obersten Priester. a)

Marcus Aurelius, überhåuffet mit so mannigfala tiger Ehre, wohnete nunmehro denen Raths Versamluns genben, um sich solcher Gestalt zum Regiment geschickter zu machen ; Daber aber unterließ er nicht, alle Zeit, fo

er y) Spartianus in Adriano. Eusebius, Chron. z) Capitolinus in Pio & in Marco abi vide Salmafium de his

nuptiis. a) Anno Chrifti 140. vel 141. juxta Eufebium.

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er denen übrigen Geschäfften entziehen fonte , auf die

Welt Weisheit zu wenden. Der Käyser Antoninus Pius felbst, trug nicht wenig ben, ihn in dieser Liebe zur Weisheit zu befestigen. Dem zu geschweigen, daß er ihm mit seinem eigenen Erempel ruhmwürdigst vorleuchs tete, verschrieb er noch dazu vor unfern Marcus Auren lius von Athen, den sehr berühmten Stoicker, Apollonis us von Chalcis, und wie vortheilhafft desselben Gesello schafft diefen jungen Prinßen gewesen sey, wird uns ans tóninus selber fagen. b)

c) Es wird dem Leser nicht unangenehm seyn, den Sinn dieses Weifen, fammt des Kansers Antoninus Pius Verstand, aus folgenden Verlauff zu entdecken: Sobald dieser Apollonius zu Rom angelanget war, ließ ihm der Käyser wissen, er möchte nach Hofe kommen, so wolte man ihm seinen künfftigen Discipel fo fort anvers trauen. Der Stoicker ließ antworten : Es Påme den Schüler zu, sich zu den Lehrmeister, und nicht den Lehrmeister sich zu den Schüler zu verfügen. Der Käyser verfekte auf solche Antwort mit Lachen: Ich sehe wobl, es kostet dem Apollonius mehr Mupe, don seinem Quartier nach Sofezu geben, als von Åthen nach Xom zu reisen! und schickre so fort den jarcus Aurelius zu ihm.

d) Um dieselbe Zeit verlohr dieser Print feinen Hoffmeister, dessen Tod ihn über die masse bekümmerte; fo gar, daß er wieder Gewohnheit fich der Thránen nicht enthalten konte; welches, als es ihm von denen Hofflingen Scherz-Weise auffgerůcket worden, hat der Käyfer geantwortet : Lieber vergönnet ibm ein

Mensch b) Libro I. S. VIII. c) Capitolinus in Pio. cap. 1o. d) Capicolinus in Pio,

Menfch zu seyn; denn weder die Philosophie, noch das Kdyserthum, beben die Bewegungen der Ges můther auf!

e) Er vermåhlte sich mit der Faustine, im andern Gahr feines zweyten Bürgermeister-Amts. Diese Prins Bessin war von einer vollkommenen Schönheit, aber gar zu galant oder leichtfertig ihren Ehe-Herrn glücklich zu machen. Sie trat in die Fusstapffen ihrer Mutter , und bekümmerte sich nicht so wohl die Weisheit ihres Gemahls zu verehren, als von solchen Persohnen verehe ret zu werden, die auf ihren schönen Leib einen hohen Preis felzeten. Sie gebahr den Marcus Aurelius eine Tochter im ersten Jahr ihres Ehestandes , zu eben der Zeit, da er mit dem Tribunat, und mit dem Titel eines Proconsuls beleget ward, die gemeiniglich mit der Kayser-Würde verknüpffet waren.

Doch hieben blieb es nicht ; sondern der Rath fågs te zu dieser Ehre eine andere, die man den Augustus Weyland zu Gefalen erdacht, nach der Zeit aber denen Käysern zu schmeicheln, vergrössert hatte. Es fielen vors mahis keine Rahts-Schlüsse, ohne vorher gegangenen Vortrag des Wort habenden Bürgermeisters. Dies fes Rechts begaben sich damahlen die Bürgermeister, dem Augustus zu Gefallen ; also daß fic ihm durch eis nen besondern Sdyluß berechtigten, dem Rath tåglich nach eigenen Belieben, es sey ivorin es wolle, felbst eis nen Vorschlag zu thun. Wer einmahl sein Recht vers giebt, weiß hernach keine Maaß zu halten, wenn ihm

eis ne blinde Gefälligkeit zur Dienstbarkeit eilen heist. So ging es mit dieser Sache. Dem 2ugustus war zuges standen, tåglich einen Vortrag zu thun, und dieser eins sige Vorschlag, ward nach und nach auf zwo, dren,

vier ; .) Capitolinus in Marco p. 44.

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