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tragenem Sinne werden Städte als Unheilsbecher Jahves aufgefaßt: Ein goldener Becher war Babel in der Hand Jahves, der die ganze Erde berauschen sollte; vom Weine darin tranken die Völker, darum gebärdeten sie sich wie Rasende (Jer. 517). DUHMS allegorische Erklärung ist nicht überzeugend: »Der Wein ist die verführende Macht, die die reiche, prächtige Königs- und Handelsstadt auf die Welt ausübte«. Der Verfasser will vielmehr sagen: Das Unheil der Erde kam auf Veranstaltung Jahves grade aus dem prachtvollen Babel. Um diesen Gedanken auszudrücken, benutzt er die Vorstellung von dem Becher Jahves und stellt die Stadt selbst als diesen Kelch dar, aus dem die Völker trinken, sich berauschen und dann wahnsinnig werden. Zach. 122 wird dasselbe Bild auf Jerusalem angewandt: Siehe, ich mache Jerusalem zu einem Taumelkelch für alle Völker ringsum, und auch Judai wird dabei sein bei der Belagerung Jerusalems.

Fassen wir die Einzelzüge zu einer Gesamtanschauung zusammen, so ergibt sich Folgendes: Wer aus dem Becher Jahves trinkt, wird berauscht, taumelt, gebärdet sich wie ein Rasender, fällt ohnmächtig hin, entblößt sich oder wird, als wäre er nie gewesen, wird entschlafen zu ewigem Schlaf, ohne Erwachen. So weit die Tatsachen. Die im Folgenden versuchte Erklärung kann nur den Anspruch einer Hypothese erheben.

Sehen wir von dem zuerst erwähnten Giftwasser ab und achten wir nur auf die zuletzt genannten Dinge, so sind sie weder für das Giftwasser noch für den Wein charakteristisch. Sie

passen nicht zu purem Gifte. Denn dann würde ein Trunk genügen, um das Ende des Trinkers herbeizuführen, dann würde man ihn nicht trinken, trinken und wieder trinken, dann würde man nicht bloß ohnmächtig oder rasend.

Ebenso wenig stimmen sie zum Weine. Denn er ist kein Syınbol des Unglücks, sondern des Glücks, und wer ihn genießt, entschläft nicht zu ewigem Schlaf, ohne Erwachen. Mit größerem Recht darf man an ein langsam wirkendes Pflanzengift denken, das nicht immer zum Tode, sondern mitunter nur zur Ohnmacht oder zur Raserei

1. Streiche Sy GEIGER.
2. Im Anschluß an eine mündliche Mitteilung GUNKELS.

führt. Grade die Worte, mit denen das Sterben nicht direkt genannt, sondern umschrieben wird, lassen auf eine Art Opium, Haschisch oder einen ähnlichen Rauschtrank schließen, aus dem man Lethe schlürft und wird, als wäre man nie gewesen, durch dessen Genuß man entschlummert oder, falls er zu reichlich gewesen, auf immer entschläft. Die Kenntnis eines solchen Rauschmittels und seiner Wirkungen darf man jedenfalls damals so gut, voraussetzen, wie sie heute im Orient vorhanden ist.

Nun wird jedoch an einigen Stellen der Wein, wie wir gesehen haben, ausdrücklich genannt, und bis zu einem gewissen Grade sind ja auch die Folgen des Weingenusses denen des Rauschtrankes ähnlich, sodaß beides sehr wohl in der Phantasie der Propheten mit einander kombiniert werden konnte. Man müßte aber eine Übertreibung annehmen, die auch deshalb wahrscheinlich ist, weil nicht bloß Einzelne, sondern ganze Völker aus dem Becher Jahves trinken sollen. Diese Schilderungen sind charakterisiert durch eine wild-phantastische und groteske Art. Wie wir von künstlichen Mitteln, von Musik (II Reg. 315) und Tanz (I Reg. 18) der älteren Propheten hören, um die Verzückung hervorzurufen, so erfahren wir auch durch Jesaja, daß die Priester und Propheten, durch Wein und Meth in Ekstase versetzt, sinnlose Orakel in barbarischem Kauderwelsch stammeln (Jes. 287ff.), wenn sie nicht einfach den Jesaja höhnen. Jedenfalls benutzt dieser ihr Wort, um es gegen sie selbst anzuwenden und ihnen zuzurufen: Jawohl, in solchem barbarischen Kauderwelsch wird Jahve schon zu euch reden und euch assyrisch lehren! Durch eine ähnliche Pointe werden vielleicht auch die Dinge verständlich, die uns hier beschäftigen.

In der Heilseschatologie begegnet uns einmal eine Schilderung, wie Jahve auf seinem Berge allen Völkern ein großes Gastmahl anrichtet aus Fettspeisen und Hefenweinen (Jes. 256). Diese Idee muß, wie aus manchen Anzeichen hervorgeht (vgl. § 14), alt sein, obwohl sie uns nur an einer späten Stelle überliefert ist, und muß einmal eine größere Rolle gespielt haben. Wir haben darum ein Recht, für uns verlorene Beschreibungen eines solchen göttlichen Gelages zu vermuten, das wohl nach Art der Feste gedacht war, die man im Tempel am Tische

Ein ganzes

der Gottheit feierte. Beim Hauptfest, das nach der Weinlese stattfand, zogen die Scharen unter fröhlichem Flötenspiel in die Festhallen der Heiligtümer (I Sam. 922. Jes. 3029). Dort aß man und trank man und war fröhlich vor Jahve. Wenn dann der Festbecher, der Becher Jahves, von Hand zu Hand gereicht ward, herrschte ausgelassene Freude, die oft das Maß des Anstands überschreiten mochte (Jdc. 21 21. I Sam. 1 13. Am. 27).

Denken wir uns an diesen Festen im allgemeinen und an dem Jahvefest der Heilseschatologie im besonderen die Schilderungen der Propheten orientiert, so werden sie begreiflich als eine Verdrehung ins Groteske. Für sie ist der Tag Jahves ein Tag des Unheils, und darum verwandelt sich für sie das Bild der Heiterkeit in ein Bild des Entsetzens. Auch sie stellen, in Anlehnung an die populären Anschauungen, jenen Tag als ein Opferfest dar, an dem der Becher Jahves kreist, aber sie übertreiben die Wirkungen des Weines, als würde ein Rauschtrank oder gar Giftwasser von Jahve kredenzt. Volk trinkt, rast, taumelt, stürzt, verliert die Besinnung, entschläft und wird, als wäre es nie gewesen. Diese Erklärung ist nur eine Hypothese, aber nicht unwahrscheinlicher als andere, zumal wenn sie im Zusammenhang mit den Tatsachen betrachtet wird, die im nächsten Paragraphen behandelt werden sollen.

In einem anderen Sinne lernen wir sehr viel später den Becher Jahves als Inspirationsbecher kennen. Als Esra die heiligen Schriften diktieren soll, ruft eine Stimme ihm zu: Esra, tu den Mund auf und trinke, womit ich dich tränke! Da tat ich den Mund auf und sieh, ein voller Kelch ward mir gereicht, der var gefüllt wie von Wasser, dessen Farbe aber dem Feuer gleich war (IV Esra 1487ff.). Hier wird deutlich die Inspiration unter dem Bilde des Trinkens aus dem göttlichen Becher beschrieben. Daß dieser Zug von diesem Schriftsteller zum ersten Mal erfunden sei, wird niemand behaupten wollen, der als ein wesentliches Merkmal der Apokalyptik das Arbeiten mit überkommenen Ideen anerkennt. Aber ob die Vorstellung altisraelitisch ist, können wir aus Mangel an Material nicht entscheiden. Sie hat jedoch mit den oben angeführten Tat

sachen scheinbar nichts zu tun. viele Parallelen zu ihr vorhanden'.

Religionsgeschichtlich sind

Die ge

§ 14. Die Opfermahlzeit Jahves. Der Tag Jahves heißt Zeph. 18 7779 nar din. wöhnliche Übersetzung lautet: Tag des Opfers Jahves. Sie ist ungenau, wie aus dem vorhergehenden Verse folgt: Still ror dem Herrn Jahve; denn nah ist der Tag Jahves; denn bereitet hat Jahve das Opfer, hat die von ihm Geladenen geheiligt. Weil von Geladenen, von Gästen, die Rede ist, handelt es sich nicht einfach um ein Opfer, sondern genauer um eine Opfermahlzeit. Die Seltsamkeit dieser Vorstellung wird durch die ungenaue Wiedergabe: Tag des Opfers Jahves stark abgeschwächt. Wir würden es verstehen, wenn das Morden der Menschen ein Opfern genannt würde, da in alter Zeit jedes Schlachten ein Opfern gewesen ist. Das Wort Jeremias: Ich lasse sie hinstürzen wie Schafe beim Schlachten (5140), bedarf keiner Erklärung Auch das ist begreiflich, warum Jahve ein Opfer veranstaltet im Lande des Nordens am Flusse Euphrat (Jer. 4610). Menschliche Funktionen sind in poetischer Lizenz auf die Gottheit übertragen, obwohl sich bei scharfer Logik einige Schwierig. keiten ergeben. Denn während die Opfer sonst einer Gottheit dargebracht zu werden pflegen und irgend einen bestimmten Zweck verfolgen, ist hier Beides außer Acht gelassen.

Der Tag Jahves als Opfermahlzeit hingegen, an der geladene Gäste teilnehmen, ist eine zunächst völlig rätselhafte Anschauung. Wir erfahren nicht genau, wer das Schlachtopfer und wer die Gäste sind. Es liegt im Stil der prophetischen Rede, dunkel, geheimnisvoll, orakulös das Künftige mehr anzudeuten als zu nennen, es lieber mit einem leichten Schleier zu verhüllen als zu offenbaren. Nach der herkömmlichen Auffassung sind die Israeliten das Schlachtopfer, während man ihre Feinde, die Völker, als die Gäste betrachtet. Wenn man den Zephanja beim Worte nimmt, so ist diese Erklärung unmöglich. Denn mit Israel sollen alle Tiere, Vögel, Fische,

1. Vgl. OLDENBERG: Religion des Veda S. 175.

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ja alles, auch die Menschen, vernichtet werden (12f.). Trotzdem darf man vielleicht kein allzu großes Gewicht auf diese Verse legen, da sie als Einleitung gewissermaßen nur das Motto für die gleich darauf geschilderte israelitische Katastrophe bilden und den breiten, überlieferten Rahmen abgeben, in dem das kleine, spezifisch prophetische Bild steckt. Es bleibt noch eine andere Möglichkeit, die deshalb vorzuziehen ist, weil sie besser in den Zusammenhang paßt, während jene ihn inkonzinn gestaltet. 1977. ist auch Terminus technicus für das zu opfernde Tier: stürze sie hin wie Schafe zur Schlachtung und heilige sie auf den Tag des Würgens (Jer. 123). Die geladenen Gäste, die Jahve geheiligt d. h. dem Untergang geweiht hat, sind identisch mit dem Schlachtopfer, sind also niemand anders als die Israeliten selbst. Wie grausig ist das Bild, das der Prophet hier mit ein paar Strichen gemalt hat! Jahve veranstaltet ein göttliches Gastmahl. Aber während man sich sonst freut vor Jahve, wie der geläufige Ausdruck für die im Tempel genossene Mahlzeit lautet, hat hier der Gastgeber selbst bereits das Schwert gewetzt, um seine eigenen Gäste zu morden.

Zephanja denkt sich die Ausführung der Tat nicht ganz so entsetzlich und wörtlich. In V. 16: ein Tag der Trompete und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und gegen die hohen Zinnen, deutet er an, daß Jahve sich eines irdischen Mittlers bedient, eines feindlichen Heeres, das Israel besiegt und vernichtet. Aber man steht zunächst vor einem völligen Rätsel, wenn man fragt, wie sich der Prophet den Untergang Israels durch einen unglücklichen Feldzug unter dem Bilde einer göttlichen Opfermahlzeit vorstellen konnte. So viel wird man mit Sicherheit sagen dürfen: Ganz aus sich selbst hat er diese Idee nicht geschaffen, da sie dazu viel zu dunkel und abrupt auftritt. Er wird sich vielmehr an eine damals bekannte, uns unbekannte Tradition angelehnt haben. Fragen wir nun weiter, woher er diese Tradition hatte und wie sie aussah, so tappen wir im Dunkeln.

Aus den uns überlieferten älteren prophetischen Büchern stammt sie nicht. Ob sie nur mündlich oder auch schriftlich fixiert war, läßt sich nicht ausmachen.

Ich trage kein Bedenken, eine reiche Literatur über den Tag Jahves vorauszusetzen, die uns verloren gegangen ist. Das ist eigentlich

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