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Schlug ihre Wohnung auf in seinem Leibe.
Allerlei Vögel des Himmels fuhren hinab, das Fleisch zu

fressen.
Ahnte der Adler sein Unheil,
Würde er kein Fleisch mit den Vögeln fressen!

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Der Adler tat seinen Mund auf und sagt zu seinen Jungen: „Wohlan, wir wollen hinabfahren und das Fleisch jenes

Wildochsen fressen!“ Ein Junges, ein hochgescheites, sagt zum Adler, seinem

Vater, das Wort: „Fahre nicht hinab, mein Vater; vielleicht lauert im Ins

nern dieses Wildochsen die Schlange!“
Er hörte aber nicht darauf, hörte nicht das Wort seines

Jungen,
Er fuhr hinab und stellte sich auf den Wildochsen.
Der Adler musterte das Fleisch, schaute sich nach vorn

und nach hinten um, Musterte nochmals das Fleisch, schaute sich nach vorn

und nach hinten um ... Als er in das Innere hineinging, faßte ihn die Schlange

bei seinen Flügeln ... Der Adler tat seinen Mund auf und sagt zur Schlange: „Habe Erbarmen mit mir! Wie ein Bräutigam will ich

dir Geschenke geben!“ Die Schlange tat ihren Mund auf und sagt zum Adler: „Ließe ich dich los, wie könnte ich dann Schamasch oben

befriedigen? Deine Missetat würde sich gegen mich wenden, Da ich dich doch bestrafen soll!“

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Sie schlug ab seine Flügel, seine Schwungfedern und

Fänge,
Zerraufte ihn und warf ihn in eine Grube ..
Auf daß er den Tod des Hungers und Durstes stürbe!

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Der Adler flehte täglich zu Schamasch:
„In der Grube werde ich sterben: wer weiß, wie es mir

noch geht! ...
Mich, den Adler, erhalte am Leben,
Daß ich für ewige Zeiten deinen Namen verkünde!“
Schamasch tat seinen Mund auf und sagt zum Adler:
„Du bist böse und hast mein Gemüt gekränkt:
Du hast dich mit gottlosem Tun, hast mit Unheil dich

befaßt! Du wirst sterben: ich will nichts mit dir zu tun haben; Wohlan, der Mensch, den ich dir senden werde, der mag

dir helfen!"

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Etana flehte täglich zu Schamasch:
„Du genossest, o Schamasch, das Fett meiner Schafe, die

Erde trank das Blut meiner Lämmer,
Die Götter ehrte ich, die Geister fürchtete ich,
Vollführt haben meine Rauchopfer die Deuterinnen,
Meine Lämmer schlachtend, befriedigten sie die Götter.
Herr, aus deinem Munde gehe es hervor: gib mir das

Kraut des Gebärens!
Zeige mir das Kraut des Gebärens! Nimm meine Last

von mir und schaffe mir einen Namen ?!"

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Schamasch tat seinen Mund auf und sagt zu Etana:
„Mach' dich auf den Weg und überschreite das Gebirge;

siehst du eine Grube, so schaue in siel Darin liegt ein Adler: er wird dir das Kraut des Gebärens

zeigen!“ Auf Geheiß des Helden Schamasch ging Etana, über

schritt das Gebirge; Als er die Grube sah, schaute er hinein: darin lag der

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Adler!

1 Hier wohl die Last des Kummers. ? D. i. einen Erben, der seinen Namen erhalten soll.

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Der Adler tat seinen Mund auf und sagt zu Etana:
„Was kamst du her und suchtest mich auf, du?"

Etana tat seinen Mund auf und sagt zum Adler:
„Mein Freund, gib mir das Kraut des Gebärens!
Zeige mir das Kraut des Gebärens!
Nimm meine Last von mir und schaffe mir einen Namen!“

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Als der achte Monat vorüber war, verließ der Adler die

Grube: Der Adler hatte Nahrung; gleich einem brüllenden Löwen

hatte er Kräfte.

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Der Adler sagt zu ihm, zu Etana:
„Mein Freund, ich will dich tragen zum Himmel Anus,
Auf meine Brust lege deine Brust,
Auf die Schwungfedern meiner Flügel lege deine Hände,
Auf meine Seiten lege deine Seiten!"

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Auf seine Brust legte er seine Brust,
Auf die Schwungfedern seiner Flügel legte er seine Hände,
Auf seine Seiten legte er seine Seiten:
Gewaltig groß ward seine Last.

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Als er ihn eine Meile emporgetragen hatte,
Sagt der Adler zu ihm, zu Etana:
„Schau', mein Freund, wie das Land geworden ist,
Blick auf das Meer zu seiten des Weltberges!"
„Das Land da sieht aus wie ein Berg,
Das Meer ist geworden zu einem Wasserlauf!"

Als er ihn die zweite Meile emporgetragen hatte,
Sagt der Adler zu ihm zu Etana:
„Schau', mein Freund, wie das Land geworden ist!“
,,Die Erde da sieht aus wie eine Baumpflanzung !"

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Als er ihn die dritte Meile emporgetragen hatte,
Sagt der Adler zu ihm, zu Etana:
„Schau', mein Freund, wie das Land geworden ist!"
„Das Meer ist zum Graben eines Gärtners geworden!“

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Als sie hinaufgestiegen zum Himmel Anus,
Und zum Tore Anus, Enlils und Eas gelangt waren,
Warfen sich der Adler und Etana zugleich demütig nieder.

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Doch das Kraut des Gebärens erhalten sie hier nicht: sie müssen sich
noch höher erheben, bis zum Himmel der Ischtar, der Muttergöttin.

Der Adler sagt zu ihm, zu Etana:
„Wohlan, mein Freund, ich will dích tragen zum Himmel

der Ischtar;
Bei Ischtar, unserer Herrin, ist das Kraut des Gebärens.
Zu Ischtar, unserer Herrin, will ich dich tragen!
Auf meine Seiten lege deine Seiten,
Auf die Schwungfedern meiner Flügel lege deine Hände !"

Auf seine Seiten legte er seine Seiten,
Auf die Schwungfedern seiner Flügel legte er seine Hände.

Als er ihn eine Meile emporgetragen hatte, sagt der Adler:
„Mein Freund, blicke hin, wie das Land geworden ist !"
„Vom Lande ist nur soviel zu sehen wie eine Hütte,
Und das weite Meer ist so groß wie ein Hof.“

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Als er ihn die zweite Meile emporgetragen hatte, sagt

der Adler: „Mein Freund, blicke hin, wie das Land geworden ist!„Das Land ist geworden zu einem Kuchen, Und das weite Meer ist so groß wie ein Brotkorb.“

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Als er ihn die dritte Meile emporgetragen hatte, sagt der

Adler: „Mein Freund, blicke hin, wie das Land verschwunden ist!"

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„Ich blicke hin", wie die Erde verschwunden ist,
Und am weiten Meere sättigen sich meine Augen nicht!
Mein Freund, ich will nicht zum Himmel aufsteigen,
Mache halt, daß ich zur Erde zurückkehre!!"

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Eine Meile fiel er hinab:
Der Adler stürzte hinunter gleich ihm.
Eine zweite Meile fiel er hinab:
Der Adler stürzte hinunter gleich ihm.
Eine dritte Meile fiel er hinab:
Der Adler stürzte hinunter gleich ihm.

3. ISCHTAR ALS HIMMELSKÖNIGIN

Der Text ist sumerisch und akkadisch in einer Abschrift aus der
Seleukidenzeit erhalten. Veröffentlicht von Thureau-Dangin, Revue
d'Assyriologie XI, S. 144 ff.
Vor Anu, dem strahlenden, großen, dessen Äußerung

keine Schranke hemmt, Krümmten sich wie ein Sichelschwert die großen Götter

in Beifall und Anbetung. „Sprichst du, so bist du im Recht, Herrscher; Herr, wenn

du einen Ausspruch tust, gehorcht man dir! Anu, dein erhabnes Wort geht voran; wer kann da ,nein'

sagen?

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Vater der Götter, dein Ausspruch ist die Grundlage von

Himmel und Erde; welcher Gott kann widerstehen? Herr, Fürst, du bist dein eigner Ratgeber; was hat unser

Rat zu bedeuten? Der Frau Ischtar, der du deine Liebe schenktest, reiche

deine Hand, Deine unwandelbare Zusage, die gewichtig ist wie der

Himmel, tu ihr kund in unsrer Versammlung! Innin”, der Göttin, der du deine Liebe schenktest, übergib

die Leitung deiner Befehle!

1 Worte Etanas. ? Beiname der Ischtar.

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