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übereinander liegenden, sich verjüngenden Stufenkreisen", wie eine kreisförmige Treppe, ein riesiger Stufenturm. Diese sieben Stufenkreise sind die sieben UB (tubuķâti)?, denen dann die sieben Parallelzonen auf dem als Berg vorgestellten irdischen Erdreich entsprechen.

Die siebente Stufe führt in den obersten Himmel, den Himmel des Gottes Anu. Da die Stufenkreise nach dem Tierkreise zwölf Stationen haben, so wird hiermit die Vorstellung

Abb. 7: Die babylonischen Planeten - Götter auf den Felsen von Maltaja.

von den zwölf Toren am Himmel zusammenhängen. Wenn von acht Himmeln die Rede ist, wie beim Tempel des Bel, so wird der Anu-Himmel, bez. später der Fixsternhimmel mitgezählt 3;

beziehen. Dagegen spricht von vornherein die Existenz des ganzen Göttersystems, die eben auf den Veränderungen beruht. Wohl aber halten wir es für möglich, daß volkstümliche Vorstellung an Stelle des Tierkreises den Himmels-Äquator setzte. Denn auf dem Äquator stünde der Himmelsberg und Etagenturm fest, während er auf der Ekliptik für das Auge des Beobachters schief steht.

1) So erledigen sich m. E. die von Delitzsch, Handwörterbuch unter šubuk aufgeworfenen Fragen. Diese Stufenkreise finden sich in den Sephirot der Kabbala wieder, von denen sieben (drei entsprechen der Gottheit) ausdrücklich mit den Planeten verbunden werden. Diese sieben Sephirot heißen auch die sieben „Laute“. Es sind die Töne der Oktave. Der Wandel der sieben Planeten bildet die Harmonie der Sphären.

2) Die tubuķâti entsprechen den sieben ţabaķât des Korans, wie sprachlich schon Jensen, Kosmologie S. 175, Anm. 3, erkannte, obwohl er die Vorstellung des Bildes nicht hatte. Winckler, Gesch. Israels II, S. 108, Anm. 6 hat die wesentliche Gleichheit erkannt. Die Ausführungen von Zimmern KAT 3 615 sind hiernach zu modifizieren.

3) Die sidratu 'l muntahâ der Araber s. OLZ 1904, Sp. 103 (= Krit. Schr. III, 110); vgl. F. III, 312. 418. MVAG 1901, 306 u. Hommel, Aufs. u. Abh. 373f. Abstufungen 9, 8, 7 etc. bei den „Ssabiern“ s. Chwolsohn II, 34. 243. 673.

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bei neun Himmeln, z. B. in der Edda 1 und beim chinesischen Porzellanturm, ist der Südhimmel mitgerechnet. Deshalb gibt es neben den siebenstufigen Tempeltürmen, die den Planetenhimmel abbilden (S. 15) auch drei-, bez. vierstufige Tempeltürme, s. Abb.8. Die Stufen sind die drei Reiche des Weltalls, durch die man in den obersten Himmel kommt.

Der gesamte Orient kennt die sieben Himmel und die drei

Himmel 2. Muhammed reist durch
Abb. 8: Drei- bez. vierstufiger
Tempelturm.

sieben Himmel. Der babyloRelief aus Kujundschik.

nische Talmud und die Fragmente des Celsus kennen sieben Himmel 3. Das Nabatäerbuch ElNaqrîsi kennt die Leiter der sieben Planeten mit ihren Himmelskreisen als Zugang zur Gottheit. Das dreistöckige Weltbild

ist aus den orientalischen Mysterien in die gnostischen Systeme übergegangen und hat sich bis in die dramatischen Mysterien des Mittelalters vererbt.

Unklar bleiben mir die sieben nagu der „babylonischen Weltkarte“, s. Abb. 9 u. vgl. Peisers Ausführungen in ZA IV, 361 ff. Der Situationsplan hängt irgendwie mit der Sintflut zusammen. Jedenfalls stellen die sieben Dreiecke die sieben entsprechenden Teile des

den Himmelsdamm und die Erde Abb. 9: Babyl. Weltkarte, Brit. Mus. 82-7-14, 509.

umströmenden Meeres dar und sie

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1) So fasse ich auch die nio heimar in Völuspa, trotz Golther, German. Mythologie 519f. „Wer die neun heimar durchfuhr, weiß alles.“

2) Vgl. mein Babylonisches im Neuen Testament, Kap. VII: Die drei und sieben Himmel. Vgl. ferner zu i Mos. 28 (Himmelsleiter).

3) Origenes c. Celsum c. VI, 22 . E. Bischoff, Im Reiche der Gnosis 131. Zu Maqrisi s. Chwolsohn II, 609 ff. Die ägyptische Leiter des Osiris und die Leiter von sieben Metallen im Mithraskult entsprechen der gleichen Anschauung. Fünf Himmeln (5 Planeten, S. 35) entsprechen die fünf Stufen der manichäischen Bîmâ, s. Bischoff 1. c. 79. 90.

hängen mit den sieben Kreisen des šupuk zusammen, der in den Himmelsozean taucht. Vielleicht sind auch die sieben Meere in Betracht zu ziehen, die in der indischen Kosmologie hervortreten, und die sieben Inseln im Meere bei Henoch c. 77, vgl. Jensen, Kosmologie 179ff. und dazu Winckler, Gesch. Isr. II, 109.

Die sieben Dolmetscher (Egunveīs) werden übrigens auch anders gruppiert: 2 + 5 statt 3 + 4. Diodorus Siculus spricht II, 30, bevor er die Dekane behandelt, von den fünf Planeten, die die Chaldäer von Sonne und Mond sorgfältig unterscheiden und die ihnen als Dolmetscher der Gottheit erscheinen. Dabei verliert die Venus ihren Charakter als große Gestirngottheit neben Sonne und Mond und tritt in die Reihe der übrigen Planeten, wie sie z. B. in unsrer Wochentagsordnung die vorletzte Stelle einnimmt: Freitag, vendredi (Veneris dies) zwischen dem Tage Merkurs (mercredi) und Saturns (saturday). Eine babylonische Planetenliste zählt auf:

Sin (Mond)
Šamaš (Sonne)
Dunpauddua (Merkur oder Jupiter)
Dilbat (Venus)
Kaiwan (Mars oder Saturn)
Gudbir (Jupiter oder Merkur)

Zalbatanu (Saturn oder Mars). Zum besseren Verständnis sei hier an einige astronomische Erscheinungen erinnert, vgl. dazu Abb. 10. Der Aufgang der Sonne verschiebt sich täglich durchschnittlich um vier Minuten. Das ergibt für den Sonnenlauf eine Spirallinie von 180 Kreisen von Sonnenwende zu Sonnenwende. Der Auf- und Untergangspunkt der Sonne beschreibt eine Kreislinic am Horizont, der Mittagspunkt eine entsprechende Kreislinie am Himmel. Die gleichen Erscheinungen zeigt zwölfmal im Jahre die Mondbahn. Der Vollmond steht in Opposition zur Sonne. Darum steht der Vollmond im Winter, wo die Sonne durch untere Tierkreisbilder wandert, in den oberen Tierkreisbildern und im Sommer umgekehrt.

Wenn zur Zeit der Sommersonnenwende Vollmond um Mitternacht ist, so steht die Sonne in ihrem tiefsten Punkte. Wenn die Sonne im Winterpunkt steht und zugleich Schwarzmond eintritt, so begegnen sich gleichsam Sonne und Mond in der Unterwelt. Bei Sonnenaufgang in der Frühlingstagesgleiche, früh 6 Uhr, geht der Vollmond im Westen unter. Bei Sonnenuntergang in der Herbsttagesgleiche, abends 6 Uhr, geht der Vollmond im Osten auf.

1) Diese fünf Planeten und ihre entsprechenden Elemente und Farben sind in der chinesischen Geomantie wichtig, s. S. 48, 50 u. a. (Register unter China). Jede der fünf wird als „männlich“ und „weiblich“ bezeichnet und doppelt gezählt, z. B. bei den in China noch heute gebräuchlichen Dekaden, bei denen jeder Planet zwei Tage hat.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

2

Sonnen- und Mondfinsternisse galten im Altertum als Verschlingung durch den Drachen. IV R 5' zeigt, daß die Babylonier wußten, welche Bedeutung das Sonnenlicht für den Mond hatte; aber es blieb bei der Drachen-Mythologie, die Sonne, die auch alle Sterne verschlingt, galt darum unter Umständen selbst als Drache. Man hat beobachtet, daß in 18 Jahren und 101 Tagen sich die Finsternisse in derselben Reihenfolge wiederholen (der Saros der Babylonier und Chinesen) und erkannte den Zusammenhang dieser Erscheinung mit dem Mondlauf. Der Mond bewegt sich in vier Wochen einmal um den Fixsternhimmel und schneidet

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dabei die Sonnenbahn in einem „aufsteigenden“ und einem „absteigenden" Knoten. Bei der einen Kreuzung kann eine Sonnenfinsternis entstehen, bei der andern eine Mondfinsternis. Diese Knoten rücken bei jedem Umlauf um drei Mondbreiten nach Westen; das kann man mit bloßem Auge an den Fixsternen beobachten. In 1833 Jahren ist der Knoten ganz herum gerückt.

Beim Mondlauf ist also dreierlei zu unterscheiden: 1. Der siderische Umlauf von einem Fixstern bis zurück zu demselben; 27 Tage

1) Ein Mythus vom Monde und seinem Kampfe mit den „sieben bösen Geistern“ (der Unterweltsmacht). Übersetzt Kap. II unter Sin.

7 Stunden 43 Minuten. 2. Der synodische Umlauf von der Sonne bis wieder zur Sonne, die inzwischen um 2 Tage 5 Stunden 1 Minute weitergerückt ist; 29 Tage 12 Stunden 44 Minuten. 3. Der Drachenmonat, von einem aufsteigenden oder absteigenden Knotenpunkt mit der Sonnenbahn bis zum entsprechenden nächsten, der inzwischen um 2 Stunden 38 Minuten rückwärts nach Westen gerückt ist; = 27 Tage 5 Stunden 5 Minuten.

Aus dem Rückwärtsrücken des Knotenpunktes erklärt sich die 18jährige Periode der Finsternisse'. Sonnenfinsternis tritt ein, wenn der Mond bei der Sonne steht und wenn er auch bei einem Knoten steht. Der Tag der Sonnenfinsternis tritt ein, wenn der Anfang eines synodischen und eines Drachenmonats zusammenfällt. Die Babylonier haben berechnet (die gleiche Kenntnis ist nachweisbar bei den Chinesen), daß 223 synodische Monate = 242 Drachenmonate sind, das sind 6585 Tage oder 18 Jahre 101 Tage. Thales hat danach, von den Chaldäern belehrt, die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 berechnet.

Die Umlaufszeit der sieben Planeten? (einschließlich Sonne und Mond). Die fünf eigentlichen Planeten bewegen sich in Schlingen (wenn sich die Bahn schneidet, und Schleifen. Die Abweichung von der Kreisform ist gering.

1. Mond. Zum Umlauf s. oben. Er entfernt sich nicht mehr als 10 Grad von der Ekliptik.

2. Merkur ist Morgen- und Abendstern. Nur bei kurzer Dämmerung sichtbary. In einem Jahre und einigen Tagen läuft er

um die Ekliptik.

3. Venus, wie Merkur immer in der Nähe der Sonne, als Morgenund Abendstern erscheinend; braucht 1 Jahr und 7 Monate, um in die gleiche Stellung zur Sonne zu kommen. Ihr Umlauf kommt der Kreisbahn am nächsten.

4. Mars kommt nach 2 Jahren 49 Tagen in die gleiche Stellung zur Sonne. Die auffallend rote Farbe trägt zu seinem Charakter als Unglücksplaneten bei.

5. Jupiter der hellste Stern nach Venus. Er durchläuft jährlich durchschnittlich eine Tierkreisstation. Die Babylonier kannten vielleicht seine Trabanten.

6. Saturn zeigt die langsamste Bewegung; er braucht zum Umlauf 29'4 Jahr. Nur in der Nähe heller Fixsterne ist seine Bewegung zu beobachten.

1) Daß die Babylonier den Drachenmonat kannten und die Finsternisse richtig berechneten, haben ebenfalls die Astronomen Epping und Kugler in den zitierten Werken auf Grund der Keilschrifturkunden erwiesen.

-) Über die Planetenrechnung der Chaldäer hat Kugler ein Werk angekündigt. Vorläufige Bemerkungen über einige astronomische Resultate finden sich Babylonische Vondrechnung 207 ff.

9) Haben die Alten optische Hilfsmittel gehabt, so daß sich daraus ihre Beobachtung der Merkur- (?) und Venusphasen, der Jupitermonde (?) etc. erklärt? Die Erfindung des Fernrohres 1608 n. Chr. kann die Wiedergewinnung eines Jahrtausende versunkenen Kulturobjektes bedeuten. Nero bewaffnete sein Auge bekanntlich mit einem geschliffenen Edelstein Jahrhunderte vor Erfindung der Brille und des Teleskops.

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