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i Mos 10

Niniveh und Umgebung.

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Rich, nach ihm arbeiteten Emil Botta und Victor Place und vor allem Austen Henry Layard. Die Ausgrabung ist auch heute nur bis zur Hälfte gediehen, wird aber gegenwärtig von neuem aufgenommen. Botta wurde durch die ersten Ausgrabungen enttäuscht. Ein Bauer lenkte seine Aufmerksamkeit auf Khorsabad, das vier Stunden nördlicher lag. Hier wurde die Residenz des Königs Sargon gefunden, der (722) Samarien erobert hat. Henry Layard fand, später in der Arbeit verbunden mit dem englischen Konsul von Mosul Hormuzd Rassam, südlich von Niniveh in Nimrud (der Stätte des biblischen Kelach) im Gebiete Ninivehs den Palast Sanheribs mit 71 Räumen, Hormuzd Rassam stieß 1854 auf den Palast Asurbanipals, des griechischen Sardanapal. In dem Löwenjagdsaale fand er in Tausenden von gebrannten Backsteinscherben einen Teil der oben erwähnten königlichen Bibliothek. Dieser Fund von Niniveh bildet noch heute „das höchste Kleinod der Keilschriftforschung“.

Die Ausdehnung und Größe der alten Stadt Nineveh läßt sich nach den Ausgrabungen zurzeit noch nicht angeben. Die Angabe Jon 3, 7, sie habe 120000 Einwohner gehabt, wird kaum übertrieben sein. Hingegen beruht die Annahme des uns vorliegenden Textes: „Nineveh und Rehoboth-Ir und Kalah, und Resen zwischen Nineveh und Kalah – das ist die große Stadt", auf einem Irrtum des Glossators. „Das ist die große Stadt" ist nachträglich eingeschoben. Rehoboth - Ir ist wahrscheinlich das rêbit Ninâ der Keilinschriften und ist wohl an der Stelle des heutigen Mosul, gegenüber von Niniveh, dem es gewissermaßen als Brückenkopf diente, zu suchen (Billerbeck), Kalah ist Kelach, die oben S. 165 erwähnte Stadt unter dem Trümmerhügel Nimrud, an der Mündung des oberen Zab. Salmanasser I. hatte sie um 1300 zur Hauptstadt gemacht an Stelle von Assur. Auch Sargon residierte hier, bis er sich eine eigene Residenz baute (s. oben), die 706, ein Jahr vor seiner Ermordung, eingeweiht wurde. Sanherib erhob Niniveh. Resen (d. h. Quellhaupt) ist ebenfalls ein selbständiger Ort, der unter einem der kleinen Trümmerhügel zwischen Niniveh und Nimrud zu suchen sein wird.

Näheres zur Geschichte Ninivehs S. in meinem Artikel Niniveh und Babylon in RPrTh 3.

10, 13 und 14: Und Misraim scugte Lud und Anamîm und die Lehabîm und die Naphtuhîm und die Patrusîm und die Kasluhîm, woher die Philister auszogen (und die Kaphtorim].

Aus der Erwähnung der Patrusîm (Oberägypten, Thebais) konnte man von jeher mit Recht schließen, daß ägyptisches Gebiet gemeint ist, obwohl andre Namen auf Mittelmeervölker deuten. W. M. Müller hat in OLZ 1902, Sp. 471 ff. die ansprechende Vermutung ausgesprochen, daß Patrusim Glosse ist,

oase.

von einem Leser wahrscheinlich nach den Erwähnungen von Pathros bei den Propheten eingefügt, und daß diese Glosse sich als Kuckucksei erwiesen hat, indem sie die Gelehrten auf irrige ägyptische Wege führte. Es handelt sich nicht um Provinzen Ägyptens, sondern um benachbarte auswärtige Besitzungen und Vasallen der Ägypter.' Statt Kasluhîm kann nach Septuaginta Kasmonim gelesen werden.

W. M. Müller emendiert diese Lesung im Anlaut (k und n sind hebräisch sehr ähnlich) und erinnert an die Nasamonen, eine Bevölkerung in der Nähe der großen am weitesten nördlich gelegenen Ammons

Bei ‘Anamîm liest er im Anlaut K statt des Hauchlauts (auch diese Entstellung der Buchstaben wäre leicht erklärlich) und denkt an die Bewohner der südlichsten und größten Oase, der von Knmt (das t findet sich in Septuaginta: Enemetieim), was seinerzeit schon Brugsch, Reise nach der großen Oase S. 68, vermutet hat. In Naphtuhîm würde man dann gern die dritte große zwischen der Ammons- und der Knmt-Oase suchen. Diese mittlere Oase, das „Kuhland“, ist die von Farâfra. W. M. Müller stellt eine Vermutung auf, die auf den ersten Augenblick sehr kühn erscheint: er konstruiert für ,,Kuhland“ einen ägyptischen Namen, der allerdings hebräisch Naphtuhîm geschrieben sein könnte. – Die Ludim sind doch vielleicht die Lydier (Sept. Gesenius), die später in Kleinasien auftauchen und dort von Cyrus vernichtet werden. – Die Lybier westlich von Cyrene, die Na 3, 9 neben Put (Punt s. oben S. 156) erwähnt werden, stecken wohl sicher in den Lehabîm (inschriftlich Lebu).

„Und die Kaphtorîm“ ist eine aus Am 9, 7 entnommene, durch die Erwähnung der Philister veranlaßte Glosse.?

IO, 15: Die kanaanäischen Stämme. Unter Kanaan ist hier das gesamte Gebiet vom Libanon bis zum nahal Mușri gemeint. Sidon bezeichnet Phönizien (die Phönizier nennen sich selbst Sidonier), Hettiter (Reste der Hettiterzüge, die bald nach der Amarna-Zeit Kanaan beherrschten), Jebusiter (im Gebiet Jerusalems), Amoriter (Reste der Amurrî). Die Arkitre sind das Irķata der Amarna - Texte; das Ar-ka-(a) Tiglatpileser III., das III R 9 u. 10 zweimal neben Șimirra genannt ist, ist eine

1) Ich hatte im Anschluß an die Erwähnung der Libyer dies bereits als Vermutung ausgesprochen und ausgeführt, ehe ich W. M. Müllers scharfsinnigen Aufsatz zu Gesicht bekam.

2) Das scheint mir näher zu liegen als die früher vorgetragene Ansicht, daß die Bemerkung, „Woher die Philister auszogen“, als Glosse hinter Kaphtorîm gehört.

1 Mos 10

Die Kanaanäer.

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nordphönizische, noch in der römischen Kaiserzeit blühende Stadt. Siniter – Siannu, das Tiglatpileser III. (KB II, 2.f.) in der in Betracht kommenden Gegend erwähnt. Die Angaben v. 19 „bis Gerar“ und „bis Gaza“ sind identisch es ist das Grenzgebiet am nahal Musri.

Die Arvaditer sind die Leute des ,,Staates“ Arvad. Arvad lag auf einer Insel im nördlichen Phönizien, keilinschriftlich A-ru-a-di-(a), (Sanherib: kabal tâmti, mitten im Meer gelegen). Ez 27, 8. II schildert sie als Schiffer und tapfere Krieger. Das Gebiet war nach dem sogleich zu erwähnenden Feldzug Tiglatpilesers III. selbständig geblieben.

Die Şemariter sind die Şimirra der assyrischen Inschriften, was noch nicht bestimmt ist. Tiglatpileser III. (Kl. Inschriften I, 2) nennt Șimirra unter den 19 eingezogenen Städten von Hamath. Es wurde Sitz des assyrischen Statthalters über die neue Provinz, und der erste Präfekt war der spätere König Salmanassar. Wahrscheinlich ist die Stadt identisch mit der in den Amarnabriefen (Briefe Rib- Addis von Gebal) häufig genannten Stadt Sumur (Sumur = Simir wie Musur = Misir), die Rib-Addi von Gebal durch den vordringenden Aziru streitig gemacht wird. Nachdem Aziru von Norden kommend Irkata (= Arķâ) genommen hat, hindert ihn Sumur am Vordringen gegen Gebal. Es liegt also zwischen Arķâ und Gebal. Tiglatpileser nennt übrigens neben Șimirra eine andere nordphönizische Stadt Zimarra; das ist das südlich von Arvad gelegene Simyra, darf also nicht mit dem nördlich gelegenen Şimirra verwechselt werden. 1

Die Hemathiter vertreten das syrische Hamat. Die beiden obengenannten Provinzen Arvad und Şimirra beteiligten sich samt Damaskus und Samarien 720 an dem Aufstand Jâ'ubidi's von Hamat gegen Sargon.

Die Aufzählung der Reiche Siniter (Siannu), Arvaditer (Aruad), Semariter (Simirra) und Hemathiter (Hamath) entspricht also der politischen Situation der syrischphönizischen Kleinstaaten zur Zeit Tiglatpileser III. (2. Hälfte des 8. Jahrhunderts) und seiner Nachfolger; der Schreiber von i Mos 10, 15 ff. muß um diese Zeit gelebt haben. Der Zusatz von 18b gehört dann einer späteren Redaktion an.

1) Eine kuriose Auswahl der „Sklavenvölker“, bei der wohl der Verfasser nicht systematisch verfahren ist.

10, 22: Die Söhne Sems sind Elam, Assur, Irpakešad, Lud und Aram. Daß Elam unter den Söhnen Sems genannt wird, hat guten Grund und verrät gute politisch-geographische Kenntnisse. Das semitische Babylonien hat stets Anspruch auf Elam erhoben und es hat von jeher zum babylonischen Kulturkreis gehört. In Arpakešad steckt wohl kaum Arrapha (+ Kesed = Kasdim?), der Name des Gebietes zwischen Medien und Assyrien, das in vorassyrischer Zeit ein besonderes Reich gebildet hat, dann unter Sargon als Provinz Arpacha erscheint, aber auf der Nabonid-Stele wieder als selbständige Provinz auftaucht. Man erwartet in dem Zusammenhange eine Bezeichnung für das eigentliche Babylonien.1

Lud ist das Lubdi? der Keilinschriften (eventuell leicht zu erklärender Schreibfehler), die Landschaft zwischen dem oberen Tigris und Euphrat, nördlich vom mons Masius oder dessen westlicher Fortsetzung. Adadnirai I sagt, er habe seine Eroberungen von Lubdi bis Rapiķu ausgedehnt. Samsi - Adad I nennt es unter den abtrünnigen assyrischen Provinzen. Zu trennen aber sind von diesem Lud die Luditer in v. 14.

Von 10, 24 an (dazu gehört 21) setzt eine andere Quelle ein, die nicht mehr Völker nennt, sondern über Heroen spintisiert. Als Söhne Joktans werden jedoch einige arabische Landschaftsnamen eingestreut. Daß Hazarmaveth = Hadramauth der südarabischen Inschriften nach v. 26 versprengt ist, wurde schon oben bemerkt S. 157. Vielleicht sind auch Seba v. 28 (s. oben S. 157 f.) und Ophir (Goldland in Südarabien, mit Hüsing in Elam oder in Indien zu suchen?), Havila (s. oben S. 157), Jobab versprengt. Wir möchten die Vermutung nicht unterdrücken, daß in Jobab der längst gesuchte arabische Landschaftsname Jareb stecken dürfte. Dillmann dachte an den Namen Inhaibal auf sabäischen Inschriften.

Die Grenzorte Meša und Sephar sind nicht sicher zu bestimmen. Dillmann liest Massa (in Nordarabien), Sephar ist vielleicht das Saprapha des Ptolemäus und Plinius, das heutige Safar in der Mitte der Südküste von Arabien (ca. 17° 30' N., 59° Ost-Greenwich).

1) Vgl. Jensen, ZA 15, 226 (= arb-kišadi, „Vieruferland“) und ähnlich schon Delitzsch, Paradies 255f.

2) Jensen, D. Lit. Ztg. 1899, S. 936; zu Lubdi s. Winckler, F. II, 47, und Streck, ZA 14, 167 f.

S 11, 4f.

Der Turmbau zu Babel.

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Zwölftes Kapitel.

Der Turmbau zu Babel.

i Mos 11, 4f.: „Stadt und Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht.Ein echt babylonischer Bauplan. Im Tempelbezirk jeder Stadt bildete der Tempelturm den Mittelpunkt." Vom Turm von Babylon heißt es wiederholt bei Renovationen: seine Spitze soll bis an den Himmel reichen. Der Verfasser schildert babylonische Bauart. „Wir wollen Ziegel streichen" (vgl. 2 Mos I, 14, assyrisch dieselben Worte labânu libittu, vgl. Na 3, 14 malbên, Ziegelform). Nebukadnezar sagt ausdrücklich, daß er den Turm von Babylon mit Ziegeln und Erdpech erneuern ließ; ein andermal berichtet er, er habe ihn mit emaillierten Ziegeln überzogen und die Spitze von uknû-Stein (KB III, 2, S. 15. 31) gemacht. Die ältesten Baureste des Turmes in Nippur aus roh bearbeiteten, Steinen gleichenden, rechteckigen Backsteinen zeigen noch heute die Reste des Erdpechs (1 Mos II chemar, „Asphalt“, assyrisch kupru wie bei der Arche i Mos 6, 14 kopher, aram. kuphrâ), das als Bindemittel benutzt wurde.

Herodot beschreibt I, 179 die Bauart ganz richtig bei der Schilderung des Mauerbaues von Babylon. Er schildert die Mauer, die bereits abgetragen war und irrt sich in den Größenverhältnissen, s. Billerbeck, AO IV, 1, S. 7 Anm.:

„Sie fertigten Ziegel aus der Erde, die aus dem Graben geworfen wurde: und nachdem sie eine hinreichende Zahl von Ziegeln gestrichen hatten, brannten sie dieselben in Öfen. Nachher aber nahmen sie als Mörtel heißes Erdpech und stopften zwischen je dreißig Schichten von Ziegeln eine Lage von Rohrgeflecht."

Die Beschreibung ist genau. Die Zwischenlagen von Rohr hat man in den Bautrümmern von Babylon gefunden.

uns

1) Der dreistufige oder siebenstufige Tempelturm (s. S. 12) gehört zu den charakteristischen Stücken der ältesten bekannten vorderasiatischen Kultur. Die ägyptische Pyramide scheint im Stufenturm ihren Ursprung zu haben (s. Hommel, Geschichte, S. 17, Aufs. u. Abh. 391 ff., Handbuch 126 f.). Die aus Backsteinen erbaute Stufenpyramide von Sakkara (Pharao Zoser von der 3. Dynastie) ist ursprünglich siebenstufig, ebenso wie die Medum-Pyramide des Snofru (4. Dynastie). Daneben gab es dreistufige Pyramiden, wie in Babylonien, vgl. das Vasenbild bei de Morgan, Recherches sur les origines de l'Egypte II, 236. Die Ägypter bauten seit Cheops Zeiten Pyramiden an Stelle der früheren Mastabas.

2) Nabopolassar I, 36 f. (KB III, 1, 5) und Neb. Hilpr. (Toncylinder) II, 5, s. BA III, 548.

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