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mit Sorgfalt über sein Leben, denn, würde er getötet, so wären sie zu einer Blutbusse von hundert Rindern verpflichtet?). Und ganz ähnliche Sitten werden uns fernweg von den Papuas auf Neu-Guinea bestätigt).

So ist das Gastrecht auf primitiver Stufe, wo Rechtseinrichtung mit weitgehenden Verpflichtungen des Gastfreunds ist, unentbehrlich für die Zwecke des Verkehrs und des beginnenden Handels. So lange diesem das Gastrecht nicht zu Hilfe kommt, der Handelsmann ein Fremdling bleibt und das Volk, das er aufsucht, ihm scheu gegenüber steht kann der Austausch der Ware nur notdürftig in der Form des sogenannten stummen Handels erfolgen, den uns Herodot 3) bereits von den phönizischen Handelszügen nach der westafrikanischen Goldküste berichtet: »Die Karthager erzählen noch Folgendes: Es wäre auch noch libysches Land und Menschen darin jenseit der Säulen des Herakles. Wenn sie dahin kämen, lüden sie ihre Waren aus und legten sie in der Reihe an dem Strande aus, dann gingen sie wieder in ihre Schiffe und machten einen grossen Rauch. Wenn nun die Eingeborenen den Rauch sähen, so kämen sie an das Meer und legten für die Waren Gold hin und dann gingen sie wieder weit weg von den Waren. Die Karthager aber gingen an das Land und sähen nach, und wenn des Goldes genug wäre für die Waren, so nähmen sie es und führen nach Hause; wäre es aber nicht genug, so gingen sie wieder an Bord und warteten es ruhig ab. Dann kämen sie wieder und legten

1) Louis LANDE in Revue des deux mondes 1879 XXXI, S. 389. Aus dem alten Ostafrika vergl. den Bericht des marokkanischen Reisenden JBN BATUTA, der um 1330 einen grossen Teil der afrikanischen Ostküste bereiste, bei HELLWIG, das Asylrecht der Naturvölker, S. 36 ff.; und wegen der Galla dort S. 45ft., wegen der Somali S. 50, der Barea ,

Kunama, Bogos, Bcni-Amer und Berta ebenda S. 56 ff.

2) Zeitschrift, Bd. 14, S. 389.
3) 4, 196.

Tauschgeschäft und Gastfreundschaft

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noch immer etwas Gold zu, bis die Karthager zufrieden wären. Keiner aber betrüge den andern, denn sie rührten weder das Gold eher an, als bis die Waren damit bezahlt wären, noch rührten jene eher die Waren an, als bis sie das Gold genommen«. Also kein Handel von Angesicht ·żu Angesicht, sondern durch stillschweigende, rechtsgeschäftliche Erklärungen, die in ihrer einfachen Form hüben und drüben verstanden werden. Eine Offerte folgt der andern, solange bis die letzte durch die schweigende Wegnahme der Gegenstände angenommen wird. Eine Kette von obligatorischen Verhandlungen, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Ein derartiger Handel, der eine Fülle von Geduld auf Seiten des kultivierten Teils voraussetzt gerade wie die bekannten langwierigen Schauris, denen sich die europäischen Forschungsreisenden den Afrikanern gegenüber unterziehen müssen kommt auch jetzt noch im Verkehr mit scheuen Naturvölkern vor; aber zuweilen auch im Verkehr dieser Naturvölker unter einander, wie uns den Eskimos erzählt wird, dass sie den ihnen zur Herstellung von Töpfen und Lampen nötigen Seifenstein aus bestimmten Gruben in weiter Entfernung holen und dort, zum Austausch einige Kleinigkeiten hinlegen 1).

Das Tauschgeschäft ist die älteste Stufe des Handelsverkehrs und Handelsrechts. Es liegt nahe, dass das eine Volk die Produkte, die es selbst nicht brauchen kann, hingibt, um andere zu erhalten, deren es selber benötigt ist. Und es spricht manches dafür, dass in ältester Zeit nicht immer genau darauf gesehen wurde, dass Wert und Gegenwert sich entsprachen. Es lag somit vielfach weniger ein Tauschhandel als ein Austausch von Geschenken vor, bei denen man sogar

von

1) Über den stummen Handel vergl. A, H. L. HEEREN, Ideen über die Politik u. s. w. II, 1, S. 185; KÜHNE in Zeitschrift, Bd, 11, S. 199; SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte, S. 508; FRIEDRICHS, Universales Obligationenrecht, S. 87, 88; Schurtz, Urgeschichte der Kultur, S. 280, 281.

eine Ehre darin suchte mehr zu geben, als man erhalten hatte. Es sei hier an das erinnert, was oben 1) von der Rechtssitte des Gegengeschenks gesagt ist. Es mag sein, dass hierin die älteste Form des Warenaustausches zwischen verschiedenen Völkern vermutet werden kann jedenfalls handelt es sich um ein allgemein menschliches Vorkommen, da die Verbreitung dieser Sitte uns aus aller Welt, aus Afrika wie aus Polynesien und ebenso von den Rothäuten Nordamerikas berichtet wird. Auch dies weist darauf hin, eine wie wichtige Rolle dem Gastrecht in der Entwickelung des Handelsverkehrs zuzuweisen ist. Von seiner Bedeutung auf dieser Stufe sei ein Beispiel aus den Gebirgen von Assam erwähnt: dort, wo bei weitgetriebener politischer Zersplitterung beständige Fehden herrschen, wird trotzdem der Handel durch ein entwickeltes System des Gastrechts aufrecht erhalten. Jeder Händler hat in den von ihm aufgesuchten Dörfern seinen Gastfreund, der ihm mitten in erbittertster Stammfehde bereitwillig Obdach und Nahrung gibt und ihn vor Mord schützt. Anderwärts, wie z. B. in Guyana, ist dies in der Weise ausgebildet, dass der Handelsmann als eine neutrale Person gilt, die unbehelligt von einem feindlichen Stamm zum andern verkehren kann?).

Wie bei dem stummen Handel an einem als neutral aufgefassten Ort, gewöhnlich dem Meeresstrand, Gabe und Gegengabe hingelegt wird, und der Raub des Gegenstands ohne Gewährung des Gegenwerts ein ungeheurer Frevel wäre – so 'ist ein weiterer folgenschwerer Schritt gewesen, dass man bestimmte Zusammenkunftsorte als dauernde neutrale Plätze schuf und an ihnen nunmehr nicht stumm aus dem Verborgenen, sondern von Angesicht zu Angesicht mit einander handelte. Dies sind die Märkte, wie wir sie namentlich in Arabien und Centralafrika finden, und die Rechtseinrichtung des Markt

1) Bd. 2, S. 73, 74.
2) SCHURTZ a. a. O., S. 282 ff.

friedens. Dieser hat die Bedeutung, dass vor allen Fehden an dem Marktort Sicherheit ist, feindliche Stämme hier mit einander unter Aussetzung ihrer Feindseligkeiten verkehren, und sogar die Blutrache ruht andererseits aber auch, dass Missetaten, auf dem Marktplatz begangen, strengster sofortiger Ahndung durch eine Art von Lynchjustiz unterliegen. Der Kauf auf diesen Märkten ist von alter Zeit her ganz besonders gesichert, so dass er gültig bleibt, auch wenn die Sache dem Verkäufer nicht gehört, ja wenn sie entwendet war 1). So uralt, auf dem geweihten Frieden der ältesten Märkte beruhend, ist der Satz »Hand wahre Hand« unseres Rechts ).

Hier sehen wir überall das Bedürfnis des Tauschverkehrs und des Handels dem Völkerrecht die Wege bereiten. Auf der andern Seite ist es der Ackerbau und die Bindung des Menschen an die Scholle, die ihn friedliebender machte und in die ursprünglich regellosen Stammesfehden eine gewisse

1) So bereits im altindischen Gesetzbuch des Manu Buch 8, V. 201, wie im heutigen Dekan, KOHLER in Zeitschrift, Bd. 8, S. 123; vergl. auch KÖHNE in Zeitschrift, Bd. II, S. 214, 219.

2) KÖHNE a. a. O., S. 209 ff.; FRIEDRICHS, Universales Obligationenrecht, S. 88, 89; Schurtz, Urgeschichte der Kultur, S. 288. Es ist natürlich, dass die Märkte sich häufig an bereits von altersher bestehende Zusammenkünfte benachbarter Stämme anschlossen; dazu waren besonders Wallfahrtsfeste geeignet, und braucht hier nur an die Geschichte Mekkas und anderer arabischer Plätze (vergl. J. WELLHAUSEN, Skizzen und Vorarbeiten, Bd. 3, S. 80 ff.) erinnert zu werden. Über die Geschichte der deutschen Märkte vergl. insbesondere Karl RATHGEN, Entstehung der Märkte in Deutschland. Strassburg, Inaug. Diss. 1881. Wegen Galliens vergl. den Brief des Bischofs SIDONIUS APOLLINARIS von 471, kommentiert von ESMEIN, Mélanges d'histoire du droit, S. 366 ff. 375 ff., und wegen des französischen Mittelalters HUVELIN, Essai historique sur le droit des marchés et des foires, Paris 1897. Man kann sagen, dass erst die Einführung des Postdienstes mit seiner schnellen und sicheren Beförderung der Waren den Märkten ihre Bedeutung für den Weltverkehr genommen hat. Der Gegensatz des Marktes, als dem dauernden, nicht dem periodischen Handelsverkehr bestimmt, ist die moderne Börse.

von den

Übereinkunft und Ordnung brachte. Mitunter sehen wir freilich auch nomadische Völker zu Anfängen des Völkerrechts vorgeschritten, wie es uns Allen geläufig ist, dass der nordamerikanische Indianer als Kriegserklärung eine rote Kriegsaxt übersendete und als Zeichen des Friedensschlusses sie begrub und die Friedenspfeife rauchte. So kennt man bei Naturvölkern Parlamentäre, und sind dies zuweilen die Frauen, vor denen sich die Waffen der Kämpfenden senken, wie uns Ehrenjungfrauen der Samoaner berichtet wird 1). Und hier sei nochmals 2) auf die hohe Bedeutung, die das Konnubium, das Recht zum Ehebunde, für das Völkerrecht der ältesten Zeit hatte, hingewiesen. Wie es einer der Übergangspunkte war, auf denen man von der alten Binnen- zur Aussenehe (von Endogamie zur Exogamie) hinüberschritt, so war es auch eines der wichtigsten Mittel der Völkermischung und der Verbindung von Volk zu Volk. Auf dein langsamen Wege, auf dem man sich von der atomistischen Zersplitterung der Stämme und Sippen zu dem Gedanken grösserer Vereinigungen erhob, ist dies eines der gewaltigsten Förderungsmittel der Menschheit gewesen. Es ist bekannt, wie der römische Staat sich auf dem Konnubial-Vertrag zwischen den Ramnes und den Sabinern, den späteren Tities aufbaute, und viele Staatsverträge des Altertums, die uns erhalten sind, zeigen, welches Gewicht man derartigen Vereinbarungen beimass. Dasselbe

von den Rothäuten) und von den Australnegern bezeugt).

Und so stehen wir wieder vor der Bedeutung der Eheverfassungen für die Menschheit, und das Ende unserer Be

wird uns

1) Ebenso auf Jaluit (Marschallinseln); Zeitschrift, Bd. 14, S. 453. Vergl. auch SchurTZ, Urgeschichte der Kultur, S. 204 und W. ELLIS, Polynesian Researches, 1830, Bd. 2, S. 512.

2) Oben, Bd. I, S. 59.
3) MORGAN, Systems of consanguinity and affinity, S. 139.
4) KOHLER in Zeitschrift, Bd. 7, S. 329.

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