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wenn aus dem Fluchwort der Name einer Göttin geworden wäre. Aber der Anklang ist da.

Nach andern Aufzeichnungen hieß der erste Mensch Adapa. Er trug den Leib eines Menschen, aber Beine, Hörner und Schwanz eines Ochsen und fraß mit den Gazellen Gras. So war der 3er ameluti, der Sproß der Menschheit, beschaffen. Aber sein Vater Anu, der Gott des Himmels, gab ihm aufrechten Gang und änderte Speise und Bekleidung. Er wohnte in der Einsamkeit, drei Tagereisen weit von der Stadt Erech in einer Höhle. Seine Gesellschaft war das Vieh und die Priechenden Tiere.

Wie der Name Eabani oder Multiru nicht auf Anu und Aruru, sondern auf Ea als den Bildner des Menschen hinweist, so erzählt geradezu eine andre Tafel:

„Ea bildete die Menschen, daß sie den Göttern unterworfen seien, der Gott des reinen Lebens, der Meister aller Weisheit, der die Toten zum Leben erwedt, der barmherzige, bei dem Leben ist, der Herr der menschlichen Gattung.“

Uuf andern Tafeln wieder heißt der erste Mensch Samasnapistini, d. i. der aus Ton (titu) gemachte. Und von den Menschen, die in der Sintflut umkamen, wird gesagt, daß sie zu dem Ton zurükkehrten, aus dem fie gemacht waren. So finden sich in diesen verschiedenen Sagen über den ersten Menschen Spuren, Anklänge aus einer uralten, den verschiedensten Völkern gemeinsamen Ueberlieferung. In Babylonien aber wurden diese Ueberlieferungstrümmer von zwei Völkern genommen und zum Zwed der Ausbreitung eines neuen Götterdienstes bald mit rationalistischem, bald mit gnostisch-mystischem Auspuß ausgestattet.

4. Die Gilgamis-Sage. Uelian fennt einen babylonischen König Gilgamos. Denselben Namen trägt der Herr von Erech, der in diesen Sagen auftritt. Sein Jeichen oder Ideogram wird bald Hissimki, bald Samasnapistim, Pirnapistim oder Utnapistim gelesen. Sein Ahnherr war Hasifatra oder Atrahasis. Vor diesem Namen steht das Götterzeichen. Daran halten fich die Forscher, die in dem Helden Gilgamis oder Gibilgamis einen Sonnenheros erkennen, dessen Taten wie die Arbeiten des Herkules in zwölf Monaten verrichtet wurden und hier auf zwölf Tafeln verzeichnet sind. So meint Paul Haupt +), es könne kaum zufällig sein, daß Eabani, der weise Stier mensch, im zweiten Gesang auftritt, daß Nimrod-Gilgamis- Izdubar mit Eabani im dritten Gesang ein unzertrennliches Freundschaftsbündnis schließt (3 willing e); daß er im siebten Gesang frank wird, wie die Sonne im siebten Monat schwächer wird, was doch sehr fraglich ist; daß die achte Tafel ihn mit dem Storpion mensch zusammentreffen läßt; daß im elften Gesang die Sintflut erzählt wird. Demnach meint der Gelehrte, daß wir hier wie in Enuma elis kein Volksepos, sondern eine in allegorische Bilder eingekleidete Ustronomie haben, während Jensen dieses Epos für die Unterlage oder Quelle der Odyssee und vieler andern Dichtungen erkennt. Doch lassen wir das Gedicht für sich selbst reden, anstatt es mit neuen Dichtungen einzurahmen und zu verdunkeln.

1) Bei fr. hommel, 2. u. 3., S. 357.

In der Einsamkeit, fern von den Wohnungen andrer Menschen, lebten Eabani, das Abbild Anus, ein Geschöpf Arurus, am ganzen Ceibe behaart Er frißt Kraut mit den Gazellen, geht mit dem Vieh zur Tränke, tummelt sich im Wasser mit den Fischen Niemand beschränkt oder belästigt den weisen Menschen in dem glüdlichen Zustand dieser freiheit, bis der Jäger Gaidu ihm begegnete. Der beschwerte sich bei Unu über Eabanis Uebergriffe: er fülle feine fanggruben aus

aus und nehme seine Nebe weg.

Anu der Weise gibt auf solche Beschwerde hin dem Jäger den Rat, er solle eine Hure mitnehmen. Die soll ihr Gewand ablegen und den Gewaltigen 1) an sich locken! So geschieht es. Sechs Tage und sieben Nächte liegt Eabani bei dem freudenmädchen. Aber in diefer Zeit wendet sich sein Vieh von ihm ab. Da sagt die Hure zu ihm: ,,Schön bist du, Eabani. Wie ein Gott bist du. Ich will dich nach Erech führen, wo Gilgamis über die Männer gewaltig ist."

In dieser eklen Ausgeburt einer heidnischen Phantasie sieht ein evangelischer Gelehrter unserer Tage ?) eine „naive Erzählung, in der eine gewisse Ideenverwandtschaft mit dem biblischen Bericht (mit welchem ?) vorliege". Da man nicht annehmen kann, daß dieser Ge lehrte die Bibel verhöhnen will, so ist eine Erklärung des Vergleiches der babylonischen Erzählung mit der hl. Schrift nur dadurch möglich, daß derselbe Gelehrte die babylonische Erzählung nicht mit den Worten des Epos selber gibt, wie wir sie eben gehört haben, sondern zugestußt und in einer färbung, die nicht am Plaße ist, wo es sich darum handelt, ein gerechtes Urteil über verschiedene literarische Werke zu gewinnen. Auf diese Weise zieht der Gelehrte seine Leser leicht in ein ungerechtes Vorurteil hinein und ladet eine unmeßbare Schuld auf sich. Das Epos erzählt weiter :

Damals war die Stadt Erech von den Elamitern hart bedrängt und konnte vor diesen Feinden das Haupt nicht erheben. Da tritt Izdubar oder Gilgamis, den Berosus Xisuthros nennt, ein Nachkomnie hasisatras aus der Stadt Marada auf, ein König der Riesen, ein Richter der Jgigi, ein edler fürst, groß unter den Menschen, Eroberer

1) Eabani wird als ein Riese mit gewaltigen Schnabelschuhen abgebildet. 2) A. Jeremias in U. T. O., S. 113.

Ser Welt, Beherrscher der Erde, Herr der untern Gegenden, sprechend wie ein Gott ).

Dieser Held hat drei wunderliche Träme gehabt. Er sah im ersten Traume, wie die Sterne des Himmels auf ihn fielen, und ein schreckliches Wesen bedrohte ihn. Der zweite Traum zeigte ihm eine Art, der dritte ein Wetter am Himmel, auf Erden Salz aus dem Rauch von oben.

h. Zimmern 2) weiß nur von einem Traum und vermutet, sein Inhalt sei die Schilderung des Zustandes in der Unterwelt gewesen. Daß die Träume einen rechten Wirrwarr vorbringen, zeigt eine treffende Schilderung an.

Gilgamis hört von Eabani, der die Geheimnisse der Natur kennt, und bittet ihn, seine Waldeinsamkeit zu verlassen und nach Erech zu tommen. Der Gott Samas rät Eabani, dieser Einladung zu folgen, und verspricht ihm schöne Gewänder, behagliche Wohnung und große Ehren durch das freudenmädchen! Doch erst eine zweite Gesandtschaft, die aus dem Jäger Jaidu, der früher sein Ankläger war, und zwei frauen besteht, kann Eabani bewegen, nach Erech zu kommen. Dort schließen beide Helden mit einander Freundschaft und bekämpfen wilde Tiere. Sie überfallen auch den Tyrannen Hambaba, dessen Stimme gleich dem Sturmwind ist, in seiner Parkwohnung und töten ihn, worauf Gilgamis König von Erech wird.

Nun aber wirft Jftar ihre begehrlichen Augen auf diesen Helden: „Sei mein Buhle und schenke mir deine Ceibesfrucht. Du sollst mein Mann sein und ich dein Weib. Ich will dich fahren lassen auf einem Wagen von Gold und Casurstein. Die Könige, fürsten und Herren sollen dir untertan sein und deine Füße küssen." Über Gilgamis hält der Versucherin vor, wie viele Männer sie schon betrogen und unglücklich gemacht habe. Insbesondere erinnert er an Tammuz, den Buhlen ihrer Jugend, dem sie Jahr für Jahr Weinen bestimmt habe, und an den Allulubogel, den sie geliebt, und sagt: „Als du den bunten Hirtenknaben liebtest, schlugst du ihn und zerbrachst seinen Flügel; als du den Löwen liebteft, grubst du ihm sieben und sieben fallgruben. Als du den Hirten der Herde liebteft, verwandeltest du ihn in einen wilden Hund, daß seine eignen Knaben ihn verjagten, seine eignen Hunde ihm das fell zerrissen. Und als du Jsulanu, den Gärtner deines Vaters, liebtest, der dir beständig Blumensträuße zuträgt, wollte er nicht Speise von Dorn und Disteln noch Kraut effen. Uuch ihn hast du in einen .... verwandelt."

Ueber solche Vorwürfe erzürnt steigt Iftar zum Himmel empor und Flagt ihrem Vater Anu und ihrer Mutter Anatu, Bilgamis habe sie verwünscht. Ea solle ihn durch einen wilden Himmelsstier strafen, sonst wolle fie .. zerschlagen, und der Toten solle mehr sein als der Lebendigen. Anu antwortete der erzärnten Tochter: „Wenn ich tue, was du begehrst, so werden sieben Spreujahre sein" - Jahre, in denen der Auss drusch des Getreides mehr Spreu oder Kaff als Korn ergibt. Anu tat aber doch nach Istars Bitte und schafft einen wilden Himmelsstier, den die beiden Freunde, Eabani und Gilgamis, alsbald jagen und erschlagen. Es war ein ungeheures Tier, das mit seinem Schnauben zweihundert Männer auf einen Schlag tötete. Sie weihen ihn dem Gott Samas.

1) Vergl. Ciele a. a. O. S. 512. 2) K. Ü. T., S. 569.

Daher, sagen die freunde der astronomischen Deutung, erscheint im Tierkreis nur ein verstümmelter Stier. Aber man hat die Frage zu lösen, welcher Teil der Sage Wurzel und welcher Teil Ausschlag oder Gujak ift?

Kun tritt Iftar auf die Sinne der Mauern von Erech und klagt über die neue Kränkung, die Gilgamis durch das Erschlagen des Himmelsstieres ihr zugefügt habe. Eabani aber wirft ihr das rechte Viertel des Stieres ins Gesicht und will deffen Eingeweide ihr anhängen. Da ruft Istar alle Dirnen, Huren und freudenmädchen von Erech zusammen und stellt ein großes Weinen an über das rechte Viertel des Stieres, dessen Hörner Gilgamis dem Gott Lugalbanda oder Sin weiht.

Auch an die Unterwelt wendet sich Iftar um Hilfe, richtet aber dort nichts aus. Nun aber schickt ihre Mutter Anatu über Gilgamis die Plage des Aussakes, die ihn, der auch durch den Tod seines freundes Eabani um diese Zeit betrübt wird, zu seinem Ahnherrn Hasisatra oder Utnapistim treibt. Eabani aber Plagt in der Unterwelt: „folge mir nach, fomm zu mir hinab in das Haus der Finsternis, in die Wohnung Jrkallas, zu dem Haus, dessen Betreter nicht wieder hinausgeht; zu dem Weg, dessen Begehen ohne Umkehr ist; zu dem Haus, dessen Bewohner des Lichtes entbehren, wo Staub ihre Nahrung, Erde ihre Speise ist; wo sie wie ein Vogel mit dem Federkleid bedeckt sind, kein Licht schauen, im Dunkeln wohnen, im Hause des Staubes, in das ich hineingegangen, die majestätische Königsmüte, (der Erbe) der Königsmüßen, die seit den Tagen der Vorzeit das Cand beherrschen. Hier wohnen die Priesterherren und die Priesterdiener, der Gewaschene und der Verzücte, die Weltmeergesalbten der großen Götter, hier Etana, hier Gira, hier wohnt die Königin der Erde, Ereskigal; Belitsiri, die Schreiberin der Erde, kniet vor ihr."

So klagt Eabani in geheimnisvoller Rede, aber Gilgamis trachtet nach dem Abschied seines Freundes zu seinem Ahnherrn Hasijatra zu gelangen und kommt nach manchem Abenteuer an den Berg Masu, wo die Skorpionmenschen Wache halten und Gilgamis von seinem Zuge abraten. Aber er bleibt bei seinem Vorsaß und gelangt endlich zu dem wunderbaren Garten, wo fruchtbäume wachsen, die Edelsteine als früchte tragen. Hier wohnt die Göttin Sidurisabitu auf dem Thron des Meeres, mit einer Hülle verhüllt. Sie sieht Gilgamis von ferne

tommen und verriegelt ihre Türe; aber Gilgamis erzwingt den Eingang und berichtet der Göttin von seinen und seines Freundes Heldentaten und seines Freundes frühen Tod. Dann fragt er nach dem Weg zu seinem Ahnherrn. Sabitu antwortet: „Nie gab es eine Ueberfahrt, und feiner, der seit alters angelangt ist, geht über das Meer. Samas, der gewaltige, ging über das Meer. Wer geht außer Samas hinüber ? Das Leben, das du suchst, wirst du nicht finden. Als die Götter die Menschen schufen, haben sie den Menschen den Tod auferlegt, das Leben aber in ihren Händen behalten ). Dir, Gilgamis, rate ich: genieße die freuden dieses Lebens. fülle deinen Bauch mit Speise, freue dich Tag und Nacht. Mache dir täglich ein freudenfest, spring und hüpfe Tag und Nacht. Deine Kleider seien sauber, dein Haupt sei rein, mit Wasser wasche dich. Schaue auf den Kleinen, der dich an der Hand hält; dein Weib freue sich in deiner Umarmung! Schwierig ist die Ueberfahrt, beschwerlich sein Weg, tief sind die Wasser des Todes, die ihm vorgelagert sind."

Dann weist Sabitu ihn zu Urnimin, dem Schiffer Utnapistims; und als Gilgamis diesen gefunden, wird noch einmal berichtet von seinen Taten und seines Freundes frühem Tod. Schon am dritten Tage gelangen beide zu Utnapistim, wo zum dritten Mal der Bericht von seinen Taten vorgetragen wird. In dem Zwiegespräch, das beide über den grimmigen Tod halten, sagt Utnapistim:

„Bauen wir ein Haus für immer? Siegeln (?) wir für immer? Teilen Brüder für immer? Geschieht Kinderzeugen auf Erden für immer? führt der fluß für immer Hochwasser? Herrscht nicht der Tod von Unbeginn? Die fehlgeburt und der Tote, wie sie einander begegnen, zeichnen sie nicht des Todes Bild? Zlachdem der Aufpaffer und der Zuriegler die Toten begrüßt haben, versammeln sich die Ununaki, die großen Götter; mit ihnen bestimmt Mamitu, die das Schicksal schafft, die Geschide; sie setzen Tod und Leben fest, aber des Todes Tage werden nicht kundgetan.“

Also philosophiert hasisatra, der wegen seiner Frömmigkeit in das Paradies versekt ist

, vor Gilgamis und seinem fuhrmann Urnimin oder Urubel, d. i. Knecht des Bel, aber von seinem Uussaß kann er ihn nicht heilen, doch erzählt er ihm die babylonische Sintflutsage.

Wenn Jensen ?) daran Anstoß nimmt, daß am Schluß der siebten Tafel Eabani mit Gilgamis spricht, während er vorher als Toter in der Unterwelt klagte, und wenn er aus diesem Grund eine andre Anordnung der Kolumnen verlangt, so ist das einleuchtend. Aber was gibt es hier nicht für Anstöße, Unmöglichkeiten, Scheußlichkeiten, die nicht zugedeckt werden durften, damit unbefangene Leser ein gerechtes Urteil über diese angeblichen Quellen unsrer biblischen Geschichten ge

1) Man beachte die von der hebräischen gänzlich verschiedene Anschauung der Babylonier betr. dieser wichtigen frage, woher der Tod zu den Menschen getom. men ift.

2) K. B. VI, S. 193.

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