Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Bücher der legteren Urt den ersteren gleich achteten, und was nicht Glaubensnorm seyn könnte und sollte, doch als solche betrachteten, weil es durch die kirchlide Kanonisirung auf gleiche Linie mit folder gestellt erschiene. Auf der andern Seite müßte das Unsehen des Kanons in den Augen Bieler tief berabsinken oder vollende verschwinden. Denn wenn Sdriften, welche zur Begründung von Dogmen und Glau: benswabrheiten nicht gebraucht werden, und somit für den Glauben und die Ueberzeugung nicht maaßgebeud sein důrfen, doch kanonisd) sind, so können ebendeßhalb andere Schrifteni, bloß darum, weil sie kanonisch sind, eine solche maaßgebende Auktoritåt noch nicht haben, und der biblifde Kanon darf nicht mehr als Regel und Norm des rechten Glaubeus und Lebens, sondern nur noc als religioses Er: bauungsmittel angeseben werden. Der Begriff der Kanonis citåt, wie man ihn gewóbulich zu fassen pflegt, ist vernida ter (denn von der zwar nicht unrichtigen, aber ganz auffer: lidhen, Auffassung des Kanons als eines bloßen Bücherber: zeichniffes múffen wir hier abreben), und durch das Prädikat ,, kanonisch“ ist eine Schrift bloß von der macula haere. ticae. pravitatis freigesprochen, wie das nådste beste Buch, das nicht in den index prohibitorum gesetzt zu werden vers dient. Es ist sogar von dieser Seite aus nicht recht einzus sehen, warum man nicht alle mit bischöflicher oder påbsili: cher Approbation bersebene Schriften deuterofanonisd oder überhaupt tanonisch folte nennen dürfen, da ja durch eben folche Upprobation ihr Gehalt von allem Widerstreit gegen die gesuude Lehre freigesprochen wird. Selbst wer mit einer Art Rigorismus die Approbation der gesammten Kirche für

diesen Fall verlangte, müßte wenigstens z. B. den biblischen Commentarien des Sfidorus Clarius, mit Ausnahme des Prologs und der Prolegomena, får deuterolanoniso gelten lafsen, weil die Synode von Lrient das Verbot, das vor: ber auf dieselben gelegt war, unter der angegebenen Ein: fchränkung wieder aufhob. Nichts zu sagen von Schriften, wie etwa der dogmat. Brief des Pabstes Leo I., der von der dkumenischen Synode zu Chalcedon' mit vielfaden fobsprůs den und ungetheiltem Beifall als apoftolische, alts und rein: kirchliche Lehre gut gebeißen wurde.

Abgesehen aber davon, läßt sich eine Entscheidung des Irienter Concile in dem beråbrten Sinne schon deßhalb nicht erwarten, weil diefelbe vollkommen åberflüßig gewesen wäre. Denn daß die deuterokanonischen Bücher gelesen werden dår: fen und zur Erbauung dienen , war allbekannt und wurde von Niemand geläugnet, nidt einmal bezweifelt, und selbst von den Reformatoren, denen sich das Tridentinum haupts fåchlich entgegenstellte, nicht bloß zugegeben, sondern bes bauptet ). Allerdings gab die Synode manche Entscheis dung, deren Sabalt eine längst bekannte und von den Mit: gliedern der Kirde allgemein anerkannte Wahrheit war, aber ohne Ursache gab sie eine solche Entscheidung dena dod nicht, sondern entweder um die alte Wahrheit dem neuen Frrthum gegenüber festzuhalten, oder fie tlarer und bestimmter, alb ef bisher geschehen war, auszusprechen, oder beides zugleid. In Betreff der deuterokanonisden Båder aber wäre weder

1) Eichhorn, Einleitung in die apotrophtschen Schriften des

8. C. Leipzig 1795. S. 11.

das eine, nod das andere, der Fall gewesen. Ursache zu eis uer Entscheidung in Betreff derselben batte fie zwar bius långlich, denn ein Widerstreit der Ansichten rådfichtlich der: felben war wobl vorhanden, aber zu der Entscheidung, daß diefe Bücher zur Erbauung gelesen werden dürfen, hatte fie teine Ursache, weil darüber nicht der geringste Zweifel oder Widerspruch der Meinungen berrfote, und die wirklich ob. waltende Meinungsverschiedenheit durch das Dekret auch nicht beseitigt würde, weil es eine Höhere Ansicht von diesen Büchern nicht förmlich ausschließt. Uubegreiflich erscheint fogar ein folches Dekret, wenn man erwägt, daß die Synode auf diese ihre Entscheidung großes Geridot legte, fie in eis genen Partikular. Congregationen vorbereitete, und einzelne fide erbebende Widersprüche auf& angelegentlidite zu beseitis gen suchte, Widersprüde, die unter den gegebenen Umstans den gar nicht möglich gewesen wåren, wenn bloß nach eis nem erbaulichen Gehalte dieser Bücher gefragt worden wäre. Die Synode hatte ja doch wichtige Punkte genug zu beras then, warum sollte sie denn mit můbseliger Durd feßung eis ner Bestimmung, die im Voraus Niemanden gegen fich batte, die Zeit haben verlieren wollen? Und wie båtte auch das für Federmann Ausgemachte nod so große Arbeit maden tónnen?

Noch bestimmter als aus dem Gefagten erbellt aber der Sinn des Dekretes daraus, daß bei der Berathung dieses Gegenstandes alle die Porschläge, welche eine Klaffeneiutbeis luug der biblischen Büder verlangten, und den verschiedenen Klassen eine verschiedene dogmatisd. entscheidende Uuttorität brigslegt wiffen wollten, abgewiesen wurden. Nad Sarpi's Angabe ") wurden vier derartige Vorschläge gemacht. Eis nige Mitglieder der. Synode verlangten eine Eintheilung der biblischen Bücher in zwei Klassen, in folche, die immer ohne Widerspruch angenommen wurden, und in solche, deren Unseben nicht immer auffer allem Zwcifel gewesen war. Ans dere meinten eine dreifache Klaffeneintbeitung wäre besser. In der ersten Klasse, glaubten fie, sollten die immer für göttlich gehaltenen stehen, in der zweiten die einige Zeit für zweifelhaft gehaltenen, welche aber durch langen Gebrauch zu kanonisdem Ansehen gelangten, wie die recht Briefe und die Apokalypse, in der dritten endlid diejenigen, welche niemals für kanonisch gegolten hätten, wie die sieben alttes stamentlichen Schriften (deuterok.). Wiederum andere woll: ten, daß man das Verzeichniß der biblischen Bücher einfach auffeke, ohne alle beigefügte Erklärung, wie solches ja auch auf deu Synodeu zu Karibago geldbeben sei. Andere endlid, und nad dem Erfolg zu urtheilen, bei weitem die Mebrzabl, stimmte dafür, daß alle biblische Bücher mit allen ihren Bes. standtheilen, welche in der fångst üblichen lateinischen Bibels ausgabe enthalten, wåren, für beilig und göttlich und gleis ches Anseheng, erklärt werden sollten. Pallavicino macht ausser diesem letztern Vorschlage nur noch den von Sarpi zuerst genannten bemerklich, mit dem Beifügen: ma tal divisione quantunque fatta inanzi da qualche autore come in verità non havea sussistenza, cosi non hebbe apparenza: onde appena ritrovò approvatore; é però

[ocr errors]

1) Istoria del conc. Trident. lib. II.

di essa non favelleremo piu avanti "). Beide aber Sarpi und Pallavicino berichten auf gleiche Weise, daß nado ges pflogener Berathung alle anwesende Våter für die Annahme der deuterokanonisden Bücher als heiliger und kanonischer ohne Ausnahme ihre Zustimmung gegeben, und damit die angetragene zweis oder dreifache Claffificirung derselben bers worfen haben. Zwar wird bier von dů Pin, Lamy, Jahn 2c. bemerkt, daß dem trientischen Dekret feine gegenwärtige Ges ftalt nur deßwegen gegeben, und in demselben eine Vers robiebenbeit der Schriften in Absicht auf Auktorität nur deßs wegen nicht behauptet werde, weil die Synode von der Voro ausseßung ausgegangen sei, daß die Theologen solchen Uns terschied ohnehin kennen, und derselbe nicht erst besonders bemerkt zu werden brauche, daß aber derselbe jedenfalls im Sinne des Dekretes liege. Für die historische Richtigkeit dies ser Bemerkung berufen sie sich auf Sarpi und Pallivicino. ulein bei keinem von beiden findet sich auch nur eine Silbe biebon, und keiner konnte auch in der Zhat so etwas sagen, ohne mit sich selbst in einen mehr oder weniger offenbaren Widerspruch zu kommen, und so wenigstens historische Uns genauigkeit oder Untreue zur Schau zu tragen. Sarpi konnte es nicht, weil er sonst der Synode nicht mehr so harte Vors würfe dafår båtte maden dürfen, daß sie die gleiche Uuktos ritåt aller biblischen Bücher behauptet, da ja eine solde Behauptung dann von der Synode gar nicht ausgesprochen wåre. Pallavicino aber konnte es nicht, weil er sonst die Bestimmung der Synode felbst, ganz im Widerspruch mit

1) Istoria del Concil. di Trent. lib. VI. cap. 11.

« ͹˹Թõ
 »