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aufzufrischen, Gott über fie zu preisen, ihre Gaben, ihr Wirken und Dulden zu rühmen, damit unter den Christen aller Orten die Liebe zu diesen Jüngern und Nachfolgern des Herrn wieder erwache und der Wunsch und das Trachten erwachse, ihnen gleich, ihre Mitgenossen und Mitjünger zu werden.“ Es ist nicht fein, derer zu vergessen, die ihr Blut bafür vergossen haben, daß das Evangelium, das uns selig macht, auch bis auf uns gekommen ist. Verdienen diese alten Helden des Glaubens nicht mehr, daß ihnen Stränze von uns geflochten werden?

Und wenn die Seele fich an der edelsten, reinsten, lieblichsten Blüthe der Menschheit erquicken will, steht für sie dann nicht die heilige Mutter - Jungfrau, die hochbegnadigte Gottgebärerin hoch über Adem, was sonst in bloß menschlicher Weise sich in der Menschheit entwickeln konnte? Wer bas verfennt, hat nie begriffen, was das sagen will, die Auserwählte zu seyn, in welcher der ewige Gottsohn, der Herr Himmels und der Erde, Mensch geworden, in deren Schoß und Arm er als Kind gelegen.

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Weberlieferung und Autorität.

I.

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Als mündliche Ueberlieferung ist das Wort von Christo in die Welt ausgegangen. Die Fülle des Glaubens, der Lehre, des Lebens und die ganze Kirche Christi waren da, bevor ein Wort davon in Schrift gefaßt war. Auf mündlicher Ueberlieferung beruht das Glaubensleben in der Kirche bis heute, beruht der ganze geschichtliche Zusammenhang des Reichs Gottes auf Erden von der Verfündigung des Engels an Maria bis zu dieser Stunde. V. v. Strauß, Polykarpus.

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Denken wir uns aber einmal die Menschheit als aller schriftlichen Aufzeichnung entbehrend, wie dürfte dann die Ueberlieferung von Christo, von seinem Wert und von seinen Worten jeßt, nach Verlauf von beinahe zwei Jahrtausenden, beschaffen seyn?

Das gesprochene Wort ist vorübergehend, seine Auffassung unberechenbar, seine Festhaltung unsicher, seine Wiedergebung abhängig von der Wandelbarkeit der Menschen. Dazu regen fich Geist und Erfindungskraft, absichtlich und unabsichtlich, ändern, seßen hinzu, verrücken und verwandeln das Ursprüngliche und mischen es mit Eignem und Neuem. Mißverstande nes und Halbverstandenes erzeugen Jrrthümer, die um so schneller angenommen, um so weiter verbreitet, um so zäher festgehalten werden, als sie dem natürlichen Menschen bequem und sdmeichelhaft sind. So ist das anfänglich Ueberkommene nach einer Reihe von Geschlechtern gänzlich umgestaltet, nicht wieder zu erkennen und unerseßlich dahin. Wo es sich um Dinge handelt, die nur zwei oder drei Jahrhunderte rückwärts liegen, da ist die allein auf fich gewiesene mündliche Ueberlieferung bei uns kurzlebigen Menschen das Aderunzuverlässigste und Trüglichste.

Nur die in Schrift niedergelegte, in ihr bewahrte Uebers lieferung bezeugt sich selbst unwandelbar noch nach Jahrhunberten und Jahrtausenden. Und so besigen wir in der heiligen Schrift die untrüglichen und ursprünglichen Urkunden über die apostolische Ueberlieferung. Denn das follten die Evangelien seyn, wie ihr Inhalt von selbst ergiebt und es zwei von ihnen ausdrüflich sagen (Luc. 1, 1–4. Joh. 20, 30. 31.), von beren einem die Apostelgeschichte fich felbst als Fortsegung bezeichnet. Die Briefe waren es an und für sich, das Buch der Weissagung ebenso in noch höherer Weise. Darum erhielt die mündliche Ueberlieferung, durch welche die Kirche fortwährend gebaut werden sollte, in diesen Schriften für alle Folgezeit einen sicheren Anhalt, ein Beweismittel ihrer Apostolicität, ein Correctiv für Ausschreitungen und Verirrungen.

Da die Apostel die von Christo selbst berufenen und unterwiesenen, die vom heiligen Geiste ausgerüsteten, in alle Wahrheit geführten und stetig geleiteten Drgane zur Gründung der Kirche waren, so hatte natürlich ihre mündliche sowie ihre in Schrift gefaßte Ueberlieferung eine quellenhafte und entscheidende, mithin ganz andre Autorität, als die von ihnen bereits abgelöste und weiter fortgepflanzte Ueberlieferung der nachapostolischen Zeit. Gleichwol war nicht die stumme Schrift, son: dern die mündliche Ueberlieferung die lebendige Macht, welche die Kirche fortbaute, im Glauben erhielt und vor zudringenden Irrlehren bewahrte; wie sie es denn auch wieder war, welche die Hechtheit der heiligen Schrift bezeugte, sie auf die Nachzeit brachte und sie vor Verfälschung behütete. Uus alle dem ergab sich ein gar fruchtbares Wechselverhältniß zwischen Schrift und Ueberlieferung, indem die Schrift durch die Ueberlieferung getragen, reth gehalten, belebt, angewendet wurde, und ebenso die Ueberlieferung wieder geistig nährte und erfüllte, vor Abwegen schüßte, für neu auftauchende Fragen mit Antwort, gegen neue Irrthümer mit Rüstzeug versal und sie als ächt und apostolisch auswies. So wars in den ersten Jahrhunderten der Kirche; der einfache eng zusammengefaßte Stern der Ueberlieferung war ein lauterer Stanal der Wahrheit, und auf sie konnten sich Jrenäus und Tertullianus gegen die Håretiker berufen, welche Cechtheit und Anfehen der heiligen Schrift nicht gelten lassen wollten. Denn daher kommt bei Beiben der Nachdruck, den

. sie auf die treu bewahrte Ueberlieferung der Stirchen legen. Wie sie das Verhältniß im Uebrigen anfahen, sagt Jrenäus (IV. 33, 8.): „Wahre Erkenntniß ist die Lehre der Apostel und die alte Gestalt der Kirche in der ganzen Welt und das bleibende Gepräge deß Leibes Christi gemäß den Reihefolgen der Bischöfe, denen jene die Stirche an jeglichem Ort übergeben haben; die durch unbetrügliche Bewahrung bis auf uns gekommene ausführlichste Behandlung der Schrift ohne Zusa oder Lürzung, und der unverfälschte Wortlaut und die schriftmäßige richtige und fleißige Darlegung ohne Gefährde und Lästerung, und das befondre Geschenk der Liebe, das föstlicher ist als Erkenntniß, herrlicher als Weifsagung und weit vorzüglicher als alle andern Gaben.“

Die Lehrüberlieferung, wie wir sehn werden, war kurz, klar und bündig, und hielt demgemäß treu und feusch am Ursprünglichen fest. An sie schloß sich dann noch die Ueberlieferung von Bräuchen und Einrichtungen, von den Aposteln gegeben, wie Taufe, Abendmahl, Sonntagsfeier, Kirchenämter. und dergleichen, was gleichfalls in der Schrift bezeugt war und mit ihr stimmte. Beides zusammen bildete die primare Gesammtüberlieferung. An diese schloß sich als fecundäre die Ueberlieferung von dem rechten Sinn und der Meinung der heiligen Schrift, von den aus derselben im Streite gegen die Härefien entwickelten Lehrfäßen, die sich zwar aus dem Schriftinhalt ergaben, aber nicht als formulirte Aussprüche in der Schrift enthalten waren; sodann die weitere Ausbildung der firchlichen Drdnungen und Bräuche. Als secundare Ueberlieferung bezeichnen wir diese Stücke, weil sie selbst schon nicht mehr apostolischen Ursprungs, sondern Entwicklung und Erarbeitung der nachapostolischen Zeit waren; weil sie zwar als Erzeugniß einer noch von apostolischem Geiste erfüllten und getragenen Zeit maßgebend für die ferneren Zeiten sind, selbst aber doch immer der ursprünglichen schriftlichen wie mündlichen Ueberlieferung unterstellt werden müssen.

Sowol die neben und nach Entstehung der heiligen Schrift fortlaufende erste mündliche Ueberlieferung der Apostel, als

auch die spätere Ueberlieferung der nachapostolischen Beit, ist in die Schriften der firchlichen Schriftsteller übergegangen und dadurch ihr Inhalt und Zustand im Vorüberfließen für uns festgehalten worden. Bald giebt es kein Menschenalter, aus welchem uns nicht genugsame Zeugnisse darüber zu Gebote ständen. Vom Jahre 325 an sorgen allgemeine Kirchenversammlungen, daß die Hauptpunkte der Fortentwicklung in der Lehre amtlich ausgesprochen werden. Eine immer breitere firchliche Literatur bildet sich aus. Für den unterrichteten Lehrstand der Kirche verwandelt sich die ganze mündliche Ueberlieferung immer mehr in eine schriftliche, und zuleßt kann von jener nur noch in dem lebendigen Verhältnisse des kirchlichen Amtes zu den Gemeinden, Lehrender zu lernenden die Rede seyn.

Da uns dergestalt Urkunden über die kirchliche Tradition aus jedem Zeitalter vorliegen und eine ausreichende Darstellung und Geschichte derselben geben, so kann gegenwärtig eine Berufung auf die mündliche Ueberlieferung im Sinne der ersten Jahrhunderte nicht mehr zugestanden werden. Für jede Behauptung in der Kirche ist vielmehr ein geschichtlicher Urkundenbeweis unerläßlich, und wenn noch von einer mündlichen Tradition gesprochen wird, welche neben der kirchlichen Literatur fortlaufe und sich durch ihren besonderen Inhalt von dieser unterscheide, so ist das reine Täuschung. In dieser Weise ist fie gar nicht mehr vorhanden. Was dergleichen aber etwa vorhanden ist, kann auf Alterthum und Uechtheit keinen Unspruch machen.

Freilich ist schon frühzeitig Unächtes und Frembartiges in die ächte Ueberlieferung eingedrungen. An den traditionellen Bes hauptungen über das Papstthum und die Heiligenanrufung haben wir ein paar Beispiele näher betrachtet. Es entsteht die Frage, wie dergleichen Einmengungen haben geschehen können?

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