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(chwörung, Zauberspruch. Rituelle Handlung: Weiße Wolle follit du zu einem Band spinnen, sieben Knoten binden, sein binden, so wird er genesen.“

Genau so sind bis in unser 20. Jahrhundert nach Chr. die sympathetischen Heilungen beschaffen, die leider noch immer in Stadt und Land gebraucht werden. Das Glied, das mit dem Knotenband gebunden werden soll, ist selbstverständlich nicht genannt, weil die Zauberanweisung für verschiedene fälle ausreichen soll.

Die Ziege ist gelb, gelb ist die Ziege. Jm grünen Garten sind grüne Pflan. zen. Er hat ihr hingeworfen einen Zweig von Tirra. Er hat ihr hingeworfen einen Stengel von Haldapanu. Zauberspruch. Uljauttu. Zauberspruch des Éa. Beschwörung. Zauberspruch.“

Was dann den Sinn dieses Spruches betrifft, so liegt er noch ganz im Dunkeln.

„Geist des Urufi '), der sein Zauberschiff über seinen Fluß setzen läßt, be. schwöre. Geist des Babbara, des Königs, des Richters der Götter, beschwöre. Geist der Ninni), der auf Geheiß kein einziger von den Ununaki widerstrebt, be. chwöre. Geist der Gur"), der Mutter des Dugga, beschwöre. Geist des Nindar “), des Hirten der Herrscherinnen, beschwöre. Geist des Gibil, des Machthabers, auf der Erde, beschwöre. Geist der sieben Tore der Erde, beschwöre. Geist der sieben Riegel der Erde, beschwöre. Beift des Nagab, des gewaltigen Torwächters der Erde, beschwöre. Geift der Rusbija, der Gattin des Namtar, beschwöre. Geist der Gadimkurazag, der Tochter der Wassertiefe, beschwöre ).“

Hier werden zur Seite der höchsten Götter die Geister der Erdtore, Erdriegel usw. gestellt. Der Zauberer holt seine Helfer, wo er sie findet.

„Gisbarra, der Sohn des Enkimagh), der Vernichter der Dämonen, und der Held Nindar mögen zum Schutz des Lebens zu seinen Häupten sich niederlassen. Um sein Leben zu verlängern mögen sie sich nicht von ihm trennen. Geist des Himmels beschwöre. Geist der Erde beschwöre ').

„Wer bist du, Geiferhere, in deren Herzen das Wort meines Unglüd's wohnt, auf deren Zunge meine Verzauberung entstand, auf deren Lippen meine Vergiftung entstand, in deren fußtapfen der Tod steht? Du Here, ich packe deinen Mund, ich packe deine funkelnden Uugen, pace deine behenden Füße, packe deine ausschreitenden Kniee, packe deine fuchtelnden Hände, binde dir die Hände auf den Rüden. Der leuchtende Mondgott vernichte deinen Körper, werfe dich in einen Schlund von Wasser und feuer. Wie der Umkreis dieses Siegels (?) möge dein Gesicht, du Here, fahl werden und erblassen.“

Das eigentliche Gegenmittel gegen die arge Hererei, das nach den rhetorischen Uebungen vermutlich mit dem „Umkreis des Siegels' angegeben wird, bleibt einstweilen noch dunkel. Vielleicht ist es der Feuertod, der nach einem Prozeßverfahren an der „Rachepuppe" vollzogen wurde.

1) Sin. 2) Iftar. 3) Bau, die Mutter Eas. 4) Ninib. 5) fr. Hommel, Sem. V. u. S. I, S. 361. 6) Ca. 7) fr. hommel, Sem .V. u. S. 1, S. 392.

Solche und ähnliche Sprüche sind in zwei Sammlungen erhalten, Maklu und Surpu genannt. Beide Worte bedeuten „verbrennen“, und spielt das Feuer bei Besdywörungen eine bedeutende Rolle. Die Sprüche der ersten Sammlung betreffen die Behandlung von allerlei Krankheit, Ungemach und Sünde, die der zweiten Sammlung das böse Treiben der Heren. Diese Unholde mit bösem Auge, böser Zunge und bösem Mund haben Macht über verschiedene Dämonen und machen allerlei figuren von Ton, Erdpech, Honig, Mehl, Bronze, Holz oder Erde, alles Bilder der Personen, die bezaubert werden sollen. Dann macht der Bes schwörer ähnliche Bilder der Heren und verbrennt diese unter Anrufung von Licht- und Feuergottheiten ').

„Beschwörung. Ich der Oberpriester, zünde das Feuer an, zünde das Kohlenbecken an, werfe die Lösung (?) hinein. Der heilige Priester des Gottes Ea, der Bote des Gottes Marduk bin ich. Das Kohlenbecken, das ich angezündet, lösche ich aus. Das Feuer, das ich angefacht, dämpfe ich. Den Weizen, den ich darauf ge{chüttet, ersticke ich... So möge Siris, der Gott und Menschen befreit, den Knoten, den er geschürzt, lösen. Das verschlossene Herz seines Gottes und seiner Göttin stehen dem N. N., Sohn des N. N., wieder offen. Sein Vergehen werde verziehen, heutigen Tages mögen sie ihn retten, ihn lösen.“

Siris ist sonst die weise frau, die Zauberei treibt; hier ein Dämon, der andere austreiben soll.

„Beschwörung. Ruhe, kriegslustiger feuergott. Mit dir mögen ruhen die Berge, die flüsse; mit dir ruhen Euphrat und Tigris, mit dir ruhe das Meer der großen Tnamat. Mit dir ruhe die Straße (?), die Tochter der großen Götter, mit dir ruhe die Kigalpflanze, das Erzeugnis der flur, mit dir ruhe das Herz meines Gottes und meiner Göttin, die da zürnen. Mit dir ruhe das Herz meines Stadt. gottes und meiner Stadtgöttin, die da zürnen. Heutigen Tages stehe das verschlossene herz meines Gottes und meiner Göttin' wieder offen, und der Bann meines Leibes weiche. Weil du ein Richter durch dein Licht und ein Rächer durch dein Schwert bist, so schaffe mir Recht und fälle den Spruch.“

Solche Zaubersprüche legt das Epos Enuma elis der Tiamat in den Mund, da sie den Kampf mit Marduk aufnimmt. Die Priester aber gebrauchten sie bei Kranken und bei Schuldbeladenen, bei Dämonischen und andern Ceidenden, namentlich zu nächtlicher Stunde, wenn die Zauberkräfte walten ?).

Dann begibt sich der Priester, begleitet von einigen Umtsgenossen, in das Haus des Kranken, und facht die Kohlen im Becken zur Glut an. Dann läßt er den Kranken durch seine Begleiter ergreifen und fest machen. “Nun hält er dem Kranken eine Tonfigur vor, ruft die Götter der Nacht an und mrmelt heilkräftige Beschwörungsformeln, während die übrigen Anwesenden sich in frommem Glauben niederbeugen. Noch ist kein Einfluß des Zaubers zu spüren. Aber draußen dämmert schon der Morgen. Nun rasch mehr Feuerwerk auf das Kohlenbecken, dann die figur verbrannt und die Dämonen bannenden Götter kräftig an.

1) Bezold, N. u. B., S. 99, auch die folgenden Sprüche.
2) Dergl. Bezold, n. u. 8.

gerufen. Starr folgt der Blic des Kranken den geschäftigen Be wegungen des Magiers, sein Mund ist verstummt, kalter Schweiß bedeckt seine Stirne, dann sinkt er erschöpft auf sein nahes Lager zurüd. Der Bann ist gebrochen, der Zauber hat gewirkt, der Schweiß ist aus. gebrochen. Rasch enteilt der Priester mit den Gefährten; doch steht zu vermuten, daß er nicht von dannen eilt, ohne für sich und sein Haus und seine Gehilfen einen klingenden Cohn als Dank des Kranken und seiner Angehörigen in Empfang genommen zu haben.

In der ältesten Zeit unterwiesen Ea und sein Sohn Ajari oder Marduf die Menschen, wie sie sich gegen Zauber und andere Feinde schüßen sollten. Die dazu gebrauchten Beschwörungen wurden meist im flüsterton ") gesprochen, wie das Vorschrift erheischte. Noch heute verstehen und üben das die Stiller oder sympathetischen Heilkünstler. Eine Sammlung dieser Sprüche hieß „Ritual des geflüsterten Zaubers". Wie weit und tief die Herrschaft des Aberglaubens in diesen beiden gebildeten Völkern ging, mögen noch einige dieser Zauberformeln deutlich machen.

So wurde zum Schuß der Gebäude gegen die bösen Geister diese formel an den Toren aufgeschrieben:

„In den Palast sollen sie niemals eindringen, dem Tore des Palastes rollen sie niemals nahen, den König rollen sie niemals ergreifen.“

Auch an die Toten kann sich die Beschwörung wenden, wie an Gilgamis:

„Gilgamis, vollkommener König, Richter der Anunaki, der die Weltteile über(ibaut, Verwalter der Erde, Herr der unteren, du bist Richter und prüfft wie ein Bott. Du stehest in der Erde und vollendest das Gericht. Dein Gericht wird nicht geändert, deine Rede nicht mißachtet. Du untersuchst und richtest, du prüfft und bringst zurecht. Samas hat den Rechtsspruch und Urteil deiner Hand anvertraut. Könige, Landpfleger und fürsten knieen vor dir. Richte mein Gericht, urteile mein Urteil, reiß heraus die Krankheit meines Leibes, laß das böse in meinem Fleisch an diesem Tage hinausfahren. Ich habe dir reines upuntu-Mehl hingeschüttet, habe dir Cammopfer geweiht, ein festkleid dargebracht, ein Schiff aus Zedernholz, ein Schwert aus gutem Gold ?)."

Solche Beschwörer der Toten oder Totenbefrager bildeten eine befondere Abteilung unter den Priestern, failu genannt. Bei ihnen wird es ebensowenig ohne Betrug abgegangen sein, wie bei den heutigen Spiritisten, die auch behaupten, sie könnten die Toten befragen; denn die Toten waren in Babylonien gewiß ebenso stumm wie heute in Deutschland.

Bei einer Gebärenden wird also verfahren: Nachdem die Zauberin ihre Beschwörung hergesagt und auf ihren Cehm (?) geworfen hat, kneift sie 14 Stücke davon ab, legt sieben zur rechten und sieben zur Linken, zweischen beide Reihen einen Ziegelstein. Dann ruft sie frauen, Gattinnen, sieben und sieben Mutterleiber, sieben Männlein und sieben Weiblein bildet sie schön. Die Bilder der Menschen zeichnet Miami, die Menschen schaffende Göttin. Im Hause der Gebärenden möge sieben Tage lang ein Ziegelstein liegen, die frau Mami möge im Hause der Wehemutter fröhlich sein, die Gebärende ihr Kindlein selbst zur Welt bringen ).

1) Jes. 8, 19. 2) Nach K. B. VI, S. 267.

Bei Kranken wird auch dieser Zauberspruch angewendet:

„Marduf hat sein Elend angesehen. Zu seinem Vater Ea tritt er in's Haus und spricht: „Mein Vater, der Irrsinn kam aus der Unterwelt.“ Und zum zweiten Mal spricht er zu ihm: „Was soll dieser Mensch tun? Er weiß nicht, wodurch er wieder zur Ruhe kommt.“ Da antwortete Ea seinem Sohn Marduk: „Mein Sohn, was weißt du nicht schon? Was soll ich dir noch hinzufügen? Was ich weiß, das weißt auch du. Gehe, mein Sohn Marduk, hole ein Gefäß und hole darin ein Wiegmaß Wasser von der Mündung der Ströme, und tue zu diesem Wasser deine reine Beschwörung und besprenge damit diesen Menschen, den Sohn deines Gottes." Seine Krankheit möge schwinden, das Wort Eas möge ihn wieder zurückbringen. Mardut, der erstgeborne Šohn der Wassertiefe, möge eine günstige Gestalt für ihn ein)."

Bei Einweihung eines Gökenbildes braucht der Priester diese Beschwörung:

„Glänzende Wasser brachte er hinein. Ninzadim, der große Goldschmied des Unu. hat dich mit seinen reinen Händen bereitet. Er nahm dich weg an dem Ort der Reinigung, an den Ort der Reinigung nahm er dich, mit seinen reinen Händen nahm er dich zu Milch und Honig nahm er dich. Wasser der Beschwörung tat er dir in den Mund, deinen Mund öffnete er durch Beschwörungskunst: Sei rein wie der Himmel, sei rein wie die Erde, glänze wie das Innere des Himmels )."

Die Beschwörungen sind gleich den Zaubersprüchen, wie wir oben vernahmen, gegen die bösen Geister gerichtet, auf deren schädliche Einwirkung im allgemeinen eine jede Krankheit oder Unfall, insbesondere aber die Leiden des hauptes, der Augen, dann Gliederschmerzen und ähnliche Ceiden zurückgeführt werden, wobei zwischen medizinischpathologischer Behandlung und magischer Beschwörung bei den Babyloniern keine Grenze gezogen wird. Einige dieser Formeln teilt fr. Hommel mit ):

Sieben find fie, fieben find fie. In der Tiefe des Ozeans fieben find fie. Die Verstörer des Himmels sieben sind sie. In der Tiefe des Ozeans, der großen Behausung, wuchsen sie auf. Nicht männlich, nicht weiblich sind fie. Wie weithin trahlende Lichter" sind sie. 'Ein Weib nehmen sie nicht, Kinder erzeugen sie nicht, Schen und Mildtätigkeit kennen sie nicht, Gebet und flehen erhören sie nicht. Wie ein wildes Roß auf dem Gebirge wuchsen sie auf. Des Gottes Ea feinde sind sie, die Chronträger der Götter sind sie. "Um die Wege zu verwüsten, lagern sie auf der Landstraße. Böse sind sie, böse sind sie. Sieben sind sie, sieben sind fie. Den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre.“

Geheimnisvoll und feierlich mutet diese formel an:

1) Daselbst S. 287. 2) Nach Hommel, Sem. V. i. S. I, S. 296. 3) u. Jeremias, U. T. O., S. 101. 4) B. u. U., S. 366 u.

Jhr haupt zu seinem Haupt, ihre Hände zu seinen Händen, ihre füße zu seinen Füßen sollen sie nicht tun. Nicht sollen sie zu ihm nahen. Den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre.

Schauerlich klingt die dritte formel 1):

„Der Utuk, der den Menschen padt, der Gikim, der den Menschen padt, der Hifim, der böses tut, der feindliche Utul, den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre. Was die Gestalt des Menschen ergreift, das böse Antlitz, das böse Uuge, der böse Mund, die böse Zunge, die böse Lippe, das böse Gift, den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre. Das schmerzhafte fieber, das starke fieber, das fieber, das den Menschen nicht losläst; das fieber, das nicht ausgeht; das fieber, das sich nicht entfernt; das böse fieber, den Geist des Himmels beschwöre, den Beift der Erde beschwöre. Die Göttin Ninkigal, die Gemahlin des Gottes Ninazu, möge ihr Antlitz nach einem andern Ort richten. Der böse Utuk möge ausfahren, zur Seite möge er sich niederlassen. Der gnädige Sedu, der gnädige Lamasfu möge in seinen Leib eingehn. Den Geist des Himmels beschwöre, den Zeist der Erde beschwöre. Der Gott Jsum, der große führer, der erhabene Wächter der Götter, möge sich gleich dem Gott, seinem Erzeuger, zu seinen Häupten niederlassen. Zu seinem Leben möge er sich nicht von ihm trennen. Den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre.“

Je nachdem eine Krankheit geartet war, wurden von den sehr zahl. reichen Formeln der Beschwörung eine oder mehrere gebraucht. So geben die surpu-Tafeln formeln auch gegen die tiu-Krankheit, die den Menschen plößlich befällt, von Fieber begleitet ist und den Kranken schnell ermatten läßt. Bei hohem Fieber wird die Zunge troden, starker Durst stellt sich ein, die Haut an den befallenen Körperteilen schwillt an, auch wandert die Krankheit bisweilen von einem Körperteil zum andern. Es können sich auch Anfälle von Raserei einstellen, und der Kranke wird dann bald wie ein Rohr entzweigeschnitten. Ist die Krisis vorüber, so fällt die Oberhaut wie bei einer Zwiebel in Fetzen ab. Diese Zeichen stellt der Arzt noch heute bei Rose, Rotlauf und Scharlach feft. Als Mittel gegen dieses Ceiden wurde neben den üblichen Beschwörungen Wollflode und Knoblauch verordnet, die man ins Feuer warf.

Wenn aber der König des Candes von Mißgeschid und Ceibesschmerzen heimgesucht ist, dann braucht der Priester an der Pforte des königlichen Dalastes einen dunkelfarbigen Lappen und das Fell einer Ziege, die noch nicht empfangen hatte, und das fell eines Lammes. Die spannt er aus, bis sie trocken sind, und umwidelt mit ihnen die schmer: zenden Glieder des Königs, daß er sein Haupt in Frieden erhebe wie der Mond, wenn er aus der Verfinsterung hervorgeht. Fluch aber wird allen böfen feindlichen Geistern gedroht, damit sie nicht eintreten, auch dem Tor des Palastes nicht nahe fommen ?). Wird aber bei solcher Beschwörung ein Opfer dargebracht, so muß der Priester die formel dem Opfertier in das Ohr flüstern.

1) haupt bei Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 303. 2) fr. Hommel, Sem. V. u. S. I, S. 311.

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