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,,Jhr haupt zu seinem Haupt, ihre Hände zu seinen Händen, ihre füße zu seinen Füßen sollen sie nicht tun. Nicht sollen sie zu ihm nahen. Den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre.“

Schauerlich klingt die dritte formel 1):

„Der Utuk, der den Menschen pakt, der Gikim, der den Menschen packt, der Gikim, der böses tut, der feindliche Utuk, den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre. Was die Gestalt des Menschen ergreift, das böse Antlitz, das böse Auge, der böse Mund, die böse Zunge, die böse Lippe, das böse Gift, den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre. Das schmerzhafte fieber, das starke fieber, das fieber, das den Menschen nicht losläft; das Fieber, das nicht ausgeht; das fieber, das sich nicht entfernt; das böse fieber, den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre. Die Göttin Ninfigal, die Gemahlin des Gottes Minazu, möge ihr Untlitz nach einem andern Ort richten. Der böse Utuk möge ausfahren, zur Seite möge er sich niederlassen. Der gnädige Sedu, der gnädige Camafsu möge in seinen Leib eingehn. Den Beift des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre. Der Gott Isum, der große führer, der erhabene Wächter der Götter, möge sich gleich dem Gott, seinem Erzeuger, zu seinen Häupten niederlassen. Zu seinem Leben möge er sich nicht von ihm trennen. Den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre."

Je nachdem eine Krankheit geartet war, wurden von den sehr zahlreichen formeln der Beschwörung eine oder mehrere gebraucht. So geben die surpu-Tafeln formeln auch gegen die tiu-Krankheit, die den Menschen plößlich befällt, von fieber begleitet ist und den Kranken schnell ermatten läßt. Bei hohem Fieber wird die Zunge troden, ftarker Durst stellt sich ein, die Haut an den befallenen Körperteilen schwillt an, auch wandert die Krankheit bisweilen von einem Körperteil zum andern. Es können sich auch Anfälle von Raserei einstellen, und der Kranke wird dann bald wie ein Rohr entzweigeschnitten. Ist die Krisis vorüber, so fällt die Oberhaut wie bei einer Zwiebel in Fetzen ab. Diese Zeichen stellt der Arzt noch heute bei Rose, Rotlauf und Scharlach fest. Als Mittel gegen dieses Ceiden wurde neben den üblichen Beschwörungen Wollflođe und Knoblauch verordnet, die man ins Feuer warf.

Wenn aber der König des Candes, von Mißgeschid und Ceibess schmerzen heimgesucht ist, dann braucht der Priester an der Pforte des königlichen Palastes einen dunkelfarbigen Cappen und das fell einer Ziege, die noch nicht empfangen hatte, und das fell eines Cammes. Die spannt er aus, bis sie trođen sind, und umwickelt mit ihnen die schmer: zenden Glieder des Königs, daß er sein Haupt in Frieden erhebe wie der Mond, wenn er aus der Verfinsterung hervorgeht. Fluch aber wird allen bösen feindlichen Geistern gedroht, damit sie nicht eintreten, auch dem Tor des Palastes nicht nahe kommen ). Wird aber bei folcher Beschwörung ein Opfer dargebracht, so muß der Priester die formel dem Opfertier in das Ohr flüstern.

1) Haupt bei Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 303. 2) fr. Hommel, Sem. V. u. S. I, S. 311.

Bei dieser Vorschrift ist einmal der Aberglaube mit gutem Verstand verbunden, der die passenden Mittel gewählt hat, wie wir sie noch heute in gewissen Fällen brauchen. Der Kranke selbst hat zu sprechen:

„Zu meinem Leibe mögen sie die sieben bösen Geister sich nicht nahen, mein Uuge mögen sie nicht befeinden, in meinen Rücken mögen sie nicht koinmen, in mein Haus mögen sie nicht kommen, in mein Dach mögen sie nicht eindringen. Den Geist des Himmels beschwöre, den Geist der Erde beschwöre, den Geist des Eulilla, des Königs der Länder. Befchwöre den Geist der Ninlilla, der Herrin der Länder. Beschwöre den Geist des Ninib, des mächtigen Helden, des Gottes Enlilla. Besdywöre den Geist des Nusku, des hohen Dieners des Gottes Enlilla. Beschwöre den Geist des Sin, des erstgebornen Sohnes des Enlilla. Beschwöre den Geist der Istar, der Herrin der Heerscharen. Beschwöre den Geist des Ramman, des Königs von gutem Getöse. Beschwöre den Geist des Samas, des Herrn des Gerichtes. Beschwöre den Geist der Anunna, der großen Göttin."

Wieder eine andre Weise der Beschwörung findet sich bei Hommel"):

„Zauber, Zauber, Bann, der nicht weiter geht. Bann der Götter, der nicht weicht. Bann Himmels und der Erde, der sich nicht ändert, den kein Gott hinfällig macht, den kein Gott noch Mensch löst; unfehlbare Waffe, die auf den feind gerichtet ist; nicht versagendes Schwert, das gegen den feind gezückt ist; sei es der feindliche Utuk, der feindliche Ala, der feindliche Gifim, der feindliche Galla, der feindliche Gott, der feindliche Maskim, die Lamartu, die Labassu, der Schazu, der Lilla, der feindliche riamtar, das beschwerliche fieber, die ungünstige Krankheit. Den das fieber ergriffen, auf den der feindliche Utuf sich gestürzt, den auf seinem Lager der feindliche Ala überdeckte, auf den der feindliche Gitim sich niederließ, den der große Galla vernichtete, dessen Glieder der feindliche Gott zerfleischte“ .

Alle diese bedauernswerten Menschenkinder haben, wie sich versteht, von der Zauberkunft oder Beschwörung keine Hilfe gegen ihre Ceiden gehabt, und die viel gebrauchten Amulette und Talismane waren auch nicht kräftiger, einerlei ob sie aus Tierknochen oder Zähnen oder Ton angefertigt waren. Schon Berosus erzählt, vom Schiff des Xisuthros sei ein Teil in den gordyanischen Bergen liegen geblieben. Von ihm pflegten die Pilger Erdpech abzuschaben, um dasselbe gegen Zauber zu gebrauchen.

Wenn ein Kind von einem bösen, brüllenden, heulenden Geist mit Cöwengesicht und Efelsgestalt beseffen war, dann wurde es zuerst mit einer gewiffen Salbe eingerieben. Darnach mußte ein Tonbild des Dämon samt dem Bilde des schwarzen Hundes, der uns schon früher bes gegnet ist, drei Tage lang zu Häupten des kranken Kindes ftehn. . Nach drei Tagen wird das Bild zerschlagen, begraben und mit Mehlwasser begossen ?).

Diesé magischen Hundebilder tragen Inschriften wie „Feindefänger" oder der seine Widersacher beißt“.

Das Amulet nennt der Babylonier mamit, ein Wort, das nach Hommel von amu „reden" abzuleiten ist, sodaß mamit so viel wie Be sprechung oder Beschwörung bedeuten würde. Aber mamit ist daneben

1) fr. Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 312. 2) Bezold, N. u. B., S. 100.

ein toter Gegenstand und keine menschliche Handlung. Daher lautet eine Unweisung zum Gebrauch des mamit, in dem ich eine figur oder Puppe aus Ton erkenne, wie sie auch sonst bei Beschwörungen gebraucht wurden:

„Nimm ein weißes Tuch. Darein lege das mamit und tue es in des Kranken rechte hand. Dann nimm ein schwarzes Tuch und binde es um seine linke Hand. Alle die bösen Geister und die Sünden, die er begangen hat, werden ihren Halt an ihm verlassen und nicht mehr zurückkehren ").“

Ein Amulet, das einem kranken Kind um den Hals gehängt wurde, trägt folgende Inschrift:

„Beschwörung. Die Labartu, Tochter Anus, ist ihr Name erstens. Zweitens heißt sie Schwester der Straßengottheiten, drittens Dolch, der das Herz trifft, viertens die das Holz entzündet; fünftens Göttin, deren Antlitz fahl ist; sechstens handlangerin der Göttin Zrnini; siebtens bei dem Namen der Götter, der Götter sei beschworen: Wie Vögel am Himmel flieg fort *).“

Die letzte Anrede ist an das Zahnweh, den Kopfschmerz oder ein andres Leiden des Kindes gerichtet. Noch heute legt man auch in christlichen Häusern dem Kind, das mit dem Zahnen not hat, ein rotes Band mit einem Jahn oder andern Amulet um den Hals, damit das Zahnen leichter vor sich gehe. Immer wieder der alte Überglaube.

Ein Siegelamulet ist in mehreren Stücken erhalten. Die Gelehrten 3) lesen seine Inschrift:

„Siegel des Urzana, des Königs von Musafir, der Stadt des Vogel Strauß, dessen Mund gleich der Schlange auf bösen Bergen geöffnet ist.“

Musafir war eine armenische Stadt. Das Reliefbild des Siegelcylinders stellt einen Genius mit vier Flügeln und Menschenkopf dar, der einen Vogel mit schlangenartigem Hals erwürgt. Vielleicht war solch ein Amulett geschäßt als hilfreich gegen den Biß giftiger Schlangen.

Ein andres Relief zeigt einen Genius mit vier Flügeln, der gegen zwei Ungeheuer kämpft. Als besonders kräftig galt das Amulet aus Åsnanstein, dem Stein der Beschwörung, der Õnade und des Vertrauens, der Krankheit wegnimmt, Ungemach fernhält. Solche Amulette wurden am Hals getragen.

Nach dem babylonischen Volksglauben stehen vor dem Tore der Hölle steinerne Stierbilder, die auch angerufen wurden, wie ein akkadisches fragment mit assyrischer Uebersekung davon Zeugnis gibt. Die Gläubigen beten also:

„O großer Stier, sehr großer Stier, der vor den heiligen Toren stampft, und das innere auftut, Spender des Ueberflusses, der den Gott Nirba ‘) unterstüzt, der den angebauten Feldern ihre Herrlichkeit gibt; meine reinen Hände opfern dir. Du bist der Stier, gezeugt von dem Gott Zu, und bei dem Eingang in das Grab ...

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1) Nach Sayce bei Urquhart a. a. O. 2) Mitteil. 1901, 9, S. 14, in andrer Uebersetzung S. 273. 3) U. Jeremias in 3. f. A., Bd. I. 4) Der Gott des Ackerbaues.

trägst du. für die Ewigteit hat die herrin des magischen Ringes dich unsterblich gemacht ")"

Von hier an ist die Tafel so beschädigt, daß nur einzelne Worte der Schrift lesbar sind, die keinen gewissen Sinn ergeben.

Hierher sind auch die Jaụberknoten zu ziehen, die je sieben auf sieben von der Here geknüpft werden, während der Leib des Kranken siebenmal mit dem Reinigungsöl gesalbt wird. Die Zauberei, die mit Knüpfen von Knoten getrieben wurde, nannte man nertu, die mit Tränken verbundene fifpu.

Von den Babyloniern lernten auch die in Südbabylonien eingewanderten Aramäer, wie man durch Beschwörung die bösen Geister entweder aus ihren Wohnungen vertreibt oder sie bestimmt, sich ruhig zu verhalten, wie man sie bindet und versiegelt. So fand man in dem bezeichneten Land verschiedene Tongefäße mit aramäischen Inschriften dieses Inhalts. Aber sie gehören sämtlich jener späteren Zeit an, wo in den babylonischen Schulen jüdische und mandäisch-gnostische Gedanken verschmolzen wurden, wodurch die Anfänge der Kabbala entstanden ?). So liest man auf einem jener Gefäße:

In deinem (Gottes) Namen mache ich ein Heilmittel vom Himmel dem Ahtabuj, dem Sohn des Uchathabu aus Daithos mit dem Erbarmen des Himmels. Amen. Amen. Sela. Gebunden, gebunden, gebunden sollen sein die männlichen Beister und die weiblichen Istarten und die bösen Geister, Mächte des Widerspruchs, die Fürsten des Götzenhauses, die Teufel alle von West und Ost

, Nord und Süd. Gebunden, gebunden sollen sein alle bösen Zauberer und alle, die Gewalttaten ver. iben. Gebunden und versiegelt sollen sein alle Verbannungen, Verfluchungen, Be. schwörungen und Verwünschungen. Gebunden seien die Engel des Zornes, die Engel des Götzenhauses und des Irrtums, ihr alle, die gewaltigen fürsten und die harten fürsten, die zahllosen Krankheiten und Leiden, der Schwären, die Hautflechte, die Entstellung, die Krätze, der Ausschlag, schlechte flüssigkeit, die aus dem Ort des Cruges in den Leib fließt, der Geist der Leichname, der Geist der Toten, der Geist der Krankheiten und der Gespenster, gebunden follt ihr alle sein dor Achtabuj, dem Sohn des Uchathabu. Gehet und entfernt euch auf Berge und Höhen und auf das unreine Vieh). Wenn ihr am 1. Nisan kommt, geht weg von Nchtabuj, dem Sohn des Uchathabu, im Namen Gabriels, der Elpassas genannt wird, und im Namen Michaels, der Demuthja genannt wird, und im Namen Elbanmaz und im Namen Elbabaz. Beim großen Kidron und Man. Amen. Daß ihn die fliegen des Brandes nicht umgeben, und wenn sie ihn umgeben, sei dieses heilsame Werk, dieser Anblick eine Heilung und Beruhigung. Verschaffet Ruhe dem Uchtabuj, dem Sohn des Achathabu, von allen Bannflüchen, Derfluck. ungen, Beschwörungen und Verwünschungen, vom Aussatz und von allem böfen. Amen. Amen. Sela."

Es war aber dem frommen und dem gleichgiltigen Babylonier und Affyrer bei jedem Unternehmen doch darum zu tun, zu erfahren, was die Götter dazu sagen, was ihr Wille und ihre Meinung sei?

Einst wurde der König Asurbanipal in seinem Herzen von banger Sorge bewegt. Aber seine ernsten Gedanken verscheuchte der Anblid

1) Sapce bei Urquhart a. a. 0. 2) Wohlstein, 3. f. U. 1893, S. 322. Nach ihm auch die Beispiele. 3) Vergl. Matth. 8, 28. Mart. 5, 12. Luk. 8, 32.

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seines Hofastrologen Nebaa, der sich vor dem Herrscher auf den Boden niederwirft. Sein Bericht lautet: „Glüc verheißt der Stand der Ges ftirne. Mond und Sonne find am Morgen nicht mehr zusammen gesehn worden. Jupiter und Venus verkünden großes Unheil für Elam, Königsmord von Verwandtenhand. Des Königs Herz möge sich freuen. Größere Beute, als die Jagd ergibt, versprechen heute die Sterne." Mit diesem Gedicht kennzeichnet Bezold 4), wie die Astrologie oder falsch angewandte Wissenschaft der Astronomie zur Wahrsagekunst geworden ist, die guten Gewinn abwarf. Die fragen nach dem Willen der Götter bezogen sich in den meisten Fällen darauf, welcher Tag oder Stunde für dieses oder jenes Unternehmen günstig oder glüdverheißend sei. Es war das noch lange später geübte Tagewählen, das den Israeliten verbotene ghonen 2). Dabei handelt es sich nicht um fromme Gefühle oder Verlangen nach der Gottheit, sondern um klingenden Gewinn im Handel, um möglichst großen Vorteil im Geschäft.

Die Antworten, die auf solche Fragen von den Priestern oder Magiern erteilt wurden, Omina oder Orakel genannt, werden zum Teil auf Uussprüche alter Weisen, die noch vor der großen Flut lebten, zurüdgeführt 3). Von diesen Orakeln ist uns eine große Anzahl, man sagt an 20 000, durch die Keilschriften erhalten worden. Mehrere von ihnen werden später mitgeteilt werden, wo von dem Wirken der Astrologen besonders zu handeln ist.

Aber nicht allein aus den Sternen suchte man den Willen der Götter zu erforschen. Die Wahrsager beobachteten auch den Flug der Vögel, den Nesterbau der Schwalben; sie beschauten die Eingeweide der Opfertiere u. a. So hat man eine aus Stein gehauene Schafleber gefunden, die mit seltsamen Linien bedeckt ist, quadratisch eingeteilt, sodaß man vermutet, hier werde eine Anweisung für die Untersuchung der Schafleber gegeben.

Jedes noch so geringfügige Ereignis wurde für den Blick in die Zukunft verwertet. Das bloße Erscheinen eines Tieres an einem Tore oder in einem Tempel hatte gewiß etwas zu bedeuten. Zeigte sich gar ein Löwe oder ein fuchs in der Nähe eines Menschen, lief eine Hyäne

noch heute ein Hase -- über den Weg, erschien ein Ochse in einem Torweg, zeigte ein Hund besondere Bewegungen oder sein fell besondere farben, begegnete einem ein Hund oder ein Kalb, brüllten die Ochsen, wieherten die Pferde, begatteten sich Schafe mit Hunden oder Schweinen, Ochsen mit Pferden, waren die Hörner der Tiere eigentümlich gebogen, alles wurde beobachtet und zum Wahrsagen benukt 4). Sehr wichtig erschienen auch die Bewegungen der Schlangen, ob sie am Eingang eines

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1) B. u. U., S. 78. 2) Lev. 19, 26. Jej. 2, 6. 3) U. Jeremias, Ü. T. O., S. 118. 4) Nach Bezold, B. u. N., S. 84.

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