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Der Hof eines babylonischen oder affyrischen Königs föllte ein Ubbild des Himmels sein, nur nicht in der Götter Vielherrschaft

. Sie waren Allein herrscher und selbst Götter. So gefielen sie sich in dem Scherz, zuweilen sich als Götter zu verkleiden und mit ihren Gewaltigen Götter-Maskeraden aufzuführen *). Weil aber diese Könige sich selbst für Götter hielten und von ihren Völkern also geehrt wurden, konnte auch der Begriff des Königtums von Gottes Gnaden gar nicht im babylonisch-afsyrischen Orient entstehen, wie H. Windler ) entdedt haben will

. Denn ein König oder fürst, der dieses christliche Bekenntnis, das Bekenntis des Apostels Paulus ), zu dem seinen macht, spricht in Demult aus, daß er seiner hohen Stellung gar nicht wert ist; und sieht man hier wieder deutlich, wie das Pergern an einer christlichen Lehre oder Sitte bisweilen aus einem gründlichen Mißverstand hervorwächst

. H. Windler aber durfte auch daran denken, daß die ersten christlichen fürsten, die sich fürften von Gottes Gnaden nannten, vom Orient so gut wie nichts wußten!

Den Königen von Babylonien und Affyrien kam es auf das grade Gegenteil als wie jenen an: Ihre Völker sollten an ihnen wie an Göttern in die Höhe schauen. Sie waren die Herren der untern Welt, Söhne der Götter, gekleidet wie die Götter. Binde, Müße und Szepter chimmerte auch bei ihnen von blauem Lasurstein“). Die vier Eden des Königspalastes wiesen auf die vier Himmelsgegenden hin, über die der „Herr der Welt" sein Szepter ausstre&te. So nannten sich die Könige pon Babel,

bald auch die von Minive, wenn nicht aus eigner Ueber.

dann doch in herablassender Annahme der ausgelassenen Schmeichelreden ihrer Diener. Die hohe Sprache der assyrischen Beamten ist auch in der hl. Schrift ) treffend dargestellt und aus vielen Inschriften uns bekannt geworden.

Obwohl des Königs Wille von vornherein als unumstößliches Recht und Gesek galt, versammelten diese unumschränkten Herrn, wenn es ihnen nicht an Klugheit mangelte, doch von Zeit zu Zeit die Vornehmen ihres Reiches, um ihren Rat und Meinung über wichtige Staatsangelegenheiten zu hören. Von folchen Versammlungen berichtet Herodot; eine derselben beschreibt auch das Buch Esther ©). folgten die Hönige nicht diesem Gebot der Klugheit

, so wurde ihnen, trokdem das fie für Götter galten, häufig sehr schnell und zwar mit blutiger Tat béo mit Widerstreben gehorchten und für den Thron einige Prätendenten

hebung,

bereit hielten.

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Uuş dem Priesterstand hervorgegangen, blieb der assyrische König noch weiter der oberste Priester, der nicht nur Tempel und ältäre der Götter baut, sondern auch unter dem Beistand der von ihm eingeseßten Priester in der Verehrung der Götter mit täglichen Opfern vorangeht

. Er nennt sich Sonne des Zandes oder des Volkes, in den Inschriften steht vor seinem Namen stets das Götterzeichen, und wie später den Kaisern zu Rom wurden ihnen Tempel gebaut und Opfer gebracht ). Hilprecht hat in seiner „Erforschung der biblischen Länder“ nachzuweisen versucht, daß die babylonischen Pyramiden oder Stufentürme Göttergräber waren, während hommel mit größerer Wahrscheinlichkeit Königsgräber in ihnen vermutet. Schon den alten Königen oder Patei Dungi und Gudea wurden in ihren Tempeln von ihnen Priestern Opfer dargebracht. Um so greller war der Widerschein ihres meist gewaltsamen Todes, um so erwiesener das Lügenwerk solcher Menschenvergötterung. Aber bis zu dem jähen Absturz stand der babylonische König wie auch der Großkönig hoch über seiner ganzen Umgebung, seinen Beamten, seinen Weibern, seinen Untertanen. Niemand durfte vor ihn treten ohne seine Aufforderung, die durch das Neigen des Szepters kundgetan wurde 2). Un gewissen Tagen erteilt er Audienzen, empfängt Bittschriften, hört die Beschwerden und entscheidet die Klagen der Untertanen. Königtum und Staat werden in beiden Reichen nicht unterschieden, Königstreue und Vaterlandsliebe finden dasselbe Cob. Die tollste Caune, der verwegenste Einfall des Königs verlangt Gehorsam. Als Kambyses feine persischen Richter fragte, ob das Gefeß erlaube, daß der Bruder die Schwester zur frau nehme, antworteten die Richter, darüber könnten sie fein Gesetz finden. Wohl aber hätten sie das Gesek gefunden, daß dem König von Persien erlaubt sei zu tun, was ihm beliebe. Also heiratete Kambyses seine Schwester. Die Perser aber hatten das Erbe der Babylonier und Afiyrer angetreten, wie uns die Geschichte gezeigt hat.

Ist der Großkönig Abbild und Stellvertreter der Götter und selbst Gott, so steht er doch unter dem Willen und Gebot der Götter, das will sagen: unter den Geseken seines Landes. Der König von Babylon tonnte seine Herrschaft nur am Neujahrsfest oder Jagmuk antreten, und Jahr für Jahr mußte seine Herrschaft neu und zwar an diesem Tage bes ftätigt werden. An diesem Tage mußte der König „Marduks Hände ergreifen“, während das vor dem Tempel wogende Volt einen Sklaven oder Verbrecher in königlichen Kleidern auf den Thron erhob und ihr andre tönigliche Ehren erwies.

Der assyrische König wurde im zweiten Monat gekrönt. Er bem fleidete im ersten Jahre seiner Regierung die Eimmuwürde. Daß aber in Affyrien wie in Babylonien die Könige ursprünglich nur ein Jahr

1) fr. Hommel, Grundriß, S. 126, Anm.
2 Esth. 5, 2.

regiert hätten und dann getötet worden seien, ist eine unbewiesene Unnahme. Glaubhafter ist eine Entwidelung von der göttlichen Würde zum Priesterkönigtum, von diesem zur militär-politischen Diktatur. Daß aber der König von Uffyrien mit dem Limmu-Umt nach einem Jahre den geistlichen Teil seiner Würde niedergelegt habe, stimmt nicht mit der Tatsache, daß er auch in den folgenden Jahren seiner Regierung den Göttern Opfer brachte.

Wehe dem König, der schlecht regiert, der nicht auf die Ratschläge der fürsten, Heerführer und Priester achtet, der die Schranken des Gefeßes durchbricht. Dann steht dem Land, das ist die fefte Ueberzeugung jedes Untertanen, ein furchtbares Unglüd bevor. Inschriftlich heißt es:

„In seinen Tagen wird der Bruder den Bruder fressen, der Mann wird die frau, die frau den Mann verlassen, die Mutter wird der Tochter das Tor derriegeln, der Schatz von Babel wird nach Ussur wandern.“

Oder:

„Dann wird ein Bruder seinen Bruder, seinen freund der freund mit der Waffe niederstreden," d. h. es wird ein Bürgerkrieg entstehn, wie das häufig eingetreten ist, so daß diese Vorhersagung auf Erfahrung beruhte.

„Richtet sich aber ein König nach den Geboten Eas, die in dem Buche sippar oder din matsu stehn '), so werden die Götter ihn erheben, und zwar Samas in Sippar, Bel in Nippur, Marduk in Babel, sei es der Oberhirte, sei es ein Tempelvorsteher oder ein königlicher Beamte, der in Sippar, Nippur oder Babel angestellt ist; sie werden ihnen die frondienste der Tempel der großen Götter auferlegen. Die großen Götter werden zürnen, sie werden ihre Wohnungen vergessen, sie werden nicht in ihre Heiligtümer einziehen."

Diese Inschrift muß verdorben oder lüdenhaft sein. Jedenfalls will sich der Schlußsak vom Zorn der Götter nicht zu dem Vordersak von der Götter Wohlgefallen reimen.

Die Könige von Babel und Ninive hatten wie die andern Herrscher des Morgenlandes ihre frauenhäuser oder bit riduti, d. i, Haus des Bes heimnisses. Diese Einrichtung war von dem größten Einfluß nicht allein auf das königliche Haus und auf das hofwesen und die Regierung des Landes, sondern auch auf das ganze Volk, und zwar überall von schädlichen Wirkungen begleitet, davon hernach noch die Rede sein wird. Diese Häuser wurden mit den schönsten Mädchen des eignen Landes besetzt; dazu kamen dann die Töchter der befreundeten oder unterworfenen Könige der Nachbarschaft. Eine unter diesen frauen nahm den höchsten Rang ein und trug Titel und Namen der Königin, tasmatum farrat, d. i. Herrin des Palastes, genannt. So war Utofia Hauptgattin des Darius, des Hystaspes Sohn, Umestris oder Esther für Xerres, Statira für Darius Kodomanus. Als Königin trug sie Krone, Diadem oder Tiara, vor ihr beugten sich die Kebsweiber zur Erde nieder. Ein bedeutendes , fondetn auch nach Recht und Gefeß. Die Frauenhäuser aber übten ihren schädlichen Einfluß zunächft an der Person des Königs felbst aus, fodann wirkten sie auf das hofwefen und die Regierung des Landes, weil mit diesen Häusern das Unwesen der Eunuchen oder Frauenwächter ungertrennlich verbunden ist. Diese halbmänner standen dem König als erste Hof- und Hausbeamte besonders nahe, an ihrer Spiße der Rabsag oder Rabsake"), was Luther mit „Erzschenke" wiedergegeben hat. Dieser Beamte konnte allein bei dem König einführen, er war der Hofmarschall und General-Adjutant. Von ihm sagt Rawlinson, er sei nicht nur Ratgeber des Königs gewesen, sondern er war auch zur Uusführung der Pöniglichen Verfügungen berufen und trug die toftbarsten Gewänder wie der König. War er bei der Audienz zugegen, fo durfte niemand zwischen ihn und den König treten. Er stand also ftets neben dem König. Er begleitete auch den König auf seinen Feldzügen, jeder Heerführer war ihm Gehorsam schuldig, und er verfügte über tote und lebende Kriegsbeute.

1) Tiele a. a. O., S. 504.

Es scheint demnach, daß dem Stand der Eunuchen in Babylonien und Assyrien gar nichts Ehrenrühriges anklebte, im Gegenteil war er hochgeehrt. Aber die Hebräer hatten über diesen Stand eine ganz andre anschauung, wie die strafende oder drohende Rede des Propheten Jesaja, die er an den König Histia don Juda richtete, bezeugt: „Deine Söhne werden Kämmerer – farisim, d. i. Eunuchen im Palast des Königs von Babel sein ?)."

Neben dem Rabsak hatte der Rabsaris, den Luther Erzkämmerer nennt *), die Verwaltung des föniglichen Haushaltes als Haushofmeister zu leiten. Er war Eunuche wie auch der Träger des königlichen Sonnettschirms und der fliegenabwehrer und viele andre Diener; denn das Bcwachen der Frauen war nicht der einzige Dienst dieser Halbmänner, sondern sie kamen durch des Königs Gunst in viele hohe und niedere Bes amtenstellen, fie umgaben den König felbst in der Schlacht und fämpften nicht schlecht.

Mit ihnen wetteiferten an Einfluß die Magier und Priester, Weife und Schriftgelehrte, die auch die Gesekeskundigen waren, die auch die Omina oder Orakel über die Erscheinungen am Himmel und auf der Erde abfaßten. Sie wohnten aber nicht in des Königs Palast, sondern bei den Tempeln.

Eine andre Abteilung der höheren Beamten waren die Tartane, Sie in zwei Reihen standen als tartanu immu und tartanu sumilu, rechte und linke Cartane, vermutlich also genannt nach der Aufstellung, die fie

1) Jes. 36, 2 20. 2) Jef. 39, 8. 3) 2. Kön. 18, 17.

bei besondern Festlichkeiten zur Seite des Königs oder des töniglichen Chrones einzunehmen hatten. Die Bedeutung ihres Umtsnamens ist noch dunkel. Uus ihnen wurden die obersten Heerführer des Königs erwählt, fie leiteten auch die Verwaltung des ganzen Reiches.

Jhren Gehalt empfingen alle diese Beamte nicht in barem Geld, das erst unter den persern verbreitet wurde, sondern als fattulku, womit auch eine Opfergabe bezeichnet wird, also Naturalien, unter denen Datteln besonders oft genannt werden, indem sie ein vorzügliches Nahrungsmittel waren.

Die Verwaltung zerfiel in Affyrien in zwei Hauptteile, das alte Reich und die später eroberten Länder, die ihre angestammten fürsten nur so lange behielten, als diese den festgesetzten Tribut zahlten und im Kriegsfall ihre Streitmacht dem Großkönig zu Hilfe schitten. Der Statthalter hatte dieselben Verpflichtungen. Er mußte alle Ubgaben in Gold, Silber und Metallen, in Pferden und allerlei Vieh, Räucherwerk und dergleichen durch seine Boten, amalu enzu, einfordern und an den Großfönig abliefern. Die ihm unterstehenden assyrischen Untertanen zweiten Ranges mußten frondienste alter Urt leisten, zumal bei dem Bau öffentlicher Wege und Gebäude. Nur die freistädte entrichteten keine Abgaben.

Auch bei den Statthaltern gab es verschiedene Rangstufen. Alle hatten über die Zustände in ihren Bezirken on den Großkönig zu berichten und seine Befehle einzuholen. fiel ein unterworfenes Volk wieder ab und wurde der Tribut nicht gezahlt, so wurde ein solches Volk als im Uufruhr begriffen angesehn und behandelt, der König abgeurteilt, das Land dem affyrischen Reiche einperleibt und von Statthaltern oder Satrapen verwaltet; denn sein König hatte bei den Göttern geschworen, dem Großkönig Treue zu halten. Das Brechen aber des Eidschwures mamitu, hebr. mameh, galt als eine der schwersten Miffetaten, gegen die Götter selbst gerichtet, und wurde mit ausgesuchten Martern gestraft.

Andre tönigliche Beamte waren der Rabbilub, Napirikali, Salat, Tukulu, der Schwertträger, der Bogenspanner, die Stadtkommandanten, Hauptleute über fünfzig, Oberweingärtner, Deichvögte, Oberhirten, Zeugmeister, Oberkamelhüter, Oberziegler, Generale, Wegeauffeher, Uufseher der Bauern, der Rohrpflanzungen, der Wildparke, der könig. lichen forste u. a. 1).

Die Polizei hatte für die Sicherheit des Königs und des Staates zu sorgen; aber häufig war sie dann grade nicht am Plate, wenn die Person des Königs wirtlich bedroht war, oder sie spielte gar, wie man das heute noch im nächsten Morgenland erlebt, mit den Verschworenen unter einer Deđe, und die Verschwörung wurde angezeigt, wenn der König tot war.

Es gab auch geheime Polizei, die selbst über Vorgänge im Ausland dem König Bericht erstattete. So als Hosea, der letzte König von Ifrael,

1) Dergl. Ciele a. a. O., S. 514.

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