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fördert. Zu diesem Funde gehört das Abb. 119 wiedergegebene althebräische Siegel des „Šema', des Dieners Jerobeams". Wir heben noch folgendes hervor:

Ein ägyptisches Räuchergerät (abgebildet MDPV 1904, S. 55), ein babylonischer Siegelzylinder aus Jaspis, ein babylonischer Siegelstein mit Lebensbaum und Greifen und anderen Tierfiguren, Lebensbaum mit Greifen auch auf einem weißen Email-Amulet, Astarte-Figuren, behauene Malsteine, wie in Taʻannek, Trümmer eines Felsenaltars.

In beiden Hügeln fand man Krüge mit Resten von massenhaften Kinderleichen. Sellin u. a. schließen auf Kinderopfer. Wir möchten dieser Hypothese entschieden widersprechen. Man wird die Kinder im Hause begraben haben, wofür auch die jüngst in Assur gefundenen Grab

anlagen sprechen, und, wenn Abb. 119: Das Siegel des „Sema', des Dieners Jerobeams“ (in doppelter Größe).

möglich, in der Nähe von Nach MDPV 1904, S. 2.

Heiligtümern. Auch das

„durchs Feuer Gehen“ des Erstgeborenen ist nicht Menschenopfer, sondern Zeremonie des Sonnenwendfestes gewesen. Menschenopfer, wie sie mit Entsetzen vom Moabiterkönig berichtet werden (2 Kg 3, 27), werden zu den grausigen Seltenheiten gehört haben.

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Die Religion im vorisraelitischen Kanaan.

Die Geschichte der Kulte spiegelt wie überall so auch in Kanaan die Schichten der Eroberungen wieder. Politische Umwälzungen identifizieren die Kulte. Dabei ist aber auf vorderasiatischem Gebiete zu beachten, daß hinter sämtlichen Kulten die gleiche religiöse Lehre steht. Wenn für Tammuz Osiris, für Ištar die Ba'alat von Gobal, für Basal Amon erscheint, so ist das nur ein Wechsel der Namen. Von „Mischreligion“ darf nur unter diesem Gesichtspunkt geredet werden? Der oben

') Kautzsch, Mittlg. u. Nachr. des DPV 1904, i ff. In den Jahrgängen 1904 ff. findet man die ausführlichen Berichte über Mutesellim.

2, Vgl. Frdr. Jeremias bei Chantepie de la Sassaye, Religionsg.: 348 ff. 359 ff. Auch Sellins Darstellung von den kanaanäischen Religionen auf Grund der Ta’annek-Funde 1. c. S. 105 ff. ist noch von der alten Anschauung beherrscht, die die innere Einheit der Kulte verkennt. VerhängnisS. 316 abgebildete Siegelzylinder mit babylonischem Bild und babylonischer Legende und Segenswunsch in Hieroglyphen entspricht dem politischen Zustand: Ägypten und Babylonien kämpfen um die Oberhoheit in Syrien.

Die in der Bibel bezeugten kanaanäischen Götter Ba'al und Molek entsprechen wahrscheinlich der Oberwelt- und UnterweltErscheinung der kanaanäischen Astral-Gottheit?; es sind Sonnengottheiten in den beiden Hälften des Kreislaufs, die eine segenbringend, die andere verderbenbringend.

Nach den Amarna-Urkunden 2 tritt in allen Gebieten Kanaans Addu hervor (s. S. 78). Er ist die Repräsentation des Naturkreislaufs unter Betonung der Wettererscheinungen (S. 113), entsprechend dem babylonischen Adad-Ramman, oder, was im letzten Grunde dasselbe ist, Marduk nach gewissen Seiten seiner Erscheinung, und dem hettitischen Tešup (S. 112, Abb. 44 u. 45). Die Griechen würden sagen: Jupiter Dolichenus (S. 113). Br. 149, 13 ff. 3 : „Der König läßt seine Stimme am Himmel wie Addu ertönen, so daß das ganze Land vor seiner Stimme erzittert.“ Es ist der Ramman von Halmân (Aleppo), dem Salmanassar II. opfert, als er Syrien betritt +.

Die weibliche Entsprechung ist Ištar, die an jedem Kultort unter cinem besonderen Typus verehrt wird. In Ta'annek fanden sich 19 Fragmente von Ištar-Statuetten in gleichem charakteristischen Typus, vier von anderen Typen. Die Göttin heißt Aštarti oder, wohl in der speziellen Kultform des Pfahles,

voller aber ist der Irrtum von „ursprünglich“ primitiven religiösen Zuständen: Steinkultus, Baumkultus, Tierkultus (Sellin S. 107 „ältere religiöse Verehrung der Tiere“, S. 109 „uralter Baumkultus“). Das sind Eierschalen der evolutionistischen Auffassung.

1) Ba'al ist der babylonische belu, „Herr“. In Molek (1 Kg 11, 7, sonst immer mit Artikel) verbirgt sich wahrscheinlich das ,,babylonische“ Götterattribut malik „Entscheider“. Die Vokalisierung von Molek ist absichtliche Verderbung nach Analogie von bošet. Die Opferbrandstätte Jes 30, 33 gilt nicht dem Molek sondern der malkâ, d. i. Ašera, s. Erbt, Die Ebräer S. 235. Der greuliche Moloch verschwindet endgültig in der Versenkung.

2) S. Trampe, Syrien vor dem Eindringen der Israeliten, Wissensch. Beilage zum Jahresbericht des Lessing-Gymnasiums 1898 und 1901. Eine sehr tüchtige Bearbeitung der Briefe nach ihrer kulturellen Seite; in bezug auf die Religion herrscht auch hier die alte Auffassung, die vom „spätern Baal“ etc. spricht.

3) Zitiert noch nach der Ausgabe in KBV.
*) KB I, 172f.

5) Man denke an die verschiedenen Marien im katholischen Kultus, die alle dieselbe Himmelskönigin darstellen.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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der in das Bild der Göttin ausläuft (S. 110 und Abb. 41), Ašera, Aširta, Ašratum 1. In besonderem Ansehen steht die Ba'alat von Gobal (Byblos) Br. 57, 4 etc. Ihr Verhältnis zu Tamm u zAdonis wurde S. 115f. besprochen.

Ferner erscheint in Eigennamen der S. 335 besprochene Gottesname Ilu (bez. Ilani), ferner in theophoren Namen Ninib (Bit-Ninib Stadt bei Gebal 55, 31 und bei Urusalimmu Br. 183, 15), Dagon Br. 215f. in Dagan-takala. Von ägyptischen Gottesnamen erscheint Amon (Am-mu-nira heißt ein Einwohner von Berut Br. 128, 3 und Amanhatbi Br. 134f.). Die Briefschreiber rufen ihn dem Pharao zuliebe an: Amana, der Gott des Königs" Br. 54, 4. Als seine Partnerin erscheint Belit von Gobal Br. 67, 5, sie entspricht ja Isis. Br. 87, 64ff. schreibt Rib - Addi: „Dein Vater war Ilani (Plur. von Ilu, wie Elohim, s. S. 336) und Šamaš und Bêlit für Gobal.“ Babylonisch entspricht Amon-Re einerseits Marduk, andrerseits Šamaš; Abimilki von Tyrus sagt Br. 150, 6 ff.: „O König, wie Šamaš, wie Addu am Himmel bist du." Der Pharao erscheint als Inkarnation der Sonne und heißt als solcher in den Briefen Šamaš. Br. 144, 16 ff.: „Mein Herr ist die Sonne am Himmel, wie auf das Aufgehen der Sonne vom Himmel, so warten die Diener auf das Hervorkommen des Wortes aus dem Munde seines (!) Herrn.“ Br. 138, 1 nennt den Pharao mar Šamaš, „Sohn der Sonne“, Br. 208, 18 ff.: ,,Der König, die Sonne vom Himmel, Sohn der Sonne, den Samaš liebt" 2.

Die Gottheit erscheint ja als summus deus, als Ba'al, in ihrem Gebiet. Dabei gilt der Grundsatz, daß man Sukkurs von anderen haben kann, wie in der Jonas - Geschichte anschaulich dargestellt ist Jon 1, 5f. Br. 146, 14 ff. schreibt Ittakama: „Wenn deine Götter und dein Šamaš vor mir einherziehen, will ich die

1) Ašrat auf der Inschrift Hammurabis als des Herrschers über das Westland, s. S. 294. Am.-Br. 40, 3 Abd-as-ta-[ar]-ti (Schreibfehler: aštati), var. Br. 38, 2: Abd-(ilu)-aš-ra-tum, 124, 6: Abdaširta, Varianten 58, 19; 137, 60; 65, 10 Abd-ašratum und Abd-ašrati.

2) Als Stadtgottheit von Tyrus erscheint Šalmajâti (Br. 152, 31f. 40. 51 f.) Trampe hat 1. c. die ansprechende Vermutung ausgesprochen, daß Melkarth nur Epitheton ist: Melek-karth „König der Stadt“; vgl. Hommel, Altisr. Überl. 223f.; Grundriß 160 Anm. 4 und Šargânî-šar-ali (ilu šar ali schon bei Urnina). Winckler hat die Benennung Jedidjas, des Sohnes Davids (Salomo, Vasall von Tyrus) damit in Verbindung gebracht, s. Winckler, KAT? 195. 236, Erbt, Hebräer S. 74 und 152. Nach Hommel wäre Šalmajâti Pl. maj. von Šalmai (vgl. Nabajâti von Nabiu), auch der arabische Frauenname Salmai wäre zu vergleichen.

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Städte zurückbringen." Die Vasallen haben deshalb die Pflicht, die Götter ihres Oberherrn zu verehren. Br. 213,9 f. aus Askalon: „Ich bewache für meinen Herrn (?) die Götter des Königs, meines Herrn." Eroberungen werden dadurch besiegelt, daß man wie

“ in Babylonien und Assyrien die Götterstatuen wegführt und damit das Land herrenlos macht, oder dadurch, daß der König seinen Namen auf die Götterstatue setzt (Beispiele: Br. 138, Rev. 18 ff. 29) Die zürnende Gottheit verläßt das Land (vgl. die Ansicht im jüdischen Volke: Jahve sieht uns nicht, Jahve hat das Land verlassen Ez 9, 9).

Br. 71, 61 spricht von Tempeln (bît-ilâni) und Tempelschätzen. Der Kultus von Gobal wurde von Priesterinnen verwaltet, von denen Br. 61, 54; 69, 85 zwei mit Namen nennen.

Die Funde von Ta'annek und Mutesellim zeigen natürlich die gleichen Erscheinungen.

Von den Ištar-Typen war S. 316f. die Rede. Der Siegelzylinder mit dem Nergal-Bild (Abb. 112) kann kaum als Zeuge für Nergal-Kult gelten. Neben Ištar, bez. Aširat, deren Kult hier ausdrücklich bezeugt wird und deren Orakel gern befragt wurden, erscheinen auch hier Bel, Adad und Amon (Amuna bez. Aman in dem Namen Ama-anan-ha-sir).

Ein religionsgeschichtlich höchst interessantes Dokument ist der S. 316 wiedergegebene Brief des Ahi- Ja mi an Ištarwašur. Ob der spätere israelitische Gottesname in Jami stecken kann, bleibe dahingestellt? Die tiefe Religiosität des Briefes läßt vermuten, daß es sich um einen Gottesverehrer handelt, der den „Kindern Israel“ nahe steht, sei es nun, daß er zu den ,,Hebräern" gehört, unter denen sich altes religiöses Gut erhalten hat (S. 328) oder daß es sich um den Angehörigen eines israe: litischen Stammes handelt, der zeitiger eingewandert war, als das Gros unter Josua 3. „Der Herr der Götter möge dein

1) S. OLZ Mai 1906.

2) mi (nicht wi steht da) ist Variante des postpositiven ma, das sich auch sonst bei Eigennamen findet; die Vermutung Zimmerns bei Sellin trifft sicher das Richtige. Zum Namen vergleicht Sellin DX7X 2 Sa 23, 33.

3) Asser? (Hommel, Altisr. Überl. 228; W. M. Müller, Asien und Europa 236f.; Erbt, Hebräer 46.) Oder bereits einer der Lea-Stämme, die aus Ägypten kamen (Steuernagel, Die Einwanderung der israel. Stämme 115 ff.)? Vgl. Ri 5, 17f. (Sellin l.c. 108f.). Zur religiösen Würdigung des Briefes s. Fr. Jeremias bei Chantepie de la Saussaye 3 I, 353; Baentsch, Monotheismus S. 57.

Leben behüten; über meinem Haupte ist einer, der da ist über die Städte, sieh, ob er dir Gutes erweisen will

wenn er sein Angesicht zeigt, so werden die Feinde zuschanden." So hätte Elias an den König von Tyrus, und Elisa an den König von Damaskus schreiben können. Der Schreiber dieses Briefes kennt den Herrn der Herren, der Götter Gott, der über seinem Haupte waltet, und den Sieg verleiht, wenn er sein Angesicht zuneigt. Darin liegt mehr, als monotheistische Unterströmung. Das führt uns zum folgenden Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.
Abraham als Babylonier.

Die Geschichten i Mos geben von 11, 26 an auf Grund verschiedener Quellschriften die Überlieferung wieder, die in frommen Kreisen Israels in bezug auf die Urzeit Israels im Umlauf waren.

Außer i Mos kommt noch in Betracht Jos 24, 2; Jes 63, 16; 51, I f.; Jer 33, 26 und (Sodom und Gomorrha betreffend) Am 4, 11; Jes 1, 9.

Die Erzvätergeschichten sind in der uns vorliegenden Gestalt unvollständig und idealisiert. Wir wissen nicht, wie die Quellschriften, aus denen die Erzählungen geschöpft sind, ursprünglich ausgesehen haben, und was sonst mündlich erzählt wurde. Dem Verfasser der sog. Priesterschrift haben zwei in der Hauptsache übereinstimmende Quellen vorgelegen. Er hat sie nach gewissen Gesichtspunkten exzerpiert, wohl auch außer seinem genealogischen Abriß einiges aus andern Quellen selbständig hinzugefügt. Aber seine Exzerpte sind unvollständig!

1) Ergänzungen zur Überlieferung werden wir in den Sagenstoffen der außerbiblischen und islamischen Tradition suchen dürfen (die islamische Religion wird auf Abraham zurückgeführt, wie die biblische). Auf beiden Gebieten finden wir Traditionsstoff, der unabhängig von den biblischen Quellen ist und nicht einfach erfunden sein kann. Auch die neutestamentlichen Schriftsteller (eine Übersicht über solche Stellen s. BNT 112, vgl. auch zu Hbr 1, 21 S. 376) benutzen für die Väterzeit Quellen, die neben der Bibel hergehen, und die das gleiche Recht haben, gehört zu werden, wie die durch den Redaktor uns aufbewahrten Überlieferungsstücke. Es ist z. B. im einzelnen Falle nicht ausgeschlossen, daß sie Teilen der Quellschriften entstammen, die bei der Arbeit des Redaktors unter den Tisch gefallen sind, vgl. ThLBI 1906, Sp. 348.

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