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Ins Feld führt sie Ottern, Basilisken und Molche,
Tolle Hunde, Orkane und Skorpionmenschen,
Gewaltige Stürme, Fischmenschen, Meerwidder:
Mit wütenden Waffen, den Kampf nicht fürchtend.

30

Gar mächtig gebeut sie, Widersetzen nicht kennend.

, Elf Bruten wie diese zum Kampfe stellend! In ihrem Gefolg, ihren göttlichen Kindern, : Erhob sie jetzt Kingu, Gewalt ihm verleihend.

35

Das Heer zu führen, die Truppe zu leiten,
Die Schlacht zu beginnen, den Streit zu erregen,
Des Kampfes Führung und Oberleitung
Vertraute sie ihm an, ihn hoheitsvoll kleidend:

40

Durch Zauber geweiht, bist du hoch nun erhoben,
Der Götter Herrschaft hab' dir ich gegeben!
Erhaben sei du, mein erkorener Gatte;
Sei herrlich gepriesen von den Göttern der Tiefe.“

Sie legt an die Brust ihm die Tafeln des Schicksals:
„Dein Befehl sei unwandelbar, bindend dein Ausspruch!“

45

Und Kingu, erhaben, als Allgott jetzt waltend,
Verkündet die Lose den göttlichen Kindern:
„Tut auf nun den Mund, um den Brand zu ersticken!
Wer tapfer sich zeigt, wird an Macht schon gewinnen!“

50

Als Anschar nun hört' von Tiamats Rasen,
Schlug er sich den Schenkel', biß sich in die Lippen;
Betrübt war sein Sinn, unruhig sein Herz.
Doch endlich spricht er, sein Wehgeschrei lassend:

O Ea, mein Sohn, zieh aus zum Streite:

Erhebe, o Held, die Waffe des Kampfes! 1 Zeichen der Wut.

55

Hast du ja doch Mummu und Apsû erschlagen;
Nun töte auch Kingu, der vor ihr einherzieht!"

In der folgenden Lücke von fast 20 Zeilen wurde wohl erzählt, wie Ea sich aus Furcht weigert, den Kampf auf sich zu nehmen; Anschar wendet sich deshalb an seinen Sohn Anu ?.

Anschar befahl jetzt, Anu zu rufen;
Zu seinem Sohne spricht er die Worte:
Du, mein Sohn hier, mein starker Held,
Gewaltig an Kraft, dem nichts widersteht,
Wohlan tritt du vor Tiamat hin,
Daß ihr Zorn sich lege, ihr Herz sich beruhige!
Doch wenn sie nicht deine Rede will hören,
Sag' ihr unser Wort, daß Ruhe sie halte!"

75

80

Da gehorchte Anu dem Wort seines Vaters,
Die Bahn, den Weg zu ihr schlug er ein.
Doch als er sich nahte, ihre Pläne ergründend,
Vergaß er des Widerstands: er wich zurück!

In ihrer Ratlosigkeit weisen die Götter jetzt Ea an seinen Sohn
Marduk, der dem Vater an Weisheit gleich ist. Ea soll diesem von
Tiamats Empörung berichten und ihn als Kämpfer für die Götter
gewinnen. Hören wir, was Ea zu seinem Sohne redet:

Sohn Marduk, vernimm das Wort deines Vaters,
Denn du kannst erleichtern sein schweres Herz!
Bei Anschar zum Kampfe tritt du auf den Plan jetzt,
Daß er dich erblicke und Ruhe dann finde!"

110

Da freute der Herr sich der Worte des Vaters,
Er eilte herbei und trat hin vor Anschar:
Als Anschar ihn sah, ward froh er im Herzen,
Den Mund ihm küssend, vergißt er der Sorgen.

115

1

Tiamat. Erste Tafel, Z. 14. 3 Wenn die Ergänzung richtig ist, so handelt es sich um ein Zauberwort. * Der Herr, bab. Bêl, ist ständige Bezeichs nung Marduks, des Stadtgottes von Babylon. 3 Ungbad, Babylonien

O, Vater!, verzag' nicht, nein öffne die Lippen;
Denn gern will ich gehn, deinen Wunsch zu erfüllen!
O Anschar, verzag' nicht, nein öffne die Lippen;
Denn gern will ich gehn, deinen Wunsch zu erfüllen!“

120

„Ist jemals ein Mann dir entgegengetreten?
Jetzt sollte Tiâmat, ein Weib, dich bekämpfen ?"

O Vater der Götter, jetzt freu' dich und juble;
Denn bald ruht dein Fuß auf Tiâmats Nacken!
O Anschar, mein Vater, jetzt freu' dich und juble;
Denn bald ruht dein Fuß auf Tiâmats Nacken!"

125

„Mein Sohn, der du kennst aller Weisheit Wege,
Tiamat beruhige mit reiner Beschwörung!
Wohlan, schreite eilends zum Zug gegen jene;
Kaum wird sie dich schauen, so wird sie entweichen!

130

Da freute der Herr sich der Worte des Vaters 8;
Es jauchzte sein Herz, und er spricht zu dem Vater:

„O Herrscher und Schicksal der großen Götter,
Wenn wirklich ich euch als Helfer erstehn soll, ,
Euer Leben errettend, Tiamat bezwingend,
So schart euch zusammen, mein Los4 zu erhöhen.

135

In Upschukkinakó setzt froh euch zusammen:
Dann will ich statt eurer die Lose bestimmen.
Nichts soll sich verändern, was jemals ich schaffe,
Nicht hinfällig werden das Wort meiner Lippen!"

140

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91

* Marduk redet jetzt mit Anschar. Anschar spricht.

Vater" hier wie oft = „Ahnherr“. * Los Stellung (im Rat der Götter). 5 Der Ort, wo die Lose (Geschicke) bestimmt werden.

DRITTE TAFEL

Den Mund auftuend, spricht Anschar die Worte
Und sagt zu Kaka, seinem Veziere:

„Vezier Kaka, du Freud' meines Herzens,
Zu Lachmu und Lachamut will ich dich senden!
Meines Herzens Geheiß vermagst du zu künden;
Die Götter des Himmels bring' allzumal vor mich!

5

Es sollen erscheinen die Götter alle,
Zum Mahl sich bereiten, zum Schmause sich setzen;
Brot mögen sie essen und Wein sich bereiten,
Das Los dann bestimmen für Marduk, den Retter!

10

Mach auf dich, o Kaka, und tritt vor sie hin,
Und was ich dir sage, verkündige ihnen:
Euer Sohn Anschar entsandte mich hierher;
Seines Herzens Geheiß läßt er mich verkünden:

15

Unsre Mutter Tiâmat, uns tödlich hassend,
Hat Heeresmacht aufgebracht, zornig und rasend;
Ihr zugewandt haben die Götter sich alle,
Es gehn ihr zur Seite selbst die, so ihr schufet.

Sie sammelten sich, zur Seite Tiâmats schreitend,
Tobend, planend, ruhelos Tag und Nacht,
Zum Kampfe gerüstet, wütend, rasend,
Zusammengerottet, den Streit zu wagen.

Die Chaosmutter, die alles gebildet,
Gab feste Waffen, gebar Riesenschlangen
Mit spitzen Zähnen ohn' alle Schonung,

Füllte mit Gift statt mit Blut ihren Leib. 1 Das ältere Götterpaar; s. erste Tafel, Z. 10.

Wütende Drachen von schrecklichem Anblick,
Von Furchtbarkeit strotzend, ließ sie erstehen:
Wer sie erblickte, der sollte erstarren;
Den bäumenden Leibern gibt's kein Widerstehen.

30

Ins Feld führt sie Ottern, Basilisken und Molche,
Tolle Hunde, Orkane und Skorpionmenschen,
Gewaltige Stürme, Fischmenschen, Meerwidder:
Mit wütenden Waffen, den Kampf nicht fürchtend.

35

Gar mächtig gebeut sie, Widersetzen nicht kennend,
Elf Bruten wie diese zum Kampfe stellend!
In ihrem Gefolg, ihren göttlichen Kindern,
Erhob sie jetzt Kingu, Gewalt ihm verleihend.

40

Das Heer zu führen, die Truppe zu leiten,
Die Schlacht zu beginnen, den Streit zu erregen,
Des Kampfes Führung und Oberleitung
Vertraute sie ihm an, ihn hoheitsvoll kleidend:

Durch Zauber geweiht, bist du hoch nun erhoben,
Der Götter Herrschaft hab' dir ich gegeben!
Erhaben sei du, mein erkorener Gatte;
Sei herrlich gepriesen von den Göttern der Tiefe!"

45

Sie legt an die Brust ihm die Tafeln des Schicksals:
„Dein Befehl sei unwandelbar, bindend dein Ausspruch!"

50

Und Kingu, erhaben, als Allgott jetzt waltend,
Verkündet die Lose den göttlichen Kindern:
Tut auf nun den Mund, um den Brand zu ersticken!
Wer tapfer sich zeigt, wird an Macht schon gewinnen!"

Wohl sandte ich' Anu, doch nicht widerstand er,
Auch Ea war furchtsam und wandte zurück sich.

1 Anschar spricht hier noch mit Kaka, dem er seinen Auftrag einschärft.

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