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i Mos 14, I ff. erzählt:

Und es begab sich in den Tagen Amraphiel)s 1, als über Sincar (Babylonien) Arioch herrschte?, König von Ellcasar (Larsa), da sogon su Felde Kedorlaomer, König von Elam, und Tid'al, könig von Gojim

gegen Bera', König von Sodom, Birša', König von Gomorrha, Sin’ab, König von Adma, Šem'cber, König von Scbojim, und den König von Bela' (das ist Şoʻar):

alle dicse versammelten sich im Tale Siddim (das ist das Salcmcer).

Zwölf Jahre waren sic Kedorlaomer untertänig gewesen; und im dreizehnten Jahre 3 hatten sie sich empört.

Im tiorzchnten fahre aber kam kidorlaomer samt den königen, die mit ihm waren, herbei.

Es wird also hier von einem Feldzug gegen das Westland berichtet, der durchaus den geschichtlichen Verhältnissen der alten Zeit entspricht. Die Völkerschaften Kanaans haben zwölf Jahre lang (also seit einem siegreichen elamitischen Feldzug gegen das „Westland“) Tribut gezahlt und haben im 13. Jahre sich empört, d. h. die Tributzahlungen eingestellt. Dafür sollen sie gezüchtigt werden. Bei dieser Auffassung erledigt sich wenigstens zum Teil Gunkels Einwand: „Wie kann man die kleinen Stadtkönige des Siddimtales mit dem gewaltigen Weltreich in Zusammenhang bringen?" Die Erzählung fordert auch durchaus nicht die Annahme, daß König Kedorlaomer und sein Bundesgenosse persönlich zugegen gewesen seien. Die Könige des Weltreichs haben nicht nötig, persönlich den Streitwagen zu besteigen, wenn es gilt, tributsäumige Vasallen zu züchtigen. Aber in den Annalen gehört es zum feierlichen Stil, den König als Repräsentanten seiner Kriegsschar zu nennen, auch wenn er nicht persönlich zugegen war. Die Heerhaufen werden auf

) Das I am Ende des Namens Amraphel soll nach G. Hüsing zum folgenden Worte gehören: li-melok, vgl. dazu die Regierungsangabe bei Eschmunazar (Lidzbarski, Handb. der nordsemit. Epigraphik 417, v. Landau, Beitr, zur Altertumskunde des AO II, 5, 1; 6, 1): 132 5:23.

2) Hammurabi hat in der ersten Zeit noch unter der Oberhoheit des Eri-aku Rim-Sin), des Königs von Sumer und Akkad gestanden, der in Larsa residierte und der sich ad-da des Westlandes nannte (s. S. 2941. Die Angabe würde sich auf eine Zeit beziehen, in der die Oberhoheit nur noch nominell war, s. Winckler, Abraham als Babylonier, Josef als Ägypter Lpzy. 1903.

3) Zimm Motiv der 12 13 s. S. 340 f. Ein andres Beispiel S. 403.

beiden Seiten nicht riesig gewesen sein; die 318 hanîkim Abrahams geben an sich zu keinerlei Bedenken Anlaß, auch wenn diese mythologisch motivierte Zahl (S. 340) Abrundung der Zahl einer kleinen Schar bedeuten sollte. Die kanaanäischen Fürsten und Statthalter der Amarna-Briefe bitten den Pharao um verhältnismäßig kleine Scharen zur Rettung von den Feinden!

Die Verteidiger der Geschichtlichkeit von i Mos 14 haben in den letzten Jahren besonderen Wert auf den Nachweis gelegt, daß die Namen der babylonisch-elamitischen Könige identisch seien mit bestimmten Namen der babylonischen Keilschriftliteratur. Es handelt sich um babylonische Heldenlieder, die die Befreiungskämpfe gegen Elam schildern. Besonders Fr. Hommel hat sich in seiner altisraelitischen Überlieferung darum bemüht, hat auch einen Teil der von Pinches entdeckten Texte zum ersten Male in Übersetzung vorgelegt. Aber die Freude über den Fund verstummte bald. Einmal stellten sich Zweifel über die Identität der Namen ein. Eigennamen sind ja von jeher die crux der Assyriologie gewesen. Sie sind meist in mehrdeutigen Ideogrammen geschrieben. Die Unsicherheit ihrer Entzifferung hat übrigens bei vielen das ganz unberechtigte Mißtrauen geweckt, als sei auch die Entzifferung des übrigen Textes unzuverlässig. Sicher scheint uns die Gleichsetzung von Amraph(el)? mit Hammurabi und die Identität von Ellasar mit Larsa, dessen Trümmer unter dem Hügel von Senkereh, südöstlich von Uruk (Erech) verborgen liegen, wahrscheinlich die Identifizierung des biblischen Arioch mit Rim-Sin, der „sumerisch“ Eri-Aku heißt, s. S. 329 u. 345 Anm. 2.

Der Führer ist Kedorlaomer. Dieser Name ist echt elamitisch. Er bedeutet Knecht (?) der auch sonst bezeugten elamitischen Göttin Lagamar. Hommel war bei Gleichsetzung dieses Namens mit einem keilinschriftlichen durch einen vermeintlichen Fund des P. Scheil irregeführt worden, der in einem Briefe Hammurabis den Namen in der Form Kudur-Nuhgamar wiedergefunden haben wollte. Die Lesung hat sich bei genauerem Studium des in Konstantinopel liegenden Briefes als irrtümlich erwiesen, und damit fällt auch ein Teil von Hommels Schlußfolgerungen? Aber auch wenn die Namen identisch sind mit den alten Helden der oben erwähnten babylonischen Epen vom Elamiterkrieg, so würde das denen nichts helfen, die mit

2) Gunkel sagt: „Was soll man von einem Erzähler sagen, der solches berichtet“, und zitiert Noeldekes Wort: „Wenn das möglich ist, ist eben alles möglich.“ S. Winckler, Hammurabi S. XXXI Anm. 2.

2) Zum 1 s. S. 345 Anm. 1.

3) Eine Gleichsetzung von Kedorla'omer mit Kudurmabuk (auf Grund einer falschen Lesung des keilinschriftlichen Originals), dem Vater RimSins, adda von Emutbaba, der seinen Sohn in Larsa regieren ließ, schlägt Erbt, Ebräer S. 67 vor und vermutete bereits Hommel, Gesch. Bab. u. Ass. 366. Lagamar ist Elamisierung von Lagamal (schonungslos).

solchen Gründen die Authentizität von I Mos 14 beweisen wollen. Denn jene Lieder sind uns nur in Abschriften aus der Achämenidenzeit bekannt. Seit den Zeiten Nabonids liebte man es, die altbabylonischen Namen hervorzuholen und altbabylonische Heldentaten zu preisen. Da nun grade die Juden im Exil und nach dem Exil Zeugen dieser babylonischen Altertümelei gewesen sind, so lag es nahe, den Schluß umzukehren und zu sagen: 1 Mos 14 ist eine Tendenzdichtung, die die Idealgestalt eines Abraham mit möglichst vielen alten Namen zusammenstellt, die Erzählung ist das Werk ,,eines in babylonischen Palästen und Tempelarchiven arbeitenden Judäers"?

Das freilich eine derartige literarisch - kritische Beurteilung unhaltbar ist, wird jeder zugeben, der das Alte Testament im Lichte des alten Orients zu betrachten begonnen hat. Die biblischen Schriftsteller, deren Werke in unsere Bibel verarbeitet sind, konnten zum mindesten ebensogut in der Königszeit aus babylonischer Überlieferung schöpfen, wie in nachexilischer Zeit. I Mos 14 liegen Geschichtstatsachen und die Kunde von geschichtlichen Persönlichkeiten zugrunde. Jene Abschriften aus der Achämenidenzeit zeigen, wie lebendig die Vorgänge der altbabylonischen Zeit im vordern Orient im Gedächtnis waren. Und die Israeliten wußten jederzeit gut Bescheid über die Vorgänge in den großen Weltreichen. Das wird uns die Königszeit illustrieren. Die Frage ist nur, ob das Auftreten Abrahams historisch ist oder ob ihm die Geschichte von dem Sieg über die vier Könige auf den Leib geschrieben ist. Wer die Existenz Abrahams für abgetan hält, für den ist die Frage erledigt. Aber die Geschichte enthält doch schwerwiegendes Material für die Verteidigung der Persönlichkeit Abrahams. Abraham war ja auch sonst als Feldherrngestalt aufzufassen (s. oben S. 328 f.). Das Auftreten des ,,Hebräers“

f Abraham entspricht ganz den Verhältnissen jener Zeit, wie sie uns z. B. die Sinuhe-Geschichte zeigt. Sein Eintreten ist abgesehen von den verwandtschaftlichen Beziehungen zu Lot dadurch motiviert, daß der Kriegszug einen Teil der Abrahamsleute mit Deportation bedrohte (1 Mos 14, 12), so daß die religiöse Bewegung gefährdet war.

) Die Erklärung als „Midrasch“ (Kautzsch u. a.) wird der Eigenart der Erzählung durchaus nicht gerecht, selbst wenn man erkannt hat, daß ein Midrasch nicht bloß eine aus den Fingern gesogene Geschichte sein muß.

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I Mos 14, 8 l'ier Könige gegen fünf." Die „fünf“ ist die Zahl des Drachenkampfes, wird deshalb besonders hervorgehoben (s. S. 72. 86. 362 Anm. 1).

i Mos 14, 10f. Die Könige von Sodom und Gomorrha versanken in Gruben (7-83 bôr!) im Tale der Dämonen. Sodom, der Aufenthaltsort Lots, trägt Unterweltscharakter. Die spätere Überlieferung hat in Erinnerung an Sodoms Geschick und den Charakter der Gegend des toten Meeres Asphaltgruben (21:1-33) daraus gemacht.

i Mos 14, 13 ff. kommt Abram, der Hebräer (!), zu Hilfe. Abram wohnte in Sichem beim Weltenbaum More1, s. S. 337 (13, 8 Mamre in Hebron überträgt die Geschichte auf den südlichen Schauplatz, s. oben S. 337) mit drei Bundesbrüdern ? (). Um Lot zu befreien, ,,zählte" 3 Abram scine 318 hanikimt, die in seinem Hause geboren waren, und jagte nach bis Dan." ,,Da teilte er sich über sie gegen sie) des Nachts, or und seine Knuechte, und schlug sie.Das Teilen in drei Teile gehört zu den Motiven des Mondkampfes", entspricht den drei Wachen während der Mondzeit, weshalb die Nachtwachen auffällig hervorgehoben werden. Dasselbe finden wir in dem mit mythologischen Motiven des Mondkampfes ausgestatteten Kampfe Gideons gegen die Midianiter Ri 7, 16, Sauls gegen die Ammoniter i Sa 11, 11 und in den Kämpfen bei Gibea und Michmas 6.

.(בעלי ברית)

1) i Mos 12, 6, vgl. 5 Mos 11, 29 f. in der Nähe des Garizim und Ebal.

2) Mamre, 'Eškôl und Aner ('Enak:). In baʻalê berît liegt Anklang an den Ba'al berît in Sichem Ri 8, 33; 9, 4 (Kultort auf Garizim oder Ebal). Auch Isaak verbündet sich mit 3 Männern durch Schwur-Bündnis iberit): Abimeleh, Ahuzat und Phikol 26, 20 ff. Er bewirtet sie, wie Abraham die 3 Männer, die ihn besuchen 18, 2 ff. und erhält dann die Erfüllung eines Wunsches: seine Leute finden Wasser.

3) Zu den Varianten s. Kittel, Biblia, Sept. noinnor.

*, Nur an dieser Stelle. Es ist astrales Motivwort, das zum Mythus der Befreiung der Sonne aus der Unterwelt (Lot durch den Mond gehören muß: die 318 Nächte, an denen der Mond sichtbar ist, helfen beim Kampf des Mondes gegen die Mächte des Südlandes (Sonne). Wir erinnern uns an den Sonnencharakter des Hanok (Henoch), der 365 Jahre alt wurde, und an das hanûka-Fest der Sonnenwende, s. S. 221 Anm. 7 und Winckler, Krit. Schr. IV, 64, F. III, 407. Die hanîkîm sind eine geweihte Schar des Sichem bundes wie die auserlesenen Jünglinge im Sichembunde Ri 7, i ff. (s. Erbt, Ebräer S. 76 f.)

5) Winckler I. c. 407. Das Teilen gehört zu der Zeitbestimmung des Nachts“; Kautzsch, Gunkel u. a. übersetzen ungenau.

6) S. Winckler, Gesch. Isr. II, 139. 157. Auch Hi 1, 17 finden wir das gleiche Manöver, es scheint feststehendes Motiv für Kampferzählungen geworden zu sein.

i Mos 14, 18: Und Malkî-şedek, der König von Šalem, brachte Brot und Wein heraus; derselbe war ein Priester des El-" cljon. Šalem ist wenigstens in der späteren Auffassung (vgl. Ps 76, 3) poetischer Name Jerusalems. Vgl. Jos 10, T: Adoni - sedek, König von Jerûšalêm. In den Amarna-Briefen begegnet uns eine Reihe von Briefen aus Crusalim (s. Abb. 121), was hebräischem Jerúsalem entspricht 1. Die Deutung als ,,Friedensstadt“ ist spätere Volksetymologie. Der Fürst und Statthalter Abdihiba von Urusalim sagt von sich:

Siehe, was mich anlangt (was das Gebiet dieser Stadt Urusalim nalangt), so hat nicht mein Vater, nicht meine Mutter mich eingesetzt (es mir gegeben), sondern der Arm des mächtigen Königs hat mich eintreten lassen in mein Stammhaus (hat es mir gegeben). KB V 102, 9 ff.; 103, 25 ff. (s. Hommel, Altisr. Überl. 155).

Die Aussage: „nicht mein Vater, nicht meine Mutter, sondern göttlicher Berufung auf den Königsthron kann ich mich rühmen“ – gehört zum mythologischen Requisit der Königsberufung. Es ist das Motiv der geheimnisvollen Herkunft, s. darüber ausführliches S. 408 ff. bei Mosis Geburt. Der König stellt sich damit als Bringer eines neuen Zeitalters, als eine Errettergestalt hin. Eine Reihe von Beispielen dafür findet sich BNT S. 29 f., andere werden zu 2 Mos 2, 2 beigebracht Abb. 121: Brief des Abdihiba aus Urusalim werden. Moses wird nach 5 Mos 33,

an Amenophis IV. 9 ff. (s. zu dieser Stelle S. 408 u. 378) mit demselben Motiv ausgestattet: „der von seinem Vater sagt und zu seiner Mutter sagt: ich habe sie nicht gesehen (und der seinen Bruder nicht kennt und von seinem Sohne nichts weiß]?. Es ist dasselbe, wenn Gudea zur Himmelskönigin sagt: „Ich habe keine Mutter, du bist meine Mutter; ich habe keinen Vater, du bist mein Vater.“ Der Hebräerbrief verwendet dasselbe Motiv bei Malkişedek, dem König von Salem, Hbr 7, 3: Melchisedek sei åráro9, dunroo, àreveahorntos „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister".

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1) „Stadt des Šalem“? Šalem, assyr. Šulman ist vielleicht eine Bezeichnung Ninibs. In der Nähe von Urusalimmu erwähnen die AmarnaBriefe eine Ortschaft Bît-Ninib, s. Zimmern KAT 3 475 f.

2) Die Klammer ist vielleicht Glosse eines Redaktors, der das Motiv der geheimnisvollen Geburt nicht mehr kannte.

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