Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

eins ist dann unmöglich: es kann dann überhaupt keinerlei politische oder was für den alten Orient dasselbe ist religiöse Gemeinschaft vorher die einzelnen Teile der späteren „Kinder Israel" verbunden haben. Denn eine solche Gemeinschaft wäre bei stoßweise erfolgender Einwanderung verloren gegangen, und es müßte eine Trennung zwischen Ansässigen und Nichtansässigen eingetreten sein. Das widerspricht aber dem Grundgedanken aller israelitischen Volkserinnerung. Und darin sind doch alle modernen Darsteller einig (freilich durchaus im Widerspruch zu ihren eigenen Prämissen), daß am „Schilfmeer“ etwas Großes geschehen ist, das für alle Zeit als religiöses Signal galt, und daß am Sinai die magna Charta gegeben wurde, die im Mittelpunkt der Religion des gesamten Staates Israel - Juda steht. Die biblische Tradition spricht deshalb folgerichtig von einer Eroberung des Landes unter einheitlicher Führung (Josua) und unter einheitlicher Idee 1.

Es erhebt sich hierbei nur die Frage, ob es unter den Voraussetzungen, die uns die Kenntnis des alten Orients auf Grund der Denkmäler und der Geschichte an die Hand gibt, denkbar ist, daß eine religiöse Bewegung die Fahne ist, unter der sich eine solche Eroberung vollzieht. Daß dies möglich ist, zeigt die Geschichte der Religionen im Orient bis auf den heutigen Tag. Das anschaulichste Beispiel ist die religiöse Bewegung unter Muhammed.

Josua. Josua ist eine israelitische Errettergestalt, wie Moses. Sein Anteil an der Gesetzgebung 2 ist in dem vorliegenden Texte wohl zugunsten Mosis

verwischt. Der Durchzug durch den Jordan unter Josua entspricht dem Durchzug durch das rote Meer unter Moses. Der Befreiung aus der Gewalt Ägyptens entspricht die Besiegung der kanaanäischen Könige. beiden Fällen wird Kampf und Sieg mit den Farben des Sieges über den Drachen dargestellt.

In

ist von derselben Prämisse ausgegangen, hat aber dann wenigstens den logisch richtigen Schluß gezogen: wenn Jahve nur der Gott Judas und zwar im Sinne altorientalischer Lehre ist, kann er nicht zugleich der Gott Israels gewesen sein.

1) Sie erstreckt sich gegen die ursprüngliche Absicht auf das Ostjordanland. Die Besiegung des Westjordanlandes war das Ziel. Ezechiel beschränkt das Land der Zukunft auf das Westjordanland.

*) Vgl. S. 422 f. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

30

* Astralmythologische Motive. 1. Seine Namen bezeichnen ihn als Erretter'. 2 Mos 17, 9 taucht er als Gehilfe Mosis auf und 33, 11 heißt er „Sohn des Nûn". In die Namen werden die Motive geheimnist. Der ,,Sohn des Fisches“ wäre babylonisch gedacht entweder Ea selbst (s. S. 43 f., das könnte zu Josua als Gesetzgeber stimmen), oder Eas Sohn Marduk? Als solcher ist er einerseits der, dem Gott sein Wissen kund tut (wie 2 Mos 7, 1: ,,ich mache dich zum Gott für Pharao und Aaron soll dein Sprecher sein“, s. S. 410) andererseits der Erretter, der die finstere Macht besiegt und die neue Zeit bringt.

2. Er durchschreitet den Jordan. Jos 3, 16 hält das Wasser vor der Lade im Laufe inne und „stand aufrecht wie ein Wall“. Darin liegt das stehende typische Motiv der Spaltung des Drachens :.

3. Zwölf Steine werden aufgerichtet nach Überschreitung des Jordans, 4, 20 „im Gilgal“ (Gilgal bedeutet selbst den heiligen Steinkreis) Nach Überschreiten des Wassers, das für das Werk Josua's die gleiche Bedeutung hat, wie das Durchschreiten des roten Meeres unter Moses, wird die neue Welt jenseits der Wüste gleichsam symbolisch gebaut durch Aufrichtung der 12 Steine, die den 12 Tierkreisstationen entsprechen, die der Besieger des Drachens aufstellt, um die neue Welt zu bauen. Die pesilîm am Gilgal Ri 3, 19. 26 scheinen diese Steine zu bedeuten.

4. Der Sieg über die fünf Könige bei Gibeon Jos 10 zeigt die Motive des Sieges über die finstere (winterliche) Macht. Daher die Zahl fünf, s. S. 86 und 362, Anm. 1 (fünf Könige i Mos 14, 9; 4 Mos 31, 8), den fünf Zusatztagen, die vor den Frühlingsanfang fallen und den gesamten Winter repräsentieren, entsprechend Jos 1o, 12 f.: Damals sprach Josua:

.vgl ,יהישיעה und הושעה) Wenigstens in den Volksetymologien (

") (, . Sept. Inooms). Im Talmud ist Josua bekanntlich eine Messias-Gestalt der Zukunft.

2) Anders Winckler OLZ 1901, 357.

3) S. S. 410; Winckler, Gesch. Isr. II, 236 f. Stuckens Ausführungen, Astralmythen 164 ff., der im Josuabuch durch Verbindung Josuas mit den Kundschaftern und mit Achan den gesamten Komplex der DrachenkampfMotive sieht, hängt zu viel an einen Nagel. Die Analogien zum Rigveda (Stucken nennt das Josuabuch den semitischen Rigveda) sind überraschend.

*) Etwas ganz anderes ist das im jetzigen Text unklare Aufrichten von Steinen im Jordan, Jos 4, 9, das einer anderen Quelle angehört. Winckler denkt 1. c. II, 107 an die Reste eines Brückenbau-Berichtes.

5) Vgl. die 12 turmhohen Altäre, die Alexander am Hyphasis an der Grenze seiner Eroberungen errichtet, Arrian 5, 29, 1; s. Winckler, Gesch. Isr. II, 107.

*) S. S. 362 und Anm. 1. Eigentlich beträgt der Ausgleich zwischen Sonnen- und Mondjahr 5'/. Der Bruchteil erscheint im Märchen-Mythus, auch als Motiv des Bringers des Frühlings (der „Däumling“, der den Riesen besiegt). Gewöhnlich aber wird er zum Winterriesen hinzugefügt, der etwa 5 Ellen und eine Spanne lang ist oder sechs Finger und sechs Zehen hat (s. zur Goliathgeschichte S. 488 f.). Eine andere Zahl, die die Wintermacht repräsentiert, ist zwölf (beruht auf 12 Epagomenen,

„Sonne, stehe still zu Gibeon,
und Mond im Tale Ajalon!

Da stand die Sonne still, und der Mond blieb stehen.“ Man könnte bei dieser Stelle, die ausdrücklich als poetisches Zitat angekündigt wird, an die Eigenschaft der Gestirne als Kämpfer denken (vgl. Ri 5, 20: „Die Sterne stritten in ihren Stationen“, s. S. 474 oder an Abb. 161, wo Sonne, Mond und Venus als Zuschauer des Kampfes erscheinen, wie ihre Gegenwart am Kopfe jeder Urkunde angedeutet wird. Aber es scheint sich zunächst wirklich um ein feststehendes Motiv des Drachenkampfes zu handeln. Im Rigveda vollbringt der

[graphic]

Abb. 161: Hettitisches Relief, Berliner Museum. Tešup kämpft gegen den Löwen; Sonnengott und Mondgott kommen zu Hilfe (sog. „Löwenjagd von Saktsche - Gözü“)!.

Drachentöter Indra das gleiche Wunder im Kampfe mit den Dasas. Der Ausgang des Kampfes hängt davon ab, ob der Tag lang genug sein wird. Da reißt Indra der Sonne das eine Rad von ihrem Wagen ab und hemmt dadurch ihren Lauf?. Aber das schließt die andre Vorstellung nicht aus, daß Sonne und Mond als Zuschauer angerufen werden. Daß dies richtig ist, zeigen Abb. 161 und 162. Abb. 61 zeigt ein hettitisches Relief, wo Sonne und Mond dem Tešup (= Marduk, s. S. 112) im Kampfe gegen den Löwen helfen. Die Sonne steht mit Pfeil und Bogen auf dem Wagen, der Mond trägt die Lanze. Die vier Rosetten deuten die fehlenden 4 Planeten an. Abb. 162 zeigt eine Skulptur aus Suèda im Hauran. Jupiter kämpft hier gegen ein Steine werfendes Ungeheuer mit Schlangenleibern und Löwentatzen; die Sonne ist Zuschauer, der Mond ist durch Rosette markiert.

Ausgleich von 354 und 366, vgl. unsere Zwölfnächte). Dieses Motiv liegt vor Jos 24, 12 bei den „12 besiegten Amoriter königen“. Nach AG 13, 19 sind 7 Völker in Kanaan ausgerottet worden; ebenfalls Motivzahl.

*) Nach Humann und Puchstein, Reisen in Kleinasien und Nordsyrien, Tafel XLVI, vgl. Winckler, Gesch. Isr. II, 96 f.

?) 2 Chr 28, 18 nennt Ajalon neben Bet - Šemeš. Die Stadt scheint mit dem Mondkult zusammenzuhängen. Gibeon war gewiß in Kanaan Sonnenkultstätte gewesen, ehe der Kultort für Jahve reklamiert wurde (1 Kg 3, 4; 1 Chr 21, 29), s. S. 463.

Jos 10, 5 ff. verstecken sich die fünf Könige in der Höhle bei Makeda (Höhle Unterwelt). Josua ließ sie hervorholen, auf Pfähle stecken und ihre Leichen bei Sonnenuntergang in die Höhle werfen, die mit großen Steinen verschlossen wurde. „Dort liegen sie bis auf den heutigen Tag.“ S. hierzu und zur Variante des Siebenschläfermythus S. 362.

Auch der „Steinregen“, der 10, u zu Hilfe kommt, gehört zu den typischen Erscheinungen beim Drachenkampf. Vgl. S. 362. Winckler F. III, 207. Sure 67, 5: „Wir haben den untern Himmel mit Leuchten geschmückt (Sternschnuppen), um die Satane damit zu steinigen!.“ Es ist an Meteorsteine zu denken. Ebenso bei der Feuerflut Apk 16, 21. *

Jos 5, 13 ff. wird eine Vision berichtet, in der Josua bei Jericho den „Anführer des Kriegsheeres Jahve's" mit gezücktem Schwert“ sieht. Er soll die Schuhe ausziehen, denn er steht

[graphic]

Abb. 162: Skulptur aus Suêda im Hauran. Veröffentlicht von Clermont-Ganneau, Études d'arch. orient. I, 179.

auf heiliger Stätte. Die Erscheinung ist dieselbe wie in der Bileamsgeschichte 4 Mos 22, 23 (s. S. 219 und 459). Wie es scheint, ist der Eingang zum Wohnsitz Gottes gemeint, wie bei der Vision Mosis am Horeb, s. S. 416. Der Engel mit dem gezückten Schwert (vgl. auch i Chr 21, 16, wo in der Variante zu 2 Sa 24 der Engel mit dem Schwert den Altar zu bauen befiehlt dort, wo später das irdische Abbild des himmlischen Wohnsitzes stehen soll) würde dann zu den S. 219 besprochenen Vorstellungen vom verschlossenen Paradies gehören.

* Jos 6, i ff. Die Eroberung Jerichos. Zur Prozession mit der Lade s. S. 444.

Siebenmal wandert die Prozession in Mekka um die Kaaba. Zur 7- Zahl S. 59f. Einzelne Motive, wie der rote Faden 2, 18 (vgl. den roten Faden bei Serahs Geburt i Mos 38, 28) in Rahabs Hause, bei der Eroberung selbst das Umblasen der Mauern sind noch nicht gedeutet.

Der Name Jericho wurde volksetymologisch wohl als „Mondstadt“ verstanden. Da sie hier die feindliche Macht verkörpert, so ist

1) Vgl. Sure 15, 5 ff. Nach der arabischen Sage stiegen sie in den Tierkreis und teilten den Zauberern die Geheimnisse des göttlichen Willens mit.

an das Motiv des Kampfes gegen den Schwarzmond zu denken (vgl. das Blasen am Neumondstage des 7. Monats 3 Mos 23, 24 und zum Jobel nach 7 X 7 Jahren). Das gleiche Motiv (nur Kopie?) zeigt die Geschichte des Pseudo-Messias bei Josef. Ant. 20, 8, 6, der vom Ölberg aus die Mauern Jerusalems durch sein Wort stürzen will. Auch der Name Rahab (Drache, s. S. 1781.) scheint Motivname zu sein. Der rote Faden deutet auf das Drachenmotiv (s. S. 138, 370 Anm. 6). Ihr Geschick spiegelt die Wendung der Dinge wieder: mit der Eroberung Jericho's bricht die neue Zeit an. Rahab wird im Umschwung der Dinge mit herübergezogen in die neue Zeit'. *

Jos 6, 26. Wenn er ihren (der Stadt) Grund legt, so koste es ihn seinen Erstgeborenen, und wenn er ihre Tore cinsetzt, seinen jüngsten Sohn. In diesem poetischen Stück (vgl. i Kg 16, 34) liegt eine Erinnerung an Bauopfer? Der religionsgeschichtliche Grund des Bauopfers ist: die Gottheit wohnt in der Schwelle (vgl. S. 419) 3. In Mutesellim (Megiddo) fand man jüngst ein Gerippe, das direkt in die Mauer eingemauert war.

Jos 7, 21. Der babylonische Mantel. Zeugnis für babylonische Kultur im vorisraelitischen Kanaan. Die übliche Erklärung als babylonische „Mode“ entspricht nicht orientalischem Wesen, am wenigsten im Altertum.

Achan eignet sich aus der Jahve geweihten Beute einen babylonischen Mantel, zweihundert Sekel Silber und eine fünfzig Sekel schwere „goldne Zunge“ an. Es handelt sich wohl um ein abgewogenes Metallstück, an deren Stelle später geprägte Münzen traten, vgl. S. 369.

Jos 7, 26. Die Aufhäufung von Steinen gehört noch heute bei den Arabern zur Herrichtung des Grabes. Die nachträgliche Vermehrung des Haufens gilt als Ehrung* der Toten.

* Jos 8, 18 und 26. Die ausgestreckte Lanze stellt ein Drachenkampf-Motiv dar, und zwar Mond-Motiv, s. S. 105 und Abb. 161. *

Jos 8, 29, vgl. 10, 26f. Der Delinquent wird an einen Baum gehängt bis Sonnenuntergang. Kreuzigungsstrafe?

1) Das Geschlechtsregister Mt i hebt sie gleich Thamar und Ruth hervor, was sehr beachtenswert ist. Kimchi teilt eine Tradition mit im Kommentar zu Josua, nach der sie Josuas Gemahlin wurde; vgl. auch die Hervorhebung der Hure Rahab“ Hbr 11, 31.

2) Vgl. zum Bauopfer Sartori, Zeitschr. f. Ethnol. 1898, 1, 53; zur Stelle Kuenen, Onderz. 2 233, Winckler, Krit. Schriften II, 12 f.

3) Anders Stucken, Astralmythen 184: Die Leiche soll den Dämon abhalten; er sieht, daß hier die Arbeit schon getan ist. So deuteten auch wir das Blut an den Türpfosten, s. S. 419f.

*) S. Holzinger z. St., Wellhausen, Reste arab. Heidentums 80.

« ͹˹Թõ
 »