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Von besonderer Wichtigkeit ist der Teil der Listen, der in einer besondern Kolumne die wichtigsten Tatsachen des betreffenden Jahres mitteilt. So heißt es beim 9. Jahr Asurdans: „Im Monat Sivan erlitt die Sonne eine Verfinsterung.“ Man konnte berechnen, daß sich die Angabe nur auf die totale Sonnenfinsternis beziehen kann, die am 26. Juni 763 in Niniveh zu beobachten war. Damit ergab sich für Asurdan, dessen Regierungsjahre man nach der Liste abzählen konnte, als Regierungszeit 772--754. Die vorhergehenden und nachfolgenden Könige konnten nach ihren Regierungszeiten hiernach auf das bestimmteste festgestellt werden.

Zu den limu - Listen kommen ergänzend hinzu: 1. die sog. „synchronistische Geschichte“, ein diplomatisches Aktenstück, ein Auszug aus Archiven, gewisse Abmachungen zwischen Assyrien und Babylon betreffend'; 2. die babylonischen Chroniken (aus der Bibliothek Asurbanipals, also Abschrift eines babylonischen Originals) ?; babylonische Königsliste

3. eine

Die staatsrechtlichen Ansprüche auf Syrien

bis zum Karmel. Um 1500 reicht die Macht der ägyptischen Könige (18. Dynastie) bis nach Mesopotamien. Bereits Thutmes III., mit dem wohl die Vorherrschaft über Kanaan auf Ägypten überging (s. S. 300 f.), hatte die Hettiter zu Tributzahlungen gezwungen. In der Amarna-Zeit erscheinen die Hettiter als mächtige Feinde der Ägypter.

Der Silbertafelvertrag, der zwischen dem Hettiterkönig Chattusar und Pharao Ramses II. nach langen kriegerischen Verwicklungen um 1270 zu gegenseitiger Hilfsleistung abgeschlossen wurde, scheint den Hettitern Syrien bis zum Karmel zugestanden zu haben. Reichlich hundert Jahre später trat der assyrische König Tukulti-apil-ešara (Tiglatpileser) I., unter dem Assyrien für kurze Zeit herrschende Großmacht wurde, in die Rechte der Hettiter 5. Er unterwirft die Hettiter im Norden und Nordosten, überschreitet den Euphrat, besetzt das Land bis an den Taurus und unternimmt es, nach dem Vorbild der alt

1) KB I, 194 ff. 2) KB II, 273 ff., neu veröffentlicht von Delitzsch, Abh. d. Kgl. Sächs. Ges. der Wissenschaften 1906. 3) KB II, 288.

4) Übersetzt und besprochen zuletzt von Messerschmidt AO IV, 12, S. 6 ff., vgl. S. 302.

5) Sanherib erwähnt in der Inschrift von Bawian Z. 50 ein Ereignis, das 418 Jahre vor seiner Eroberung Babylons (689) geschehen sei. Das gibt für die Regierung Tiglatpilesers die feste Jahreszahl 1107. Die Inschriften über die ersten sechs Jahre seiner Regierung (KB I, 14 ff., dazu der hierher gehörige zerbrochene Obelisk 125 ff.) sind bis jetzt unsre Haupt-Geschichtsquellen für diese Zeit.

6) Grotteninschrift nahe der Euphratquelle III R 4, Nr. 6; KB I, 48f.

babylonischen Könige, den über Karkemiš, Aleppo, Hamath führenden Weg nach den Mittelmeerhäfen freizulegen. Er besiegt den Hettiterkönig [....]-Tešup und dringt bis an die phönizische Küste vor. Bei seiner Hofhaltung in Arvad? empfängt er eine Gesandtschaft des ägyptischen Königs. Dann zieht er die phönizische Küste entlang und hat wohl das erste assyrische Bildnis am Nahr el Kelb (Baʻli-ra'si) angebracht 2. Durch diesen politischen Akt ist das alte Hettitergebiet, das bis an den Karmel reicht, an den assyrischen Großkönig übergegangen. Das ist wichtig für das Verständnis der späteren assyrischen Ansprüche bei den Kämpfen mit Israel.

Nun klafft in unsern Überlieferungen eine Lücke von 100 Jahren. Salmanassar II. erwähnt aus dieser Zeit die Anstrengungen eines seiner Vorgänger Assur-(h)irbî, die Eroberungen in Syrien und Phönizien festzuhalten, und berichtet, daß er gleich Assur-irbî sein Bildnis am Meere errichtet habe 3.

Die Bildung der Kleinstaaten am Mittelmeer.

Während dieser Zeit der Schwäche Ägyptens und der assyrischen Hettiterkämpfe haben sich die Völker am Mittelmeere verhältnismäßig frei und selbständig entwickeln können + Es entstanden phönizische Stadtkönigtümer, eine Zeitlang, wie es scheint, unter der Vorherrschaft von Sidon, später von Tyrus. An der südlichen Küste (etwa von Dor ab südlich) konsolidierte sich der philistäische Staat, der einer Niederlassung von Resten der sog. „Seevölker“ seine Entstehung verdankt á. Im Jordanlande vollendete sich die Bildung des Staates Israel-Juda, es entstanden die Staaten Edom, Moab, Ammon. In Syrien entstanden in den alten Hettitergebieten aramäische Staaten. Bereits seit der Mitte des 2. Jahrtausends zeigen sich die Spuren der

1) Diese nördlichste Phönizier-Stadt wird später bei den assyrischen Kriegszügen nicht erwähnt. Sie blieb unter assyrischer Oberhoheit.

2, S. S. 292.

3) Das wären also Nr. 2 und 3 der am Nahr el Kelb zu suchenden assyrischen Bildnisse. Nr. i war das eben erwähnte Denkmal Tiglatpileser I.

*) Das merkwürdigste kulturelle Zeugnis für diese Zeit freier Entfaltung ist die Einführung der hebräischen Buchstabenschrift an Stelle der für die Amarna-Zeit und für später noch bezeugten babylonischen Silben- und Wortschrift. Die Buchstabenschrift ist bezeugt für das nördliche Syrien durch die in Sendschirli gefundene Panammû- Inschrift und für das spätere Bibelland durch den Mesa - Stein.

5) S. S. 318 Anm. 2, vgl. 309 Anm. 2.

Aramaja'. Um 1000 v. Chr. haben Syrien und Mesopotamien, das bis dahin von Hettitern überflutet war, eine vorwiegend aramäische Bevölkerung. Nur Palästina selbst ist nicht aramaisiert worden. Aber auch hier zeigt sich der aramäische Einflus; seit der Zeit der Herrschaft Assyriens (9. Jahrhundert) ist die palästinensische Verkehrsstraße aramäisch. Die wichtigsten aramäischen Staaten mit hettitisch-aramäischer Mischbevölkerung sind:

1. Der Staat Patin nördlich und südlich vom Orontes-Gebiet. Er ist wahrscheinlich identisch mit dem biblischen PaddanAram. Südlich davon

2. der Staat Hamath,

3. der Staat Damaskus 2. Für die biblischen Geschichtsschreiber ist Damaskus (Aram Dammasek) der Inbegriff des Aramäertums.

Da die Staaten Israel - Juda zeitweilig unter tyrischer und damaszenischer Oberhoheit gewesen sind, müssen wir unser Augenmerk auf die Geschichte von Damaskus und Tyrus richten, um die politische Geschichte Israels zu verstehen.

Damaskus. Damaskus ist zu allen Zeiten der Riegel Syriens gewesen. Von hier führten die Karawanenstraßen ostwärts nach Babylonien, südwärts nach Arabien, nordwärts nach Mesopotamien, westwärts über die Libanonpässe nach Sidon und Tyrus und die nördlichen Phönizierstädte. Auch die via maris des Jesaias führt über die Jordanquellen nach Damaskus.

Leider sind wir für unsere Kenntnis der Geschichte von Damaskus fast lediglich auf die biblischen und keilinschriftlichen Nachrichten angewiesen. Auf die Auffindung einheimischer damaszenischer Überlieferung ist kaum zu hoffen. Der Name Dimašk weist auf eine für uns prähistorische nichtsemitische Stadtgründung. Die Bevölkerung der uns hier interessierenden historischen Zeit muß eine hettitisch-aramäische Mischbevölkerung gewesen sein. Aber diese Bevölkerung war Erbin der gleichen

4) Vgl. AO IV: Šanda, Die Aramäer.

2) Südlich von Damaskus der kleine Staat Soba (assyrisch Șubiti, in der Bibel neben Maʻaka und Rehob 2 Sa 10, 1- --14 genannt). Die Exegese nahm früher auf Grund von 2 Sa 8 und 10, vgl. mit 1 Kg 11, 23 irrtümlich ein großes aramäisches Reich Soba an, das von David vernichtet worden und vom Aramäerreich Damaskus abgelöst worden sei. Vgl. dazu Winckler, Geschichte Israels I, 138 ff.

semitischen Kultur, die von der ,,kanaanäischen“I Wanderung mitgebracht wurde, deren Hochflut im 3. Jahrtausend Vorderasien überschwemmte. Daß diese Kultur noch fortlebte, beweist u. a. 2 Kg 5, 18, wonach der Kult von Damaskus der Gottheit Rimmôn galt, das ist der babylonische Rammân, in dem die Hettiter ihren Tešup erkannten?

Vom 16. Jahrhundert an begegnet Damaskus als eine der syrischen Städte in ägyptischen Inschriften. In den kanaanäischen Briefen des Archivs von Amarna tritt „Dimašķi im Lande Ubi“ (vielleicht Hoba i Mos 14, 15) nicht sonderlich hervor. Nach der biblischen Überlieferung war die Gegend zu Davids Zeit dem Staate Juda untertan. Zu Salomos Zeit (um 950) wurde Damaskus Sitz eines aramäischen Königtums durch Rezon, einen Offizier des Königs von Aram-Soba, der als Führer einer Freibeuterschar Damaskus besetzte. i Kg II, 23 ff.: „Rezon war Israels Widersacher, so lange Salomo lebte.“ Der eigentliche Begründer der damaszenischen Macht ist Benhadad 885–843. i Kg 15, 18 werden seine Väter genannt: Țab- Rimmôn und Hezjon; letzteres wohl irrtümlich für Rezon? Benhadad 4, der Israel unter Ba’esa und dann wieder, nachdem es sich an Tyrus angeschlossen hat, unter Ahab unterworfen hat, tritt den Assyrern machtvoll entgegen.

Der erste König der limu-Liste, von der S. 499 die Rede war, ist Tukulti-Ninib I. (889-884), der sein Bild in der Grotte an der Euphratquelle (S. 500 Anm. 6) neben das Tiglatpileser I. meißelte. Auf ihn folgt Asurnasirpal III. (884 - 860). Er sichert Mesopotamien, kämpft gegen die in Mesopotamien ansässigen Aramäer, vor allem in der Gegend von Harran gegen Bit-Adini (d. i. b'ne 'Eden der Bibel), überschreitet den Euphrat, kämpft gegen die Hettiter, deren Reste sich allmählich um Gargamiš gruppieren, und bahnt der assyrischen Macht den Weg zum Mittelmeer. Es gelingt ihm zunächst die Unterwerfung des nördlichsten der Aramäerstaaten: Patin. Er besiegt

*) S. S. 2 Anm.
2) Vgl. Abb. 45. Zur entsprechenden aramäischen Gottheit s. Anm. 4.
3) So mit Klostermann; s. Gesenius - Buhl s. v. nir?

6) So MT, LXX vios Adeg, assyr. IM-'idri. Das Gottesideogramm iM ist Adad oder Ramman oder Bir zu lesen. Vielleicht ist Bir in Belehnungsurkunden Be-ir neben Adad genannt, s. KAT: 134) die dem „kanaanäischen“ (s. S. 113) Ramman und Adad und dem hettitischen Tešup (s. S. 113) entsprechende aramäische Gottheit. Aus der biblischen Überlieferung hat man irrtümlich zwei Benhadad herausgelesen.

den Fürsten Lubarna und macht seine Stadt Aribua zum Mittelpunkt einer assyrischen Kolonie. Damit steht er an der Nordgrenze des zu Damaskus haltenden Hamath. Aber er vermeidet den Kampf mit Damaskus, zieht vielmehr südwärts am Meer entlang und läßt sein Bild am Nahr el Kelb einmeißeln?. Tyrus und Sidon bringen ihm Tribut.

Sein Nachfolger Salmanassar II. (860-825) nimmt den Kampf mit Damaskus auf, ohne wesentlichen Erfolg trotz mächtiger Anläufe 2 Seine Annalen berichten von seinem Zuge im 6. Regierungsjahre (854). Er unterwirft Aleppo (Halman). Weiter südlich traten ihm unter Führung Benhadads (,,syrischhamathensischer Städtebund“) die Streitkräfte von Damaskus, Hamath samt denen des Hatti - Landes (allgemeine assyrische Bezeichnung für Syrien) und der Meeresküste am Orontes bei Karkar entgegen. Ahab von Israel (a-ha-ab-bu matu sir-'i-la-ai) sei mit 2000 Wagen und 10000 Leuten beteiligt gewesen. Der assyrische Großkönig meldet, er habe in furchtbarer Schlacht gesiegt und den Orontes mit Leichen wie mit einer Brücke gedämmt. In Wirklichkeit ist er am weiteren Vordringen gehindert worden. Auch 849 und 846 sind seine Angriffe erfolglos. Die assyrische Politik suchte nun Damaskus zu isolieren. Wir werden die weiteren Geschicke des Staates Damaskus im Verlauf der Geschichte Israels zu verfolgen haben.

Phönizien, insbes. Tyrus 3. Solange die altorientalische Kulturwelt in Dunkel gehüllt war, wurde die Bedeutung Phöniziens auf Grund der klassischen Nachrichten weit überschätzt. Das 50 Meilen lange Küstenland, im Rücken vom Libanon begrenzt, konnte keine selbständige Kultur hervorbringen, auch nicht aus eigner Macht das Meer beherrschen. Die ,,Phönizier“ gehören der gleichen Völkerschicht an, die Babylonien mit Semiten bevölkerte und das Niltal mit den Hyksos, Kanaan mit den Amonitern, Moabitern, Edomitern und zuletzt Israel. Sie bilden den ersten Vorstoß dieses Völkerzuges, der von hier aus nach der nordafrikanischen

?) Nr. 4 der am Felsen (S. 501 Anm. 3) zu suchenden assyrischen Monumente.

2 Die Texte zum folgenden KT?, S. 14 ff.

3) Literatur: Pietschmann, Die Geschichte der Phönizier 1889; Fr. Jeremias, Tyrus bis zur Zeit Nebukadnezars; v. Landau in Ex or. lux I, und AO II, 4; Winckler in AO VII, 2 (Die Euphratländer und das Mittelmeer), ferner KAT 3 S. 126 ff. und Auszug aus der Vorderasiat. Geschichte S. 74 ff.

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