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Qu a rtalschrift.

In Verbindung' mit mehreren Gelehrten

ber ausgegeben

von

D. v. Drey, D. Ma ok, D. Kuhn

und D. Hefele,

Professoren der Theologie, katholischer Facultåt, an der Königl.

Universität Tübingen.

Jahrgang 1839.

vierte $ Q ua r t al hef t.

Tübingen,
im Berlag der H. faupp'schen Buchhandlung.

W i ell, bei Carl Gerold.

I.

A 6 b a n o I unge n.

1.

Weber die Beschränkung der kirchlichen

Lehrfreiheit

Zu den stehenden Vorwürfen gegen die katholische Kirche gehört die Klage, fie banne die Geister durch die Beschråns kung der Lehrfreiheit, jede selbstständige Regung auf dem relis gibsen Gebiete werde dadurch schon im Reime unterdrůdt, jeder neue lidtstrahl in seiner Wiege erstickt, jeder Fort: jbritt durd die starr entgegengehaltene Professio fidei als eine Revolte gebrandmarkt, und der kirchlichen Lehrer selbsts eigener Verstand von voruberein zum Gefangenen gemachr. Die katholischen Synoden, sagt man, haben den christlichen Geist in den Buchstaben gebannt, und den Buchstabendienst ale beilige Pflicht geboten. Rannst du dich wundern über die Reliquienberehrung in der katholischen Kirche ? Sie hat ja auch den dristlichen Geist zu einer Antiquität gemacht, und als eine Reliquie aus alter Zeit, ausgetrodnet und leblos, Theol. Quart. Schr. 1839. 48.

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wie diese, aufgestellt in ihrer dogmatisden Antikensammlung. Die katholischen Theologen aber haben sich leibeigen gegeben dem altkirchlichen Systeme, und dieses hat ihre Zunge und ihre Feder mit den dreihundertjábrigen Fesseln der Fides tridentina umschlungen. Daber die Stabilität im katholis Schen Lehrbegriff, daber die inhaltlide Gleich beit der Predigt in allen katholischen Kirchen, daßer der eine Glau: be da und dort, bei Alt und bei Jung, bei Theologen und Laien, bei Gelehrten und Ungelehrten.

So hören wir sagen und klagen, bald gutmüthig, bald lieblos, hier milde, dort bitter. Darum mag ein Wort der Verständigung über die Schranken der kirchlichen Lehrfreiheit nicht am unrechten Plaže seyn, zur unrechten Zeit ist es ficherlich nicht gesprochen. Ob es aber das rechte Wort ist, darüber mögen Andere urtheilen.

Wir sprechen zunächst nur von den Schranken der Lehrs freibeit in der katholischen Kirche, nicht darum, weil etwa in unserer Kirche allein eine solde Schranke bestůnde, fon: dern weil uns, wie Jedermann die Angelegenheiten des eiges nen Hauses am nabesten liegen, und am meisten interessiren. Wir wissen dabei febr wohl, daß auch in der protestantisden Kirde eine Beschränkung der Lehrfreiheit von je ber bestan: den bat, nod in Kraft ist und darin bleiben muß, wenn die kirchliche Einheit nidt verloren gehen soll. Die Vers theidigung dieser Schranke ist eine den symbolischen Protes stanten mit den Katholiken gemeinsame Sache, wenn gleich die Art der Vertheidigung vou dem einen und andern Stando punkte aus fic verschieden gestalten muß, und von dem

einen mit größerer, von dem andern mit geringerer Conses quenz geführt werden kann.

für den Katholiken ist es nothwendig, får manden dus dern ersprießlich, zu wissen a) welche Belgránkungen die katholische Kirche der Lebrfreiheit gefeßt habe, b) wie fich solche Beschränkung vom katholischen Standpunkte aus nicht nur rechtfertigen lasse, sondern als nothwendig erscheine, uub c) welche praktische Folgen aus foliper Beschränkung þervor: fließen, namentlich den Wirkungen der schrankenlosen Lehrs freibeit gegenüber.

A. Welche Schranken hat die tatbolische Kirde

der Lehrfreibeit gesett?

Daß Laien, Priester und Bischöfe, welche von dem kirchs lichen Glauben abgewichen sind, schon von den frühesten christlichen Zeiten an auch aus dem Shooße der Kirche auss geldlossen und vom kirchlichen Lehramte entfernt wurden, ist eine albekannte, durch hundert Beispiele belegbare Sache. Wer feine Bibel kennt, weiß, wie kräftig Paulus den zu feis ner Zeit schon das Christenthum berfälscenben Frrlebren entgegengetreten ist, und die Frrgläubigen aus der Kirche ausges schlossen hat. Vgl. Coloff. 2. I. Tim. I, 19. 20. Wer in der Kirchengeschichte kein völliger Laie ist, weiß, wie die Gnostiker, die Montanisten, die Monarchianer, alle die Irra lehrer der ersten Sabrhunderte aus dem Schooße der Kirche ausgestoßen wurden, mochten sie fide audy, wie die Montas nisten, noch so sehr nach bleibender Verbindung mit der alla gemeinen Kirche rehnen. Und das geschah in den Zeiten des Druđes und schwerer last auf der Kirche, in Zeiten, wo sie

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