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ich für Gog einen . Ort als Grabstelle in Israel bestimmen, ... und das Haus Israel wird sie sieben Monate lang begraben, um das Land zu reinigen (Ez. 39). Die prophetische Überarbeitung eines volkstümlichen Mythus ist hier mit Händen zu greifen. Hätte der Prophet frei geschaffen, so hätte er wohl nicht erst durch Jahve das Land auf sieben Monate verunreinigen lassen, sondern dem Wunder der Vernichtung ein zweites angereiht. Dasselbe, was Ezechiel von Gog weissagt, prophezeit Joel von dem Nördlichen: Und den Feind aus dem Norden will ich von euch entfernen und will ihn in ein dürres und ödes Land stoßen, seinen Vortrab in das östliche und seinen Nachtrab in das westliche Meer, und sein Gestank soll aufsteigen (Jo. 220). Besonders häufig ist das Motiv im Jeremia: Tage kommen, spricht Jahve, da wird nicht mehr gesagt werden Topheth und Tal ben Hinnom, sondern Tal des Würgens, und man wird im Topheth (nicht1) begraben, weil kein Raum vorhanden ist. Und die Leichen dieses Volkes werden zur Speise dienen den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde, und niemand wird sie wegscheuchen (Jer. 732ff. 8iff. 164. 197. 3420). Auch dieser Zug der Eschatologie gilt durch das Exil als erfüllt. Das Volk in der Verbannung erscheint dem Propheten unter dem Bilde unbeerdigter Totengebeine (Ez. 372; nach V. 12 liegen sie man beachte den Widerspruch Gräbern!). So erst begreift man, wie er zu diesem in jeder Beziehung auffälligen und wunderbaren Bilde gelangen konnte.

Fragen wir, woher die Farben stammen, mit denen diese Gemälde gemalt sind, so erhalten wir eine teilweise Antwort darauf aus Jes. 342f.: Ihre (der Völker) Erschlagenen liegen hingeworfen da, und Gestank steigt auf von ihren Leichnamen,

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1. Ohne die Einfügung dieser Negation ist der Satz absolut sinnlos. Grade das Unbeerdigtbleiben ist die Strafe; die schon beerdigt sind, werden wieder aus den Gräbern gerissen und ihre Gebeine werden hingestrent 81ff. SMEND (S. 480 Anm. 1) behauptet: »Das Tal Hinnom wurde zur Geenna wegen einer Drohung Jeremias«. Aber erstens entsteht niemals eine Volksvorstellung in alter Zeit durch ein Schriftwort. Zweitens ist absolut unverständlich, wie aus der Drohung des Unbeerdigtbleibens die Idee einer » Feuerhölle« werden kann. Das Tal Hinnom muß vielmehr seit alters als Totenstätte gegolten haben und » Moloch« ein Feuer- und Totengott gewesen sein.

und Berge zerfließen von ihrem Blut. Diese Schilderung wird eingeleitet durch die Worte: Denn ergrimmt ist Jahve über alle Völker und zornig über all ihr Heer, er hat sie mit dem Banne belegt, hat sie der Schlachtung preisgegeben. Die in diesem Zusammenhang behandelten Züge sind also nach israelitischer Auffassung dem Banne (077) entlehnt. Jahve ist ein furchtbarer Gott, der sich nicht begnügt, seine Gegner niederzustrecken, sondern der überdies den Bann an ihnen ausübt. Weil Israel den Tag Jahves umdeutete auf das Exil, so konnte Deuterojesaja sagen, Jahve habe Jakob dem Banne überliefert (Jes. 4328; vgl. Mal. 324. Zach. 1411). Der Bann bezog sich selten auf einzelne Menschen, sondern meist auf ganze Städte, die zerstört und deren Einwohner insgesamt oder zum größten Teil gemordet wurden. Ob sie unbeerdigt liegen blieben, erfahren wir nicht. Aber die grandiosen und grausigen Gemälde der Propheten von der Schlacht Jahves am Ende der Tage, wo die Leichen der erschlagenen Feinde ganze Hügel und Täler bedecken, wo die Berge vom Blute triefen und die Rinnsale vom Ase stinken, wo die leichenfressenden Vögel und Raubtiere allein die schaurige Einöde beleben – welche Unterschrift verdienen diese Gemälde besser als den Bann Jahves? Vielleicht hat noch das Bild von der Ermordung des urzeitlichen Drachen mitgewirkt, die in ähnlicher Weise geschildert wird (GUNKEL: Schöpfung S. 85. 113); wie damals so wird es sich wiederholen am Tage Jahves, wenn der große Völkerwürger erscheint. Wie überwältigend muß Jahve den Propheten vor der Seele gestanden haben, die sein Eingreifen in die Geschicke der Völker mit solchen Farben malen konnten!

Damals war Jahve längst zum Kriegsgotte geworden, und er mag es schon zur Zeit des Mose gewesen sein. Dennoch glaubten wir gewissen Tatsachen der Überlieferung entnehmen zu dürfen, daß er seinem eigentlichen Wesen nach ein Naturgott war. Soweit er Kriegsgott ist, hat eine sekundäre Umdeutung stattgefunden, die sich, wenigstens teilweise, unter fremdem Einfluß vollzogen haben muß, wie das Prädikat Jahve Zebaoth und das Attribut des Schwertes lehren. Genaueres anzugeben ist unmöglich. Vielleicht darf man vermuten, daß der kanaanitische Gott Rešeph (nach EUTING Raššāph, nach WELLHAUSEN zu Hab. 35 heute Rašuph ausgesprochen) hierbei

eine Rolle gespielt hat. Er wird gewöhnlich als Blitzgott aufgefaßt. Das ist mindestens einseitig. Das Wort 907, das im Alten Testamente mehrfach begegnet, ist Ps. 78 48. Cnt. 86. Job. 57. Sir. 4317 nicht sicher zu deuten, wohl aber bezeichnet es Dtn. 3224 (apellativisch) und Hab. 35 die personifizierte Pest. Wir haben demnach ein Recht, ihn für einen zum Engel Jahves degradierten Seuchengott der Kanaaniter zu halten. Seiner Darstellung nach war er jedoch ein Kriegsgott. »Die meisten Bilder geben ihm die Rüstung mit Speer, Schild und Keule, dazu eine asiatische Stirnbinde und daran den Gazellenkopf« (MÜLLER S. 312). HOUTSMA will Ps. 764 mit einer kleinen Korrektur qur nwp Rešephbogen statt des unverständlichen nup D0 Blitze des Bogens lesen. Dann lautet der Zusammenhang: Gott ist in Juda bekannt, in Israel ist sein Name groß, und in Šalem erstand seine Hütte, seine Wohnung in Zion. Dort zerbrach er den Bogen des Rešeph, Schild, Schwert und Waffe. Der Psalmendichter würde also ausführen, wie Jahve den Bogen und die ganze Waffenrüstung des Rešeph abgetan und vernichtet hat. Es ist nun sehr wohl möglich, daß Züge von dem besiegten Gott auf den Sieger übergegangen sind, wie es in der Religionsgeschichte häufig vorkommt; aber auf Sicherheit müssen wir bei dem Mangel an Nachrichten verzichten.

g 11. Jahve als Seuchen- und Totengott. GEORG BEER: Der biblische Hades (Theologische Abhandlungen, eine Festgabe für H. J. HOLTZMANN), Tübingen 1902. HANS DUHM: Die bösen Geister im Alten Testament, Tübingen 1904.

Wie Jahve im Kriege für Israel eintrat und dann vor allem durch Naturereignisse wirkte, 80 vernichtete er seine Gegner auch durch Plagen jeder Art. Um Saras willen schlug er den Pharao mit schweren Schlägen (Gen. 1217 vgl. 2017). Zur Zeit des Mose ließ er zehn Plagen über die Ägypter ergehen (Ex. 7–11). In der Wüste ward Mirjam mit dem Aussatz bestraft (Num. 12), und unter das murrende Volk wurden Sarafe d. b. Brandschlangen geschickt (Num. 25). Vor Israel sandte Jahve Hornissen 1 her, die die Kanaaniter aus Palästina vertrieben (Ex. 2328. Dtn. 720. Jos. 2412 vgl. Philo: de praem. 16). Durch den Raub der Lade stellten sich bei den Philistern die Pest und eine Mäuseplage ein (I Sam. 5f.). Davids Stadt ward infolge der Volkszählung von einer Pest heimgesucht (II Sam 24 = I Chr. 21). Über Asarja (Ussia) verhängte Jahve eine Plage, sodaß er aussätzig ward bis zum Tage seines Todes (II Reg. 155 = II Chr. 2619), während Sanheribs Heer durch den Engel Jahves d. h. wahrscheinlich durch die Pest dezimiert wurde (II Reg. 1936 = II Chr. 3221).

1. Erzählt wird das niemals; denkbar ist ein so gewaltiger Hornissenschwarm, um ein ganzes Volk zu vernichten, ebenfalls nicht. Hier scheinen Mythen hineinzuspielen.

. Unter die heidnischen Samarier trieb Jahve Löwen, weil sie den Landesgott nicht gebührend verehrten (II Reg. 1726).

Wie groß die Fülle der Seuchen und Plagen war, mit denen der erzürnte Jahve seine Feinde überschütten konnte, lehrt ein flüchtiger Blick in den Fluchkatalog Dtn. 28. Alle Leiden und Übel, von denen die Menschen je gequält wurden, schrieb man in älterer Zeit unbefangen dem Wirken Jahves zu.

Noch ein Amos sagte: »Geschieht ein Unglück in der Stadt und Jahve hats nicht getan« (36)? Nimmt man zu dieser Anschauung von Jahve als dem Plagengotte seine Offenbarung durch Erdbeben, Sturm, Feuer, Flut und Krieg, die in den vorigen Paragraphen skizziert worden ist, so begreift man, eine wie furchtbare, grausame, explosive, schreckenerregende Gottheit Jahve nach dem Glauben des Volkes sein konnte und unter Umständen war. Israel brauchte keine Kakodämonen, weil Jahve selbst der furchtbarste Dämon war (Hans Duim). Wehe den Menschen, wenn Jahve ergrimmt war und seiner Rache die Zügel schießen ließ! Aber mochte der Gott auch mitunter auf Israel zürnen, die Regel war doch, daß seine Strafe nur die Feinde Israels traf, während sein Volk sich seines mächtigen Schutzes erfreuen durfte und trotz alledem auf seine Liebe und Güte vertraute. Erst eine spätere, empfindlichere Zeit nahm Anstoß an dem naiven Glauben, der von Jahve alles Unheil ableitete. Man ersetzte ihn, anfangs durch den Engel Jahves (II Sam. 2416. II Reg. 1935. Jes. 3736), dann durch den Satan (Job. 27), behielt aber daneben die alte Vorstellung bei (Job. 1921).

In der Eschatologie spielen die Seuchen ebenfalls eine große Rolle. Es genügt, aus dem reichen Material einige charakteristische Beispiele auszuwählen. Hos. 1314 sagt Jahve mit Bezug auf die Ephraemiten: Soll ich sie aus der Hand der Hölle befreien, vom Tode sie loskaufen? Her mit deinen Seuchen, Tod! Her mit deiner Pestilenz, Hölle! Tod und Šeol sind hier persönlich gedacht, da sie mit »Du« angeredet werden. Sie gelten als Unterfeldherren Jahves, die ein großes Heer von Fieber- und Krankheitsscharen befehlen.

Wie vor und hinter dem Könige Trabanten herlaufen (II Sam. 151. I Sam. 2542), so geht nach Hab. 36 die Pest dem Jahve voran, während das Fieber (907) ihm folgt. Handelt es sich an diesen Stellen um erstmalige dichterische Personifizierung von Tod, Seol und Pest durch die Propheten oder haben wir hier volkstümliche, mythische Größen vor uns?

In der babylonischen Religion sind mit den Göttern der Totenwelt die bösen Krankheits- und Seuchendämonen aufs engste verbunden (KAT.3 S. 460). Wie aus der altorientalischen Totenwelt, dem Ort Nergals (des Totengottes) und Namtars, des Pestgottes, alle Dämonen und Seuchen kommen« (Jeremias S. 363), so wird Hos. 1314 Pest und Fieber mit Seol und Tod verknüpft, so heißt Job. 1813 der Aussatz niza a der Erstgeborne des Todes, so wird im nächsten Verse der Tod selbst als der niaga 757, als der König der Schrecken bezeichnet. Mit Recht betont darum BEER: »Hos. 1314 und Job. 1814 liegen gewiß nicht erst ad hoc geschaffene Personifikationen von Tod und Unterwelt vor«, ebenso wenig wie die Hab. 35 im Gefolge Jahves einherziehenden 7 und 97 prophetische Neubildungen sind. Der altkanaanitische Gott Rešeph des Seuchensturms, des Fiebers und des Krieges ist hier sachlich, obwohl der formelle Ausdruck fehlt, zu einem Engel Jahves geworden. Beide, Rešeph und Jahve, waren ursprünglich gleichen Ranges. Als aber die israelitische Religion über die kanaanitische siegte, ward Rešeph zum 7177 78 bo degradiert. Je mehr die sittliche Seite im Wesen Jahves hervortrat, je mehr die dämonischen Elemente seiner Natur zurückgedrängt wurden, um so mehr liebte es der fortgeschrittene Glaube des Volkes, die anstößigen

1. = bab. Dibarra ?

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