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und wiederum andere Dinge ; damit sich also die Welt
u) immerzu verjüngere.

XXVI.
Sündiget jemand wider dich, fo bedencke

, was dieser
Mensch vor ein Úrtheil vom Guten, oder vom Bösen ges
fållet hat, indem er fündigte ? Hast du solches wohl erwos
gen

so wirst du Mittleiden mit ihm haben, und ihm seine
Fehler verzeihen, an ftatt dich darüber zu verwundern, odeč
zu entrüsten. Denn entweder håltest du eben daffelbige
für gut oder böse, was dein Beleidiger dafür hålt, und To
must dù ihm seine Thaten zu gute halten; oder du urtheis
test davon auf eine gefundere Masse ? und so must du seine
Fehler mit Gelindigkeit ertragen, als eines Menschen, der
diefelben aus Irrthum begehet.

XXVII.
Man muß nicht so viel an das gedencken so uns
mangelt, als an das so wir haben. Unter denen Lekten
müssen wir die Dinge erwegen, die uns am liebsten sind;
und daben gedencken, mit welcher Begierde wir ihnen
nachtrachten würden, dafern wir sie nicht hätten; doch
must du dich dergeftalt nicht an ihnen belustigen, noch fie
so hoch schagen, daß du sie ohne Bekümmerniß nicht fole
teft verlieren können.

XXIIX,
x) Sey bey dir selber , und gehe in dich; denn die

vernünffa u) Immerzu verjüngere. Das ist so lange es GDtt gefått/

die Welt zu erhalten ; denn Antoninus glaubte feines me. ges/daß die Welt würde etvig bleiben; wie er denn anderwei. tig sich darüber erkläret hat. Hie zeiget sich abermahl der Vorzug der Christlichen Lehre aber alle Vernunfft. Denn/indem diefe es will auf fich felbft ankommen lassen, lehret uns jene / von uus selber auszugehen/ und unsere Liebe und Vertrauen auf Gott allein zu werffen/ und auf seine Barmhertigteit. Bey dieser demüthigen Bro

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vernünfftige Seele ist von der Art, daß sie geruhig und mit sich selbst zu frieden ist

, indem sie recht thur.

XXIX, Entschůtte dich der Einbildungen; båndige die erste Bewegung der Affecten. Brauche wohl die gegenwärtis ge Zeit. Erkenne was beydes dir und andern begegnet; Zergliedere alle Dinge in ihre Materie und Form; oder in ihr Wesen und Eigenschafften. Gedencke an deine legte Stunde; y) laß die Sehler so begangen worden, da, wo sie geschehen sind.

XXX, Du must auffmercksam anhören was gesaget mirt, und mit deinem Verstande biß auf den Grund und Ursa, chen der Dinge dringen.

XXXI. Schmücke dich mit Einfalt, und mit Ehrbarkeit; fer von einer gleichmüthigen Neigung gegen alle Mittels Dinge; Liebe die Menschen; und gehorche GOTT! 2) Ales richtet sich nach einem gewissen Gefeß, sagt jes nier. Und gefekt: dis wåren die Elementen? so muß man erwegen, daß sie, wenige ausgenommen, alle ihre bes stimmte Ordnung haben.

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XXXII: fchaffenheit der Seele wohnt die wahre Zufriedenheit/ und Rube. Die Sungrigen füllet der Ziere mit Gütern) und låst die Reiden leer ! Alle unsere Gerechtigkeit

ift wie ein unft&tig Kleid!
y) Laß die Fehler. Dis erklifret er anderwerts also : Sat

ein ander Bofe$ gethan/ das ifi fein odhade. Sat er mids
beleidigen wollen/ das ist feine Bofheit. Was geht mich

an/ foic mid nicht beleidigt finde ?
2) Die Mennung ist : Hat die ganze Natur ihre Drdnung/bar.

nach fie fic ridhtet; fo muß der Mensch auch ein gewiß Cerca
haben / desfer die obangeregten Pflichten gleichsam die Sum.
ma find. Sie zeigen kürklich/ mie sich der Mensch gegen fich
felbsti gegen den Nächsten/und gegen GOK/zu verhalten hat.

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XXXII. a) Vom Tode: Er sen entweder eine Zerstreuung, oder Zerstäubung, oder Zernichtung ; so ist er doch ents weder eine Verlöschung, oder Verwandelung.

XXXIII.
vom Schmergen : Ist er unerträglich, so vers
urfachet er das Ende. Verursachet er das Ende nicht,
so ist er erträglich. Indessen behält die Seele ihre Ruhe,
und bleibt im guten Stande. Laß hernach die mit dem
Schmerzen behafftete Glieder klagen, fo sie können!

XXXIV.
Vom Xubm:

Untersuche die Gedancken der Hochi måthigen: was sind sie; was suchen sie; was fliehen sie ? Mache dir dabey diese Vorstellung: Wenn die Wassers wogen den Sand auf einen Hauffen treiben, fo verdeckt Der lektere Sand den erstern. Gleicher Gestalt iyird der heutige Vorfaß eines Hochmuthigen, plôklich unter dem morgenden begraben.

XXXV. plato hat gesagt: wird auch der, fo einen edlen Geist und großmüthige Seele hat, welcher fleißig an die Ewigkeit gedencket, auch diese Welt und ihr Wesen recht einsiehet; wird ein solcher, sage ich, dieses Leben für ein fons derbares Guthalten? Nein! wird ihm auch der Tod als ein grosses Uebel vorkommen? Imgeringsten nicht!

XXXVI. a) Seneca (pridt: Was ift der Tod ! Entweder ein En.

del oder ein Kingang. Fårchte ich mich auffsuboren/ To måste ich mich auch gefürchtet baben

anzufangen. Warunt folte mich der Bingang ångstigen? werde *** ich doch nirgend so / wie isso / index senge

reyn?

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XXXVI. Antifthenes hat gesagt: Es ist königlich, Gutes thun, und böse Nachrede leiden.

XXXVII. b) Es ist eine Schande, daß unser Angesicht gee horsam ist, und sich zieren oder verstellen låsset, wie es unserm Willen behaget; und daß gleichwohl unser Vers stand sich selber , nach eignein Gurbefinden, nicht schmůcken und in Ordnung bringen kan?

XXXIIX. Man maß auf kein Ding zornig werden, denn es empfindet solches nicht.

XXXIX.
Erfreuedich, und die unsterbliche Götter!

XL. c) Das Leben der Menschen ist wie ein Acker der geerndtet wird; Indem hie die Zehren werden abgeschnita ten, werden dort die andern reiff.

XLI. d) So die Götter weder vor mich, noch vor meine Kinder Sorge tragen, geschicht auch solches nicht ohne Ursach.

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XLIIN b) Solcher Gestalt waren auch die Heyden/ von dem Elend der

menschlichen Natur empfindlich; und bedeutet dieseBetrach. tung eben dasjenige / was dorten die Slage des Apostels : DASGute/das ich will/thue ich nicht/das Bore aber/ so ich nicht will/thue ich. Wollen habe ich wohl/aber

das Gute vollbringen/bab ich nicht. u. Rom. VII, 19. c) Dis ist die Meynung/wiewohl es im Griechischen kürker gege.

ben ist. Die Liebe zur Deutlichkeit/bindet sich an keine Worte. d) Ergipeiffelt nicht, daß, GDtt für alle Menschen sorge/ wie er

anderweitig gefiebet; sondern er will fo viel sagen / als jener Gelassene: Was GØtt thut/das ist wohlgethan!

XLII.
Was gut und recht ist, gilt bey mic.

XLIII. e) Weine nicht mit andern, und werde nicht wie Rie beweget,

XLIV. plato faget abermal : Ich würde einen solchen Menschen mit guten Fug antworten , du irrest mein Freund, indem du meynest, daß ein Mensch, der zu ets was nůße ist, und der Gefahr feines Lebens austveichen muß, nicht vielmehr verbunden fey zu erwegen : ob das, so er thut, recht döer unrecht sey i ob es einem ehrlichen Mann anstehe, oder nicht?

XLV. Und ferner: Denn fo verhält sich die Sache, ihr Athenienser! welchen Post sich jemand, als den anståns, digften, ausersehen, oder, zu welchen er von seinem Fürs Pten bestellet ist, bey demselben muß er, wie mich deucht, in allen Gefährlichkeiten aushalten, auch nicht so sehr daber sich scheuen zu sterben, als etwas schåndliches zu begehen.

XLVI. Aber wisse, mein theurer Callicles, daß die waha re Tugend, und das wahre Gut , nicht darinn bestehe,

fich c) Weine nicht. Dis Gebot des Antoninus / scheinet nicht nur mit der Lehre des Christenthums zu ftreiten

/ welche uns gebietet zu teguren mit den Traurigen i Rom. X11. sone dern auch mit der Menschlichkeit/ja mit Antoninus Regeln selber. Dannenhero mágen wir

diefen Worten unsers Käy» fers / keine andere Deutung anhången / als welche seinen ans derweitigen Lehren/gleich ist. Er wil demnach hiemit nicht

das Mitleiden/sondern die unzeitigeliebermasse desselben bem. 2. men. Ja/er will etmas mehr von der Mensdhen zur Erleich.

terung derNoth desråd flen haben alsKlagen und Thránen.

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