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fich selber zu erhalten : Denn ein warhafftig tugendbes gabter anann, ist auf dis kurbe Leben dergestalt nicht verpicht, daß er gedencket, wie lange es dauren fout ; fons dern , er überlåsset folches denen Göttern; und weil er sich des Sprichworts der alten Beiber entsinnet : daß niemand fein Schicksahl vermeiden könne ; trachtet er allein dahin, wie er die Zeit, so er zu leben hat, wohl les ben möge.

XLVII.
f) Betrachte den Lauff der Sterne, als würdest
du mit ihnen herum getrieben ; auch erwege die Verana
derung der Elementen offters, denn dergleichen Gedans
den reinigen uns von dem Unflat dieses irrdischen
Lebens.

XLIIX.
Es ist vortreflich was plato sagt, indem er von dem
Menschen redet : Man muß alles was irrdisch ist, gleiche
fam von oben herab beschauen, als von einer Höhe. Die
Heerden, die Feldzüge , das Acker-Werck,

die Hochzeia die Ehescheidungen, die Geburt, das Sterben, das Getümmel der Gerichts-Stuben, die Wüsteneyen, die mancherley barbarischen Völcker , die Seft: Tåge, das Drauren, die vermischten Versammlungen, kurk'; die durch viele gegen einander streitende Dinge zierlich zusam men gefekte Welt,

HS

XLIX.

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ten,

f) Wiel-hdher gehen die Betrachtungen wahrer Christen :

Trachtet am ersten nach dem Reiche GØttes / und nach seiner Gerechtigkeit. Matth. VI. und / Ein jeglis dher sey gesinnet wie Jesus Christus auch war. Philip. iv. diese Betrachtungen reinigen und Heiligen uns: Sene aber soeren der Kåpfer gedencket/führen uns zwar biß an die Sterne / aber lange nicht in die Gemeinschafft Dites.

XLIX. g) Indem wir uns das Vergangene vorstellen, und die grossen Veränderungen so vieler Reiche; konsnen wir dadurch das Zukünfftige vorher sehen. Denn was noch kommen sol , wird dem, so gewesen ist, gleich seyn , und kaum die Schrancken desjenigen überschreis ten, so gegenwärtig gefchicht. Daher ists gleich viel, ob einer das menschliche Leben vierzig, oder zehen taus fend Jahr lang fiehet. Denn was würde er neues sehen?

L. Was von der Erden ist, das Fehret wieder zu der Erden, was vom Himmel ist, Pehret wieder in den Himmel. Denn der Tod ift nichts anders; als die Auflösung des Bandes, fo vermittelst lauter Ståublein zusammen ges knüpffet ist'; oder, er ist eine Zerstreuung der unempfindlichen Elementen.

LI. h) Wir suchen allerhand EB-Waaren und Bes tránck; wir brauchen die Geschicklichkeit erfahrner Kos. dhe, den Lauff unsers Lebens zu verlängern ; allein es

helffen g) Polybius fagt/daß die Menschen durch zwey Wege jurKluge

beit gelangen. Entipeder durch eigene Erfahrung/oder durch andere Exempel. Jene ist gefährlich, und die meisten bleia ben in den sehr Jahren. So isto am sicherften burd, andes rer Sdaden Flug werden , und solches lernen uns die Cles schichte. Der derowegen wissen will/was fünfftig im gemei

. meinen Leben geschehen wird der lere fleißig was vor Zeiten geschehen ist. Der Menschen Begierden und Thaten find

einander zu allen Zeiten gleich, h) Diese / famt der vorigen Betrachtung / Find des Euripidis

Gedancken; und Antoninus zeiget uns hiemit famt dem/ was er droben aus dem Plato anführet / wie man sich durch Aufzeichnung erbaulicher Sprache, was man liefet/ zu Nutz maden mubare

helffen weder Arbeit noch Thränen,wir müssen fortschiffer wenn der Wind von oben in unser Seegel stofft.

LII. Ist jemand geschickter als du im Kingen? fiehe zu, daß er weder hofflicher als du, noch ehrbarer, weder wils liger die göttliche Schickungen anzunehmen, noch gelinder die Fehler der Menschen zu übersehen, möge erfunden wers Den.

LIII. i) Was nach den Regeln der Vernunfft, fo die Menschen mit den Göttern gemein haben, verrichtet werden kan, daben ist keine Gefahr. Denn, wodurch ein der Natur gemäß eingerichtetes Werck, die Frucht einer glücklichen Verrichtung kan erlanget werden

; das selbst hat nicht einmahl der Argwohn eines SchaDens statt.

LIV. Es ist allegeit, und an allen Derten, in deinem Vers mogen, an deinen gegenwärtigen Zufällen einen gottfeligen Wohlgefallen zu haben; dich auch der Gerechtigkeit ges måß gegen die auffzuführen, mit welchen du lebest; deine Einbildung dergestalt im Baum zu halten, daß nichts k) in dich hineinschleichen mache, was Du nicht zuvor wohl begriffen hast.

LV. 1) Nach des andern Buchs 17. wie auch des V.Buchs 3.Capittel/

dienet gegenwärtige Betrachtung daju / daß wir den geraden Weg gehen / und in auffridtiger Einfalt unfre Pflicht verrich. ten mögen-, wie es drunten im 55. Capitel dieses Buchs deut.

licher erlåret wird.: ky In dich hincinschleichen. Die Fantafen handelt anfänglich

nicht mit dem Menschen wie ein Herr / welcher gebietet oder swinget / sondern wie ein Schmeid ler/ welcher uns durdy Liebkosen / und Annehmlichkeiten / zu gewinnen fughet.

LV. Bekümmere dich nicht darum was andere chun; fondern habe darauf acht, wohin die Natur dich leitet. Die allgemeine Natur , durch die Begebnisse fo fie dir zuis sendet, und deine eigne Natur, durch die Verrichtungen, so sie von dir fordert. Denn ein jeder muß sich denen Ums stånden gemäß verhalten, unter welchen er gebohren ist. Nun aber sind alle übrige Creaturen um der Vernünfftis gen willen gemacht, gleichwie in allen andern, die Unvoll: kommenen für die Vollkommenen geschaffen sind.

Die vernünfftigen Geschöpffe aber, sind eines für 1 das andere gebohren. Daher ist die erste Pflicht des Menschen, der Gesellschafft nůtlich seyn. Die andere, feinen fleischlichen Begierden nicht unterliegen. Dis ist der eigenthümliche Vorzug eines verständigen Wefens, in sich selbst gehen, und denen Reißungen der Sinnen oder Affecten nicht geborchen. Denn sie sind beyde vies hisch; Der vernünfftigen Seele aber gebühret die Herrs schafft, und nicht die Dienstbarkeit; und solches mit Redt: weil der Verstand , fich ihrer aller zu bedienen, gemacht ist. Die dritte Eigenschafft der vernünfftigen Natur ist, sich hüten vor dem Fall, und vor der Verführung. Wer diese Dreyfache Pflicht erfüllet, der gehe feinen Weg, denn er thut was ihm zukommt.

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LVI. 1) Du must, als wenn du schon gestorben wärest, und nicht fórder leben solteft, Den übrigen Rest deines Les bens, der Natur gemäß, zubringen.

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LVII.

1) Dis ift dem gleich was Paulus fagt/ Rom.VI.11. So bale

tet nun davor / daß ihr der Sünde gestorben reyol und lebet GOtt in Bristo JEfu unfern Berrn.

LVII. Was ist anståndlicher und bequemer, als willig vers lieb nehmen, was dir begegnet, und nichts anders, als was dir bestimmet ist, verlangen?

LIIX. m) Man stelle sich ber feinen Zufällen solche Leute vor, dener: ein gleiches begegnet ist ; die sich aber darüber bekümmern ; und es als etwas ungewohntes angesehen; auch etwa dabey geklaget, und lamentiret haben. Lieber, wo sind nun alle diese Leute? Nirgends mehr! Warum wilt du ihnen gleich werden? Warum låssest du nicht lies ber alle diefe fremde Bewegungen fahren? Warum åberlåsseft du sie nicht den so verånderlichen Dingen? Soltefi du dich nicht vielmehr bestreben zu lernen, wie man sich als ler seiner Zufälle bedienen muß?

Diese Bemühung wird dir alle Begebnisse vortheile hafft machen, und sie werden dir Anlaß zur Tugends Uebung geben. Besike dich nur selber wohl, und laß deis nen einkigen Zweck seyn, zu deinem Besten zu thun, was du thuft. Anbey befinne dich, daß es mehrentheils n Mits tel-Dinge sind, womit du dich so beniühest

.

LIX. Siehe in dich selbst hinein ; Jn dir ist ein Brunn Des Guten, der allezeit quellen wird, o) wo du allezeit gråbeft.

LX.

m) Zur Erklärung dieses Drts/ beliebe man die schöne Betrach.

tung des vierten Buchs im dritten Capittel nachzuschlagen. n) Mittel-Dinge. Sonennet er alles was den Menschen ei.

gentlich nicht angebet; Siehe VI. Bud) / 32. Capittel. o) Wodu allezeit grebest. Il sebr nachdencklich geredet;

deurdes Menschen Gemůch ist wie ein Ucker , der leicht ver, wildert/weun er nicht fleißig bearbeitet wird. Daß manches Reben voller Unkraut ist/ kommt daher / weil das Gemütb durch vernünfftige. Erziehung, niche ist gepflüget und be. fået worden.

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