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auf die gemeine Wohlfarth richtet. Wann sie ihre Neis gung oder Abscheu auf nichts wirfft, als was bey ihrstes het zu erlangen, oder zu hindern; wenn sie alles willig an. ninimt, tras ihr die allgemeine Natur zuschicket;f)wenn fie daran Theil hat, wie die Natur des Laubes an der Natur des Baums;. Doch mit diesem Unterscheid :

Die Natur des Laubes ist ein Stück von einem leblosen unvernünfftigen Holke, welches in feinen Wir, ckungen kan gehindert, oder gezwungen werden ; dahin. gegen ist die Natur des Menschen g) ein Theil eines vers nünfftigen , weisen , gerechten, unveränderlichen Wefens, welches einem jeden Dinge seine Zeit, Wesen, Urs sach, feine Wirckungen, und Zufälle unveränderlich auss theilet. h) Dieses wirst du wahr zu seyn befinden, wenn du die Dinge nicht eingeln, oder befonders", sondern in threm ganten Zusainmenhang mit andern , und insges mein, betrachteft.

TIX

f) Wenn sie daran Theil hat. Er redet von der Gemein.

schafft der vernünfftigen Creatur mit GDtt/aufeine Seydni. (che/ und Stoische Weise. Jobannes aber unterrichtet uns von unser Gemeinschafft durd Christum) mit Gott/viel

trójtlicher/ und von den Wirdungen seiner Gnaden-Starde. g) Ein Tbeil. Wie gesagt / dis ist ein Stoischer Jrrthum,

daran sich kein vernünfftiger Chrif Rossen wird ; weil er bee Dencket/ daß ein Szende nicht anders als ein Heyde schreiber

tonte. h) Dieses wirft du. Daher tommt der Seibft-Betrug / meil

die Menschen hie und da einen Zufall besonders ansehen / und darüber ein Urtheil fållen/er sey gut oder bøfe. Sie solten aber alle Dinge in der Dronung betrachten / darin die Vorfeo bung eines weisen GOttes/diefelben geftellet hat; fo.würden fie bald überzeuget werden / daß auch diejenigen Dinger sofie juvor bdse nannten zu einem guten Ende abjielen; das also beydes/ihr Klagen und Bekümmerniß/ unbesonnen und um, sonst gewefen ist.

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IIX. i) Gefeßt du kontest nicht lesen; so kanst du doch ablaffen dich selbst zu schånden. Du kanft den Schmers Ben, und die Lust überwinden. Du kanst dich über alle eitle Ehre erheben. Du kanst gegen die Albern, oder Uns danckbaren, sanfftmüthig, und noch dazu für ihre Wohle farth sorgfältig seyn.

IX. 1:

k) Laß niemand hören, daß du dg8 Hoff-Leben, oder auch dein eigenes tadelft.

X Die Reue ist eine Bestraffung sein selbst, wegen der Versäumung eines Nußens ; wer aber einen Vortheil nennet, der siehet ihn zugleich als etwas Gutes an; und also werth, daß ein ehrlicher Mann sich darum bekümmes re. Nun aber 1) bebauret kein guter und ehrlicher Mann, eine Wollust verfáumet zu haben, daher folget, Daß die Wollust weder etwas Gutes, noch etwas Nüks liches sen.

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19,1XIJDEN Untersuche ein jedes Ding folgender Gestalt : m) was ist dis an sich selber, und nach seiner eigentlis 5

chen i). Die Leute / fo fich nicht Lustzu bessern haben/pflegen / menn

man ihnen ihre faster vorhålt /zu sagen : fai ich habe nicht ftudiret ; ich fan das so nicht thun / wie jener weise mann. Ich bin nur einfältig. ic. Antoninus entdedet mit diefer Betrachtung die Nichtigkeit solcher Ausflüchte ; und wir

Chriften/uehmen die Gnade GDttes ju hüiffe. b) Die Ursach ist / weil ein frommer und vernünfftiger Mensch

allenthalben glücklich seyn tan / wohin ihn sein Beruff siehet: 1) Bedauret. Nein / fondern er bereuet es vielmehr wenn er

fie voibradt hat / und ist traurig; er freuet fich aber wenn er

ihren Reißungen entwischet ift. e) So machte es der Weise Salomo / als er sum Laden

sprach/ou bist toll/ und zur Freude / was machestoy! dis ni Es ist wahcsdyeinlich/ daß die fchwache Natur den Räpser des

chen Beschaffenheit? welches ist sein Wesen, sein Zeug, féine Urfach, Eigenthum ? warum ist es in der Welt? oder wie lange wird es darin bleiben?

XII. n) So offt du ungerne som Schlaff aufsteheft, fo erinnere dich, daß es beydes, deine Pflicht, und der mensch. lichen Natur gemåß sen, etwas zu verrichten, daß der Ges fellschafft zuträglich ist. Das Schlafen aber, hast du mit denen unvernünfftigen Thieren gemein ; was dir aber nach deiner eigenen Natur zukommt, dasselbe ist bir beys Des anständiget, und angenehmec.

XIII. Will dir die Einbildung eine Meinung von Dins gen berbringen, so untersuche sie zuvor o nach der Matur, nach der Sitten-Lehre, und nach der Vernunffte Kunst.

XIV. Mit wem du auch zu schaffen hast, so stelle bey dich selbst die Frage an: Was für eine

Meynung hat diefer Ménich vom Guten, oder vom Bösen? denn dafern er diefe , oder jene Gedancken von der Lust, oder vom Schmerken, von der Ehre, oder Schande ; von deir Leben oder Tod, beget; befremdet es mich nicht, daß er

Morgens jum Aufstehen tråg gemacht hat; daruin wieder. bolet er diese Betrachtung impormal / die schon im V. Buch erften Capittel zu lesen; So wuste er seine Neigungen/durdj off

tere wiederholte Betrachtungen zu bemeistern. o) biach der tatur. Das ist/was sein Wefen oder Befoaf.

fenheit fey, nach der Sitten-Lebre. Das ist/ was fein Berck oder Nutzen fey ; blach der Vernunfft-Kunft; Das ist/ daß mandavon ein unparihepisches Urtheil fåde

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bis oder das thut; vielmehr will ich gedencken, daß er alfo gu handeln p) gezwungen

wird.

XV. So lächerlich es wäre , fic verwundern, Daß der Feigen-Baum Feigen trågt, eben so thòricht ist es, sich bes fremden lassen, daß die Welt hervor bringet, was ihre Weise ist. Es wäre dem Arkt eine Schande, zu erftaua nen, wenn ein Mensch das Fieber hat; und dem Steuers Mann sich zu verwundern,wenn ein widerwvårtiger Wind wehet.

XVI. Erinnere dich, daß du darum deine Freyheit nicht berlierest, weil du deine Meynung veränderft, sper cinein andern folgell,

dich auf bessere Gedancken bringt: Denn, du behieltest nichts destoweniger Deinen Willen, and frenes Urtheil ; und ob du gleich anderer Meynung wirft, so vollbringest du die Sache doch nach Deinem Sinn. ,

XVII. Stehets in Deinem Vermogen, warum thust du es nicht ? ftehets ber einem andern, wen beschuldigest du? 9) Etwa die Stäublein, oder die Götter? beybes ist albern! demnach beschuldige niemand. Kanst Du die Sache vers bessern, thue solches. Wo nicht, was hilfft dir denn das Klagen? Umsonst muß man nichts thun.

XIIX. p) Gezwungen wird. Verstehe / burch seine Einbildung/

und Meynungen / die ihm seine Begierden abnótbigen. 9) twadie @tåublein. Dieses wird droben im IV. Buch/

3. Capittel/ weitläufstiger erflåret. Denn er setzet beyderley: Entweder ist eine göttliche Berschung/oder es ift keiner so haft du doch nicht Urfach dich zu bekümmern. Um alleripepige ften aber 7 weil wir gewiß wissen/ daß Opttes Persebung alle Dinge regiert,

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XIIX. Was da stirbet, fällt nicht aus der Welt ; Soes aber bleibt, und sich verändert, wird es in die eigentliche Es lementen der Welt auffgeløft; r) diese werden auch vers wandelt, und sie murren doch nicht.

XIX. Ein jedes Ding ist zu etwas gemacht; das Pferd ; der Weinstock ; was wunderst du dich denn die Sons ne wird dir auch sagen: Ich bin geschaffen etwas zu thun. Die übrigen Geschöpffe fprechen desgleichen. Wozu bist aber du gebohren? dich zu erlustigen ? fiehe 3*, ob das deine Vernunfft vertragen wird ?

XX. Die Natur beforget alle Dinge, fo wohl was ihre Ende, als was ihren Anfang und

Dauerhafftigkeit bez trifft, gleichwie der ; To den Hall dslågt, auf den Ball Achtung giebt. s) Was gutes aber hat der Ball davon, daß er in die Höhe fähret, oder was boses, fo er herune ter fållt ? nas schadet es deţ Wasser:Blase, daß sie stee het, oder was schadet es iht", wenn sie zerplaket ? was gutes empfindet die Lampe weil sie brennet, oder was bos ses, wenn sie verlischt?

XXI. t) Kehre deinen Leib um, wie ein Kleid, und besies

be, c) Derowegen murre du aud nicht / oder verjage/ wenn dufter.

ben must! dahin gielet die Betrachtung. Was gutes. Er redet von unsern Leibern/ daß die dadurdy nichts böses leiden / daß sie sterben müssen; und indemeral. les der Sorgfalt dessen überlåsset/ der auf den Ballen Achtung giebet/ sehen wir wohl, daß die Aufferstehung der Leiber/ auch nach dem Licht der Bernunfft/ bey Gott nicht ohnındglich erkannt werde. Wer so charfflichtige Augen hatte / daß er durch die Cdrper bin / in ihr Eingeweide schauen fonte / dem würde der schön, ste Beib als ein Scheusabl vorkommen. So ist es denn die Deo

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