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habe ich mir vorgefest, frey mit euch umzugeben! was sagest du, mein Freund ? diere Vorrede war unuds thig ! die Sache wird selbst reden. Es muß an deiner Stirn geschrieben stehen , und in deinen Augen fónnen gee lesen werden, wie in den Blicken derer Liebenden, was du im Schilde führest. Ein

redlicher und freyer Mensch, muß seyn wie die , foeinen starcken Geruch von sich geben; woraus die , fo fich ihnen nähern, fo fort vernehmen mo, gen, wer sie sind. : Die gezwungene Freyheit, ist ein verborgener Dolch. Nichts ist gefährlicher, als diefe wolfische Freundschafft. Hüte dich davor! Die Redliche keit, die Freyheit, und die Gütigkeit, leuchten denen aus Den Augen hervor, die solche besigen ; man kan sie nicht verbergen.

XVII. Wilt du glücklich leben? Es stehet bey dir. Laß nur alle Mittel-Dinge deiner Seelen, gleichgültig feyn. Du wirst aber gegen sie kaltsinnig werden, so bald du alle Dinge genau betrachtest, was sie sind ; und dich erine perst, daß kein Ding uns zwingen kan, so oder sonst, das von zu urtheilen ; daß es auch nicht zu uns komme, fone dern vor sich, ausser uns bleibe; baß wir es felbec find, die sich davon diese oder jene Einbildung machen ; da wir solches doch konten unterlassen, oder, da es ja geschehen, Diese Verstellung bald vermochten wieder zu vertilgen: Weiter, daß diese Vorsichtigkeit x) nicht gar lange wird von nåthen fenn; sintemal unser Leben bald ein Ende has ben, und der Tod diefe Sorgfalt auffheben wird.

So ist auch hieber keine Schwierigkeit. Denn, geschicht etwas der Natur gemäß, so kanst du dich daran

belustis *) Elidt gar lange. Auch darum wird sie nicht lange beo

schwerlich Peon / weil die Gewohnheit / diefelbe made furger Srijt erleichtera/ und angenehm machen wird.

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belustigen ; geschicht etwas wider die Natur, so must du erforschen, was deiner eigenen Natur am anståndigsten feri gage demselben nach, mit allem Fleiß, wenn auch gleich keine Ehre dabey ein zu legen ist. Denn man wird einem jeden leicht zu gute halten, daß er sein Bestes suchet,

XIIX Betrachte, y) woher ein jedes Ding entspringet; 2) woraus es zusammen geseket ift ; a) worin es wird auffgeldset werden ; b) und was es nach seiner Vers wandelung seyn wird? so wirst du finden, daß ihm, vers mittelst sothaner seiner Veränderung, nichts Böses ries Derfahre.

XIX. Siehe , hie hast du neun Articlel, daran du stets gedencken folt : Einmal, daß du von Natur mit allen Menschen verknüpffer bist, und daß wir einer für den ans dern, gebohren sind. Weiter, daß du auf eine befon. dere Masse ihnen vorgestellet bift, sie zu führen, wie der Widder und das Stier die Heerden. Ferner, enthoes der sinds die Ståublein oder Atomen, welche alles vers ursachen, oder es ist die Natur ; Ssts das Lekte, fo weiß man, c) daß die geringern Dinge, denen bessern gu Nuk gemacht find, und die Vortreflichsten, eins für Das andere.

Zweys y) Woher es entstebe. Davon fiche des III. Buchs/ 11. Cay. z) Woraus. Davon wird im ix. Buch 136. Cap. gehandelt. a) Worin es auffgeldset wird. Solches ist im 11x. Buch/

18. und XII. 24. Cap. Ju sehen b) Und was es nach der Verwandlung. Davon lief des

11X. Buchs/2 1. und X. 19. Capittel/wie auch das IV. Buche

42. Capittel. c) Daß die geringern. Erwid sagen / daß ainter den ene

Idea mufje cine Drdnung Belohnungen / und Straffen seyn.

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Zweytens, d) wie führen sich diese oder jene auf, an der Tafel; in ihren Zimmern ; oder anderwerts ? absonderlich aber, was für eine Nothwendigkeit dringet ihnen ihre Meynung auf? ja wie klug lassen sie fich, bey ihrem verkehrten Verfahren, dúncken?

Drittene. Haben sie Recht zu thun, was sie thun, fo inuß man sich folches nicht befremden lassen: haben sie Unrecht, fo fündigen sie wider ihren Wilen, und aus Unwissenheit. Denn, wie die Seele der

j Wahrheit nie, ohne, wider ihren Willen beraubet wird, also geschichts auch immer wider Willen, wenn sie sich nicht verhält, wie sie soll

. Daher kommts, daß solche

. Leute es e) nicht vertragen können, wenn man sie uns gerechte, Geißige, oder Unbillige gegen ihren Nächsten, heifset.

Viertens. Du fündigeft auch vielfältig, und bift Denen andern darin sehr gleich. Só du dich aber dieser oder jener Sünde enthaltest, so bleibst du doch dazu gea neigt, wiewohl du dich hůtest , diefelbe , entweder aus Furcht, oder aus Ehr-Begierde , oder aus dergleichen andern f) bösen Triebe , zu begehen. fünfftens, g) Du kanst es auch nicht einmahl .

recht d) Wie fähren. Sind so viel Bewegnissen / zum Mittleidend

mit des Nådften Irrthum und Shorbeit. 6) Bicht vertragen. Daher bemerdet Paulus diesen Zwang

und Gewaltthätigkeit an sich selbft/wenn er sagt: Daß siedie

Wahrheit in Ungerechtigkeit auffhalten. Rön. 1.18. f) Bören Triebe. Merckwürdige Erfåntniß eines Heyden.

Antoninus erkennet alle beimliche Absichten vor Seudeley, und Bosheit/und dringet auf eben die Reinigkeit der Thateni welche der Apostel/ Rom. XII, 21. bemerdet: Last euch nicht das Böse åberwinden/ fondern, überwindet ihr

das Borel durch das Gute. g) Du kanft. Mercket dis/ihr Splitter-Nichter / dle ihr von

curem Nadstep lieber nag eucem boshafftigen Bunsch / alb

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recht wissen, ob dieser oder jener sich versündiget habe, oder nicht. Denn es geschehen viele Dinge, aus einer heilsas men Absicht. Dannenhero muß man alle Umstånde zus vor genau wissen, che man von feines Náchsten Thun, ein Urtheil fållet.

Sechstens, wenn du dich am hefftigsten beküms merst, oder quảlest, so gedencke : Das Leben der Mens schen währer einen Augenblick, und in kurzem, werden wir ale nicht mehr feyn!

Siebendens. Es sind nicht die Thaten anderer Leute, die uns beunruhigen, denn sie haben ihren Auffents halt in der Seele, des, der sie begehet; Unsre eigene Eins bildung ists, die uns verwirret. Verjage diese, und höre auf zu urtheilen, Daß diese oder jene Sache bose fey, fo wird Dein Zorn verschwinden. Aber, wie soll ich sie verjagen? Stelle dir vor; h) daß nichts schåndliches in dem ist, was dir von andern wird angethan ; denn wäre etwas bofes ausser denen Lastern , die in den Menschen sind, so můste folgen, daß du ein Sünder oder Näuber werden kontest

, Dieweil es andere sind.

Achtens, der Zorn und die Befümmerniß, thun uns mehr böses,

als die Dinge selbst, worüber wir uns erzůrnen, oder bekümmern.

Veuns nach der Warheit urtheilet. Jenes fiehet durch die Fernglå.

ser/wie ein Wunderthier/und in der Nähe ift es eine Mide! ) Daß nichts fchåndliches. Gar artig führet Philifcus dem befüñerten Cicero in seinem Elend juGemütbe/dafecimpf und Schande mehr in der Einbildung als in der That bestehen; weit feines Menschen Leib / je dadurch erfrancket/ und teine Seele die Gerechtigkeit verlohren hat/ weil man beschimpffet worden. Wie es lächerlich wärel fagt er / einen Men. fchen darum vor Erand zu halten/weil ein Gebot aus. gegangen ist/ daß er kranareyn foll; also ist es auch abgeschmađt/ daß man solte darum unehrlich wers den/ well ein ander sagt/ daß man unehrlich Fey.

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Keuntens, die Sanfftmuth ist unüberwindlich, im Fall sie rechter Art, und ungeheuchelt ist. Denn, Lies ber, was kan dir der allergrobste

Verleumder anhaben, dafern du fortfahrest , ihm sanfftmüthig zu begegnen, und bey Gelegenheit, ihn mit aller Lindigkeit zu erinnern halte an, mit der gråsten Sanfftmuth zu unterweisen, wenn er am allergeschafftigsten ist, dir zu schaden, und sprich: Czicht so mein Kind! wir sind zu was anders gebohren. Mir kanst du nicht schaden, sondern du thust dir selbst zu nabe , mein Kind! auch führe ihm zu Gemüthe, daß weder die Bienen, noch einige Thiere, die in einer Heerde weiden, also gegen eins ander verfahren.

Du must aber Deine Erinnerungen nicht mit Spott, øber mit hönischen Reden vergållen, sondern, alles muß ohne Bitterfeit, und mit Liebe geschehen. Auch must du nicht mit ihm, wie ein Lehrmeister in der Schule , reden, oder als einer, der von denen Anwesenden , will bewundert feyn; sondern , siehe ihn besonders aus der Gesellschafft, und rede ins geheim mit ihm.

Halt diese neun Regeln in Gedachmiß, als ein Forts bares Geschend der Musen; und beginne ein Mensch zu werden, weil du noch lebest. Du must dich aber eben fo fehr hüten,

deinen Nächsten zu schmeicheln, als auf ihn ju zůrnen. Diese bende Laster sind der menschlichen Gesella Tchafft, gleich schädlich.

Zúrnest du? so bedencke, daß solches gar nicht månns lich, sondern, daß ein sanffter und gelinder Muth, beydes, menschlicher, und männlicher sey. Anbey ecs wege, daß die Starcke des Verstandes , nebst der Tas pferkeit, die Sanfftmuth begleiten, und sich nimmer ben Denen finden, die zornig oder verdrieslich sind. Die Sütigkeit wird am Kräfftigsten, wenn sie unbeweglich

bleibt.

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