Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

oder gedencken, oder was du selbst gefaget , oder gethan hast, desgleichen alles Zukünfftige , welches dich schrocket, alle Reißungen des Fleisches, lo dich umhüllen, oder der Beister, fo deinen Leib beleben, und die nicht in deiner Ges wali find; ia alles, was der Wirbel dieser sichtbaren

; Welt, durch seine Umwelkungen auf dich wirfft'; also, daß dein Gemüth, denen Nothwendigkeiten , und dem Joche des Schicksahls entrissen, rein und lauter in sich fels ber lebend , thut was recht ist, saget was wahr ist, und willig annimmt, was dir wiederfahret;

Sodu, sage ich, von deiner Seelen, die Beweguna gen, so ihr aus der Gemeinschafft mit dem Leibe, zustoffen, entfernest ; so du aus deinen Gedancken, die Sorgfalt berdes, über das Vergangene, und über das Zukünfftis ge, verjagest, und dich selber so rund, als die Kugel Des Empedocles, machest,

Die stets im runden Cråyßumlieff. Auch, so du nur zu leben trachtest, weil du lebeft; alsdenn kanst du den Rest deiner Tage, biß an den Tod geruhig, edel, und wie einem vernünfftigen Menschen gebühret, zubringeri.

IV. f) Ich habe mich offt verwundert, daß die Mens fchen, die sich doch selbst mehr lieben als andere, dennoch mehr Wercks von der Meynung machen, fo andere von ihnen haben, als von den Gedancfen, fo sie von ihnen félber heaen? Gewiß , fo ein GOtt zu ihnen fáme, oder ein verständiger Lehrer ihnen beföhle, nichts von sich selbst

zu f) Dis ist eine tieffsinnige Betrachtung/ welche den Selbst.Bc.

trug der armen Menschen / zusamt der Wahrheit der Worte Davids / offenbaret/da es beift: Alle Menschen sind Lůs gner! Diese Lügen fångt in uns selber an / menn wir uns lies ber selbst betrüger / als gründliğ nach dem Gewissen prüfen wollen.

[ocr errors]

ều gedencken, als was sie alsobald ohne Scheu von fich sagen dürfften; ich besorge, es würde nicht ein einßiger seyni, der diesen Zwang einen Tag lang aushielte. So gar schämen wir uns vor anderer Urtheil mehr, als vor uns selber !

ز

V.

[ocr errors]

g) Wie solte es möglich seyn, daß die alles weislich Herordnende, und die Menschen liebende Gottheit, dieses einkige versehen hätte, daß die Menschen, und zwar die allerbesten, welche für andern, in einer genauen Gemeins

schafft, mit der Gottheit stehen, sich Lebens lang in guten T! Wercken geůbet, und durch Gebet, Opffer, oder andern alle heiligen Uebungen einen göttlichen Sinn bekommen has

ben, daß solche Menschen, sage ich, nachdem sie einmal DH gestorben sind, nicht mehr leben, sondern ewig verloschen folten?

h) Weil sich dieses aber so verhålt, so wisse, daß, i) im Fall es hätte anders follen beschaffen fenn, es auch anderst würde seyn gemacht worden. "k) Denn alles P 3

was g) Dis Capittel enthält einen Beweiß der Unfterblichkeit unfer

Seele; aus dem Grunde: weil es unmöglich / daß dasjenige Wefen in uns/so eine Empfindung vom Guten und Bösen/ einen Begriff von GOtt/ und eine Neigung zu seinem Dienst hat / ja gar zu einer Gemeinschafft mit GDES/ und zu einein göttlichen Sinn gelangen kan ; solte ein vergånglich/ oder

sterbliches Wesir reyn. h) Weil fich aber dieses so verbalt. Nemlich daß GDES

weise / und Menschen liebend ; die Seele aber so beschaffen

ist/wie kurk zuvor erwehnet worden. i) Im Fall. Das ift; båtte die Seele nidit follen unsterblich

feyn/ fo wäre sie auch init solchen gåttlichen / und unsterbli.

chen Neigungen / als sie hat / nicht begabet worden. k) Denn alles wasrechts 3. natürlich war. Recht aber und

natürlich war es, daß eine Stele / sounfterbliche Neigungen und Beschaffenheiten hatte/auch felbft násteunsterblich seyn. 1) Verbålt fich aber ein Ding anders. Das ist/wåre die

was recht ist, war GOtt möglich zu bewerckstelligen. Und die Natur brachte hervor, was natürlich war. 1) Vera hålt sich aber ein Ding anders, so glaube, daß es hat ang Ders seyn müssen.

Du mercheft aus gegenwärtiger Untersuchung, daß du gleichsam mit GOtt rechtest? m) folches aber wurs Dest du nicht,thun können, dafern GOtt nicht, beybes, gerecht und gåtig wäre! so wird er nicht vergessen haben, Diese feine Gerechtigkeit und Güte, in Einrichtung der Welt, zu erweisen.

VI. n) Gewdhne dich auch zu solchen Dingen, die dir I unmöglich scheinen. Die lincke Hand ist zu vielen Dins gen ungeschickt, weil fie nicht dazu gewohnt ist

, und gleichs wohl hålt sie den Zügel fester, als die Rechte, weil man sie dazu stets gebrauchet.

VI. Gedencke offt daran, wie du můsfest an Seel und Seib beschaffen seyn, wenn der Tod dich überfallen wird. Erwege die Kürke deines Lebens, den Abgrund der Zeit,

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

Seele nicht unsterblich, so würde sie auch andere Befdjaffene

beiten haben. ma) Solchesgber. Sit ein fernerer Beweiß/der Unsterblich.

keit der Seele / aus dem Erweiß/daßGOtt, ein gütiges und gerechtes Wesen ist. Welches daraus unter andern erhellet/ weil die Menschen von diesen seinen Eigenschafften/einen Be. griff habenydavon reden/ und fragen / was mit dieser Gerech tigkeit oder Gütigkeit übereinkoinme? weil aber mit beyden übereinkšmmt/daß ein Wesen/darin Gott sonderbare Pro. ben seiner Weisheit/Gútigkeit/zc. geleget /nidt vergehe/so ift

zn glauben/daß er die Seelen audy unfterblich gemacht habe. n) Gewohne dich. Er wil zeiger / wie die Gewohnheit alles

mit der Zeit leicht mace.

id

vor und nach dir ; Zusamt der zerbrechlichen Schrache, alles materialischen

Wesens.

IIX. Besiehe o) die Urfach eines Dinges, und entblöffe es von allen Schalen, so felbiges verdecken. Betrachte den Zweck aller Thaten; was der Verdruß fer; was die

Wolust ; was die Ehre ; was der Tod ? Desgleichen, * p) daß ein jeder die Ursach seiner Unruhe sey. 9) Auch

daß es nicht in eines andern Vermögen liegt , mich zu beunruhigen ; fondern daß alles r) in der Einbildung bestehe.

IX. Ber Untersuchung und Gebrauch der Meynuit, gen, müssen' voir denen gleich seyn, s) die da ringen, aber nicht den Fechtern. Denn diese sind des Todes, sobald der Degen ihnen aus der Hand fált. Jene hins

P 4

gegen o) Die Ursachen ac. Davon ist im II. Buch/ 2. und 7. quch

im XII, 2. Capittel / gebandelt. p) Daß ein jeder. Davon fiche des IX. Buchs / 26. Capittel. g) Daß es nicht in eines andern. Davon ist im V. Budy/

34. Capittel / geredet. s) Inder skinbildung bestehe. Hierüber fan das 15. CA•

pittet/im 11. Buch / nachgelesen werden 8) Diederingen. Ein Ringer braucht seine eigene Håndc/ein

Fechter, ein entlehntes Schwerdt. Colind diejenigen / die alles auf Authoritát ankommen lassen / und nichts sagen/ als was ein ander gesagt hat, nimmer geschickt / die Warheit zu untersuchen. Denn daraus entstebet das KlopfechterGejand/ der Halbgelehrten ; die immer schrepen / wie meines Nach barn Papagen : Der hats gesagt! der hats gesagt! der hats gesagt! wer aber die Warheit finden mid / der muß seine eigene Vernunfit recht gebrauchen, wie der Ringer feine Fauft. Die fdlågt ihm feiner so leicht aus den Händen. Hingegen wird dem Klopfechter der Degen aus der Hand pariret/so ist er des Todes: Nimm dem Systengtico fei. sen Walzer ; da steht der Tölpel!

gegen, behalten immer ihre Faust, und kommt nur darauf an, daß sie diefelberecht gebrauchen.

[ocr errors]
[ocr errors]

Man muß die Dinge rechtbeschauen,und sie t) nach ihrem Zeug, nach ihrer Ursach, und Beschaffenheit, und nach ihrem Zweck zergliedern.

XI. u) Wie weit erstreckt fich das Vermogen eines Menschen, ju thun, was GOtt angenehm ist, und mit Freuden anzunehmen, was GOtt ihm zuschicket!

XII. Man muß sich in Dingen, die natürlich sind, nies mahls über die Götter beschweren : denn sie versehen sich, weder mit Willen, noch wider Willen. Auch muß man sich über die Menschen nicht beschweren, denn sie fehlen x) wider Willen. So muß man fich demnach über nichts befchweren!

XIV, Es heisset beydes y) lacherlich , und ein Srembdling in der Welt seyn, wenn man sich über Dinge, die in der Welt vorgehen, verwundern wolte.

XIV. Entweder ists die Nothwendigkeit des Schicks saals, oder eine unumgängliche Verordnung, oder eine gnädige Versehung, z) oder ein blinder und verwirrs

ter t) fach ihren Zeug. Hievon ist schon droben / im VII. Budji

29. Capittel / gebandelt. u) Wie weit ic. Solches ist einiger massen im VII. Buch/ 53.

und 54. Capittel / erörtert. 2) Wider Willen. Denn der Böre felbft / ift mit fich nicht zu

frieden, weil ihm sein Gewissen fagt/er thue nicht recht. Sic.

he hievon das XI. Buch / 13. Capittel. 5) Lächerlich lief hierüber des lix. Such8 / 15. Capittel. 2) Oder ein blinder Zufall. I babe fchon öffters erinnerti

« ͹˹Թõ
 »