Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

gedencken, daß n) die Natur so die Welt regieret , eis nen so groben Fehler aus Unwissenheit, oder aus Unvers mögen begangen hätte, indem sie zugelassen, daß denen Frommen und Gottlosen, Gutes und Böses, Der Tod und das Leben ; Ehre und Schande, Schmerk und Lust, Ars muth und Reichthum, ohne Unterscheid begegnen. Dies se Dinge sind an sich weder gut noch böse,

schåndlich oder ehrlich; daher treffen sie ohne Unterscheid die Guten und die Bösen; und können also kein wahrhafftiges Gut oder wahres Ubel feyn.

XII. 0) Es kommt einer verständigen Natur zu, zu bes trachten ; wie schnell ales verschwindet ; daß die Welt in kurßer Frist alle Leiber verschlingt ; daß die Zeit ders selben Gedächtnis vertilget ; was alle Vorwürffe unser Sinnen sind? was die infonderheit die uns durch Wola luft reißen? oder durch Schmerzen erschrecken? was die, welchen der Hochmuth, eine fo beschriene Hoheit ans gedichtet hat? wie eitel, nichtig, verächtlich, schåndlich, alle diese Dinge sind ? dem Tode und der Verwesung unterworffen. Diese Vernunft muß ferner erwegen, p) wer diejenigen sind, so nach ihrem Gurdüncken den Ruhm austheilen ? und auf deren Gutbefinden die Ehre

[ocr errors]

ana

n) Die Batur fodie Welt regieret. Er verstehet mit dieser

Benennung den weisen und machtigen Schöpfer und Eihat.

aller Dinge. . Es kommt einer verständigen tiatur 34. / wie

wenig findet man solcher verständigen Naturen? und gleich wohl sind diese Betrachtungen ein so nöthiges Mittel, zu einer

wahren Freyheit des Gemüths zu gelangen. p). Wer diejenigen sind / deren Meynungen den Ruhm

austheilen. Bedachten dis die Ehrbegierigen / fie mården sich schämen von solchen Leuten einen Rum zu erbetteln / die weder wissen worin die wahre Ehre bestefet, nod in fich felbst sufrieden sind.

ankommt? Was der Tod ist? Ja fie muß sich besinnen, daß wenn man den Tod von der falschen Einbildung und Vorstellung trennet, die man sich selber davon machet, ders felbe nichts anders fer, als ein Werck der Natur. Ein Werck aber der Natur scheuen, heisset ein Kind seyn. Und der Tod ist nicht nur ein Werck der Natur, fondern eine Sache die q) der Natur nuklich ist. Absonderlich muß Dein Perstand r) beherfigen, auf was Weise der Mensch mit der GOttheit vereiniget sey ? Wie weit ek an derselben Theil habe ? Und endlich wohin dieses Ebenbild der GOttheit gelangen werde, wenn es von dies sem Leibe scheidet ?

XIII. Nichts ist elender als ein Mensch der alles ergrün den will, der nicht zufrieden, daß er den Abgrund der Era den untersuche, sondern mit seinem Forschen biß in den Geist anderer Menschen eindringer, ohne sich zu entsins nen, daß er sich solte begnügen lassen s) mit der Göttlich keit umzugehen, die er in sich hat, und derselben den gea bührenden Dienst zu leisten. Der Dienst aber welchen deine Seele erheischer , besteher darinn : Daß du sie von Den Leidenschafften befrepeft, fie verwahrest wider alle Vermessenheit"; Und nicht duldest daß sie mit dem unzus frieden sey, was GOtt oder die Menschen thun. Denn was GOtt thut, verdienet unsere Shrerbietung, wegen

seiner 9) Der Etatur nútlich." Er redet bie von der Natur wie

fie nach dem Sünden. Fall ist. Da ist es gut/daß das Abge.

lebte dem frischen und jungen Raum madje. r) Behersigen ?c. Erwin, daß wir an die Unsterblichkeit der

Seele gedencken sollen / und erwegen ob es nicht zu ihrer Ver. besserung dienet/wenn sie durch den Tod vom sterblichen Leibes

und von aller Unvollkommenheit geschieden wird? 6) Mit der Gottlichkeit. Er versteht die Seele des Menscher;

Mir Chriften aber haben hteju noch eine wichtige Ursacher weil unsre Keiber durd GOTÍES Gnade Lempel des Hei. Kigen Geistes/ und Chrifi Skeder find.

[ocr errors]

feiner Vortreflichkeit; Und was die Menschen thun, verdienet unsere Liebe , wegen der Verwandschafft fozwia schen uns ift ; Zuweilen ist es Mittleidens můrdig, wes gender Unwiffenheit des Guten oder Bösen, darinn folche Menfchen stehen. Diese Unwissenheit ist eine Verblená dung, und eben so sehr zu bejammern, als die Blinden, die weder schwark noch weiß unterscheiden können.

XIV. t) Kontest du drey tausend Jahr leben, und noch dreißig tausend dazu, so besinne dich, daß niemand mehr Leben verliehre, als dasjenige, was er den Augenblick, da ers verlohr, hatte ; Auch daß man kein ander Leben habe, als welches man aue Augenblick verliehret

. Dannenhes ro ist kein

Unterscheid zwischen dem långsten und fürßeften Leben; Denn die gegenwärtige Zeit ift bey allen diesels be, ob gleich das was ein jeder verlohren hat, nicht gleich ist. Die Zeit aber so wir verlieren, indem wir das Les

i ben verlieren, ist nur ein Augenblick. Denn niemand kan das Vergangene oder das Zukünffrige verlieren. Wer kan einem nehmen was er nicht hat? Mercke deins nach diese zwop Dinge : Einmal, daß alle Dinge von Anfang her eine Gleichheit haben; Daß sie in einem stes

ten : :) Eigentlich zu reden / giebt es weder eine vergangene nod ju. künfftige Zeit ; Sondern nur die / welche gegenwärtig ift

, Spriøstdu: Ein junger Mensch / welcher um iwankig Jab ter stirbt / verlieret mehr Zeit als der / welcher advig

Jabe alt aus diesem Leben scheidet : Denn er verlieret die Hoffnung ciner fångern zukünftigen Zeit. Urtiger Einwurf Gerade als ob unser Leben nach der Sofaung würde, abgemessen? besser Idreibt sieronymus in seiner dritten Epiftel: denen die zehen Jahr / und denen die hundert Jahr gelebet haben/ ist die vergangene Zeit allen bepben gleid / und es ift bie tein Unterscheid / als daß der Alte mit mebren Sündeu über. båuffet stirbet / als der Junge.

B 5.

[ocr errors]

ten Erånß umlauffen, und daß kein Unterscheid ist, dies felben Dinge hundert oder zwey hundert Jahr, oder eine unendliche Zeit zu sehen. Zweytens, daß der so jung, und der so alt stirber, einer so viel Leben verlieret als der ans der; Denn sie verlieren beyde nichts als einen gegenwårs tigen Augenblick, weil niemand, wie ich bereits erwehnet, was er nicht hat, verlieren kan.

XV. Alles besteht in der Einbildung: Dis ist deutlich bea wiefen durch das, was u) Wonymus der Eynische Weise; in feinen Wercken davon geschrieben hat. Seis ne Schrifften können mit Nußen gelesen werden, fo man dasjenige daraus nimmt, was mit der Wahrheit übers einstimmet.

XVI. Die Seele der Menschen beschimpffet sich auf mana cherley Weise ; Vornemlich aber, wenn sie aus eigner Schuld gleichfam *) eine Drüse, oder Geschwür in dem Leibe dieser Welt wird: Denn sich erzůrnen über Dinge die uns begegnen, ist so viel, als sich von der alla gemeinen Natur abziehen, welche die Naturen aller bes sondern Wesen in fich fasset. Sie verunehret sich, ins dem sie einen Abscheu für einen Menschen trågt, und sich ihm zu schaden råster, wie solches fich beym Zorn erreignet. Sie verunehret sich ferner, wenn fie sich von der Luft oder vom Schmerken übermeistern låst. Sie veruns ehret fich, wenn sie sich verstellet, und in ihrem Thun

oder u) Wonymus: Ein Schüler des Diogenes uud Crates

beym Laertius.Seine Schriften sind verlohren:und der klu.

ge Antoninus bidiget in denfelben nichts/ als die Wahrheit: x) Eine Drüse. Er rennet fie also wegen der innerlichen Un. gufriedenheit / darin ein folch eigensinniges Gemüth / gleich.

Fam wie eine Drüse sich entzündet, und mit Schmerzen und Perdrießlichkeit fich und andern /wehe thut.

[ocr errors]

.

öder Neden zur Lügnerin wird. Sie verunehret rich, wenn sie ihre Thaten nicht auf ein gewissers Ziel richteti sondern in den Wind hin, ohne Absicht und Vorsak eta was verrichtet. Sintemahl auch die allergeringsten Ding ge einen Zweck haben müssen. Der Zweck aber einer vera nünfftigen Creatur ist, sich nach den Verordnungen und Weisen der alleråltesten y) Stadt zu richten. Diese aber sind das Gefen der Natur.

XVII. Die Zeit des menschlichen Lebens ist ein Pumct: Sein Wesen hinffieffend. Seine Empfindung stumpff. Sein Leib Verwesung. Seine Seele ein umlauffendes Rat. Sein Verhängniß unerforschlich. Sein

Ruhm Ungewißheit

. Kurk, fein Leibliches ist ein schneller Fluß; Seine Seele ein traumender Dunst; Sein Leben ein Streit, oder eine Wallfahrt in der Fremde; Sein Nachruf die Vergessenheit. Lieber was kan ihn durch so viele Nichtigkeiten glücklich hindurch führen? Michts als die wahre Weißheitss Liebe. Diese bestes het hauptsächlich darinn: Daß er seine Seele unbefleckt und unbeschädigt halte; Erhaben über Luftund

Schmerk; Dhne Vertvirrung, ohne Falschheit und Verstellung; Sich felbft gelassen, fremder Hülffe unbedürfftig; Wils lig alles anzunehmen, was von dem Orte kommt, das her sie selber ihren Ursprung hat. Ja den Tod felbfe mit stiller Gelassenheit erwartend, als eine Auffissung derer Elementen , daraus aller Chiere Edrper zusammen geseket sind.

Denn wiederfähret denen Elementen nichts bofessi indem sie diese Verwandelung beständig ausbauren, und von einem in das andre flieffen; Warum wolte man

fichi Y) Stadt. Die alten Meisen/ fahen die gangie Welt ag als ele

ae eingige grosse Stadt.

« ͹˹Թõ
 »