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ten Erånß umlauffen, und daß kein Unterscheid ist, dies selben Dinge hundert oder zwey hundert Jahr, oder eine unendliche Zeit zu sehen. Zweytens, daß der fo jung, und der so alt stirbet , einer so viel Leben verlieret als der ans der; Denn sie verlieren beyde nichts als einen gegenwårs tigen Augenblick, weil niemand, wie ich bereits erwehnet, was er nicht hat, verlieren kan.

XV. Alles besteht in der Einbildung: Dis ist deutlich bea wiefen durch das, was u) Monymus der Eynische

Weise ; in seinen Wercken davon geschrieben hat. Seis ne Schrifften können mit Nußen gelesen werden, fo man dasjenige daraus nimmt, was mit der Wahrheit übers einstimmet.

XVI. Die Seele der Menschen beschimpffet sich auf mana cherley Weise ; Vornemlich aber, wenn sie aus eigner Sduld gleichfam *) eine Drůse , oder Geschwür in dem Leibe dieser Welt wird : Denn sich erzůrnen über Dinge bie uns begegnen, ist so viel, als sich von der alla gemeinen Natur abziehen, welche die Naturen aller bes sondern Wesen in fich fasset. Sie verunehret sich, ins bem sie einen Abscheu für einen Menschen trågt, und sich ihm zu schaden råster, wie solches fich beym Zorn erreignet. Sie verunehret fich ferner, wenn sie sich von der Luft oder vom Schmerken übermeistern låst. Sie veruns ehret fich, wenn sie sich verstellet, und in ihrem Thun

oder u) tonyinus: Ein Schüler des Diogenes uud Crates/

beym Laertius. Seine Schriften sind verlohren:und der Klu. ge Antoninus billiger in denfelben nichts/ als die Wahrheit: Eine Dráse. Errennet fie also wegen der innerlichen Un. zufriedenheit / darin ein folch eigensinniges Gemüth / gleich. Fam wie eine Drüse fich entzündet, und mit Schmerzen und Verdrießlichkeit fich und andern / wehe thut.

öder Reden zur Lügnerin wird. Sie verunehret fichi, wenn sie ihre Thaten nicht auf ein gerviffers Ziel richtet, fondern in den Wind hin, ohne Absicht und Vorsak ets was verrichtet. Sintemahl auch die allergeringsten Ding ge einen Zweck haben müssen. Der Zweck aber einer vera nünfftigen Creatur ift, sich nach den Verordnungen und Weisen der alleråltesten y) Stadt zu richten. Diese aber sind das Gefek der Natur.

XVII. Die Zeit des menschlichen Lebens ist ein Pumict: Sein Wesen hinffieffend. Seine Empfindung stumpff. Sein Leib Verwesung. Seine Seele ein umlauffendes Rat. Sein Verhängniß unerforschlich. Sein Ruhm Ungewißheit. Kurk, sein Leibliches ist ein schneller Fluß; Seine Seele ein traumender Dunst; Sein Leben ein Streit, oder eine Wallfahrt in der Fremde; Sein Nachruf die Vergessenheit. Lieber was kan ihn Durch so viele Nichtigkeiten glüdlich hindurch führen? Michts als die wahre Weißheits; Liebe. Diese bestes het hauptsächlich darinn: Daßer feine Seele unbefleckt und unbeschädigt halte; Erhaben über Luft und Schmers; Dhne Verwirrung, ohne Falschheit und Verstellung ; Sich felbft gelassen, fremder Hülffe unbedürfftig; Wils lig alles anzunehmen, was von dem Orte kommt, das her sie selber ihren Ursprung hat. Ja den Tod selbst mit stiller Gelassenheit erwartend, als eine Aufflösung decer Elementen , bargus aller Thiere Edrper zusammen geseket sind.

Denn wiederfährer denen Elementen nichts bofes, indem sie diese Verwandelung beständig ausbauren und yon einem in das andre fliessen; Warum wolte man

fich Y) Stadt. Die alten Meisen, sahen die gange Welt gy als els

ar cintige große Stadt.

sich über die Auffiosung aller Dinge entfeßen ? Geschicht es doch alles der Naturgemäß. Was aber der Natur gemäß geschicht, daß ist nicht böse. Geschrieben zu z) Carnunt.

mo Des Römischen Käysers, SSfarcus Aurelius Antoninus/

Erbaulicher

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Betrachtungen
Drittes Buch.

1. Sa) ist nicht genug, daß man bedencke wie uns ser Leben fich tåglich verzehret , und abnimmt',

sondern man muß auch erwegen, daß, ob wir gleich långer leben, wir dennoch nicht versichert sind, dies selben Kräffte des Verstandes benzubehalten, noch diefel be Fähigkeit göttliche und menschliche Dinge zu begreiffen, oder zu beurtheilen.

Denn z) Carnunt. War ein Städchen in Pannonien / und seinet dis um die Zeit des Feldzugs

gegen die Marcomanaca xc. glo Tchrieben zu seyn. .) Der Auffshub unserer Besserung ist so gefährlich/ daß Art.

toninus demselbigen solche Oründe entgegen feket/ die ctact jeden Vernünfftigen åberzeugen werden / wie nüßlich aber. mahl Syracs Bermahnung fey: Verzeuch nicht frome zu werden/und harre nicht mit Besserung eines Le bens bis an den Tod.

Denn, folte man etwa in eine Raferen oder Kinds heit fallen, fo behált man zwar die Krafft zu athernen, fett zu werden, ju phantasiren, zu verlangen, und dergleichen Wirckungen mehr : Aber seiner selbst mächtig fenn, feia ne Pflicht zu erforschen, die Schein - Güther , von den wahren zu entscheiden , zu wissen , b) wenn es Zeit fer aus diesem Leben zu scheiden; Kurk, alles was eine mann, liche und wohlgeübte Vernunfft erfordert, alles diesesfag ich, ist alsdenn in uns verloschen. Drum muß man ei len, theils weil man sich täglich dem Todenáhert, theils weil uns der Verstand oft verlåfft, ehe wir sterben.

II. Man mußbetrachten, das alles, was sich in der gangen Natur zutrågt, eine Annehmlichkeit bey fick führet ; gleich dein frischen Brod, das sich im Backofen hat von einander gethan ; Denn eben diese Krusten, wela che die Hiße des Feuers wider des Beckers Absicht ges spalten hat, geben dem Brod nichts destoweniger eine Annchmlichkeit, und reißen den Anschauer es zu kosten; die reiffen Feigen bersten, und die Fäule giebt denen Olis ven einen Geschmack; die vollen Nehren neigen Das Haupt. DieGrausamkeit des Löwen,derSchaum an der Schnaus Be des wilden Schweines, und dergleichen Dinge mehr, haben nichts schönes indem du sie besonders ansiehest, aber fie zieren nichts destoweniger diejenigen Dinge, welchen sie angehefftet sind, und ergeßen ihre Anschauer.

führet; b) Der Christliche Lefer muß fich an dieser Stoifchen Lehre des

Antoninus nicht stossen / daß es einem Menschen vergönnet fey/ bey erbeischender Notb aus diesem Leben zu fcheiden. Bielmehr muß man sich verwundern/ daß der sonst so ver. nünftige Kapser / die unmenschlichkeit diefer Meinung nicht gesehen. Ubsonderlich/ da er von dem heydnischen Socra. tes håtte lernen können/daß uns Gott in diesem Leben, wie den Soldaten gleichfam aufeinen Poften gefellet babe / wele dhen wir nicht ebe verlaffen müffen, biber uns selber ruft. Ein

mehrers hiewiber fiebe Lib. V. cap. 30. c) Mit diesen Betrachfungen til Antoninus denen Einwürf

fen der Atheisten vorbeugen/ welche / weil sie in der Natur nach ihrer Meynung soide Dinge finden / die ihnen beßlich unnüg/oder wohl gar schådlich vorkommen ; Den unvernünfftigen Soluß machen : Es sey kein Gott/ oder so ja einer fen/ fo bekümmert er sich doch nicht um die Renschen / und dasjenige so auf Erden geschicht.

Diesen Leuten Run zu zeigen wie sehr sie sich in ihrem Ur theil betrügen / weifetihnen Antoninus / daß kein Ding in der Welt fey/welches nicht seinen Nuken oder seine Schönbeit babe, theils an und vor sich selbst/ theils in Ubficht anderer Dinge i dereu nothwendiger Onbang oder Folgen fic find. III. Er wiadas Murren der Unzufriedenen/ mit diefer Betrach. tung unterbreden: Daß man einen Zufall allein vor fich an. sehen müfte / sondern in seinem Zusammenhang mit andern. Denn da wird sich die Warheit des alten Sprid worts auf:

Wer demnach tiefsinnig genug ist, alle Begebens heiten der Welt zu beobachten, wird finden, daß eine jes de ihre besondere Annehmlichkeit besike, welche zur Vers höhung der Schönheit der ganzen Natur etwas beys trågt. So wird er demnach sich nicht weniger erlustia gen d) die wilden Thiere lebendig, als in Steinen ges hauen, oder im Gemälde zu erblicken. Er wird finden, daß die betagten Matronen und alten Männer

fowohl ihs re Schönheit haben, als die jungen Leute. Er wird alles was ihn reißen kan

, mit keuschen Augen ansehen. Kurk, er wird in allen Dingen tausend Schönheiten fins den, die ein ander nicht leicht wahrnimmt, sondern nur die, welche gewohnt sind, die Natur und ihre Wercke recht zubehertigen.

fern: Sein Ding ijt fo bofe, es ist zu etwas gut! d) Die wilden Thiere. Er wil sagen/ es wird ihm

eben anges nehm seyn/ die Bosheit der Menschen aus der Erfaérung, als aus Büchern zu bemercken.

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