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Ruff ihnen angestrichen hat; Betrügerischer Hochmuth! was follen mir deine Larven? Sie bezaubern uns am ecs sten,

wenn wir sie einer Bemühung werch achten. Bes Dencke demnach daran, h) was Crates felbft von dent Xenocrates gefaget hat!

XIV. i) Der Pobel berundert mehrentheils zweyerler, Hemlich die Dinge welche einen Nutzen oder Ansehen has ben; als Steine, Holý, Feigen-Bäume, Wein-Stos cte , Dehl-Bäume ; deren Sinn aber ein wenig hoher geht als des Pobels, die neigen sich zu dem, was lebet, und die Heerden von allerfen Vieh werden von ihnen hoch geschaket

. Die, so noch måßiger als jene sind, bes wundern atlein die vernünfftige Seele ; nicht zwar die allgemeine, sondern die, welche eine Erfinderin der Küns ste ist, und befleißigen sich dieselbe mehr und mehr ausjuarbeiten ; auch schågen sie sich selbst glücklich, wenn sie

viele h) Was Crates vom Xenocrates gesaget hat. Xenocra.

tes war einWeltmeifer/von einer softrengen Ernsthafftigkeit/ daß er darüber gar zum Sprichwort worden : thod ernte baffter als Xenocrates. Crates/ein anderer Beife/un. tersuchte diese Ernsthafftigkeit/ und fand / daß fie den Hoch, muth jumGrunde

batte/auch daß fie lauter gezwangenesWe. sen ren. Antoninus wil uns biemit warnen / daß wir uns nicht durch den äusserlichen Schein' der Dinge bezaubere

lassen. i) Der Pobel xc. Die menschliche Verwanderung bat gleid,

Tam vier Stuffen: Die erste hålt sich auf bey den leblofenDin. gen/und berpundert ehe cin ddnes Kleid/als eine schöne Ge. ftalt. Die andere hånget sich an dem was lebet / unb beroun. dert ehe ein schönes Angeficht, als einen wißigen Kopf. Die dritte verliebet fich irreinen hurtigen Kopf und seine finnreidje Erfindungen/ gedenckt aber nicht viel an Gott. Die vierdte fiehet als die höchste Doulommenheit an / nicht so wohl daß man Vernunfft habe, sondern daß man die Bernunft zur Chre GDttes gebrauche.

viele Diener haben; derjenige aber welcher k) die allgee meine vernünfftige Seele gebührend verehret, sepet alles andere hindan, und bemühet sich einkig und allein, daß Feine Seele in folchem Stande sery, damit sie der Vers nunfft gehorche, und ihre Wirckungen, in Gemeinschafft allerandern Seelen, davon sie eine Gefellin ift , aufs ges meine Beste richte.

XV. Etliche Dinge eilen zu feyn ; etliche eilen, daß fie nicht mehr mögen feyn; und ein grosses Theil deffen so ges genwärtig, ist bereits vergangen. Dieser beståndige Wechsel verneuert die Welt Der immer lauffende Fluß der Zeiten, zeuget durch seine Augenblicke neue Secula.

Wer wolte demnach in diesem schnellen Strohnt stille stehen, oder sich aufhalten, seine Hochachtung auf dem, was vorben rinnet, zu werffen? Es wäre eben fo viel, als einen Vogel anfangen zu lieben, indem er voce über fleugt, welchen wir erblicken, und zugleich aus dem Gesicht verlieren.

Dis ist das Ebenbild unsers Lebens. Es ist ein Dampff des Geblåts ; und eine gehauchte Lufft. Wie wir nun dadurch leben, daß wir die Lufft alle

Augenblicke an uns ziehen, und wieder aushauchen, also ist das Sters ben nichts anders, als diesen Odem, welchen wir gestern und heute geholet haben, in die Hände des aufgeben, wors aus wir ihn geschöpffet hatten.

XVI. 1) Es ist keiner Hochachtung werth, daß wir dufo

ten; k) Die allgemeine vernünfftige Scele. So nennet 2n.

toninas GOtt an diesem Drt/ nach Art der hendnischer

Weltweisheit. 1) Antoninus will in diesem schönen Capittel zeigen/theils door

in des Menschen Vorjug dor andre Geschöpffe nicht beftehe ; felbige theils / worin er bestehe, damit also ein jeder deutlió Feken

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ten ; denn das haben wir gemein mit den Bewachsen; nicht daß wirathemen, denn solches thun auch die Thiere; nicht daß wir eine Einbildung haben, die fähig ist den Eins druck unterschiedlicher Vorwürffe anzunehmen; nicht, Daß wir ihrem Triebe folgen ; nicht, daß wir mit einander leben, noch daß wir Speise zu uns nehmen, und wieder von uns geben.

Was verdienet denn eine Hochachtung ? Etwa die Ehre? Nein! Das Lob ? Nein! Denn der Zuruff des Póbels , ist nichts als ein verwirrtes Getösse, verursachet durch die mannigfaltige Bewegung der Zungen. Sol ich aber den Ruhm verläugnen, was bleibt denn übrig? das hoch zu schaken wåre?

Es ist, wie ich vermeyne, fich seinem Wesen gemåß aufführen, und alle desselben Pflichtvolbringen. Solo ches lehren uns alle Handwercker und Künstler. Wir séhen, daß sie sich bemühen, ihre Arbeit fo zu machen, daß ihre Wercke mit der Absicht übereinstimmen, warum sie felbe angefangen haben. So ist der Zweck des Weins Kártners, den Wein Berg bauen; des Bereuters, das Pferd ; und des fågers , den Hund abzurichten; wohin Zieler die Aufferziehung der Kinder ? Dis nenne ich hochs fchåkbar!

Bist du einmahl von dieser Wahrheit überzeuget, so wirst du dich nicht bemühen die übrigen Dinge zu ers baschen. Aber, darf man sie deswegen nicht hoch schås ken? Du wirst m) weder freymüthig, noch mit dir felbst zu frieden, noch ohne Bervegung seyn, bafern du

mdge / was feine Pflicht fen. m) Weder freymüthig. Die unordentliche Hiebe eines ver.

gånglichen Dinges/es beife fo herrlich als es immer tan/wird den Menschen mit fteter Unruhe erfållen, wie folches deutlich im folgenden gezeiget wird.

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felbige hoch schågest. Denn sie werden nothwendig Miße
gunst oder Eifersucht in dir erwecken. Du wirst anfans
gen ein Mißtrauen zu hegen gegen die, welche Das Vermos
gen haben dir

diese Sachen zu rauben, die du fo hoch achs
test; du wirst denen unauffhörlich nachstellen, die solche
besiken ; mit einem Worte, es ist unmöglich, daß der,
so eines dieser Dinge mangelt die er hoch achtet, vollig zu
frieden sey , oder daß erunterlasse, die Götter alle Augen:
blick zu befchuldigen.

n) Hingegen, fo du Ehrerbietung für deine Vers
nunfft und Seele hegeft, wirst du in dir selbst geruhig, der
Gesellschafft gefällig, und mit den Göttern einstimmig
fern. Ich will sagen, du wirst mit Danck annehmen,
was ihnen gefällt dir zuzuschicken.

XVII.
o) Die Elementen bewegen sich in die Höhe ; nies
Derwerts, und in die Runde. Die Tugend hat dergleis
chen Bewegung nicht; fondern sie hat was göttliches, und
gelanget glücklich durch einen unbegreifflichen Weg, zu ihs
rem Zweck.

XIIX.
P) Wie låcherlich verfahren die Menschen? Sie

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versas n) Singegen. Die hellige Schrift sagt daffelve in dem befan.

ten Sprach : Trachtet ain ersten nach derni Meiche GOTTES /und nach seiner Gerechtigkeit, so wird

euch das andre alles zufällen. • Die klenienten bewegen sich. Die Elementen weidsen

denen Dingen so ihnen in dem Weg stehenund prallen in ihrer Bewegung zurücke : Aber der Tugend Eigenschafft ift/ gleich durch ihren Weg zu verfolgen / und durd, tausend Des schwerden und Verhinderungen zu ihrem Ziel zu dringen. Die Ursadje dieser Eitelkeit lieget theils in der neidischen Selbst liebe / theils in dem Gewissen unfer unvollfommen. heit ; derowegen schmeichelt man sich von ferne schner aus. zusehen / als in der Nibe.

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versagen denen das Lob, die zu ihrer Zeit leben; und dere langen

selbst von denen gelobet ju fenn, welche leben werden, wenn sie långst gestorben sind. Die follen alsdannauh men was sie weder kennen noch gesehen haben. Es ist eben so viel, als wenn wir uns betrůben wollen, daß wirvon des nen nicht gelobet worden sind, die lange vorher gestorben waren, ehe wir gebohren wurden.

XIX. ft dir ettvas schwer ? bilde dir deswegerinicht ein, daß es auch einem

andern unmöglich sey. Aber was einem
andern möglich ist und leicht, das ist dir auch nicht uns
möglich.

XX.
Soetwa einer im spielen und ohngefehr krakete, oder
mit dem Kopffan uns stieß, würden wir uns darüber nicht
entråsten, auch keinen Argwohn fassen, als hätte uns dies
ser Mensch wollen

einen Possen spielen. Wir werden ihm
vielniehraus dem Wege gehen, wiewohl nicht als einem
Feinde; oder einen Verdächtigen, sondern wir weichen ihm,
ohne ihn zu hassen.

Lasst uns Dergleichen in allen Begebenheiten unsers
Lebens thun ! lasset uns nicht drauf achten was man uns
thut, fondern laffet uns alles als von unfern Spiel-Gefels
len annehmen. Denn, wie ich bereits gesagt, fo ftehet uns
fren, ohne Argwohn oder Haß, ihnen auszuweichen.

XXI.
Kan mich einer mit Recht überzeugen und darthun,
daß ich eine Sache nicht recht false, oder damit umgehe,
so wil ich meine Meynung mit Freuden åndern: Denn
ich suche die Warheit

, wodurch keiner je ist beleidiget wors
den; Aber dabey fáhrt man immer über, wenn man in seis
ner Unwissenheit, und in feinern Jrrthum beharret.

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