Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

in Bewegung geseßt hat, die fremden Zuzügler abzuwehren. „Es sind gerade die Funktionen, für welche sich in einem so dünnbevölkerten, weiten und reichen Lande und in einer so jungen Gesellschaft die geringste Neigung zu zeigen pflegt,“ welche die Chinesen übernehmen. ,, Die Opposition des weißen Böbel8 gegen die gelbe Einwanderung ist einstweilen nichts als Arbeiteneid." Damit stimmt vollkommen Rohlfe (Ausland N. 38) überein, der sich auf entschiedenste gegen das Geldrei erklärt: „die Völkerwanderung (?) neuer asiatischer Horden nach Californien soll und muß aufhören; geseblich wenn irgend möglich, sonst mit Gewalt.“ „Neuerdings haben bei der Nachricht, daß wieder für Tausende von Chinesen bereits Pläße auf den Dampfern Hongkong-San Francisco belegt seien, die californischen Blätter ein wahrhaft fanatisches Geschrei angestimmt, als ob der Racenkampf vor der Thür stehe und die Einwanderungs-Gesellschaften haben sich sogar genöthigt gesehen, ihren Freunden in Hongkong zu empfehlen, für einige Zeit mit der Herübersendung von Aus wanderern inne zu halten.“

von einem ,,Sklavenhandel" kann bei dieser Einfuhr nicht geredet werden ), während die Ueberführung chinesischer Kulis in die spanisch - amerikanischen Länder (S. 238 ff.), wesentlich diesen Charakter getragen hat und zum Theil noch trägt. In Cuba gibt es 34,828 „Asiaten“ (unter ihnen 57 Weiber!), die mit wenig Ausnahmen nicht anders denn ale Sklaven behandelt werden. - Im übrigen Westindien sowie in Guiana besteht die Mehrzahl der Kulis nicht aus Chinesen, sondern aus Indiern. – Nächst Californien und Cuba ist endlich Beru ein hervorragendes Ziel der chinesischen Kuliausfuhr (S. 245 f.); auch hier war das koos der chine sischen Arbeiter bisher ein trauriges; dennoch beläuft sich ihre Zahl ari wenigstens 50,000.

Bezüglich Afrikas erwähnt Dr. Ragel nur, daß ,,ein Agent der Rap Colonie sich auf der Reise nach China befinde, um mit Unterstüßung der Regierung chinesische Arbeiter anzuwerben, welche dem Mangel an Ar beitskräften in der Colonie abhelfen sollen“ (S. VIII). Unsers Wissens giebt es dort bereits und nicht mehr ganz vereinzelt Chinesen. Was die Zu kunft betrifft, so ist die Idee einer Besiedelung Afrikas durch Chinejen (Galton in einem Briefe an Sir Bartle Frere, Times vom 6. Juni 73) gewiß nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. „Nächst den Euro

1) Oft schließen die Auswanderer einen Vertrag, nach welchem sie sich verpflichten, die Kosten der Ueberfahrt von dem Lohne, den sie am Orte ihrer Bestimmung verdienen, in einer bestimmten Zeit zurüdzuzahlen.

päern und Nordamerikanern hat sicherlich kein Bolt der Erde so viel Beruf, den Naturvölfern die fruchtbaren Länder abzugewinnen, die sie sich nicht zu verdienen wissen und sie der Cultur zuzuführen, als der Chinese (S. 266).

Soviel über den Umfang der chinesischen Auswanderung. Was den Charakter der Auswanderer betrifft, so werden ihre wirthschaftlichen Tugenden allerseits sehr herausgestrichen. Der Chinese auch in der Fremde ist fleißig, sparsam, nüchtern, genügsam, geschickt, ausdauernd, anpassungsfähig ) (S. 205. 220. 239. 157. 186. 177); freilich auch servil (177), wenigstens wo er in der Minorität ist, und aussaugerisch. Sie finden alles heraus, was einen Gewinn in ihren Händen lassen könnte, sie sind Meister in der Kunst des Forderns und Ausbeuten, um nicht zu sagen des Aussaugeng." (Urtheil Bowringe S. 167). Ihr Hauptlaster ist die Spielwuth. Was die Chinesen auch in der Fremde zu einer colonisatorischen Macht erhebt, das ist, daß sie ein arbeitende& Volt sind. ,,Sie sind das härtest und ausdauernst arbeitende, ja man fann sagen, sie sind das arbeitende Bolt in Dst- und Südasien.“ 2) „Die Arbeit in Verbindung mit Sparsamkeit und praktischem Verstand hat aus den Chinesen das reichste Bolf Alfiens gemacht.“ „Daß der Malaie an Muth und Ehrgefühl, der Mandschur; Mongole oder Tunguse an biederem Sinn, der Hindu und Birmane an feinem Kunstgefühl voransteht, würde für die Culturentwicklung nur auf ihrer höchsten Spiße eine Bedeutung erlangen. Da aber diesen Völkern die Grundlage wahrer Cultur, die Schäßung der Arbeit, abgeht, so bleiben ihre verschiedenen Vorzüge unwirksam, die chinesische Cultur ragt vielleicht nur sehr flach und stumpf empor, aber es liegt ihr ein Fundament der Dauerhaftigkeit zu Grunde" (S. 161 f.). Man kann sagen, daß das Urtheil der Europäer über die Chinesen sich nm so besser gestaltet hat, je inniger der Verkehr zwischen beiden wurde. . Sie stimmen in der Hochschägung des Fleißes, der Anstelligkeit, der Sparsamkeit, der praktischen Intelligenz, des Familiensinnes det Chinesen überein. Und dabei ist nicht zu übersehen, daß die meisten Beurtheiler nicht mit den unverdorbenen Theilen der chinesischen Bevölkerung zusammenkamen. Recrutirt sich doch die Auswanderung von jeher vorivie gend aus dem Abschaum des städtischen Proletariats. Wenn dennoch die Urtheile durchschnittlich so günstig ausfallen konnten, so spricht dies eben für die Unverwüstlichkeit der besseren Eigenschaften, auf welche jene fish bezogen" (S. 263 f.).1)

1) 3. B. Ueber die Chinesen in Singapore heißt es in der „Preuß. Expedition nach Ostasien“ I. 198: „ die europ. Kaufleute, welche die Chinesen als Kassirer, Compradors, Buchhalter, Waarenaussucher und Aufseher gebrauchen, wissen ihren Fleiß, ihre Ehrlichkeit, Treue, Stätigkeit und Intelligenz nicht genug zu rühmen. Der europ. Handel läßt sich in diesen Gegenden ohne Chinesen kaum denken. . Die wichtigsten Geschäfte wie Buchführung und Kassenverwaltung werden ihnen anvertraut.“

2) Unser Verfasser erklärt hieraus nicht blos „die allmähliche Aufsaugung aller Völker, mit denen sie in dauernde B rung tamen, sondern auch „die wunderbare Dauer, ihres Reichs" und „die nicht weniger erstaunliche Erhaltung und Ausbreitung ihrer nationalen Eigenart“ (S. 261).

Die colonisatorische und handelspolitische Bedeutung der chinesijhen Auswanderung unter der Führung unsers Autors weiter zu erörtern, liegt zu weit ab von der Tendenz dieser Zeitschrift. Für uns entsteht vielmehr die Frage, welche Bedeutung hat diese Auswanderung für die Mission? Daß die europäische resp. amerikanische Auswanderung in nichtchristliche Länder eine große Bedeutung für die Ausbreitung des Reiches Gottes (in positiver und negativer Beziehung) hat, ist eine be kannte und auch durch die colonialen Missionen praktisch anerkannte That fache. Nun auch die umgekehrte Auswanderungsbewegung aus nichtchriji lidhen Ländern hat eine solche Bedeutung. Wie einst die Neger Afrifa! in den nach Westindien importirten Sklaven uns gleichsam vor die Thir gelegt worden sind, so tritt uns heut China in seiner Diaspora, sonderlid in der in dristlichen Ländern resp. Colonien sich aufhaltenden bedeutend

1) Bei dieser Gelegenheit erklärt der Verfasser ausdrüdlich, daß er von dem Urthci: der Missionäre, „als in der Regel optimistisch, absehe." Wir bemerken hierauf dreia lei: 1) uns scheint, daß die Missionare über den Charakter den Chinesen kaum hätter günstiger urtheilen fönnen, als des Verfassers Gewährsmänner thun, freuen uns aber von Herzen, daß das Urtheil derselben nicht pessimistischer ausgefallen; 2) die Kritit übe: die Urtheile der Missionäre (NB! es scheint fast, als ob schon die Schreibweise: Mijft näre oder Missionare eine verschiedene Stellung zu den Trägern dieses Namens fignalisire!) if doch sehr widerspruchsvoll; sonst pflegte man ihnen gemeiniglich vorzuwerfen, fie seien in ihrez Urtheilen über die Heiden (nicht die Heidenchristen, um welche es sich hier gar nicht handelt) ji pessimistisch. Wer hat nun Recht? 3) Wenn aber der so maßvolle und competente Berjafia dem Urtheile der Miffionäre“ gegenüber stellt das gewichtige Urtheil beobachtungsfähiges, praktischer Männer,“ so müssen wir gegen diese zwischen den Zeilen zu lesende Arik doch ernstlichen Protest erheben. Wie die Ethnologie sattsam beweist, sind auch die Miffionare „urtheilsfähige“ Männer und über ihr „praktisches“ Geschid fehlts in der Miff- und Cultur-Geschichte wahrlich nicht an Beweisen. Daß fie befähigter zum Urtheil sind als viele ,,Staatsmänner oder Kaufleute oder Forschungsreisende“ ergiebt sich den daraus, daß sie die Sprache und Literatur der Chinesen verstehen und Jahre lang unter dem Volte leben. Freilich es find nicht die wirthichaftlichen Tugenden allein, die ihr Urtheil bestimmen.

näher. Diese Diaspora muß Mission 8 object werden. Thatfächlich ist sie dies bis heut nur erst zu einem geringen Theile. Wol wird z. B. in Californien, in Borneo, in Singapore, in Australien die chinesische Einwandrung in den Bereich der Missionsarbeit gezogen und hat diese Arbeit auch überall eine wenigstens kleine Frucht getragen, aber es will uns bedünken, daß ihr noch lange die Aufmerksamkeit nicht gewidmet wird, welche ihr gebührt. Gewiß ist diese Emigration ein in vieler Beziehung schwieriges Missionsobject, da der ausschließlich aufs Erwerben gerichtete Sinn in ihr vielleicht noch stärker ausgeprägt ist als im Mutterlande; auf der andern Seite aber erleichtert auch der Aufenthalt in der Fremde die Annahme des Christenthums auf mancherlei Weise, da die längere Abwesenheit von der Heimath ein Haupthinderniß der Mifsion in China: die Macht der nationalen Opposition gegen das Ausländische bricht und mit der Zeit die Anpassungsfähigkeit der praktischen Chinesen zur wirklichen Accomodation an fremde Anschauungen und Sits ten führt. ,,Daß die Chinesen ein viel anpassungsfähigere8 Volt sind, als man gewöhnlich glaubt, zeigen sie vielleicht nirgends so klar wie in Siam. Daß sie soweit von ihren heimischen Sitten abweichen, um felbst die Todtenverbrennung anzunehmen, wurde schon hervorgehoben; sie werden sogar Priester der siamesischen Form des Buddhismus, wiewol der Cultus ihnen fremd ist und dieser träge Beruf ihrem thätigen Charakter sonst weniger zusagt. Selbst zum Christenthum gingen sie zu Tausenden über, als sie bei einem Aufstand im untern Siam sahen, daß die Dörfer der einheimischen katholischen Christen von den Soldaten des Könige verschont wurden.“ (S. 177). Es sollte daher aller Orten, wo uns auf dem Missionsgebiete chinesische Fremdlinge begegnen nicht blos gelegentlich, sondern geflissentlich und möglichst von Leuten, welche ihre Muttersprache reden, eine Missionsthätigkeit unter ihnen in Angriff genommen werden. Wir müssen die Chinesen nicht blos in ihrem Vaterlande, wir müssen sie auch in der Diaspora suchen. Ganz speciell gilt dies von der Californischen Emigration, in der den Nordamerikanern ein äußerst wichtiges Missionsobject in ihre Heimath geführt worden ist. Schwieriger als in China selbst ist die Arbeit in dieser Diaspora feineswegs, jedenfalls aber ist sie näherliegend und für das Mutterland von großem Belang.

Für einen großen Theil der qu. Auswanderung ist es nämlich charafs teristisch, daß sie keineswegs ein Bleiben in der Fremde beabsichtigt, sondern mit dem erarbeiteten Erwerb nach einer Reihe von Jahren in die Heimath. zurückkehrt (S. 63. 68. 176. 201, 231. 234). Aber auch wo diese Rüdkehr nicht statt hat und sie hört vielfach auf, wo die Auswandrer sidi behaglich fühlen), läßt das starke Familien- und Stammesgefühl den Zusammenhang mit der Heimath niemals gänzlich lösen. „Man kann dahin die bedeutenden Geldsendungen rechnen, die sie nach ihrer Heimath machen, sowie die Sitte, ihre Leichname conserviren und nach China zurückzubringen." (Das legtere ist übrigens nicht allgemein, denn in allen größeren Chinesen ansiedelungen in Südostasien giebt es chinesische Friedhöfe). „Von 180,000, die von 1852–73 nach Californien famen, sind nachweisbar 77,000 zurückgekehrt“ (S. 231). Wenn nun auch auf den übrigen Auswanderungegebieten der Procentsat der wirklich Heimkehrenden keineswegs ein gleich hoher ist, selbst wenn Bowring (S. 68) Recht hat, daß unter 10 Auss wanderern faum einer wieder nach Hause kommt und der Strom der Rüdwanderung um so schwächer wird, je mehr das Gefühl des Wohlbefindens im Auslande wächst, so ist die Zahl der Zurüdfehrenden dod bedeutend genug, um von einer Rückwirkung der Ausw andrung auf die Heimath reden zu können. Auch unser Verfasser erörtert vor seinem Gesichtspunkte aus diese Frage (S. 71 f.) und beantwortet sie aljo: Zwar scheint die geringe Zahl der in der Fremde Gewesenen im Bergleih zu den in China Zurücgebliebenen die Frage (ob die ersteren eine Rüd wirkung auf die lekteren ausüben) zu verneinen, aber da wir auf der andern Seite aus zahlreichen Berichten ersehen, daß die Wunder der fernen, fremden Länder in den weitesten Kreisen des chinesischen Voltes Interesse zu erregen beginnen, da wir ferner wissen, daß in den legten zwanzig Fahren wol eine Million Chinesen nach ihren Begriffen wohlhabend auè der Frende in die Heimath zurückkehrten und ferner mehrere unanzwei felbare Thatsachen vorliegen, die für die Thätigkeit und größeren Erfolg: der Rückwanderer sprechen, so darf man annehmen, daß ein solcher Bir fluß in der That besteht. Bedarf es einer Gewährschaft, so fann die Meinung Raffles' angeführt werden, welcher glaubte, die Rüdwirkung werde mit der Zeit nicht geringer anzuschlagen sein, als die Amerika's auf Europa.") Bei dem großen Einfluß, welcher in einem Lande wie China der Regierung zukommt, ist es sicherlich nicht ohne Bedeutung, daß selbst diese sich gezwungen gesehen hat, europäische Einrichtungen in einigen Gebieten der Verwaltung einzuführen und das Studium der europ. Berhältnisse zu fördern. Auch das Beispiel, welches England in seinen

1) Aehnlich nennt Sturz (S. 72) „ihre allmähliche Wirkung auf das ganze Land eine unberechenbar wichtige für die stufenweise Erschließung desselben zum Vertehr und Austausch mit uns, der zu freundlichen und socialen Beziehungen führt.“

« ͹˹Թõ
 »