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Der einseitig fultische Charakter der babyl. Lyrik.

AD. VII, 3

Merkmale die metrische Form der babylonischen Gedichte direkt an die Hand gegeben ist, läßt sich nun aber mit großer Sicherheit auch für andere Fälle das richtige erschließen, in denen etwa nichts weiter für die Form urkundlich bezeugt ist, als daß eben jeder einzelne Vers eine besondere Zeile einnimmt. Wirklich verstanden werden können aber die Hymnen ihrem Wortlaute nach erst dann, wenn bei der Übersegung möglichst auch ihre metrische Form zum Vorschein kommt. Dieser Forderung suchen darum die folgenden Tertproben, soweit angängig, gerecht zu werden. Und zwar werden dabei die beiden Halbverse eines Verses mit vier Tonhebungen durch eine Lücke zwischen den beiden Halbversen bezeichnet; außerdem erscheint der zweite Vers einer aus zwei Versen bestehenden Periode vorn etwas eingerückt. Andere Mittel finden, da die entsprechenden Erscheinungen seltener auftreten, nur vereinzelt Anwendung. So u. a., daß, im Anschluß an das von den babylonischen Schreibern selbst beobachtete Verfahren, bei sog. Doppeldreiern (Versen mit zweimal drei Hebungen) der zweite Halbvers in neuer Zeile, und zwar eingerückt, geschrieben wird.

Die lyrische Poesie der Babylonier trägt, soweit sie uns bis jekt vorliegt – und es ist kaum anzunehmen, daß sich das Gesamtbild auch durch neue Funde wesentlich ändern wird einen ziemlich einseitigen Charakter. So ist von profaner Lyrik, die bei den Babyloniern doch gewiß auch vorhanden gewesen sein wird, bis jeßt nichts zu Tage getreten, etwa Beispiele aus der Gattung der Liebespoesie

, die ja in andern, speziell auch gerade in orientalischen Literaturen, eine so große Rolle spielt. Es hat dies jedenfalls darin seinen Grund, daß die poetische babylonische Literatur ausschließlich aus der Mitte der priesterlichen Kreise auf uns gekommen ist und somit durchweg religiösen und dazu zumeist direkt kultischen Charakter trägt. Aber auch selbst innerhalb dieser religiösen Lyrif begegnen wir noch einer starken Einseitigkeit. Denn verhältnismäßig nicht so sehr zahlreich sind die Fälle, in denen es sich bei den uns überkommenen Hymnen etwa um solche handelt, die sich als bloße Jubellieder, z. B. für die großen Feste der Götter, geben, oder die als begleitende Gebete bei Opfern und sonstigen Kulthandlungen aufzufassen sind, oder die als Dankhymnen nach einem Sieg über die Feinde zu gelten haben. Vielmehr charakterisiert sich der weitaus

Originals; wo dies ausnahmsweise doch der Fall ist, ist es jedesmal ausdrüdlich angegeben.

AD. VII, 3

Danthymnus nach einem Siege.

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größte Teil der vorhandenen Hymnen und Gebete der babylonischen Literatur als Beschwörungshymnen, d. h. als Götterhymnen, die vom Beschwörungspriester oder dem bei ihm Hilfe suchenden Menschen zu dem ganz speziellen Zwecke rezitiert werden, hierdurch die Götter in allerlei Lagen zu helfendem Eingreifen oder zur Abwehr drohenden Übels zu veranlassen. Daß von diesen sog. Beschwörungshymnen manche erst sefundär mit dem Beschwörungsritual verknüpft worden sind, während sie ursprünglich rein hymnische Anrufungen an die Gottheit darstellten, ist zwar möglich und bei einzelnen sogar recht wahrscheinlich. Von der Hauptmasse dieser Hymnen wird aber doch zu gelten haben, daß sie von Haus aus mit dem Beschwörungsritual verbunden waren und in diesem ihren ursprünglichen Siß haben.

Von Danfliedern an die Gottheit nach einem über den Feind errungenen Sieg besigen wir einige wenige Proben. So u. a. einen wohl an Marduk gerichteten fragmentarisch erhaltenen Hymnus, der aus Anlaß eines Sieges über die Elamiter gedichtet ist. Darin z. B. die Worte:

(Ich will verherrlichen] seine Gottheit, verkünden seine Macht,

(will preisen) seine Kraft], seiner Stärke huldigen:

[Mardut's], des Barmherzigen, dessen Zuwendung nahe;
[der
.] sein Ohr neigte, Gnade erzeigte,

10
dessen Herz [sich beruhigte), der Erbarmen faßte;
[der annahm mein Flehen, seinen Nacken zuwandte,

[dessen Gemüt] sich besänftigte, der Zuneigung faßte.
[Der Ela]mit, der nicht fürchtete jeine große Gottheit,
[wider] seine erhabene Gottheit Vermessenheit redete

15 (es ging aus] deine Waffe gegen den frechen Elamiten,

[du tarfst nieder) jeine Truppen, zerbrachst seine beeresmacht. (Die noch stärker fragmentarisch erhaltene Fortseßung führt das Thema der stattgefundenen Vernichtung des Feindes durch die Gottheit noch weiter aus.)

Wenn, wie aus verschiedenen Gründen wahrscheinlich ist, dieser Hymnus speziell aus der Zeit des Königs Nebukadnezar's I. von Babylon (12. Jahrh. v. Chr.) stammt, so erhält er dadurch noch ein besonderes Relief, daß wir von eben diesem König gerade auch ein Klagelied besigen, das sich auf die Notlage bezieht, in die Babylonien durch feindliche Invasion versekt worden war. Die Eingangszeilen dieses Klageliedes“ lauten:

Es fißt in Babel Nebukadnezar, [der König,]

tobt wie ein Leu, wie der Wettergott brült er;

1 Hehn, Hymn. Nr. 4. 2 Cun. Terts XIII, 48 (Windler, Altor. Forsch. I, 542).

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Hymnen mit Preis des Königs.

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seine außerkorenen Großen wie ein Löwe [fährt er an?],

zu Marduk, dem Herrn von Babel, ergeht [fein) Flehen: Wie lange noch bei mir das Seufzen und Darniederliegen? 5

Wie lange noch in meinem Lande das Weinen und Trauern ?
Wie lange noch in meinem Volke das Alagen und Weinen?

Bis wann, Herr von Babel, weilst du in Feindes Land?
Es komme dir in den Sinn Babel, das prächtige,
Esagil 1, das du liebst, wende dein Antlig zu!

10 [Das Flehen) Nebukadnezar's hörte der Herr von Babel. (Es folgt die Verfündigung eines göttlichen, den Sieg über den Feind ver

heißenden Orakels.) Eine Anzahl Hymnen aus jüngerer Zeit und meist bestimmt historisch zu datieren stellen sich dar als Lieder, die das Lob des Königs singen, oder für diesen und sein Land Gutes von der Gottheit erflehen. Doch beginnen auch diese regelmäßig erst mit einem Hymnus auf den Gott oder die Göttin, in deren Schuß der König steht, und wenden sich dann erst an zweiter Stelle der Person des Königs zu. So geht ein Tert aus der Bibliothek Afsurbanipal's, der in seinem ersten Teile einen langen Hymnus an die Göttin Nana, die Gemahlin des Gottes Nebo, enthält, in seinem zweiten Teile in eine Bitte an die Göttin für den König Sargon von Affyrien über: Segne Sargon, der deinen Saum anfaßt;

den Hirten von Assyrien, der hinter dir einhergeht! Ein Leben langer Tage bestimme ihm als sein Geschick;

20 die Grundlage seines Thrones festige, laß ihn regieren bis ins Alter! Gib Gedeihen den Rossen, den Gespannen seines Joches,

Sinfälligkeit und Schwäche halte fern von seinem Leibe ! (Es folgen noch Bitten um Bewahrung des Landes vor Heuschređenplage usw.)

So spricht ein akrostichisches Gedichts aus der Zeit Nebukadnezar's II.

- das Akrostichon ergibt den Gottesnamen Nebo nach einem langen Lobpreis auf den Gott Marduk(?) als den obersten Gott Himmels und der Erde und Schöpfer der Welt, am Schlusse von folgenden zunächst auf das babylonische Königtum im allgemeinen und dann auf Nebukadnezar im besonderen bezüglichen Machttaten des Gottes : Des Könige Gestalt für die Menschen erfüllte er mit Glorie,

mit Furcht bekleidete er ihn, mit Lichtglanz [bedeckte er ihn;] 10 machte überragend seine Serrschaft über alle Reiche [der Welt]

unterwarf seinem Fuße Leute und Länder,
betraute ihn damit, die Schwarzköpfigen zu beherrschen.

1 Name des Marduk-Tempels in Babylon. 2 Craig, Rel. I, 54. 3 Proc. Soc. Bibl. Arch. XX, 154 ff. 4 d. i. die Menschen.

40. VII, 3

Königsgebete. Neujahrsfesthymnen.

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Auch ließ Marbut, der große berr, der sein Königtum liebte, nachdem er beschlossen, Ejagil und Ezida auszustatten, und Babel, seine

geliebte Stadt, zu erneuern, 15 zur þerrschaft gelangen Nebukadnezar, der ihn erfreute, den Fürsten, der

ihn fürchtete, das Geschöpf seiner Hände; blickte auf seine rechten Taten, die Königsherrschaft über alle Menschen aus

zuüben, berief er seinen Namen, gab in seine Hand ein gerechtes Zepter, das das Land mehrt; [legte in] seinen Arm gewaltige Waffen, die feine Feinde bezwingen, verlieh ihm die schonungslose Gotteswaffe, die Feind und Widersacher besiegt. 20

An dieser Stelle möge auch als Probe eines der Gebete mitgeteilt werden, wie sie sich in den Königsinschriften vor allem der neubabylonischen Könige finden. So lautet z. B. das Gebet Nebukadnezar’s II. an Nebo beim Bau des Tempelturms von Borsippa:

Nebo, rechtmäßiger Sohn, hoher Bevollmächtigter, sieghafter, Liebling Marduk's, blice in Gnaden freudig auf meine Werke! Langdauerndes Leben, Fülle von Nachkommenschaft, Festigkeit des Throns, langwährende Regierung, Niederwerfung der Feinde, Eroberung des Feindeslandes schenke mir zum Geschenk! Auf deiner unabänderlichen Tafel, die die Grenze ģimmels und der Erde festießt, verfünde Länge meiner Tage, schreib auf Nachkommenichaft! Vor Marduk, dem König Himmels und der Erde, dem Vater, der dich erzeugt hat, mache meine Werke wohlgefällig, sprich zu meinen Gunsten; ,,Nebukadnezar ist fürwahr ein König, der ausstattet"? führe in deinem Munde!

Von den Hymnen kultischen Charakters, die, wie bereits hervorgehoben, den Hauptteil der babylonischen Hymnenliteratur bilden, seien zunächst einige Festhymnen vorgeführt; und zwar zuerst etliche Stellen aus Hymnen, bestimmt, beim Neujahrsfeste, bei Frühjahrsanfang, dem Feste Marduk's und darum auch einem Hauptfeste der Babylonier, rezitiert zu werden. So wird bei dem festlichen Auszuge Bel-Marduk's aus seinem Heiligtum, einem Hauptakte dieses Festes, gerufen :: Auf, zieh aus, o Bel, der König erwartet dich;

auf, zieh aus, unsere Belit, der König erwartet dich. Es zieht aus Bel von Babel, es beugen sich die Länder vor ihm;

es zieht aus Sarpanit, Kräuter zündet man an voller Duft;

es zieht aus Taschmet, Räucherbecken zündet man an voll Zypressen. Seite an Seite der Fichtar von Babel

auf der Flöte, der Affinu-Briester und der Surgaru-Priester,
spielen sie, ja spielen fie.
Ein Hymnus an Marduk, der für den lezten Tag des Neu-

2 nämlich die Tempel.

3 K. 9876

1 nämlich Mardut's. (Bezold, Catal. III, 1046).

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Neujahrsfesthymnen. Tammus-Hymne.

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jahrsfestes bestimmt ist, da Bel-Marduf nach dem „Auszuge“ wieder in seinen Tempel zurückkehrt, beginnt1: O Herr, bei deinem Einzug in das Haus (freue] dein Haus [sich deiner]; ehrwürdiger, Serr, Mardut, bei deinem Einzug in das Haus (freue) dein

Haus [sich deiner] Ruhe, Herr, ruhe, Ferr, dein þaus [freue sich deiner];

ruhe, Herr von Babel, dein Haus [freue sich deiner] Es folgt eine lange Litanei, worin der Reihe nach alle Hauptgötter des babylonischen Pantheons angerufen werden, den Zorn Marduk's zur Ruhe zu bringen.

Ein Gebet, das der Urigallu-Priester am 2. Nisan, also gleichfalls während des Neujahrsfestes, zu Bel-Marduk zu sprechen hatte, lautet: D Bel, der in seinein Zorn einen Widerpart nicht hat,

Bel, gütiger König, Herr der Länder; der die Wohlfahrt wiederherstellte für die großen Götter,

Bel, der durch seinen Blick die Gewaltigen niederwarf! Herr der Könige, Licht der Menschen, der die Besißtümer verteilt; 5

Bel, deine Wohnung ist Babel, Borsippa dein Throngemach. Die weiten Himmel die Gesamtheit deines Innern,

Bel, mit deinen Augen durchschaust du alles. Durch deine Vorzeichen durchschaust du die Vorzeichen; durch deinen Blick gibst du Gefeß

10 Durch dein Hinschauen gewährst du ihnen Gnade,

lässest sie Licht sehen, so daß sie verfünden deine Macht. Herr der Länder, Licht der Igigs, Verheißer von Guttaten:

15 Wer sollte von dir nicht verkünden deine Macht,

nicht aussagen deine Soheit, nicht preisen deine Herrschaft? Herr der Länder, der E-ud-ul 4 bewohnt, der den Gefallenen bei der Hand Deiner Stadt Babel erzeige Gnade,

[ergreift: deinem Hause Esagil wende dein Antliß zu,

20 den Bewohnern Babels als Schüßlingen gewähre Versorgung!

Von Hymnen für andere Feste kommen insbesondere mehrere Hymnen für die Tammus-Trauer in Betracht, in denen die Klage um den wie eine Pflanze dahinwelkenden Gott der Frühlingsvegetation zum Ausdruck kommt, z. B.S:

Hirte, Herr, Tammus, Gatte der Jichtar,

Herr des Totenreichs, berr des firtenzelts (?)!
Eine Tamariske, die in der Furche Wasser nicht getrunken,

deren Laub in der Steppe Blüte nicht hervorbrachte.

1 Weißbach, Misc. Nr. 13. Nr. 25).

Himmelsgötter. 27 Nr. 1.

2 IV R 40 Nr. 1 (Behn, Hymn. 4 Tempelname.

5 IV R

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