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Heren und Zauberer. ;

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halten, wenn sie aber ein Opfer erspäht hat, so folgt sie ihm. durch das Gewühl der Straßen und Pläße, verstrickt seine Füße in ein Neß und bringt es zu Fall. Am liebsten aber übt sie, die „Fängerin der Nacht“, ihre Tätigkeit bei Nacht aus. Als Heren traten mit besonderer Vorliebe Ausländerinnen, namentlich aus den Grenzgebirgsländern Babyloniens und Assyriens, auf, so Elamiterinnen, Dutäerinnen, Sutäerinnen, Lulubäerinnen, Chanigalbatäerinnen.

Dem Einzelnen fann sie allen nur erdenkbaren Schabernack spielen. Wenn sie ihm z. B. die Kleider zerreißt, die Haare zerzaust, Speise und Trank ihm ungenießbar (?) macht, so ist das ja noch nicht lebensgefährlich. Aber dabei bleibt sie nicht stehen. Ganz wie die Dämonen selber nimmt sie Wohnung im Innern des Menschen in Gestalt von allerlei Krankheit und Leid des Leibes und der Seele.

Ihre Waffen waren der „böje Blick“, der den davon getroffenen allem Unglück preisgab und das ,,böse Wort“, die unheilvolle Formel, die voll Zauberkraft war und jegliche böse Kraft in den Dienst der Here bannte. Daneben gebrauchte sie die geInotete Schnur, mit der sie den Mund (des Menschen) füllt“. Ihre verderblichste Wirkung äußert sie aber –

wiederum genau wie die Dämonen selber in dem Kampf gegen die Bande der Familie, die sie durch Aussaat von Haß, Mißtrauen und Verleumdung zu sprengen sucht. Sie ist es, die (vgl. oben S. 8) den Bruder gegen den Bruder, Kinder gegen ihre Eltern, den Freund gegen den Freund aufheßt. Die Liebenden reißt sie auseinander, und sogar zwischen den Menschen und seinen Schußgott wagt sie sich zu stellen. Daß die Here selber buhlerischen Künsten zur Verführung der Menschen huldigte, ist ein überal wiederkehrender Glaube, der auch schon in Babylonien vorhanden war. Die seltsamste Betätigung der Heren ist die Anfertigung von Bildern der zu bezaubernden Personen aus allerhand Stoffen, wie Ton, Asphalt, Honig, Wachs. Mit diesen Bildern nahmen die Heren symbolische Manipulationen vor, die dieselbe Wirkung gleichzeitig am Original auszuüben bestimmt waren. Die Bilder wurden zu den Toten gelegt, in Gräben und Brunnen geworfen, auf belebte Pläße gelegt, um zertreten zu werden usm. (1. unten S. 26ff).

Es sollen nun einige Stellen der Beschwörungstexte folgen, die das Treiben der Dämonen schildern. In einzelnen Terten

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Das Treiben der Dämonen.

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pflegt der eigentlichen Beschwörungsformel eine Schilderung dieses Treibens voranzugehen.

Von den „bösen Sieben“ heißt es 1:

Sieben sind sie, fieben sind sie! In der Tiefe des Oceans, sieben find fie! Lagernd im Himmel, sieben sind sie! In der Tiefe des Dceans, in einer Behausung wuchsen fie heran. Nicht männlich sind sie, nicht weiblich find fie. Sie, vernichtende Wirbelwinde find sie. Ein Weib haben sie nicht genommen, Kinder haben sie nicht gezeugt. Schonung und Mitleid tennen sie nicht, Gebet und Flehen hören sie nicht, Rosse, die im Gebirge aufgewachsen find, find fie. Sie sind die feindlichen Gewalten des Ea, die Thronträger der Götter sind sie. Den Steig zu zerstören, treten sie auf die Straße. Böse sind sie, böse sind sie! Sieben sind sie, fieben sind fie, zweimal fieben sind fie.

Die 7. Tafel der „Schurpu"-Serie beginnt?:

Demetu ist aus der Meerestiefe heraufgestiegen, der Bann ist aus dem Himmel herabgekommen, die Achchazu haben wie Gras die Erde bededt, nach allen vier Winden ist Schređen verbreitet, wie Feuer glühen sie. Die Leute in ihren Wohnungen machen sie frant, ihre Leiber bedrängen sie. Über Stadt und Land bringen sie Wehflage und Jammer über Alein und Groß. Mann und Weib schlagen sie in Banden, erfüllen sie mit Schmerz. Um Himmel und auf der Erde regnen sie wie ein Gewitter, und spannen ein Neß aus. Wo der Zorn der Götter lastet, da stürzen sie hin mit lautem Geschrei. Einen Menschen, von dem sein Gott gewichen, überfielen sie, wie mit einem Gewand dedten sie ihn zu, gingen auf ihn los, mit Gift sprißten sie ihn voll, seine Hände banden sie, seine Füße fesselten sie, seine Seite bedrängten sie, mit Galle besprißten sie ihn, durch Fluch und Bann war sein Leib bedrängt, durch Atemnot (?) und þusten (?) war seine Brust geschwächt. Geifer und Schaum erfüllte seinen Mund. Über jenen Mensch brach Jammer und Schmerz herein, völlig war er aufgelöst, Tag und Nacht lief er umher (®), vor Schmerz tonnte er nicht ruhen.

In der 9. Tafel der Serie „Kopfkrankheit" wird das Treiben dieses Dämons folgendermaßen geschildert 3:

Die Kopffrankheit treibt sich in der Wüste herum, dahinstürmend wie der Wind, wie der Bliß leuchtet sie auf, oben und unten hat sie freie Bahn. Wer seinen Gott nicht fürchtet, den bricht sie wie ein Rohr, seine Gelente zerschneidet sie wie ein Hennarohr. Wer eine schüßende Göttin nicht hat, dessen Glieder peinigt sie. Wie ein Stern am Himmel leuchtet sie auf, wie das Wasser des Nachts schleicht sie dahin. Dem Wanderer stellt sie fich in den Weg, wie der Sturmwind feßt sie ihm zu, den einen tötet sie, den andern treibt sie umber, als ob er Leibschneiden hätte, so daß er wie einer, dem die Eingeweide herausgerissen, dahinrast, wie einer, der ins Feuer geworfen ist, brennt, wie ein Wildefel ift, dessen Augen bedeđt, umwölkt sind. Un seinem Leben frißt sie, mit dem Tod ist er verbunden. Tiu« ist es, deren Weg, wie den eines schweren Sturmes, niemand kennt, deren Endrichtung, deren Ziel niemand kennt.

1) CTXVI pl. 15, 3. 28 ff. (Thompson I, 76 ff.). 2) Zimmern, Beiträge G. 361. 3) C TXVII, pl. 19, 1ff.

4) Eine befondere Art der Kopfkrankheit.

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Das Treiben der Dämonen.

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Dem Treiben der Fieberdämonen ist eine große Zahl von Texten gewidmet. So beginnt eine Tafel der Aschaffu-Serie ::

Der böse Aschaffu ist wie eine Sturmflut herangekommen, mit Schredensglanz erfüllt er die weite Erde, mit Schrecken ist er etan, mit Furchtbarkeit ausgerüstet. Durch die Straßen schlendert er dahin, in den Gassen schafft er sich freie Bahn. Er stellt sich zur Seite des Menschen, niemand sieht ihn, er seßt sich zur Seite des Menschen, niemand sieht ihn. Wenn er in ein Haus eintritt, so weiß man nichts von seiner Erscheinung, wenn er aus dem Hause geht, wird es nicht beobachtet.

Oder?:

Der böse Aschaftu entsteht im Leibe des Menschen, einen Wanderer hat er bedeckt wie mit einem Kleid, seine Hand und seinen Fuß hielt er, seine Glieder hemmte er.

Die Einleitung einer andern Beschwörung schildert die Wirfung des Bestdämons Namtar 3:

Der böse Namtar, der das Land wie Feuer verbrennt, der wie ein Aichatlu dem Menschen sich naht, der über die Wüste wie ein Sturmwind dahinbraust, der wie ein Bösewicht den Menschen padt, der wie eine Plage den Menschen plagt, der Hände nicht hat, Füße nicht hat, bei Nacht umgeht, hat den Kranken abgeschält wie eine Zwiebel (?), hat seine Gelenke gebunden niedergeworfen, so daß er in seinem Bett dann des Nachts nicht schlafen kann. Seine Gestalt hat er niedergeworfen, seine Beine hat er ergriffen, sein Gott ist von ihm gewichen, seine Göttin hat sich aus seinem Leibe entfernt.

Über die „bösen Ututti“ erfahren wir“:

Von Land zu Land wandern sie, indem sie das Mädchen hervor aus ihrer Rammer treiben, den Mann aus dem Hause seiner Verwandtschaft jagen, den Sohn aus dem Hause seines Vaters jagen, die Tauben aus ihrem Verschlag scheuchen, den Vogel aus seinem Obdach treiben, die Schwalbe aus ihrem Neste fliegen machen. Den Ochsen paden sie an, das Schaf packen sie an, gewaltige Stürme, böje Ututti, Jagdhunde sind sie, die das Land bernichten, sind sie.

Von der Here oder Zauberin heißt es am Eingang der 3. Tafel der Maqlu-Serie:

Die Zauberin, die sich in den Straßen herumtreibt, in die Häuser herumgeht, in den Gassen (den Menschen) nachstellt, auf den Plägen (die Menschen) vergewaltigt, nach vorn und nach hinten wendet sie sich, stellt sich hin (mitten) auf die Straße, so daß jeder umkehren muß, auf dem Plaße hemmt sie den Gang. Dem liebenden Manne raubt sie seine Zeugungskraft, dem liebenden Mädchen nimmt sie ihre (Leibes) Frucht). Mit ihrem „Blic“ nimmt sie weg ihren Reiz. Dem Manne, den sie angeblickt hat, nimmt sie seine Zeugungstrast, dem Mädchen, das sie „angeblickt“ hat, nimmt sie ihre (Leibes) Frucht.

1) CT XVII pl. 3, 21 ff.

2) ib. pl. 6, 3. 30f1. 3) ib. pl. 29, 3. 1 ff. 4) Tafel IV, 3. 20 ff. (CT XVI pl. 9, vgl. Thompson I, S. 30f.).

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Beschwörungszeremonien.

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Kam so ein Unglücklicher, der von irgend einem übel geplagt, von dem Bewußtsein irgend einer Schuld niedergedrüdt, in jedem Fall aber von einem Dämon besessen war, zu dem Priester, um sich von ihm heilen, seine Sünde fühnen, von ihm die aufgehobene Gemeinschaft mit seinem Schußgott wieder herstellen zu lassen, so mußte ein umständlicher Apparat in Bewegung geseßt werden, damit die Entzauberung, die Vertreibung des Dämons erfolgreich vorgenommen werden konnte.

Zunächst sei das außerordentlich umständliche Ritual bei der Entfühnung eines Königs geschildert 1:

Der Anfang ist leider nur unvollständig erhalten. Es ist hier vom Hersagen der Beschwörungsformel die Rede, an das Kopfende des föniglichen Nachtlagers foll etwas gestellt werden, wiederum soll eine Beschwörungsformel hergesagt werden. Darnach soll der Beschwörungspriester „mit reinen Sühnungen den König fühnen", 8. h. in symbolischer Weise den König „abwischen“. Wenn das geschehen, joll die durch das Abwischen entfernte Unreinigkeit zum Tore hinausgebracht werden. Daran schließt sich die Reinigung des ganzen Palastes mit Chulduppu %), mit der Fackel, mit dem „lebenden Schaf“, mit dem „starken Kupfer“, mit dem „Fell des großen Stieres" und mit Samenkörnern. Darauf soll der Beschwörer Mann und Weib im Balast mit ,, Ninib-Salbe", sich selbst mit einer aus Honig und Dickmilch hergestellten Salbe salben und soll sich in dunkelfarbige Gewänder hüllen. Im Hofe des Balastes wird dann eine Opferfeier angerichtet. Sieben Altäre werden aufgestellt, Brote in verschiedenen Formen darauf gelegt, Datteln, Mehl, Honig, ÖI, Butter, Milch, Süßtrank, dann drei besondere Öljorten werden bereit gestellt, desgleichen 7 Räucherbecken, 7 Schalen mit Wein, 7 Schalen mit Rauschtrank. Auf die . 7 Räucherbecken wird Zypresse und ein anderes noch nicht bestimmbares Kraut gestreut, ein Weinopfer wird ausgeschüttet, das Opferlamm geschlachtet. Von dem Fleisch des Opfertieres werden drei bestimmte Stücke den Göttern dargebracht. Wein und Rauschtrank wird gespendet, 7 Mehlhaufen werden hingeschüttet. Dann nimmt der Beschwörer seinen Plaß hinter der Opferzurichtung ein, rezitiert angesichts der Zurichtung eine vorgeschriebene Beschwörungsformel und versprißt eine Mischung von Honig und Butter nach allen vier Windrichtungen. Darauf geht der Beschwörer hinaus vor das Tor, bringt eine Spende dar, die übrigen

1) Jm engsten Anschluß an Zimmern, Beiträge S. 122ff.

2) Ein noch nicht bestimmbares Sühngerät. Der Ulte Drient. VII, 4

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Beschwörungszeremonien.

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Teile?) des Opfertieres werden auf einem Holzstoß (?) verbrannt, Honig, Butter wird hingestreut, Wein ausgegossen und wiederum eine Beschwörungsformel rezitiert.

Nun folgt eine große Lücke; wo der Text wieder einsekt, sehen wir den König selbst handelnd auftreten. In anderen Fällen scheint der Kranke meist passiv bei der Beschwörungszeremonie sich zu verhalten und der Priester die ganze Handlung selber vorzunehmen. In dem Ritual für die Entsühnung des Königs ist aber diesem jelbst eine bedeutende Rolle vorbehalten. So soll er bei gewissen Zeremonien selber bestimmte Gebete sprechen. Vor dem Herzen des Opfertieres soll er die Formel sprechen: „Es werde dargebracht ein Gebet des Heils -". Darnach soll er auf einen glänzenden Schemel (?) treten und also sprechen: Es werde zerbrochen die Tafel meiner Sünden,

meiner Bogheiten, es werde gehemmt

meiner Torheiten und

der böse Leumund

wie Silber möge mein Leumund (rein sein?] Darnach soll er in ein bestimmtes Gefäß Rauschtrant gießen und also sprechen: Ich möge leben im Haus (?)

im Munde der Leute Dann soll er wieder in ein Gefäß eine Flüssigkeit gießen und dabei sprechen: Es möge

es mögen abgerissen werden meine Bosheiten und ich möge rein sein und vor Samas leben! Darauf soll sich der König mit Wasser waschen und ein reines Gewand anziehen. Der Beschwörer begibt sich wieder zu dem Tor hinaus, ein Schaf wird im Tor des Palastes geopfert, mit seinem Blut werden die Schwellen und Pfosten rechts und links vom Tor des Palastes bestrichen.

Dann folgt eine Handlung auf freiem Felde. Der Beschwörer soll daselbst ein „Waschhaus“ errichten für die großen Götter Ea, Samas, Mardut

die Standarte (?) des Königs foll dabei aufgestellt werden. Das unmittelbar folgende ist nicht ganz verständlich ein Haus für weitere Götter soll errichtet, 14 (2) Waschbecken sollen bereit gestellt, 3 Opferzurüstungen veranstaltet, den leştgenannten Göttern 3 Schafe geopfert werden. (Es fehlen etwa 4 Zeilen). Nunmehr sollen für alle großen Götter — 23 werden mit Namen genannt Räucherbecken mit Zypresse aufgestellt, ein Weinopfer gespendet und für jede Gottheit eine eigene, mit den Anfangsworten zitierte Beschwörungsformel hergesagt werden

Nunmehr folgen neue Opferzurüstungen, 6 die zur Rechten,

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