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Nimitti-Bel.

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die zweimalige Zerstörung der Stadt vor Nebukadnezar und die gründlichen Erneuerungsarbeiten dieses Königs auch die leßte Spur verwischt zu haben scheinen. Imgur-Bel und Nimitti-Bel wurden

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von Sanherib zerstört, von Afsarhaddon und Asurbanipal erneuert von legterem aber bei der Erstürmung Babylons i. I. 648 wieder zerstört, worauf sie erst durch Nabopolassar und seinen Sohn Nebu

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Andere Stadtmauern.

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kadnezar von neuem, und zwar stärker und höher als je zuvor, gebaut wurden. Sie stehen zum Teil noch heute, obwohl die Araber seit Jahrhunderten an ihrer Zerstörung gearbeitet haben, um das wertvolle Ziegelmaterial zu ihren eigenen Bauten zu verwenden. So ist fast die ganze Stadt Hille aus alten Ziegeln gebaut, und es macht einen eigentümlichen Eindruck, wenn inan dort ein Privathaus betritt und auf den Fliesen des Hofes von Inschriften Nebukadnezars begrüßt wird. Da die arabischen Ziegelräuber nur darauf bedacht waren, das für sie nußbare Material zu gewinnen, sich aber um den Schutt, in den die Mauern eingebettet waren, nicht fümmerten, so fand ihre Tätigkeit dann eine natürliche Grenze, wenn die Schuttmassen mit Einsturz drohten oder bereits in die Aushöhlungen stürzten. Diesem Umstand ist es zu danken, daß die untersten Partien der Gasr-Mauern noch erhalten sind. Sobald die Schuttschichten von den Arbeitern der Deutschen Erpedition beseitigt waren, traten sie zu Tage.

Der Plaß, den die Mauern Imgur-Bel und Nimitti-Bel einschlossen, konnte für die Dauer der immer mehr anwachsenden Bevölkerung nicht genügen, um so weniger, als Nabopolassar und noch mehr Nebukadnezar einen großen Teil desselben für sich und ihre Hofhaltung in Besig nahmen. Wahrscheinlich wohnten auch schon damals viele Leute außerhalb der genannten Befestigung, und es machte sich das Bedürfnis geltend, auch diese vor feindlichen Einfällen zu sichern. Nebukadnezar ließ deshalb an der „Stadtgrenze“ von Babylon-, gen Osten, eine starke Mauer erbauen. Das kann nun kaum eine andere sein, als die Nord-Süd-Mauer, östlich vom „Roten Hügel". Da aber die Bevölkerung weiter anwuchs und sich auch jenseits dieser Mauer ansiedelte, wurde die Stadtgrenze noch einmal hinausgeschoben, und Nebukadnezar ließ eine neue Stadtmauer bauen ,vom Ufer des Euphrat, oberhalb der Stadt, bis zum Ufer des Euphrat, unterhalb der Stadt“. Dies ist dann natürlich die äußere Mauer, die man noch jept von ihrem Anfang an, im Norden Babils, bis in die Nähe des „Schwarzen Hügels" verfolgen kann. Die zu den Stadtmauern gehörigen Gräben, deren Böschungen ausgemauert waren, sind freilich längst vom Schutt und Wüstensand aufgefüllt; doch kann es keinem Zweifel unterliegen, daß sie bei fünftigen Ausgrabungen wieder aufgefunden und nachgewiesen werden.

1) Dies halte ich für die wahrscheinlichste Deutung der Worte in kamat Babilam.

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Stadttore.

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Fassen wir Imgur-Bel und Nimitti-Bel als eine einheitliche Befestigungsanlage, was sie in der Tat war, so war Babylon von drei Mauern geschüßt, eine Tatsache, die von den griechisch schreibenden Historifern nur Berossos deutlich überliefert hat.

2. Die Stadttore. Durch die Stadtmauern führten große Tore (abullu), vielleicht auch kleinere Pforten (babu). 8 Stadttore zählte die topographische Tafel des Berliner Museums auf, und zwar jedes mit einem volleren und einem kürzeren Namen. Leßterer, der gebräuchlichere, enthält meist den Namen einer Gottheit. Leider ist die topographische Tafel verstümmelt und zum Teil unverständlich. Aus ihr und den übrigen Keilschriftquellen läßt sich indessen folgende Liste gewinnen:

1. Adad-napischtim-ummania-ußur („Adad, schüße das Leben

meiner Leute!"), Tor des Adad (Wettergott). 2. Bel-mulin-scharrutiichu (?, „Bel hat sein Königtum ein

geseßt“), Tor des Bel (unter dem Namen Marduk Haupt

gott von Babylon). 3. Tor Gisch oder Gischichu. 4. Ischtar-safipat-tebischa („Ischtar wirft den dagegen anrückenden

nieder“), Tor der Sichtar. 5. Libur-naduschu. 6. Tor des Ninib 1 (Kriegsgott). 7. Samas-arkate-ufina (?, ,,Šamas hat die Zukunft festgelegt“),

Tor des Samas (Sonnengott). 8. Tor des Urasch (Hauptgott der Stadt Dilbat). 9. Tor des Zamama (ein mit Ninib verwandter Gott, wird

zuweilen mit ihm identifiziert).

Nr. 5 dieser Liste ist höchst wahrscheinlich mit einer der Nrn. 3, 6, 8 oder 9 identisch, sodaß wir in Wirklichkeit genau die 8 Tore hätten, die in der topographischen Tafel aufgezählt waren. Aufgefunden ist erst ein Stadttor, das der Ischtar. Es stand ungefähr in der Mitte der Ostfront des Gasr-Hügels, da, wo Imgur-Bel und Nimitti-Bel zusammentreffen, gehörte also beiden Mauern gemeinschaftlich, und da es 2 Durchgänge hatte, wird es gelegentlich auch als „die Stadttore" von Imgur-Bel und Nimitti-Bel bezeichnet

. Nebukadnezar, der die hier durchlaufende Prozessionsstraße (1. S. 26) mehrere Male höher legen ließ, mußte demgemäß auch das Ischtar-Tor umbauen und schuf daraus eine Festungsanlage,

1) Die Lesung dieses Namens steht noch nicht fest. Andere Lesungen, die für die Zeichengruppe vorgeschlagen wurden, sind: Adar, Nindar, Ninrag.

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Jichtar-Tor.

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die nach menschlichem Ermessen für uneinnehmbar gelten durfte. Die Dachbalken und die Türflügel bestanden aus Zedernholz, lektere waren mit Bronze überzogen; aus Bronze waren auch die Türangeln, Zapfen und Schlösser. Von allem diesem ist nichts erhalten geblieben. Dagegen hat die Deutsche Erpedition einen großen Teil der Reliefs, die einst die Wände des Tores schmückten, wiedergefunden. Es waren dies Darstellungen von Stieren und einer der babylonischen Kunst eigentümlichen Art Fabelwesen (Sirrusch) 1 in Reliefziegeln. Es lassen sich zwei Arten der Ausführung unterscheiden. Die ältere kennt nur Darstellungen in der natürlichen gelben Farbe der gebrannten Ziegel; von den in solcher Manier dargestellten Tieren sind mehrere Reihen übereinander gefunden worden. Der babylonische König hat diese Darstellungen bei der Auffüllung der Straße einfach verschütten lassen, ein Umstand, dem sie gerade ihre Erhaltung verdanken. Später wurde der Wandschmuck in buntemaillierten Ziegeln ausgeführt. Davon ist keine einzige Darstellung vollständig auf uns gekoinmen, wohl aber Tausende von Fragmenten, die jeßt in den Königlichen Museen zu Berlin ihrer Zusammenseßung entgegensehen. An den Schwellen der Tordurchgänge hatte Nebukadnezar außerdem noch eherne Figuren von Stieren und MardukTieren aufgestellt. Gefunden wurde nichts davon, wohl aber ein großes Bruchstück eines behauenen Steines, dessen Inschrift besagt, daß er als Sockel einer solchen Figur gedient hat. Vertiefungen, in die wahrscheinlich die Füße der Tierfigur eingelassen waren, sind noch sichtbar.

Die Auffindung der übrigen Tore ist Sache der weiteren Ausgrabungen. Schon jet läßt sich aber mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten, daß das Tor des Sonnengottes sich am Südende der Stadt befand, und zwar in unmittelbarer Nähe der Stelle, wo die äußere Stadtmauer den Euphrat erreichte. Das nächste Tor nach Osten wird das des Urasch gewesen jein. Die Tore Gijch und des Zamama waren einander benachbart. Sie sind, ebenso wie das Bels-Tor, wahrscheinlich im Osten der Stadt zu juchen. Über die Tore des Adad und des Ninib lassen sich nicht einmal Vermutungen wagen. Ebensowenig fann entschieden werden, ob die Pforte Nin (Bedeutung und Lesung unsicher) und die „Glanzpforte" (bab ellu)

1) Der babylonische Sirrusch hat einen schlanken, mit Schuppen bedeckten Leib, einen Schlangen-Hals und - Kopf mit langer gespaltener Zunge, an den Hinterfüßen Raubvogelkrallen und einen langen Schweif. Er galt als Tier Marduts, des Stadtgottes von Babylon.

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Paläste.

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zu Imgur-Bel und Nimitti-Bel oder zu den Palästen gehört hat.

3. Die Paläste. Man kann es als höchst wahrscheinlich annehmen, daß schon die älteren Könige innerhalb des von ImgurBel umschlossenen Raumes residiert haben. Bei der Eroberung der Stadt unter Sanherib und unter Asurbanipal waren die Paläste mit zerstört worden; Saosduchinos, der König von Babylon, hatte sich durch einen Sprung in die Flammen seines brennenden Palastes der Rache seines siegreichen Bruders entzogen. Erst Nabopolassar gelangte wieder dazu, sich einen Palast zu bauen; dieser lag vermutlich an derselben Stelle wie diejenigen seiner Vorgänger, nämlich im ältesten Stadtteil, genannt Irsit Babili (1. S. 30), und zwar erstreckte er sich vom Ufer des Euphrat bis zur Straße Aiburschabum (1. S. 26) im Osten, und von Imgur-Bel (Norden) bis zum Stanal Libilchegalla (Süden, 1. S. 28). Da seine Mauern nur aus lufttrockenen Ziegeln bestanden und seine Fundamente nicht hochwasserfrei lagen, ist es nicht zu verwundern, daß er schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit bei einer großen Überschwemmung des Euphrat zerstört wurde. Nebukadnezar baute ihn von neuem auf, aber aus Bacisteinen und in so dauerhafter Weise, daß seine Fundamente zum großen Teil noch jeßt aufrecht stehen. Der Palast bestand aus 2 Abteilungen, einer kleineren westlichen und einer größeren östlichen; beide waren durch einen Korridor verbunden. Von der östlichen Abteilung hat die Deutsche Erpedition mehr als die Hälfte freigelegt, sodaß der Grundriß fich deutlich erkennen läßt. Die Umfassungsmauern sind mehrere Meter start, die Zwischenwände, welche die zahllosen Innenräume von einander trennen, sind natürlich schwächer, aber immer noch sehr solid. Der Fußboden, der mit Backsteinen oder Ziegelplatten gepflastert war und auch zum Teil noch erhalten ist, befindet sich ungefähr 10 Meter über dem Grundwasser. Das Füllmaterial unter dem Fußboden besteht meist aus reinem Flußsand. Von den Wänden über dem Fußboden steht nur noch wenig. Dagegen ist ein längeres Stück von der Nordwand des größten Saales in Falllage gefunden worden; die Wand war mit emaillierten Ziegeln, die verschiedene bunte Ornamente darstellten, verkleidet.

Dieser Doppel-Palast, dessen Areal ungefähr 4, Hektar umfaßte, genügte indesjen dem König Nebukadnezar nicht, und er beichloß ihn zu erweitern. Da der Palast im Westen vom Euphrat und im Süden vom Kanal Libilchegalla begrenzt wurde, konnte die Der alte Drient, V, 4.

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